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Full text of "Englisch Irrgarten Der Erotik 1931"

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DR. PAUL ENGLISCH 
IERG ARTEN DER EROTIK 


IRRGARTEN 
DER EROTIK 

Eine Sittengeschichte über das gesamte Gebiet der 

Welt-Pornographie 

von 

Di\ Paul Englisch 


Mit ca. 160 in den Text gedruckten Abbildungen, 
40 Vollbildern und vielen farbigen Kunstbeilagen 


LYKEION 

KULTURNVISSENSCEIAFTLICHE VERLAGSGESELLSCHAFT M.B.H. 

LEIPZIG CI 




£ e s t .U t e1. 
h a 1 11 i w* h - 


Bc t 1 i n. 


VORWORT 


Wenn nach dem Ausspruch eines Weisen als die beste Frau diejenige zu 
gelten hat, von der man am wenigsten spricht, dann müßte in Anwendung 
auf. das Schrifttum die erotische Literatur als die hervorragendste einge¬ 
schätzt werden, denn für die zünftige Wissenschaft ist sie einfach nicht vor¬ 
handen. Man schweigt sie tot, wenn man überhaupt der Mühe sich unter- 
*ogen hat, sie kcnnenzulerncn, weil man mit ihr nichts anzufangen weiß, 
oder aus possierlicher Tugendboldigkeit. Jedenfalls wiegt sich Wissenschaft 
und Presse in dem bequemen und selig machenden Glauben, erotische 
Literatur diene lediglich einer urteilslosen Masse zum Augenschmaus, der ihr 
^ on ^ en au f die niederen Instinkte spekulierenden Winkelverlegern geboten 
Vviid. Einsthaftc Bibliophilen und gewissenhafte Verleger von Ruf haben nach 
der Ansicht dieser Parzival-Adepten vor dieser Art Literatur sich zu bekreuzi¬ 
gen und nur stubenreiner Literatur ihr Interesse zu widmen. 

In dieses Vorurteil eine Bresche zu schlagen, ist der Zweck vorliegender 
Ai beit. Sie soll den Nachweis erbringen, daß die erotische Literatur nicht als 
r/uantite negligcable achtlos mit einer wegwerfenden Handbewegung abgetan 
weiden kann, sondern daß man, wenn auch widerwillig, ihr die ihr zu¬ 
kommende Stellung in der Literaturwissenschaft einräumen muß. Das Buch 
soll weiteihin den Beweis erbringen, daß der Moral selbst ein schlechter 
Dienst damit erwiesen wird, wenn man in lächerlicher Prüderie sich Scheu¬ 
klappen vor die Augen bindet, um die Dinge nicht so zu sehen, wie sic sind. 
Unbcgi ündete Vorurteile zu bekämpfen und gern verschwiegene Tatsachen 
zu erforschen, war der Zweck nachstehenden Werkes. 

Kleinei e Bruchstücke daraus sind bereits in einzelnen Zeitschriften 
(Das Kriminalmagazin, Die Stimme der Freiheit, Philobiblon, Die Kunst¬ 
auktion, Die Aufklärung etc.) erschienen, dem Zeitschriftencharakter ent¬ 
sprechend, nur in großen Umrissen. Sie wurden vielfach stark erweitert und 
ergänzt, in das vorliegende Buch mit verarbeitet. 

Für Berichtigungen und Vervollständigung aus dem Leserkreis bin ich jeder¬ 
zeit dankbar. 


Di\ Paul Englisch. 




INHALT 


Vorwort 

!• Verleger erotischer Schriften . 

II. Erotik und ihre Liebhaber . . 

III. Technik der Erotika. 

IV. Erotische Graphik der Gegenwart 

V. Die erotische Ansichtskarte 

VI. Der Erotiker Casanova .... 

VII. Prüderie — und kein Ende 
Anmerkungen. 


Seite 

I 

IOO 

206 

238 

2 73 

284 

293 

319 












Walter Plantikow: Am Ährenfeld. 















I. Verleger erotischer Schriften 

Buchhändler und Drucker die ' h I 

gäbe machen, gab es bereits voiWe/ Verbotener ßücher zur Auf- 
Dcr für Literatur Empfängliche hatte ^ Buchdruckcrku nst an. 

durch die geistliche und weltliche Ze herausgefunden, daß gerade die 

testen waren, und der Buchhändler 15 !!“ Unt — drdckten Schriften am interessan- 
wenn er dieser Nachfrage nicht R kcm Geschäftsrnan n sein müssen, 

politische und antireligiöse Erzeue ' CC ^ etra £ en batte - Zunächst kamen 
Sie setzten ein behagliches f™i ^ auf den Inde x, erst sehr spät erotische, 
voraus. C ertUm ur| d verfeinertes sexuelles Empfinden 

Durch die Reichsabschiedc von Sn 

bürg (1541) war die Prävcntiv/enfn ^ ‘ J2 ?’ Augsburg ( r 53 °) und Regens- 
die Namen der Verfasser und n r angcordnet un< ä bestimmt worden, daß 
müßten. 1 ) Zuwiderhandelnde 1Uc '" L ‘ I au f der Druckschrift genannt sein 


erhaltungstrieb zwang deshalb^r 4 ^" scbwercr Strafe aus. Der Selbst- 
Decknamens zu bedienen n C lc ' ^ ^ö a iden Unternehmer dazu, sich eines 

schmuggeln. Besonders in den^KT ^ V , VCrb ° tcne Litcratur ins Volk zu 
phantastischer Namen auf dem T; ‘ C andcn bcdlcnten sich die Drucker 
Schriften und Libelle deren 7 C at , tC P ° ltlscb und religiös anstößiger 
laut') lange Seit,füllt 1 K ! " Stellun 8 bci Janmart de Brouil- 

cherBeliebtheit ^nzc l^T. ‘T V“*"“"“ -freute sich jedoch sol- 
Colo:’„c oder (deutsch)' Peter" l)T lmdurch ’ w,e dcr dcs Picrrc Martcau , 
nun einmal einer fingierten Adr- -TT *" K °‘"n ^ d ‘ C Hcraus § cber sich 
sie einen Namen wählten de . bc . d ‘ cncn mußtcn > was la S näher, als daß 

lung eines interessanten Inhalts d ' LltCraturbcf,isscne » dic Vorstcl- 
weckte 1 So 1 tm r . cr llntcr seinem Namen segelnden Werke er- 

^ u, \ 7 an , I ü It i dCr Zcit Picrre Martcau als Nährvater unartiger 

versnrech n TT ^ ihm SchlicßIich aucb d - Erotika auf. Der v?cl- 
imm -r m l ■ ‘""t 1,,ndcutcndc ™, m Verbindung mit dem sich 

™ : n tarnen Picrrc Martcau konnte'seine Wirkung 

, L 1 < ‘ 11 ‘ as erlegersignet des Daniel Ehevier (14. April 1648 bis 

*- \ IUai . r >88 )» nam,lck der umgekehrte Globus, kennzeichnete diese 
dandcstine Literatur schon rein äußerlich. 1 ) 


1 


I 



• u und I 68 5 111 
,, n in Frankrend ffena nnten 

Zum erstenmal ««* 

und kommt zu dem W Noch inl ‘9-W^ m L«P«8- 
zug^räftigen Namens V«^-»«, ‘ZSS^S** ^ 

aegnen uns erst nn i 

Ü> O 

CaZin seine entzückend 

i Uen wir stets a 'l •» B Eduard 
Wenn wir von Cazin Bijf^ffcleihalb^on, 

.. nnndezbandche 5 u^u P n Es VLl1 . verweilen. 


einige Augenblicke länger be, a m z, M» ^ c " cs Syndikus 

“Kt °S lc Ä« gleichen S “* h * A ^, das er von , 77 « 

Vater, Jacob Cazin, . h übernahm das » ; um so bo um 

de,- Buchhändlergdde^Sem So^ crjchcint ,,Ho ^ da „„ „och em- 
bis .789 mnehatte. ‘ am * 3 - Dc f m ’benso schlechter. 'V'e »■<■> >' 

Hoher, als der junge Cazi e<jen des Vertriebs „ebu haft als Buch¬ 

mal am 19. Dezember 1764 ,( ufsichts behörden * inc ' J- ncm Ansehen nicht 

licher Schriften“ dmch Degradierung ‘ Universitätsbuch¬ 
händler entkleidet worden firmiert er sogar als . ^ scilK , 

den geringsten Abbruch, seine Beziehung Erkenntnis, dals 

Händler“ zu Rheims. Dennoch bhc schüttcU e er m^ Faßc n, um 

Vaterstadt dauernd ’ ; hts gilt, deren St ; un ' , , h die prekäre 

der Prophet m seiner Heina diesem Fntschlub . Weg¬ 
sich in Paris so daß er einzustellen, 

Lage seines Verlages » vorübergehend seine * ' denen lebhafte 

gang von Rheims genoßt A^ abc \on Eroticis, nach denen 

und das trotz unermüdlicher Ausg Betriebsamkeit 

Nachfrage bestand. , f ßt, als er m zähe 

Kaum hatte et in Parts festeu ™ aufzubauc „. Sehr 

sofort daran ging, sich h.er eine neue Cx bi „dunger., die er bereis 

kamen ihm dabei seine em Wreuhc . hm Personlichketen angc- 

ctsrÄÄ—— j - M * r - '■ 


o 




trafen. Die Revolution machte jedoch auch diesem Salon ein Ende wie so 
vielen andern, und 1792 stand das gastliche Haus Cazins verödet da. 

Er selbst blieb trotz der stürmisch bewegten Zeit nicht müßig, sondern 
nahm seinen geschäftlichen Vorteil wahr, wo er ihn finden konnte. Eigene 
Neigung und die unablässige 
Nachfrage seiner Kunden be¬ 
stimmten ihn, in Paris noch 
mehr wie in der Provinzstadt 
Rheims, sich in der Haupt- | 
sache auf den Druck und V 
Vertrieb galanter und ob¬ 
szöner Werke zu legen. Wie k 
alle Erotikaverleger übte er 
die selbstverständliche Vorsicht, 
sich zu seinen Ausgaben nicht 
zu bekennen, sondern sie unter 
dem Mantel der Anonymität 
in die Welt hinausgehen zu 
lassen. London, Amsterdam, 

Genf usw. stand auf dem Ti¬ 
telblatt seiner Verlagsobjekte, 
die in Wirklichkeit aus Druk- 
kereien von Paris, Rheims 
und selbst von Soissons her¬ 
vorgingen. Seine Drucker selbst 
sind zum größten Teil be¬ 
kannt. In Paris waren cs 14 *- 
ladc und später dessen Witwe, j 
Pbilippc-Denis Pierres , kgl. I 
Drucker, Druard und Caillcait , 
deren charakteristische Typen stich von Moreau 

Sich in den Werken von Re- Probe galanter Illustrierung aus dem iS. Jahrhundert 

stif de la Bretonne finden. 

herner Jacob in Orleans, der aber nur die italienischen Ausgaben druckte und 
endlich Paul Barde in Genf, den er am meisten beschäftigte. 

Cazins Verlag florierte, und der rührige, unermüdliche Inhaber hätte seinen 
Lebensabend in behäbigem Wohlstand beschließen können, wenn unbegreif¬ 
liche Sorglosigkeit ihm nicht ein plötzliches Ende beschert hätte. Am j. Okto¬ 
ber 1795, als die Kanonen in den Straßen aufgefahren waren und Schrecken 
über Paris lagerte, begab sich Cazin, wie an jedem Abend, in sein Stammcafe 
und las seine Zeitungen. Kaum daß er jedoch sich auf den Heimweg machen 




3 


. auf aie *■ S ^ gstück £iner 

M Szin kam es zu ver- 

galante Sachen würdiges 

fegen, sondern *«■*£ ^ Jurch 

Gewand zu ge >en,> enrag i e rten 

das schmucke A • h rege zu 

Bibliophilen den cke käuf- 

machen, die »«nde^ niedUchcn 

lieh zu erwerben. ^ 

Kleinoktav- oder hüen m 

empfahlen sich den ^ P. d an _ 

gleicher Weise und 

Sorgfalt des Lu anheime lnder 

rot Maroqui ) ^ GenaUlg . 

Goldverzierung, <- beson- 

keit des Druckes und ^v üren ^ 

Zu Montesquieu -»La temple Je Gul dcrs che vorzu» ic von 

Ausgabe 17QÖ Portraits aus <- C grillier und 

Co Mn, Deha^C '*«*»*« ~ 

* die Tatsache. tUß 

Nichts charakterisiert die Bedeutung C; . Ausstattung .mehge- 

seine Ausgaben im selben Format »’f durchweg ohne den Nan a, 

ahmt wurden, so daß cs nute, ” Schwierigkeiten bereitet, t n ^ 

des Verlegers erschienen sind, ‘ Als Nachahmer ken 

ahmungen von den Originalen ^ 0rl6anS , die Witwe Bailaut, 

Sattery, Buchhändler tcr k Rebifs Werke verlegte; Montau, ruc 
die Witwe Ducbcsnc, die auch L c Belin, Prault, Drucker 

der Königin Maria Antoinette, Hardonm, La^ra g 


4 


des Königs, Buisson, Nyon 
Briard, Guillot und O livier] 
schließlich einen Verleger in 
Orleans, Couvret de Ville- 
ncuve. 

Ober sein Leben und seine 
verlegerische Tätigkeit gibt 
Auskunft die anonym erschie¬ 
nene Schrift: Cazin, sa vie 
et ses editions par un Cazino- 
phile. Cazinopolis (i. e 
Rheims) 1863, kl. 8", 24 5 s.[ 
in 3-0 Exemplaren gedruckt. 
Veifasser ist Charles An¬ 
toine Brissart-Binet. Der von 
ihm gegebene Generalkatalog, 
S. 49 216, bibliographisch 

von problematischer Bedeu- 
tung, ist trotz seines beträcht- 
liehen Umfangs nicht voll¬ 
ständig, denn von den por¬ 
nographischen Verlagswerken 
sind nur solche von Chorier, 
Nerciat, des Marquis de Sade' 
des Grafen Caylus, Piron* 
Grcsset, die Parapilla u. a. ge¬ 
nannt. Ls fehlen jedoch Stan¬ 
dardwerke wie „Klostcrpfört- 
ner“, die „philosophische 
Therese« usw., Ausgaben, die 
man bei Cohen (Guide de 
l’amateur de livres) verzeich¬ 
net findet.'’) 



( 'nt bel/cjtnmtt soheztant Sl J^rnncpis Je cc utJier ayee eile, il st | 
nnt ui/ mi/ieu Jim^ranJ/eu > hti Jisan&<pie> cJ/uJUson . 


Aus „L’alcoran des cordeliers“, par B. Picart 

A Amsterdam 1781 


Cazins \ crlagsobjektc konnten wegen ihrer sorgsamen Herstellung und 
kostspieligen Ausstattung nicht billig sein. Der mit allen Wassern gewaschene 
\ erleger edierte ja auch nicht für Hinz und Kunz, sondern suchte und fand 
seine Abnehmer im Adel und bei der Geistlichkeit, unter Verzicht auf die 
wenig eintragende Absatzforcierung bei der großen Masse. Dieses Feld zu 
beackern, überließ er Broschürenherstellern, wie Claude Francois Mercier de 
Compiegne (i 76} 1800), der sich neben seiner verlegerischen Tätigkeit auch 

unverdrossen als fruchtbarer Schriftsteller betätigte. Er brillierte ebenfalls in 


D 






































f dem Gebiet der 

der Herausgabe eigener oder 

Mercier unbedenklich C. U r auf den I nhalt ‘ 

doch nie sein Vorbild. Ihm kam und die 

legte er keinen Wert.' ) die aU f die Skan ‘ . n g ss i s chen 

Derartige und noch falld en sich, wenn er von „Tableau 

Lüsternheit der Leset spek reic ’ hlich . Mercier, der V * 6) als recht 

Urteilen glauben darf, me r irev0 l U tionären Zustan - Titel und 

de Paris“, schildert noch die Bücher au dere 

bedenklich: „Man *e 1 n ^ un d den guten ,. örbc n, an den 


Überall verkauft man diese ° der Theater, auf den ü °\ • ‘ de r Wollust 

Seiten der Brücken, an en u . ausgelassensten E izcUc ’ 1 öffentlichen 

is, nicht teuer, ,o Sous das Stuck ^ ol) „ e Scheu den oHc 
überbieten einander und gm cn ohne Z . issc rmabcn P ; 

Anstand an. Diese Broschüre, verhaut „„feiger ■«. "" d • 

Zotenhändler; denn jeder Tttel, der mch 

fällig von ihrem Schaubrett ausgese ^ w ; e dieser Re' o u/.ae 

Man braucht nicht gerade so P ru c ^ können, dal' um ' 

Mercier, um aus seinen Sehriftwerko m n uen 

Verfol°-un CT der Drucker und ' er o . jj e Behörden des . 

Machthaber sich genau so wenig ^"'"^J'^.ydrucken und Original wet ^.n 
Regimes. Cazin blieb mit seinen hunderten'°n‘ ^ NähmBr der emheit- 

unbehelligt, obwohl es ein Leichtes ge» ca ■ , „ gewesen waie. 

liehen BiTndchen festzustellen, wenn der Po u ^ Sorgell , als au 

Allein die Revolutionsmänner hatten “ Bes sic wirk |ich euunal 

Sittlichkeit und Anstand im Schnfttum “ ach u,. ^ ^ po , m che 

an einem Verleger ihr Mütchen kohlten, so hat e z „ Chartres 

Hintergründe. Das Schicksal am $. Januar 1794 zu Pans) 

im Departement Eure et Loir, hingeric > 1, me* sich der Verdacht ge- 

illustriert diese Tatsache zur Genüge. Auf dm ha ^ cincr Haus¬ 

lenkt, kontrarevolutionäre Schriften gei 1 . V- . c Exemp lare von „Justine 
durchsuchung fand man bei thm u. a. vol . in 8". avec 

ou les malheu rs de la vertu, par c a e. . bezahlter Wechsel be- 

une frontispice“. Außerdem wurde ein an de Sadc bczanit 

schlagnahmt: 

„Am IS. März folgenden Jahres zahle ich an Herrn Sade oder «er 
die Summe von 300 Livres. Wert empfangen I ans 9. Au.us 
Girouard, Drucker in der Ruc du Bout-de-Monde (U 4 ). 


6 



M. F. Regnault: Ah, s’il s’eveillait! 
Beliebtes Illustrationsmotiv des Rokoko 







WUrd 7' Titel . Justine ^ die 

den Verleger gestellt: Werkes m ,t dem 

„Sind sie nicht der Diucke 

Nachteile der Tugend? { 

t i c< •. ycrkciurt» 

”wer ist der Verfasser?*^ M arquis de Sad ^ ^/'obszönen Schnf- 

„Ich kenne ihn nicht, e ko ntrarevolu«onar ^ Schriften, die den 

„Warum stellen Sie ] ht ‘ Aristo kraüe zur VcrfUg “!'” rakK risieren, denn mit 

teil von Angehörigen der ^revolutionär chara tte. i 

Mann als sitten-, sdiamlos °° bUkaner sein? und ich habe 

solchen Sitten kann man fuebtW^ ^ man muß lebe 

„Ich drucke alles ohne Unterschie ^ gab aUC h zu, 

eine zahlreiche Familie. , i n p r uck der ,J ust | • ,q oder 20 

Girouard erkannte ‘^^^.aes-Mathurins, chaU J alc wie dergesehcn und 
de Sade, der damals Rue Handschrift mehrere M. . ou vrage 

wohnte, seit dem Verkauf der Handsc^ ^ ph, k«pH‘ 

von ihm noch ein weiter Evolution“ gekauft z Trotzdem 

ecri, 4 la Bastille un an avant U « ^ weitcrcr Eronka ein. ^ ^ 

gestand er den Besitz (un Missetaten gu'llotm > erhellt 

wurde er nicht ^ T*^liÄ Tatsache, 

drückhch wegen seiner » » verhör zur Genüge. Ledig . ver . 

das aus dem genau protokollierten Verhör zu Ulltcr sucliungsfuh, . d 

da ß de Sade Aristokrat war, machte ihn notfalls noch hinwc* 

“ht über die Erotik krassester Form ^hatte^e^ ^ b , , 

gesehen. Nach dem Tode Girouaids se it ^ den „ auch de Sacks „ia - 
rünstig-erotischer Literatur gewesen *"^ ’ nahm . Dies geht zur Evidenz a 
liehe Elaborate liebevoll unter seine 1 Kenners de Sades, he 

den Forschungen / M Blochs t sie hier wiederzugeben: 

vor. Seine Ausführungen sind interess, p 0 lizeipräfekt Dubois mit der 

„Auf direkten Befehl Napoleons wurde der ^ k8nncn in seinem am 

Unschädlichmachung de Sades beau tra^ , ^ Nachtrag vom gleichen 

selben Tage niedergeschriebenen Bericht, £ bnisse der für de Sade 

Tag angeklebt ist, die einzelnen Phasen und Ergeh ^ ^ ^ tla , 

so kompromittierenden Hausdurchsuchung /U überraschen, bei 

Glück, den Marquis de Sade bei seinem e cg un j Manuskripten 

dem man eine große Niederlage von obszönen Bu^ ^ ci genhändig von 

de Sades entdeckte, die, wie ausdruckhci ges.g ^ ^ Manuskript der 
ihm niedergeschrieben waren. Darunter e an ‘ Zeitungen die Autor- 

„Juliette", so daß de Sade, der gerade damals in^ den Je^ ^ ^ 

schaft dieses obszönen Romans hartnackig cu^ne e, 


8 


fasser derselben überfüh 

=iluVi’i de T La " dha “'iu U S dC Ouc GleiCh “ iti8 förd “« eine Hau,durch- 

Manuskripte zuta^cT gel “" den F «u Cte 'eb’nf“ Abstei8e< l uarticr bei 
Durchsuchung seif, ei c"l Ab f nd fa,,d da t" in Ge"^ ' “ P 0r, ; 0 8 ra P h > sche 
daß hier der iXl, ? el,C,mkab inetts in S , de Sade eine 

wähnrpn r v ^ der ln seinem -u UCn statt > mit dem Ergebnis, 

I?7 - 

i8°i auf administrativem Wege i n ' Sade * Schicksal. Er wurde am 2 . April 

im Dezember “„f ChaXÄjX"“" X ™ 

Die i„ dem Bericht 8ten u T ° de verblieb.«-) ^ W ° “ b ‘ S 2U SCl " em 
bildet bekanntlich das Gegenstüdt^’de 1 "^^ J° der die Won »en des Lasters) 
(oder die Nachteile der Tugend) Bei \ T .? lrOHard erschienenen „Justine“ 
che berüchtigte „Justine et Juliette“ ^ TC ‘ ' Wurden . da nn später (i 797 ) in 
c er Bericht, was mit dem Verleger m , men Seschweißt. Leider verschweigt 
nehmen, da ß C r schwer bestraft 1 ^ geschehen ^t. Es ist wohl anzu- 
Schicksal erlitt wie sein Vorgänger'f '’ "T “ ^ nicht daS traurigc 
nicht abschreckend, denn die lustino“ lro ‘ Jard - Jedenfalls wirkte die Strafe 
sehen Verlegern mehrfach nachee 1 • l. Un ” du * ette wurden von zeitgenössi- 

0 iuckt, u. a . natürlich auch von Cazin’ 0 ). 



n voulez-vous, Mesd 
Hdiebtcs erotisches ’ 


(Honni suit qui mal 
im Rokoko und Bied 


y pense) 
ermeier 


9 


BUREAU 


On est i»vit£ 1 
rappeller ce Bureau 
en marge de la re- 
ponse, ainsi que Ie 

N.° 




EGA LI 7 £• 


LIBERTE. 


DU c AN T OS£L DEJ-_ 


x-* -- 

, ‘ J 
Paris, U u inMvihu. 

Ripubliqut Jrancais c, 




_ , / . cJ tS d* c/TIa*'“ 4 '**’ ° * «J»-*— 

/ J r jR**~KA& Jdh3H * 

/UA.'Ä *"• ?* 

^e^sa^R^-r*— ? ., ' „ 

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^ ea-SsA&ft**}/ , ' X^uJcJUfl’ 0~f* * tn<tt 9 , / 

—£-— 7 -. uCvtutfiar^} /na-y"~^ ul . , Äz t*-' 

U /C Ui'nrl * TZ& De - «-» / s /JnU+Jes/i 


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10 


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f (*<e~-y ^ - f< > *"»« « indivisiblt. 

• ~a ^ _ ' r*«Y- i no i’ i t . «y- c /i<i. - ß/ a , u/ - 

0*-UUO^_. > / .0 , /^ 

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r-*^ yuz.^*- ^ 

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/T /f Ä ^ Ö^t /XyA^Ot.,«jL< 

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fl y C*-*Ju flßfl-Usi /ti*~c < *^jl. 


ym*£ 




\erle-er -M;i^ erlnl-te I luusaurchsuohun.r 


II 



,iel später ein und 

Die eigentliche Verfolgung cro ^ e ^ J^hfüsse liefert ^ lcs 

begann nach Napoleons Sturz. Wi o oU vrages a PP logu es, 

dek ausführliche Artikel ^Zehente«* ftu«. - kS 

cabinets de lecture, redigce ^ 


gSÄt£- 

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*Ü-*1 »-' , 

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i/i ll r x ^ £•«*— £~c 4 — LkW , K /T, L-Vu~ tA*'— du- 

ijic £• ~T L ^ J ‘ *'?' , y 

4^- U-Mf* tw-fc-'u—, 1 .U/ 11 J: Igl* — Ucl' l^Oy . 3 ^ 

lu». ,-uX t u. K**C 5 *—L*- ÖmuU»l/ cW.m'uw-.'0»- V* - . . j ^ /^c.’ u*<^ 

[^ww «J — aJU^ ls - 6*4 .w 5 ^ ci,tv- CiUc^L^Ut uW,%-* {WV /«- *-,‘— —* * * . {* J *-'* H 

!*«•, ti iK.'ä/'X«* «jK-t/is. ui't-cL;*- , aCu* m*4.a**- o- - v * .". i**’ 


w j» ^ bü t '*7 .“7, . l 

.''.*wi U+^hL~t J.l*-**- 1*- ;. * I 

UÄ*;- ‘• u ** *“ v \ > , ;Vw- ] 

l «a t . 0 ‘ r ■' v ^ t v *‘ ~ . : c ;■ 'fC 1 


r , *l» k. 6 <« 4 ju. 


■ y ~ aUi. I 

Handsehriftenprobe des Marquis de Sude aus seinem M.mm-Uript 
; Les 120 journccs de Sndome 


12 


par Messieurs U t„ 

Biographie Biograph?™ T™ de Ia hbrairie“ (i m „ N , . 

Bis z Um Jahre? 8 ^^mand6 re dePi ?0re ^ "\ Nachtra 8 der » Pctite ßi ' 
Freude ihrer Kn § 4 k ° nnten die obskuren \?T^ VOm 15 ‘ ° ktober 1 825). 
tummeln, ohne i ° ?’ denen Sc harf gewürzte K ^ ^ ^ Stecken P ferd zu r 
den. MerkwürH' 11 ‘ hrCm Ver 8 n ügen und Ge g^°? Cm Lebensbedü rfnis war, 
einiger BeH 8 8eilUg > daß b ei dieser ^ beS ° nderS beb eüigt zu wer¬ 
tst au d e S CUtU 7 8 diCSeS er § ieb i 8 e Feld etw "" FreiHeit k " n Vcrle 8- von 
Seite der [L 2 " 1 ^ eitere' bCaCkCrte ‘ “ icb 

Grund ist iTT SdnC bes ondere Auf der speziell der galanten 

die Fra darin suchen, daß b! j Samkeit gCSchenkt hä « e - 

* tkieich fast zwei Jahrzehnte I den Ununterb rochenen Kriegen, in 
an d t lC ° rctlsch betriebene Erotik vorhm d VerWlckelt War > kein großes Interesse 
dlC Pr f‘s hielt und keiner au fL’ “ $ein konnte > daß man sich mehr 

Ge?. f 8a antcr Spielereien bedeutete'? tlmulantien bedurfte. Die Auf- 

Xt r s tit r dc ” Verleser em schkc,,tcs 

und ", der wollüstigen Atmolphäre“'?“ 11 dK Bör « erkB "‘SS Lotm-Phillippc 


r ö , l ^ Cy C lc trot ^ der nunmehr ZWci ^n Kaiserreiches fanden sich 
; ufnahmefah,geren Markt mit cntsDr '! 1 ^?' 1 gCSetzlichcn Vorschriften den 
meisten kennt man kaum den Nan f T ^ VCrS ° r ^ CI1 - Vo " d -^ 
cnsgcschichte in Dunkel gehüllt K’• T” S ° 21cmlich allcn is t die Le- 


•»einiger strenge gingen die Gericht ! Uneildicb keit. Mit unnach- 

hangten drakonische Strafen die d ‘ C Gcsctzcsv crächter vor und ver¬ 
standen. So wurde beispielsweise' Cm Verh ' ik ™ zur begangenen Tat 

ZU 5 Jahren Gefängnis und joo Franc' r M ^ 8ewisser Fran fois Lemierc 
und 6000 Francs, 1846 Louis V' n , Stra ^ c ’ 1 ^44 Pierre Bon zu 5 Jahren 

einer ersten Bestrafung mit 8 Monaten ^ 1 ^ ahr 5 Monatcn > na ch 

wiederum, die den Vertrieb d > - V 'l U " d daS V ° n Gcsetzcs wegen. Andere 
kamen unbegreiflicherweise so .T° n Vm lh , rCm Lebcil sbcruf gemacht hatten, 
neuer Gesctzesübertretum. ö mP * C1 davon > daß die milde Strafe zu 
Kc m ic, -Becker aus Meru fO.V^r" a‘i 2U d ' CSCn GlückIichen zällltc Felix 
hmg eigener Gedichte: Le S'V,’ 1 'n' CI VOn Beruf. 1829 ließ er eine Sanini- 
comique en it clnntt“ • .. L ” C aia dies, mucedoine infernalico-diabolico- 

Veröffentlichun-. brachte n'^ "l ‘ , SC iriftc * n ’ dann 1111 Druck erscheinen. Diese 
strafe von t Mon ” ^ ^ vom 9 - Dez. 1829 eine Gefängnis- 

VcrurtcZg^M ' '7 J °° p ''—, Geldstrafe ein. Die Geschichte dieser 

veranstaltete daraufhin eine S ""'l ° lclchn:ln,l S cn Broschüre"). Ein Journal 

günstigen Erfolg auf"Z daß T w n\ diC CinC '’ S ° 

dem Cjefintrm* *i ./ ^nicr-Bcckci nach seiner Entlassung aus 

(jcfangnis mehr nur die Strafe bezahlen, sondern sich auch als Buch- 


d 3 




konnte. So wenig 
sich jetzt ausschht 
denen er mehr als 

altbekannten und i 

7 B. Nerciats »* 


händlerkommissionär mederi. 
Strafe auf ihn gewirkt, dal: 
obszöner Schriften verlegte, 
brachte. Größtenteils legte ei 
nographien des Rokoko neu 




Un Cabinet: Lithographie von Gavarm 


corps“, Mirabeaus „Ma conVersion“, „Le cadran ^uck und Vertrieb 
d’Orleans“ von Voltaire usw. Ihn leitete bei den . ^ j a 

keinerlei höheres Kunstinteresse. Ihn interessierte t n onl n ' , | 

er damit gut auf seine Rechnung kam. Das beweist am bes™. <WS er 
vielen obszönen Lithographien, die unkunstlerisch c as run • 
nieren ließen und wegen ihrer Billigkeit auf Massenkonsum berechnet waren, 
Eingang ins Volk verschaffte. Am 9. August 1842 erfolgte seine zweite er 


14 


w — v, xviunaten Gef" 

1839—IslVu P ° rn ° 8rap hische 8 r Bücher und Bld” Gddstrafe we 8 en des Ver¬ 
standen JL hatte - Die vor d die er in den Jahren 

1843 die nich 2l i r i Verhandlun g- Die drittes 2 veröffentl ichten Schriften 
un : iun Be " \ hü t Cr aUsfiel als d e z Z t f ^ ihn am D- Dezember 

wohl 2 T hÖmi Ulld der Kater b '' .2 Über seine weiteren Ver- 

Hi mm Z n' 1C , nien ’ daB er bald darauf eianntbcb das Mausen nicht läßt, ist 

Himmelhoch überragten , Qarauf gestorben ist. 

c“ Z “'f he . Wrlegcr, deren Btotegeif z f" ^"^PWeverschleißer einige 

Henry K ^ S ° hn ^ ean G «J> Auguste P Später beginnt: Jules 

ZZ T maeckers > auf die Wir ZI P0 !f et ~ Malassis > Isidore Liseux und 
u . 8 . dlcs rc chtfertigt. Ober die beH^i* Clngehen wollen, da ihre Be- 
Cll >eitet, besser aber über die Ca • * 2 etzteren sind wir weniger gut 

,C Ga y s u »d Poulet-Malassis. 


geb. ,807 zu Pari 


Jules Gay, 


cj —* 1 kj la r 1 

|:i ™ a G -V ct Gide Hu”l 1? Domlnikus Gay. der unter der 

set/ung herausgab. Gide führte schl “iM Sc !’ nftcn in französischer Über¬ 
wahrend D. Gay in S t. PeJrl, d ' e K ™ “Uein weiter fort, 

Kaiser Alexander I. geadelt wurde 'I 2 Buchhand lung eröffnete und von 
zur Rückkehr nach Paris, wo er sich^" GesUndhei tszustand zwang ihn jedoch 
finanzielle Verluste und der ol 2 - T ^ V ° lta ' re neu etablierte - Schwere 
Tod zur Folge. Der junge Jul! r f K '"—hsel hatten seinen baldigen 

mit Feuereifer auf die Studien 2 ^ ?' 8 ^ nc p “ße gestellt, stürzte sich nun 

Wissen. Um seinen Lebensunterhalt -22 2 10 kurzcr Zcit ein gewaltiges 
Zeichner bei Flittdorf, Dy und P u estreiten, betätigte er sich zunächst als 
kam er in Fühlung mit rL„ w 7 ° C lcher ’ Architekten von großem Ruf. Bald 
dessen Blätter „Crisis“ und ’lM ^ “ England aufsuchte und für 

einem fehlgcschlagcncn Versuch ^ W orld“ er Artikel lieferte. Nach 

liehen, trat Gay i8to in di - n’ S ^ lnc 'decn in Paris praktisch zu verwirk- 
dem Tode des Inhabers in V »2 30 U ' 18 von TÄeo/j/h/e Barrois und nach 
>854 bheb, in wdeiem lä rt aIs ™ hab - wo er bis 

machte. Aber gleich sein 4 1 , ln ^ Cr Ruc Buci a * s Verleger selbständig 

war ein Feld schlag d T ^ ra8S "" rk ^c la guerrc d'Orien,“ 

sollten. i|,„ ^ i . d “. S,cllc1 ’' dic ^ Material liefern 

haber in die Akidemiscb 8 n" . S “ ch „ l ' efcl >- Er 'rat deshalb wieder als Teil¬ 
sich jedoch in s.ün 7 T hC - DUChh f d Un 8 von D,il " & Co. ein, beschäftigte 
Frucht die List Iu rc>t unaufhorheh mit bibliographischen Studien, deren 
mensuelle des publications nouvelles“ und die „Bibliographie 

welch letzt-r w'iT' 22^ * * amour > aux femnics, au mariage“ waren, 
C,Ch ICt/tCrCS Vcrk bci D 'dot in den ersten Tagen des Januars ,86, in erster 


15 




.. l i„ erweiterter Gestalt heraus- 

— “- 

philen davon Neudrucke in »an Gedanke war allerdin» / 

,00 Exemplaren) zu veröffentlichen. Der Ge dert der Abbe Goujet, 

Gay selbst weist darauf hin, dal! bemc > ■" '*** unte r dem ersten Ka¬ 
der Abbe Mercier de St-Leger, der Abbe R» K>iserKchal Bibliothek, unter 
serreich Caron und Mäon von der * in un d Monmerque derartige 

der Restauration Charles Kodier, Atme-Ma^^^ ^ zeitgen öss, sehe Kon- 
kleine Privatdrucke kuriosen Inhalts • = . ferne r Franz Michel, den 

kurrenten nennt er die Druc'er 1113 ’ , e L, s le und Paul Lacioix. 

Grafen von Montaran, Veinant, L«oux h y e sich an den Neudruck 

Tatsächlich konnte nur ein eingefleischter P ^ sich „„möglich dabei 

dieser zierlichen Sächelchen wagen, enn ^ Verleger dabei auf seine 

herauswirtschaften. Zur Not kam cu un L zur Kommentierung und 

Kosten, um so mehr, als er henomvn e • ^raohischen Angaben heranzog. 
zur Abfassung von Vorreden und bj^^junio?). Paul Lacroix 
Gustave Brunet (unter dem Pseu °ny nl - Ravenei waren die be- 

(Pseudonym: Jacob bibliophile), der Bibhothe s ^ ,. einc Pornogra- 

deutendsten. Schon diese Namen bürgten a , Q essenun geachtet kam es 
phika im landläufigen Sinne sich einsetzen wurden D sse g 

hu Februar ,8 6j zu einer 

bliophilen Ausgaben, nicht nur in seineni Geschaf •> j Bibliothek, 

serhehen (jetzt National-)Bibliot ek. Tasche«au du Duckt > ^ ; 

hatte selbst den Anstoß dazu gegeben. Es handelt 

Le Premier acte du Synode hocturne des tribades, 

L’occasion perdue recouverte, 

L’ecole de Pinteret, 

La Papesse Jeanne, von Gustave Brunet, 

Sept petites Nouvelles de Pierre Aretin, 

Vie et actes triomphäns de Catherine des Bas-Souhaits, 

L’heure du berger, 

La Recreation et passe-temps des tristes, 

Recueil des chansons du Savoyard, 

La Carybarye des artisans, 

Les Amours folätres du Filou et Robinette, 

Le Livret de folastries, 

L’Alcibiade fanciullo a scuola, von Pallavicino, 

Dissertation sur l’Alcibiade, von Baseggio, 


Un Point curieux des 

L’I^ortune de fil, es ^ de l a Gr , ce> von q 

La Nouvelle d‘ ’ 


un reverend-pe re en Dien. 


In der Verbreitung dieser Sri -r 

der gute Sir«,, crb|ickt Angc ^ ,f «" wurde eine Verletzung der Moral und 

318 R ds Verle g er , Simon R a Jn ru qUai des G rands-Augu- 

sehr ? naV ' MHre > quai des Grands-Au^^ ? rfurth « rue St. Honorc 

f glimpflich aus. Gay erhielt 100 TT-j 5 5 ’ Drucker - Die Strafe fiel 
k / men ™ Je Z S Francs Geldstrafe ? " DrUcker Ra ? on und Jouaust 
p " nur ei 'i Werk (L’Heure du h \ B ° naventure w urde freigesprochen, 
iivi cg erschienen war, nachgedruckr^ ’ urs P run gI lc h mit königlichem 

• CU1 ?r kl ^ t Gay zu gute, daß er verm" aUe ’ DaS Tnbuna I correctionel de la 

ZUr er öffentlichung für befuvt ul 1°^° !^ lner b ‘ b li°g r aphischen Studien sich 
natürlich (und darin bestand der § Dlc beschUgnahmten Werke wurden 
Urteilsspruch richtig ZTj Ta 7 Wil l man den 

Neudrucke als solche, sondern e^ ^ nicht ver g essen > daß nicht die 
c teilen beanstandet wurden ” C aUS Bem ^ usam menhang gerissene 

Gay entnahm jedenfillc «• 

üchung in Frankreich' ihn^neueThch^" 11 '' 161111112, d ‘ lß DrUCk Und Veröffcnt - 


mit den Gesetzen in K fn n ^ Uerllc n 

w- d c,uErb^““Ä 

-nur Frcuudc, sci „ c Neudrucke “ 

^nutAuftragzugebe.. 

bei , Ministerium um die Erlaubnis 
achzusucheu die Neuerscheinungen 
cl, Frankreich einführen zu dürfen 
\V urde die Erlaubnis erteilt, so könnte' 

nach seiner Überzeugung u„d der 

scinei rreundc licken dit^ • 
mein das Geringste mehr eingewendet 
weiten. ay setzte sich also mit der 
renommierten Druckerei Mertens et 
füs zu Brüssel in Verbindung, die bis 
Januar , 865 seine Aufträge ausführte. 
Der größte Teil der Neudrucke durfte 
nach Frankreich eingeführt werden 
darunter auch die „Chansons folastres 
ct prologue», tant superlifiques que 
drolat.ques, des comediens fran V ais, 
revues et augmentees de nouveau, par 




iggsi 




i£m 




-- : ^rn : -I ; . ; r 

Illustration von Chauvet 
zu einem Verlagswerk von J. Gav 





le sieur die Ballone. Rouen che, Jean Petit, tenan. b °““^ ^ ^ ^ 
d KaumUrdie'Einfuhr erfolge, als 

StÄS-Ä « TT 

Handschellen anlegte und ihn <bnn m Vorstellungen blieben fruchtlos. Das 
von Mazas transportierte. Alle sel " £ J““ ioll ° vo „ 2000 Francs zur Fort- 
Einzige was er erreichte, war, gegen ‘ . r • p u ß gesetzt zu weit 

S seines Geschäftes bis auf ««»**£* zum - 9 - Mai hinzog. 
Am rz Mai .8«, kam es zur Verhandlung, 

Angeklagt waren: 

Paul Emanuel Auguste Pclct-MaUsns m Brüsse , 

Buchhändler jean-Baptiste Blanche in B,u sei 
Kavallerieoffizier i. R. A»km Antome Sm<xm, 

Jules Gay . n . 

Buchbinder Blaise Margouteau in 1 ans, 

Buchhändler Jean Baptiste Jules Randon, 

Buchhändler Auguste Francois Heiaine , 

Handelsagent Leon Alpbcn, D n «art 

Zugführer der Nordbahn Loms Joseph Isak Bogait, 

Zeichner Jules Adolphe Cbauvet , . 

Frederic Boivin, sämtliche aus laus. 


Gay wurde vorgeworfen: 

x. Die Herausgabe folgender Werke: 

Le Parnasse satirique du XlX e siede, 

Les Chansons de Colle, . . 

Le Dictionnaire erotique moderne (von Deltauj, 

Le Cabinet satirique, 

Les Priapees de Maynard, 

Les Parades inedites de Colle, 

Les Bas-fonds de la societe, 

Les Foutaizes de Jericho, 

Celle-ci et celle-lä, 

Gamiani (von A. de Müsset), 

L’Ecole des filles (von Millilot), 

Les Exercices de devotion de M. Henri Roch. 

2. Der Verkauf dieser Werke und noch folgendci. 

La Guerre des dieux, 

Les Amours secretes de Mayeux, 


18 








/ **•'■*. 7V ß/ r ,, JrcstS*, r 

- ' L - / ' v / a • 3 • 

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^/J # hwJJa 


Manilschriftenprobe des X'erlegers Jules Gay [Brief an Paul Laeroix] 

(Original im Ilcsitze von Herrn Bankier Hans FUrstenberg, Berlin) 








La Foutromanic, 

Lcs Aphrodites de \erciat, 

L’Heure du berger, 

L Lscole de Pinterest, 

SCPI PetitCS nouv elle$ de Pierre Aretin. 

Ca >' antwortete durch den Mm, I ■ 

™ mchr cine literaturwi„ensclnitlir nC V, dVOkatCn (i ' ,l!,ai ' ^>csc ^ 

Joycr. Er bestritt zunächst die \\.' r ' AH V" dl »"* ein jnrMise. I'l.u 

* ft*"** «- bereits n , t : u l'f dff d ™ «**. C «M,,n,n, Werke, 
keift, T ’ tMmpbr »h*c zur V’ ■•?"* lK ' tl ' l -'y>.,hnn worden seien. 

Bücherkarren tktft !<> 'c 7" " *** d »'‘ >ic •• |; <».trnm.inic“ sc, 

*•*; * sätä 

Was die übrigen \V erk Alalas sis. 

St7 h ttif n8 “' i ' ,Sd ' t U " d 1 tti,77r r 7' 1 "' • Ulf du -' cininenl Kultur¬ 
kanntschaft Äfc 'PT ^ - 

abc sich aber von ihm • ^ cm acht und ' i* *‘ UsStd bähe er die Be- 

Neuausgaben als er /lK '’,„mcn gearbeitet. 

! ; C cr “eh kein ei ," cr Stoßen " ' v, "-b-, daß dieser seine 

Selbstverständlich **8*. , , ^ —usgäho. Schließlich 

Z™" einige Werke diet s ** t .7'^-'nkreiel, cnigcführt. 

tnSe Werkt" .«* T"" T“ 

d ' ReaÜx'und’a 'j U " rCS P'rsanf' bcscllla «nahme !,V" ■ W'’ Wt ' n " dic '' 1 '' 

Oie Ausfi k derer ’“s denen VO " Mo, n,cl ’< die Werke von 
v »cl Zitate hlUngCn d « Anw-,1 Cl C,ne ßanz c Bll I af(, ntaine, Tallement 
da der Stoff 8 !| SPlCkt ’ daß dc/v V ? n Ga P Ware ^ ^ obs/i >ncr Stellen gibt. 

lautete: Urch das V0 rKebrachte""’l d ° hU ' ul mit T 

Ge^cn Pm i * S cn üi»cnd i i- Ce nic ^ t beenden liclv 

-hei;:, *T es e , ' ^ U'tcil 

4 Monate G e fä ' ^ Gcfan gnis V ? dwc i$li c h .. 

fän ^is und S oTf $ U nd 100 brau' . S0 ° Fra 'Ks c"| , °" Cn hattb ‘> nicht zu c." 
100 Francs Geldstr*?“ Celclst rafc'' Geldstr af c ,2 C Strafc > Segen Sauvan auf 

I0 ° Fran « Gel ^en M t ^ > ^„ate Gc- 

20 ettrr G t" sms u, i 

Cla, ne und ri auf ° 2 Monate und 
au ' ct au f je einen Monat 


und ,00 l'rancs Geldstrafe. Zugute gehalten wurde Gay, daß er sich durch den 
Druck und Verkauf nicht bereichern wollte, sondern cd,glich seiner (mehr 
. ,1 ,* 1 # I- t Uc Interesse der Bibliophilen über die ge- 

geb,l!,gte,„ Isn,Stellung toi e. £ Bc „, is ^ ührt , jaß er trotz 

setzliehen \ orsebrilten stellte L w ut tl aU ^ BOcher wcller vcl , 

der Beschlagnabme „n ersten 1 d nc Gl ,viiren hergestellt und 

d “ 

Verlegers und Druekets liabs eneliune^ cr s eine Verlagswerkc 

Gegen Poulet-Malassts *«‘ l P besonders durch Blanche und Sauvan 
In einer Massenauflage t et Bk“ Ba Brstca .„, wurden allein 35? Bände 

in Frankreich hatte \ut unzüchtiger Schritten, 

seines Verlages verbunden. Tl '° tzdL "^"^eklagt war, fied deshalb die 
Poulet-Malassis hingegen «ur " 1 B Nur konnte man seiner 

Strafe gegen den belgischen Verlege Mel snen, 

ebensowenig wie des Manche nm 12 J J U ,^ hintorcssan ten Prozesse ausfühi- 
Gay hat die Geschichte die u budui faks * Paris C n 

lieh geschildert in: 1 l f LL - s j bibliophiles cosmopohtes. Bor- 

,863 ct cn .865, pubhes par > a Sou U ,y VIII, a 5 o S„ in ioo 

dighere, lmprimerie Henri ^ L Auc h dieses Werk wurde in San 

Flxemplaren (Preulk btaatsb'bl. 'V • vcrnidltet . _ Die Verlagswerke, 

Remo beschlagnahmt, jo lAti P* nrliq i ten i„ der „Liste des publications taites 

svegen deren er P“ ^ 

depuis le 1 er D' ivicr 11US . q ., . ( . nsm0 Dolites“ o. O. u. J. 12 • J° S. Eine 
et par kt societe des ->1 •> 10p u ^ rarcs< reimprimes chez Gay“ gibt P,tul 
„Notice sur une qu.nzamc üe des Hvres rares et cuneux, de- 

Laeroix in ..Rcohereh«^''Oß'Ädouurd Rouveyre ,8So.“ 
diees au baron Jeronte R f ksantkeit, die ihm von letzt ab die Bc- 

lnfolge der begreiflicly, Aul k reichsSta ub von seinen Fölsen undschlug 

hörden schenkten, schüttelte Gä> • Vcrbü | !ung der ihm zud.kt.erten 

seinen Wohnsitz bald hier, ba 1 ‘ ‘ ^ er hier verständnisvolle Drucker 

Gefängnisstrafe verzog er ^ „ach Turin, ,87z nach N,zza. 

fand, siedelte 1867 „od 1 V 7 U abermaligem Prozeß wegen „Proces des 
,871 nach Sun Remo Brüssel. . - .- 

rareres“) und 1«* "’“= dcr Wohnungswechsel mag in Semen Kon- 

Der Grund für sein» ‘ d Jcden falls war dieser bestimmend tur 

flikten mit der Polizei zu suche nac h Brüssel und dann nach Gent, 

die Verlegung seines Wohnsitz s » Jalluar ,867 m, tte.lt Allem diese 

wie er selbst in seinem Ztrkula, '» An l a ß. Der Grund selbst lag 

unablässige Verfolgung war nur d ^ ^ ,„ Besitz von Bankier 

tiefer. In einem Schreiben vom -O bckcnnt er, dals Mertens & F,h, 

Hans Fürstenberg, Berlin) an 


21 



1 


bei denen er scheinbar tief in Sri,, l i 

druckten, um für ihn und seine F ^ gC ? teck t haben muß, nicht genügend 
so daß er sich genötigt sah für PnT *) S ^ x ‘ stcn/ni >nimum /u schaffen, 
vertreiben, was er als niederdrück ™T V'“ ™ rkHch ob «‘''»«w Bücher zu 

"-mehr die über ihn verhan e^ r V' n ’ PUd ' ..* I ..„„«.weise 

8 Strafe tatsächlich rech. fertigte. Trotzelen, 

r. r U l L“ ll "-- Druckerei darauf, dali er 

lÄlL^vSwii Ll h ,'r;". U . a " dcr " Ko "lurrcnzfimu Auf- 

s$ tpY tvpzy. • ä tustatttlte. In Genf glaubte nun 

: '■ ’ M m J .t «»>• *>« Lösung des Problems 

: _ (*fi W , d t" ZU **-. m« Lust, Unals- 

'4f‘ -Mit! „i". 8 *' 1 ”»J Sicherheit an sie, Ver- 

ph “"f“ 1 "" Pläne, den Biblitt- 
^ hsUriositatenliteratu r 

fwij litTst Äw,rvT n - A i s Su - 

^ ^ SC ^' 1 ''^ Cr ^dieutc 

1 1™ J *» bereits i„ Turin.' ’ 

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--- „te„ 0pus ^eichnet, 




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Fr ontispi ce von H, 

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Stimirrn« 1 1 


verlegten galante^ q $ ‘ Ch verzeichnet Z Ber,in f "T 
stimmen, denn • ' rcr am i • ’ a,s cr >876 Loh- 

Sl librai ^*"ur, dc ; c » A »^«tes 'S-'ss-r;;:.: 1 .''" Gc ; 

JeanG, e y r .8 J 8 U , l “l, G c äy d = Onstht M '**> Sich' <T '" in - J“" 

b'tsegen war Wc* nsi ^ »nal Ge, K . V J“‘ " **> «Iber als 

Professor der Ph vc ., y nic bt. R /\ Brüss d hat J ’ dcm übrigens auch 
L y°n geboren war u k a 8 eichcn Na mc h ' Cr ci nc ’^ lgchür tc. „Professor“ 
gäbe von Otto £ 0r ” ani J 3- Juli V ° r ’ ^ c r am U Wcc *islung mit dem 

?***» Mre gestorb 0,4 ^ ^ ^° VC '” bcr ' 8 1 8 

Auf schln V“^ n sein. Di ' c S p *47) »II s “'-b-'=) Nach der A„- 

»Grande HncycI opäd . " lh ", tt-ed e 8 ^ aucllI ichcn N k’’ bcrcits b'ulc der 

bt'ngen, ebenso d” p„ sich Lh"**, nach M C '’ la 8esvcrhe geben 

2 2 ^‘cloPedia Un ^ b o ?z , £ NouvCle Larousc 8 Die 

' 1 Uslr ada, Bi " CUCS U «- 1 beizu- 


•• r ,u Minifii hat er sich gemacht durch seine „Biblio- 
1*inen unvergänglichen iNanicn n. b 

. P ® p ,. irif , i l’amour, aux femmes, au manage et des livres 
graphic des ouvrages iclatirs a i* j>t 

Spaiten', Ä 

Während jedoch die ersteri ui ^ drfttc Auflrige j. G ay et fils und 

herausgekommen waren, ze ak Verleger. Bei den ersten vier 

Bernard Quaritch, Londic , . 5 Turin> rue Alfieri 22, beim fünften 

Bänden hatten J. Gay et ‘ bcim sec hsten Band in San Remo, 2 rue 
Band in Nizza, 3 rue Sam c ’ das p seu donym Jules Gay’s 1 ") 

Gaudio. Die Verfasser e/.eic lnun». .^^ » zuweilen al$ Comte d’Imberdes 
wird zuweilen als Comte Hcmy dl ^ Namens (wenn er überhaupt 

gedeutet. Es mag sein, ca. c o Hauptarbeit aber leistete, wie aus 

existierte), Gay behilflich getvese,, «■ ^ bsi seiner Verhaftung 

„Proccs des raretes hei vorgeh , J Material besaß. Der Biblio- 

i,„ Jahre ,S6 S viel bisher noch “''-^veS,neben. Gedruckt wurde die 
graphic hat er sich ja sein 8 a ""’ s . Majestät“ Vincent Bona in Turin. Mit 

Auflage durch den „Hotdruckc pau { Lacro i x , Gustav Brunet, Prosper 

Beiträgen unterstützten 1 m ' * j cr Mitarbeiter an Cohens „Guide de 

Blanchemain, Ch. Mehl aus ^ 1 ' T Gamp bell, der die englische erotische 

l’amateur de livres ä figures , un • 

Literatur bibliographisch bearbeit* ■ ^ Me nge von sotadischen 

Die sechsbändige dritte AuHa e ^^^ vicrten> fehlen . Deren Hauptvorzug 
Schriften verzeichnet die m de bi$ i8?9 . Gay weilte bei ihrem 

besteht in der Fortführung dcs Verz ^ nij i§99; ßd IV: I9 oo gedruckt) 
Erscheinen (Bd. I: 1S94; Bd - ' ’ etzcr seines Lebenswerkes war der \ er- 

nicht mehr unter den Lebendem T* paris>späte r in Rouen, der aber nur den 
leger J. Lcmonnycr"*) » rn ^V" n drei erschienen bei Stephane Becour 
ersten Band selbst verlegte, die ande ^ ^ ^ ^ sel bst mitgearbeitet 
zu Lille, 3 5 rue Exquermoise Gj ^ Verlagswerke in dieser AuHa 0 e 
hatte, erklärt es sich auch, daiS % . 

nicht verzeichnet sind. >)Icon0gr aphie des estampes a sujets 

Weniger Berühmtheit erlangt l eU r beaute indiquant les sujets, 

ä 

vLtcs'Ts condamnations J.Gay et fils, et ä Londres chez 

ventes, i eC dT : '' Geneve ci J , , sie W ar als Ergänzung 

robiec etc. Pur M;l. n our jM Exemp Ureu gedru ^ ^ manf , elhaft 

B. Quai.tch 1 dacht> konnte diesen Vorstellung von dem 

Me^d!:rBndbe«hreibu„gnnturgemaßke,r 

Dargestellten zu geben verniet, 




Die andern Schriften Jules Gay’s: 

Ce qu’on appelle la propricte litterairc cst nuisiblc aux auteurs, aux editeurs 
et au public. Paris, J. Gay 1862, und Le Socialisme rationnel et lc socialismc 
autoritaire. Geneve, J. Gay et fils 1868, haben weniger Bedeutung, da sie nur 
zu Tagesproblemen Stellung nahmen. 

Die Liebe zu den Büchern und das lebhafte Interesse für deren Schicksale 
vererbte sich vom Vater auf den Sohn. Jean Gay (geb. 1838 zu Paris, ge¬ 
storben 1883 als Buchhändler in Brüssel) zeigte sich insbesondere auf dem Ge¬ 
biet der Bibliographie als beachtlicher Kenner und Könner. Die Bibliographie 
seiner Schriften sei im folgenden kurz gegeben: ° ' 


1. Bibliographie aneedotique du jeu des echccs. Paris, J. Gay 1864 in 12” 

2. Les Chats. Extraits des pieces rares et curicuscs. Bruxelles 1 Gav t R<3<3 

3 - Quelques femmes bibliophiles. Bordighere j. Gay et Ci’e ,8 75 f in 5 o 

Exemplaren (Kritik m„ Nachträgen in „Bulletin du bibliophile" ,S 7 , S J) 

4. Bibliographie des ouvrages relatifs ä l’Africiuc et 1 ’AnK' */• ' } ’ 

e, Cie (J. Gay e, fils. San Remo) ,8 7! . 8", 3, ' S mii MaiS ° nneUVC 

5 . Bibliographie des ouvrages relatifs aux pclcrinages \ux '"'i 

spiritisme et ä la prestidigitation publi&s en France et L Italic N-'d n“ 
1873. Turin, J. Gay et fils 1876. ‘ C> an du 

6 . Les Abyssiniennes et les femmes du Soudan oriental T„ • t ^ 

fils 1876, in 12", 400 Exemplare. rin ’ J* 

7. Anecdotes piquantes de Bachaumont, Mairobert em . , 

stoire de la socto* fran ? aise, ä la fin du r^g„e de Louis XV^ SCmi ' * ^ 
des notes et une table bibliographique. BruxelU T n S I762 ~ I 774)‘'ivec 

xe,les > J- Gay et Doucö 188!. 

Man s, eh, aus d.eser kurzen Aufzählung, dal! sowohl |„W r , . 

Sohn Jean nicht nur spekulative Verleger von Porn »- 1 G ay, WlC scin 

leute waren, sondern auch wissenschaftlich ihren „ en Und Geschäfts¬ 

sicht unterscheiden sie sich höchst vorteilhaft von d ^ tCn ‘ ^ d ‘ cscr Hin¬ 
verleger neuerer Zeit, bei denen die Bereicherung , S ™ n Masse der Erotika- 

Gay, Vater und Sohn, blieben bis zumTode dt V ° rWalt "' 
einander verbunden. Von 1861 bis April 1867 führ aufs engste mit¬ 

lag unter der Firmenbezeichnung J. Gay Paris v tC Jules Ga y seinen Ver- 
J. Gay et fils. Nach dem Tode des Vaters vereinigte" 'l ^ h ‘ eß der Vcrla S : 
mit einer Mademoiselle H. Dance, und der neun V 1 , ° Ga7 in Brüssel 

OouoS. Nach dem Ausscheiden der Douci firmierte Iea„T h,eß jetzt Ga V « 
wahrend die Douci unter der Firma Lalouette-DoS ' 882 J - J- Gay, 

achtziger Jahre ihren Betrieb in dem gleichen Sinne wieb il *'?“ Endc d “ 
Geschaftsrucksichten schufen Vater und Sohn noch d b ™ cr . f °ftsetz,c. Aus 

philes Cosmopolites“, deren einzige Mitglieder ietWlT ?. , 1 ^ d es Biblir 

jedoch die beiden Verleg, 


-lO- 

;er 


24 



Bord: Un reve. 

















allein blieben. Neben den Firmenbe¬ 
zeichnungen J. Gay und J. Gay et fils 
finden wir je einmal J. Gay et Comp, 
und Jules Gay et Cie. 

Wie kaum ein anderer Verlag, ver¬ 
standen es die beiden, die Herkunft 
ihrer Erotika zu verschleiern. Seine 
„Anthologie scatologique“ gab Jules 
Gay 1861 heraus „chcz le libraire qui 
n’est pas triste“ und lieferte damit 
den Beweis, daß er von den Druckern des 
Rokoko gelernt hatte. 1864 wählte er: 
Hambourg et Paris— Freetown, impri- 
inene de la Bibhomaniac socictv 
Lucerne — Bale — Vicon ; 1865: Berg- 
op-Zoom 15 ) — Luxembourg — Am¬ 
sterdam — Leyde — Quimper — Core- 
min; 1866: Sadopolis (für eine bi¬ 
bliographische Arbeit über den Mai 
quis deSadc) - Troyes - Amsterdam-- 
Paris prcs Charenton chez un libiaue 
qui n’est pas triste — Breda—A ' u " 

don; 1866: Geneve— Amsterdam- 

Luxembourg—Libreville; 1867 • Gieut 
wich—Concarneau—Lyon Au ap 
Cologne—Paris—Charenton P 1( - s 

Hinter allen diesen Ortsangaben Steel 


Illustration von Kops 
zu einem zeitgenössischen Erotikon 


erschienen. Ortsbezeichnungen nur vereinzelt Vorkommen, 

Während die vorstehenden ^ ^ i§73 zwe i Städte gefunden, denen sie 
haben die Gays für die Ja lie . 7 ^- nnen py r die obszönen Nachdrucke aus 

ihre literarischen Sünden autbU ‘. C | $ie S traßburg, für die übrigen stark ero- 
dem französischen Rokoko wa ^ Werke herhalten muß. Auch unter 

tischen Schriften Neuchatc ’ segeln n0 ch einige Werke, 

der Flagge Villafranca und d 0 $ bediente sich die Firma jedoch immer 

Dieses irreführenden AushangI ^ Verfo lg Un g bestand Ausgaben des 

nur dann, wenn die Gefahr str. richtigen Verlagsbezeichnung heraus, 

nur galanten Genres kamen mit 


25 



Die Drucke der sechziger Jahre lieferten Mertens & fils in Brüssel unter 
voller Namensnennung, z. T. auch S. Racon in Paris. Mit Mertens & fils be¬ 
stand die längste Geschäftsverbindung. An ihre Stelle traten später Didot 



Ch.cr.uv/ii t • f 


l- rontispice von Chauvet zu einem bekannten von Jean C 

dy nach S e druckten Erotikon 

)ubuisson, beide in Paris, Rancher & Cie in "R I * 

rUrm - 8lCn und Vincent Bona in 

Was den Charakter ihrer erotische m , 

n ' hr ä ' S J °°’ Sd " S ° h " J- me * 1r als w »tot" 8 ' ° UleS ** 

,6 ht) ’ 50 zuzugeben, 


daß ,„an kaum ein wertloses Werk unter ihnen „.den wird. Masturbanons- 
ronnne die der Liebhaber „nur mit einer Hand lesen kann , w,rd man ver¬ 
gebens iuchen. Der kulturhistorische Wer, aller dteser klemen, sorgfalttg aus- 
gebens suc Auflage gedruckten Schriften ist unverkennbar, 

gestatteten und m J strangiger Fachleute erhöhen den Reiz 

Gedtegene sind sie natürlich nichtgeeigne, und auch 

hllp^rirÄsagt: „II a tout soutenu, tont Supporte e, 

finalement tout t “'') ur ^ y unJ in dcn Anschauungen seiner Jugendzeit 

Der alte Jules Gay, n „ aus _ daß Kunst und Litetatur zwei ge- 

befangen, ging von dei • ’ „ ; VOI1 der Bebilderung seiner 

trennte Gebiete seien . h f cr ^ n t d " praktischen Wer, einer künstle- 

Verlagswerkc. Jean Gay )t■ <*' ^ unJ zögcrM deshalb nicht, diesen Ge- 
rischen Illustrierung fui dei * .... Rops> d em heißblütigen Erotiker, 

danken in die Tat umzusetzen. ^ abseitigen Literatur, für die Rops 

fand er einen kongema eil ntG *P ^ d es halb einen Schmeichler, der ihm 
gleichfalls ein Faible 1 | at “- Sachen « machte, ironisch mit den Worten 

Komplimente über seine „p ^ so i c b e Sachen, um meinen Hintern auf 

abfertigte: „Ja, ich mache mai <- ‘ $0 hat Jas nicht viel auf sich. 

das Niveau eurer "^“'iöien Kupfer« geschmückt: 

Folgende Erotika sind mit seine ö 

Lc Cat&hismc des gern v0 „ Abbi Dulaurens, 

Histoire de la Sain ^ Bruxelles, 

Les amusements des ' , 

Kodines de Grecourt, 

Les oeuvres baeünes eie 

Les rimes de joie, 

LcdiablC d d etid: r vo„Mo«esquieu, 

La messe de Gniae, 

La sphere de la ig82j 

Les chansons de 1 , Maupassant, 

Les cousin es de la «ta« ^ ^ Roch; v0 „ Abb f Voisenon, .88a, 

Les exercices de 

La fleur lasc.ve onenta e- illustrierten Verlagswerke, deren 

Noch zahlreicher sine c >e ,,, 

Reiz auch heute nicht vcrblal • haben aus ibre r verlegerischen Tättg- 

Weder Jules Gay noci sein t — r ^ pn 12 ihr Zeitgenosse. 




27 






Auguste Poulet-Malassis 


Nennt man die Namen der bedeutenden französischen Verleiten die sich 
um die Neuentdeckung verschollener kurioser und erotischer Werke redlich 
bemüht haben, so darf der Name von Malassis nicht fehlen. Zu Alencon 

* 1 \ Seine . XV ' ege > u ; id zur verlegerischen Tätigkeit mußte er natur¬ 

gemäß gelangen, da die „schwarze Kunst“ sozusagen in seiner Famili. I I 
war. Bereits aus de m Anfang des , 7 . Jahrhundem Tasten ich D uck! der 
ehrenwerten Malassis nach weisen, u. z. von: U kc der 

Adam Malassis in Rouen (.602, ,6oj, ,604. ,660 und ,668)- 
Raphael Malassis in Rouen, 1639; 

Clement Malassis in Rouen (1640’ 1642, ,665V 
Jean Malassis in Alencon, 1674; 

Martin de la Motte et V.- Malawis in Alencon ,6„. 

Martin de la^Motte et Jean Malassis in Alen S on Zu- 
Malassis aine, Alencon, 1757; ^’ 

R. Malassis in Brest, 1767; 

J. Z. Malassis le Jeune, Alen ? on, 1763, , 772 I77 o . 

V e Malassis, Alen 9 on, 1778. 77 ’ 17/8 ’ ' 7 8 7 . an IX); 

Wie man sieht, spielte sich die verleeerische T- • , • 

Alen ? on und Rouen ab, und auch der Vater 1 Sciner Vorfahren in 

wachsen mit der Scholle der Vorfahren, den gleichen ' T" hattc > vcr - 

erbten Druckerei gab er das „Journal de l’Ornc“ h Beruf , erwählt - In der er- 
wener zu vererben gedachte. In diesem steckte ie^ er scincm Sohne 

Bibliophilen und Gelehrten als zu dem eines g C r I mChr daS 2cug zu einem 

Schon als Jüngling versuchte er sich schriftstellerisch undT f Pr ° vinzvcrlc ^>^ 
die Zeitschrift seines Heimatlandes „Le Departement de Bciträgc fül ' 

pittoresque (1845—1851). Als 1848 die Revolurin d ? nie arch e° lo gique et 
ms politische Fahrwasser, gab im Juni 1848 mit Alf^^ Stürzte er sich 
b att „Aimable Faubourien, Journal de la canaille'M^ D f V<tU ein ™ d ikz\cs 
Nummern brachte, für die er sieben Artikel lieferte 11Ur auf «^ige 
seJbst auf die Barrikaden, um „der Freiheit eine Gasse“ * ich schlie ßbch 

der Niederschlagung des Aufstandes mit der Waffe • Z j bahnen - Da er bei 
wurde sollte er erschossen werden, und erst den v/ ‘ n der Hand ergriffen 
-reundes Oudinot de la Faverie und des Deputiertet Be , mühun gen seines 
es, dieses grausame Geschick von ihm abzuwenden Trott Va “ X ’ gelan g 
am 23. Dezember 1848 (nach seiner Gefangenschaft i erlan gte er erst 

und dann in Brest) seine Freiheit wieder. ‘ ° der Fest ung Von Ivrv 

Durch bittere Erfahrungen gewitzigt ließ j- 

liehen Politik und übernahm mit f 4 ' ^ ^hr- 

98 10n des »Journal 


ET 

|/chlo£ 


I ,i-r einer geistigen Biite. 

n tr V der Firmenbezeichnung nur p oli l e t-Malassis und noch sel- 

D |ltu ; et De Broise, seltene ^ entzücken- 

Pnulct-Malassis et un- „ 6 un d 1862) gao ei ^ 

«"“ r Mala»» (Ausgaben von .S! s ^ sonderlich beachtet wurden 
n" drhen heraus, dlC .., 1 \\ s Drucker wählte er zunächst 

den Bändchen SelteIlheit en zahlen - ^^ sie dann durch die Firma 

heute jedoch zu d’Armes, ersetz nzdruckern . Poulet-Ma- 

p iC ^art Davyl und ging dann ^ tdtBedeutung seiner Autoren, denen er 
Poupait > > treffsicherem Blick ann teren Namen erschienen in 

lassis ei cann Öffentlichkeit bahnte. 0 jj oeo dor von Banville (Poe- 

den Weg in d je & yon Charles Asseltnea. T phüarhe chasles> 

cpinem Vcrlug . /”Plpnrs du m<d)> E/ PJ / \ au *. 

sics complctcs). Tlvoehile Getier (Emau, et camees ), Albert 

Alphonse Daudet, A V 29 


&lVsiä 


• • .. einem galanten, die ländliche 

Tdy5= P v“hemlichenden Werk des Rokoko 




Glaugny, Edmond et Jules de Goncourt, Mcrhnce (H. B.), Charles Monscict 
(Oublies et dcdaigncs), Samte-Bcuvc, Thcopbilc Sylvcstre u. a. 

Bald wurde der kleine Laden zu eng. Poulet-Malassis siedelte deshalb über 
nach 9 Rue des Beaux-Arts, schließlich nach 97 Rue Richelieu et passa-e Mires 
ohne mit diesem Wechsel jedoch einen besseren Absatz seiner Werbe zu 
zielen. Mehrere Skandale machten ihn zwar bekannt. Die „kletnw du mü" 
Baudclaires hatten die Sitthchkeitswächter auf den Plan -’emf-n I 
,o. August 1857 erfolgte tatsächlich eine Verurteil!,‘d *C 
Gluck fielen durch die vorsorgliche Tätigkeit des Autors und s -i “ 

Verlegers nur jo Exemplare in die Hände der M ei b T^ T 
durch diese nebenbei lächerliche Verurteilung mit Tn ^ sah Sldl 

und ein Widerschein seines Ruhmes fiel auch auf sein -nT „ ^ hci ' uhnn - 
und Verleger Malassis. 1 *" wagemutigen Ercund 

Bald kam es zu einem neuen Skandal. Loui< 1 . 1 ..... 

unkastrierten „Memoires du duc de Lauzun“ h nämlich bei ihm die 

das Gericht zu einer Verurteilung ^ : T' “ nd wicdcru *" ^langte 

Poulet-Malassis jedoch gewärtigen müssen, derVerie"e,'b BcSCh !‘ 18nahmc hättt 
gehen, weshalb er sich blutenden Herzens entschließ’ k ° n ( f SMOn verlustig zu 
bei der Abfassung ihrer Werke die nötige Reserve SClncn Aut0 ™ 

Trotzdem sein Name mit der 7ei b V ^empfehlen. 

keine Seide spinnen, und es blieb ihm ^lügend'2 / C '' noch lan ße 

Betätigung. Für „Le Boulevard“ von Cariat verf R CIt ZU schriftstellerischer 
Nobody verschiedene Beiträge, und die beiden ^ U " tCr dcm Pseudonym 
tique“ (,855 — 2862) und „La petite Revue“ (1 qT' 11 U " 8Cn ” Rcvuc ancedo- 
großen Teil ihres Erfolges der Initiative und M 3 Vcrdankci1 einen 

Poulet-Malassis. immermüden Mitarbeit von 

Seine gelehrten Interessen und sein verdrisch r 
indessen den daseinsfreudigen Mann noch la.iL ni T HuaUsmus machten 
Bücherwurm. Mit dem lustigen Künstlervölkchen Wcltab 8cwandtcn 

mmger Fühlung, und verräucherte Kneipen konnten T ^ Stand ^ in 
schaft erfreuen Charles Baudelaire und später Alb Stammkund- 

diesen Eskapaden seine ständige Begleitung Selbst T Glatt S»V waren bei 
Produkte nicht in seinem Verlage erschiene,,; bemüht^T"’ demi Gcistes- 
scheaft und ubersandten ihm zum Zeichen ihrer WerrY-- ^ Scinc Frcund " 
rischen Werke mit schmeichelhaften Widmungen- dies^ S J atzUn S ihre litera- 
keineswegs verstaubt in den Regalen seines MagaiT Sta “ d ™ dann 

lbie S ; C ef naU ’ WOV °" d ' e SChrif " ich '" 

Doch so aufrichtig diese ihm entgegeneebrachi-r p , 
iC MCit auch war —in klingcndeMünze Heß s i e sich „ich"/* 1 ’" 1 '' und Anhäng- 
warc es wohl kann, zu den, Bankerott des damals^‘""-«««".andernfaHs 

^0 Ca C Ver f echten den, 


, , • , c ... Verlegers gekommen. Fluchtartig mußte Poulet- 

niclu genügend gens.c sein^Nachfolger R. Pineebourde, der 1898 durch 

Malassis Paris v erlasse n U id ^ ^ n ^ z ^^ ^ Jcn hinterl assenenRestbeständen 
Selbstmord endete ), '«-ik. ® Erstausgaben von Balzac, Baudelaire, 

Jic hcutc hüch im Kurse Mn das StückT) 19,6 er- 

Gautier, Goncourt, Monsckt • ns-Scrive das Handexemplar der 

brachte auf der Versteigerung %on n p ou i et -Malassis 48.020 Fr. = ca. 

„ 1 -leurs du mal“ (auf Holla,u papw; p j Ma i ass ; s in Brüssel wieder. Was 

7700 RM."') ;iiche Schicksal zwang ihn, alle etwa noch 

mm tun, wovon leben. Das 1 un j dem Erwerbszweig sich zu¬ 
vorhandenen Bedenken beiseite z versprach. Nicht umsonst hatte er 

zuwenden, der ihm eine gesic leite ^ h „ ndlcr au f ge schlagen. Der Zwang, 
seine Zelte in dem Eldorado all scha ff cn , und auch die eigene Nei- 

sich ein möglichst sicheres sin ^nu c glitschige Bahn, nämlich zur Her- 

gung führten Poulet-Ma assis au c un j cr entschloß sich, sie zu bc- 

stellung und zum Vertrieb osw.onc - Erfahrung, aber auch hier fand sich 

schreiten. Noch fehlte ihm * rclhtl ; cifngC r Liebhaber kurioser Literatur, 

Rat. Jules Gay, Zunitgenosse uml c ^ ;. ohm er sic h wegen schikanöser 

hielt sich damals in der g«cK,i ^ flüchtet hatte, und versagte dem 

Verfolgungen seitens der Pau " Kollegen nicht seinen Rat. Nahe lag 

noch ein wenig sich unstchc. ic seiner ehemaligen Autoren Kapital 

der Gedanke, aus der hbidmuscn PI a , ih ren Gauloisenen lauschend, 

zu schlagen. Stets au merksanyhe P person> hatte Malassis deren 

unbestechlicher Kritiker und ^ so vor der Vergessenheit bc- 

crotischc Gelegenheitsgedichte ‘tu|e> k als gepfefferte Leckerbissen li- 

wahrt. Diese kleinen Gcdichtchoi ch beachtlichen Ei folg. So 

Exaktheit s ei j Gcsc ] ia ft, mußte sieh ' on ^ Breiten Masse, durch die 

ausübend denn . tion auf die Instink gestoßen fühlen. N'er- 

und der groben P L v t f j z u meistern traci e » * 0 , nicht über- 

^ ÄU kenne sieb 

einbart wai l Malassis, der e Höchst arenze um ein Bedeuten- 

T Abrede »„der, beschränkte sich eine Zeit- 

££ ‘f f 

mit der Dr,,ckcrei Mer,ens 

finden ließ, «il du ' C ' 7.1 



& Fils zu sehr die Hände gebunden waren unA • i • 
genügend produzieren konnte, um sich und seme FamilieT^ nicht 

Poulet-Malassis mußte sich also nach dnem n ^cn T Ih ,7™ 
fand ihn bald in der Person eines gewissen Alnhon , . , habcr umsehcn UIld 
zen Vertrieb der erotischen Neudrucke oreani^ ^ Lccn J a, n, der den gan- 
Kaufmann.nicht die genügende Geschicklichk 7 S ° ^ Malassis > der als 

denschaf, des Büch Jh J K n ung G ^Ä„ t ^S;t T ^ 

Bibliophile in seinem Element. In der Rur M r’ i dcr cnra 8 lcrtc 

er ein kleines Häuschen gemietet UnermüdF l ' S 7 V ° rstadt Helles hatte 
kleine, schmächtige Männchen mh dem ! 1’ Eifcr ’ saß hier das 

und Druckbogen gebeugt, und überwachte dTe Auseib^" Manuskri P- 
mein de von Bücherfreunden Auserlesenes ,' u S Um dcr kleinen Gc- 
China- oder Hollandpapier wanderten die 1CtCn .' Auf star k cm gerippten 
Welt. Sie bilden trotz ihres freien l" ha s ,T Ucke " de " Bändchen in die 
liebhabers, denn die Ausstattung ist vorbndli^i cd « Bücher- 
ließen dem eifrigen Verleger ihren sachverständig i** 1 * 1 *"* u " d Glatigny 
gesellten sich Camille Lemonnier und Felicien % R Rat angcdeihcn > und bald 

C 7 ch -- um M alassis geschart hatte Beson 1°^ 7 dem Frcu 'ideskreis, 
großen Kustler sollte in der Folgezeit noch reiche Vcrbindu,1 8 mit dem 
war begeisterter Sammler und Bibliophile in des tragCn ' Auch Rops 

und mancher Neudruck clandestiner Schrifte! g CSC hT 7‘ 8enstcr Bedeutung. 

bcst^Z g T n Slch ZU ^eren, und^ Seine Veranlassung, 
be en Wege, wieder zu Wohlstand und Anerk War auf dem 

durcTdieV h " Sen - Da maChtC ihm von neuetT"! ?? -inen Fach 
e Rechnung, in einer Weise, daß ib • T Scblc ksal einen Strich 
Erfolg seiner Bemühungen verloren 3 ' , nicbt nur der vecrl "fr 1 

neuem diskreditiert wurde. gU18 ’ S ° ndern d *ß auch sein" N ^ 

Im Juni 1865 hätte nämlich Poulet-Mala • • ° 

Pariser Gerichten wegen des n , Malassis mit Jules • , 

antworten müssen. 3S9 Sehrifte“''T bcS "haJe/weZ dC " 
Kommissionär Sauvan beschlavn -,1 Cln bei einem »• . • ke vcr " 

Malassis jedoch vor, sich nicht zu stTlIeiTu"If"' B< * rcifI «cherweise * 

Gefängnis und 500 Francs Gelds.- f Wurd e in contumi • 8 Poulct ' 

zesse von ihm ab und w arf ftm " V»™"“ 1 '- Gay rS “ 1 J* 1 "' 
und illustriert habe verbreiten lassen’ ^ E'®* Erotik a in m?“"’,,'’™' 
«i- Aus diesem Grunde habe er aueh u' ' hm 8« »ich. 
bindung wieder gelöst Cav 1 ? mC ^ ereits mit ihm p* Fa gewcsen 
Spekulation auf Ko^TTVT 

seinem Tode sein Sohn Tean schuld' L f ZUm V orw Ur f de d g,eiche 
früher begriffen, daß Illustrationen am b^"' ^“'«-MalässisTd^'u ^ 
werken den gewünschten Absatz zu verfem Aus d“"' 

32 leSeiT1 Grunde ver- 



Porträt von Poulet-Malassis 

Gestochen von Gaujean 


3 


33 



































































































































































pflichtete er bereits frühzeitig den genialen Felicien Rops für die Aus¬ 
schmückung der von ihm verlegten Erotika. In Betracht kommen hier: 

L’art priapique, 

Les gaietes de Beranger, 

Lupanie, 

Dictionnaire erotique, 

Point de lendemain von Vivan Denon, 

H. B., von Mcrimce, 

Les deux Gougnottes von Henry Monnier, 

Gamiani von Alfred de Müsset, 

Les Aphrodites von Andrea de Nerciat, 

Parnasse satirique, 

Quatre petits poemes libertins, 

Serrefesse von Louis Protat, 

Theätrc erotique, 

Cabinct satirique, 

Les joyeusetes galantes du Vidamc de la Branuerr, 

Anandria ou Confessions de Mademoiselle Sappho ’ 

Les quatre methamorphoses, ^ 5 

Theätrc gaillard, 

ff Jeur.es France de Th<bphile Gantier, 

' , tC a la cam P a gne, angeblich von G. Dror 
I ableaux des moeurs du temos von n 

Lcsßonr Con,, du Sire 
1 herese philosophe, 

Margot la Ravaudeuse, 

Amours et Priapees, 

L’escole des Filles, 

Diable au corps von Nerciat, 

Les epaves de Baudelaire. 

Die Tätigkeit von Rops für Poulet-Malassis 
raum von .864-8«,. Er überließ scTnem“Vf"'*« sich über den Zeit- 

alassis mit dem hervorragenden Künstler , Verbln dung von Poulet- 

keineswegs nur als Verleger von • aßt sch °n ahnen 

* - 

hek >n den Besitz 


34 


t 


von Eu%cu Crcpct (für 1621 Francs) übergingen, der aus demselben Nach¬ 
laß auch einen großen Teil der Manuskripte Baudelaires erwarb. 20 ) Zur Ver¬ 
steigerung gelangten ferner Briefe von Barbey d’AunNilly, Brunet, Flaubert, 



Radierung von Felicien Rops 

Poulet-Malassis, der in contun.ac.am verurteilt war brauchte demgemäß 

.eine Strafe nicht legen oder sich auf neue 

er kein Verlangen. Befragung mufste 
^ • \t _i-»cr crnrip Freunde weiterhin treu 


3 : 


35 



für'diö !’r Cl | Kn ',| Unb |i' ,r i! C f iertC .' r dic " ächs,c " Jlhrc clandestincn Werke, 

ÄvWÄ dT" diC AUf ‘ 

Poulet-Malassis. Ohne Scheu berichte ,l er darüber^ „ A \ ZU 1 k8nni:n - 
„Bulletin Trimcstricll des publica,Ls dLendLs f F°" ““ 

1 Erränget“, das von August 1867 bis Derember ,862 ' b T- ' mpr ‘"" :s a 

und 2 Supplementen vollständig ist. 4 htm,d ln8 Nummern 

Seine 1865 gegen ihn vor den Pariser Gerichten ,, i •• ~ 

wie oben erwähnt, nicht abzubüßen brauchen und ^ ^ 

Jahre später gegen ihn vor dem Tribuml •’ r c “ cnso stan d das drei 

lediglich auf dem Papier. Am 71 "^» “ ’ C ' V °" Li " C Urteil 

den Brüsseler Verleger Sacri-Di„,„es„c und des, n" t™*™ 8I;6C " ih "' »°B cn 

Verhandlung wegen des gemeinsamen Vercnebsobs 

worden. Sein Kollege Sacrf-Duquesne erhie , Tat rT SchnftCn a "beraum, 
Geldstrafe, dessen Ehefrau 4 Monate und ,0 J r Gcfa "S ms und 2000 Francs 
Gefängnis und 500 Francs Geldstrafe L’ P ° Ulct - Mal «^ ' Jahr 

nicht vollstreckt werden, solange die Verurteile ^i""“ frcilich wiederum 
Boden fern blieben. 21 ) dcm heimischen ungastlichen 

Trotzdem nun Brüssel ihm eine Freistarr „„ 1 • i 
fühlte Poulet-Malassis sich hier auf die Dauer d'“^ ? xistCnz geboten hatte, 
allmählich das niederdrückende Gefühl der v' mcht heimisch. Dazu kam 
Freund, Charles Baudelaire, war am 3I Au Scin intimstcr 
andere Freunde wiederum hatten Brüssel verlassen ul\ ** gestorben ’ 
nach Paris zuruck. Dic Amnestie vom 16 Auf o”' aUch Cr schntc sich 
die Tore Frankreichs, und Poulet-Malassis’ ergriff 'L ° ffnetc >hm wieder 
heit, den Boden seines Heimatlandes betreten zu d"T Fl ’ Cudcn dic Gelegen- 
Zelte hinter sich ab und siedelte sich wieder in Pari ^ Sch " e11 brach er die 
an. Linen offenen Buchladen zu eröffnen, dazu fehlt/? 59 . rUC de Grc nclle, 
Mit el, wenn er seine verlegerische Tätigkeit be i "l " erford ^Hchen 
durfte er nicht daran denken, lediglich durch den V ' / W ° Ute - Freilich 
sein Leben zu fristen. Nachfrage danach bestand / ?^ Literatur 

t n 7 °u Flt , eratUr nicht für Ma ssenabsatz sich ei/ Zwölfell °s. Aber da diese 
kundschaft bereits von Isidore Liseux, Henry KiL ’ a ' lderseits die Stamm- 

ihrem Bedarf beliefert wurde, mußte Poulet-Maks??' ^ U ’ ld /• Gay mit 
kommen auf andere Weise aufzubessern 7 Wlr i f , daran denken, sein Fin 
bis 1877 bei, aber sie diente ihm nicht mehr als aSgeT VerIagstätI g k eit 
sich jetzt energisch auch auf die Schriftstellerei Er ^arf 

36 ’ deger P ™ 1 Daffis 



I 


Nicolaus Vleughel (1669 -1737): Das vertauschte Bild 









betraute ihn mit literarischen Arbeiten seinps -i •, 

Po«.,, den zuvor (W bei 

rrr z 

reden und Anmerkungen zu einigen von 1 , ediTren Neud“ . ‘ T 

Cenrer schreiben (z. B. für Les Epitrcs amourcuscs d’Arir«, t'", 

mam von Vivant Denon uw a. 4 v i- istenet, Point de Lende- 

verrichtete. Ferner schrieb li i*’ T™ f ^ *"»“« »Ui« 

geschichte zu „Theätre erotique de la meVw* T 'j""’ 8 " Entstehung!- 

Zeitschrift „Intcrmediaire des chercheurs e, curieux“ T ^ 

Emmanuel Dautrie. 2 ") Daneben entstanden im Laufe I i ^ c , Pseudon y m 
ständigen Werke: L u * c dcr J alirc folgende selb- 



gebildet ist aus dem zweite! 
er bereits 1868 geschrieben 
1868. Paris, Manginot-Helli 
- Nach sechsjähriger Paus* 


- ^ppcnd.ce ä la seconde odi- 

rinn A Bibli ographic roman- 
que par Charles Asselincau. Paris, 
Rouqucttc, 1874. 

leur n LCS - Ex " libris fra nvais depuis 
r 'gme jusqu’ä nos jours. Paris 
Rouquette, _ Nouvd|c £ 

de ;r?’ T au § ment öe et ornee 

3*o Pam 

“fcr U8ros “ 

biographique. Om” “e Cr “ ,qUe et 

dU S m La 0 Pa ji S ’ Il0ut l"«S a X r “ 

Paris, Baur, J-Rouss « u - ««• 

s4hL h t;%d- ti o arivaux - Bibii °- 

des editions c „| “ on » I »l« et 

Pfuteur P ri C s 0l 'r TO d »"ndes par 

■00 Ex=mplai„ ROUqUettt ' in 

7- Catalogue raisonne de IV * 

8 -det.i,h„ gr ap hi4d ; M d ' A Onvre 


Legros, professeur au College de l’Universite de Londres, etc. 1855 — 11 877 - Paris, 
Baur, 1877. Diesen Katalog verfaßte er in Gemeinschaft mit A.W . Thibaudeau. 

8 Moliere juge par scs contcmporains avec une notice. Paris. J.Liseux, 1877. 
9. Corrcspondance de Mme de Pompadour avec son pere, M. Poison etvon 
frere, etc. Paris, Baur, 1878. Dieses umfassende Werk, für das er viele Stucke 

beisteuerte, erschien erst nach seinem Tode. 

10 Ecrits et pamphlets de Rivarol (Antoine, Schuftsteller, 1 / 5 3 iSoi), 
rccueillies pour la premiere fois et annotes. Paris, Lemerre, 1876. 

11 Papiers sccrcts et corrcspondance du second ernpire. Reimpression 
complcte de l’edition de l’Imprimerie nationale, annotee et augmentee de 
nombreuses pieces publiees ä l’etranger et recueillies par A. Poulet-Malassis. 
Avec fac-simile d’autographcs de l’empereur, de 1 imperatrice, de Mlle Mar¬ 
gerite Bellanger, de Josephinc Bonaparte etc. Paris, Ghio, 1876. 

° Nach seinem Tode erschien: Poulet-Malassis et Corneille Blessebois, notes 
bibliographiques. Paris, Marners, impr. Fleury et Dangin, 1884, 8°. 15 S. in 40 
numerierten Exemplaren. 

Wie man sieht, war Poulet-Malassis alles andere als ein hirnloser Porno- 
graph, dem cs lediglich auf Geschäftemacherei ankommt und der nur auf die 
niederen Begierde,; seiner Kunden spekuliert. Außer der Bearbeitung des zu 
Unrecht Gustav Droz zugeschriebenen Pornographikunis „Un ete a la cam 
pagne“, das er im Entwurf als vergessenes Manuskript bei seinem Buchbin ei 
fand, ha, er kein obszönes Werk geschrieben. Seme wissenschaftlichen Leistun¬ 
gen heute zwar veraltet, charakterisieren ihn als einen eigenwilligen überall 
beschlagenen Gelehrten. Sein Ex-libris-Werk wirkte seinerzeit direkt bahn- 
brechend Niemals wäre ihn, auch die Anerkennung der besten Männer seiner 
Zeit gezollt worden, wenn er nicht einen sittlichen Fundus besessen hatte. 

Große Bescheidenheit wird ihn, von seinen Freunden nachgeruhmt. Als ein 
Gi olk Bescheidern pauvre“ seine Verdienste zu sehr heraus- 

Autor in „La semaine di J ^ schmeichelhaft für ihn. 25 ) Wie ernst er 

strich, untei ruc vte er hellt aus seinem Firmenemblem, das zwei 

seinen Verlegerberuf ^ Umsc h rl fti Concordiae fructus (Der 

Ehuracht^Frucht). Tatsächlich herrschte auch stets das größte Einvernehmen 

zwischen ihm und sc "' el ' 7 ‘““ r ™ ni d m kameradschaftlichen Verhältnis 

Harmlose Neckereien leg n Zeugms ^ ^ ^ s<j apostro . 

a p h’ier a e S aäries en Mo„se,et den unter seinem unglückseligen Namen schon 
schwer genug tragenden Verleger wie folgt: 

Malassis 


39 



Cc librairc d’Alencon 
I - ait des livres qui sont 
A Couverture jaune. 

Grace a lui, 

'Vcill a lui, 

Et Banville, 

Montegut et Louis Laeour, 
Out occupe la cour, 

La ville. 

II a su, 

Apercu 
L)es critiques, 

S’eriger un piedestal 
Avec les I-'leurs du Mal, 
Bas-reliefs poetiques 
Cc succes 

(Ou proces) 

Populairc 

A fait plus grand et plus bcau 
Le nom de Charles Beau- 
delaire !~ <: ) 


Seine Bücherliche, die ihn manche wertvollen i , 
bereit er bis zu seinem Ende. Jeden Morgen selb, k „ '«cn. 

schritt er die Bücherstände vom P„ nt Wetter, 

nach Kostbarkeiten wühlend mit glücklichem rindertriff“" ^"''-Michel ab, 
und um wenige Sous feilschend für Werke Ai, S ' C dann ^haltend 
w^en. dlc änderte von Franks wert 

Sein Leben, der Arbeit und noch mehr der sinnL 1 r 
nicht von langer Dauer sein. Mit 53 T a h rC n LUSt gevvidm ct, konnte 

seine Augen für immer. J h oß er am u. Februar 1878 

Was blieb von ihm? Viele seiner Ancook • i 
sind stark begehrt. Manches ist der Zeit zum OpferT‘ni'“' V ' clc von ihnen 
w,rd erhalten bleiben als Wegebereiter für & n i!’ Sci " Name ab " 
. iJ'chtergenerationen seiner 

a es sich verlohnt, sich mit dieser wichtigen V 1 
Nahem, zu befassen, sei nachstehend die wichtigste . "‘'«"PmBnlichkcit des 

Comte G(erard) de Contades, Auguste^Äfc' ■"» genannt: 

Revue du monde littfraire. , a„n&. Paris A . QuamTn ” U Li vre". 

(Comte Gerard de Contades) Auguste Poulet M , S ’ 
desenptive et aneedotique des ouvrages &ri,s «^1!?“' B , lblio 8raphie 

Par lui, par un 


40 


bibliophile ornais. Paris, Rouquette libraire, 1883. 8". V 4 - 46 S. in 100 Exem¬ 
plaren. Contades beschreibt mit Unterstützung von Maurice Tourneux, Phi¬ 
lippe Burty und de la Sicotiere, drei Freunden und Mitarbeitern von Poulet- 
Malassis, die Werke des Verlegers, ln 61 Artikeln gibt der Verfasser ein sehr 
anschauliches Bild von der verlegerischen Tätigkeit von Poulet-Malassis. Die 
Noten zu den einzelnen Ausgaben, mit Anekdoten durchsetzt, lassen den aus¬ 
gezeichneten Gelehrten und Verleger lebensvoll vor unsern Augen erstehen. 
Manche dieser bibliographischen Angaben sind indessen nicht nach den 
Quellen gemacht. Eine Richtigstellung findet sich bei Pisanus Fraxi, Catena 
librorum°tacendorum etc. 1885, S. 491— 493 > eine Besprechung in der Zeit¬ 
schrift „Le Livre“, Bibliographie moderne 1884, S. 381—38’. 

(Comte Gerald de Contades) Bibliographie raisonnee et aneedotique des 
livres edites par Auguste Poulet-Malassis (1853—1862). Paris, Rouquette 
libraire, 57 Passage Choiseul, 1885, gr. 8°. V + 74 S. in 100 numerierten Exem¬ 
plaren enthält nur die „Collection Poulet-Malassis“ verzeichnet, nennt jedoch 
kein einziges erotisches Verlagswerk. (Preuls. Staatsbibliothek. An 9308). 

Bibliotheque, portraits, dessins et autographes de feu M. Auguste Poulet- 
Malassis, dont la vente aura lieu le lundi ier juillet (1878) et les trois jours 
suivants etc. Paris, J. Baur, 1878, gr. 8°. 140 S. (Pr. St. B.: Ap 19181). Von 
diesem Katalog erschienen nach der Versteigerung (am 15. Ju 1 *878) 0 xeil j 

plarc mit einem Portrait von Poulet-Malassis, gestochen von Bracquemond, 
sowie einem Ex-libris von dem gleichen, ferner einer bibliographischen Notiz 
von Philippe Burty, einer Bibliographie von Maurice Tourneux und einer Liste 
der erzielten Preise. Die Platte des Porträts wurde nach dem Abzug solo, t 
vernichtet. Ein anderes Porträt, gestochen von Gaujean, findet sich m det 
illustrierten Ausgabe von „Le Livre“, Revue du monde litterane Paris 1884, 
vor S 65. Das nicht erotische Ex-libris ist: abgebildet bei: Walter von zur 
Westen, Ex-libris, Bielefeld und Leipzig, Velhagen und Klasing, S. 

Camille Lemonnier, Fehden Rops. Paris 1908, S. 6 3 — 6 7 - 
P Znus Fraxi, Centum librorum absconditorum etc. London x8 7 9- ^ 

A *Catalogue de la bibliotheque romantique de M. Charles Asselincau, Paris 

.875-Notice I^cdodque d’une jolie Collection de livres 

rar« tTuneux d’un Komme de lettres bien connu (Charles Monselet). 

Paris, S. Pincebourde, 1871. Notice blograp hique (nicht erreichbar). 

Sa Cie, « Oeuvre (nicht erreichbar). 

Gazette aneedotique , Jg- IH, S. IIT - 
Nouvcllc Larousse. 


41 






JO V/ 

HAIKIWQjO 


ioo Exemplaren. Dieser sehr sorgfältig 
und gewissenhaft gearbeitete Katalog 
der Beraldischen Sammlung enthält 
ausführliche Bemerkungen über Samm¬ 
ler erotischer Werke, besonders über 
Poulet-Malassis, Hankey etc.- 7 ) Ein 
Exemplar dieser äußerst seltenen 
Schrift soll nach cingezogcnen Er¬ 
kundigungen im „British Museum“ 
zu hndc n sein. In einer deutschen 
öffentlichen Bibliothek ist keins vor- 
handen. 

Weniger gut unterrichtet sind wir 
u er Isidore Liseux (geb. 1836), der 

m den achtziger Jahren in die Euls¬ 
stapfen von j. Gay trat. Er hatte 

ZT- n 1883 1 5 rUC Malaquais, 
• 5 iuc Bonaparte und 1887: 
9 assage Choiseul... \Vi c bei 

2 kaufmännisch;! 

J “ me Vlclci1 Abgaben stehen samt- 

orientierenden HiT”''"‘ IS ’ der Trat korrekt 

<■ verseh:: d ow 0 n M;:: s :r us ? er 

“schränkten Auflage nur in die Händ^'d ' VCRCn 
konnten, traf auch ik„ , Hände der ern- 

Verurteilungen. Wegen U 7 °^ ledenen Malen 

Je „Zoppino’s“ und der Puttann lancs Geld- 
.ooo Francs ein. wobei j^lTasT“ ‘ 

=n volle Gerechtigkeit wiederfahren 

seien nur die wicht-io-erm.-, ucli ’ > Von 

J, Ser Giovanni F,o,entu,o Ba!!!!,!|, i ' J 'i.. N ° Ve,lcn 
/ignale, die Calandra dei S if^’ 


eranger »Les Gaietes« 

(Titelbild von Hops) 


1 m «1 d’erotoloeie von Forberg, die Facetten Poggios, die 
der Manuel » Chorier”) die Zaffetta des Lorcnzo 

Dialoge der die 4 Jahrgänge seiner Zeit- 

fT r; Cur" itl litteraire et bibliographique“, die er 
schritt „La Cur wichtigen bibliographischen Mitteilungen ent- 

herausgab. In ihr sin ^ y0 ° n Sa a es „Justine“, die „Memoiren des 

halten: eine ausfuhrlid e • Ronneau geplante Ehrenrettung Mussets, 

Nicolas Chorier“ und die Bonneau^ ^ Vorwurf> die ^ 

durch die der Versuch gem* c _ L|seux brac hte seine verlegensche 

miani“ geschrieben zu ha su , *> £f starb J a hre alt, am 11. Jänner 

Tätigkeit nicht den erhofften c ^ dafür> daß> entgegen der herr- 

,894 zu Paris in g rolker ’ d se ltensten Fällen ein gutes Geschäft 

sehenden Ansicht, mit Erotik nur in ae 

zu erzielen ist.") . R ü 1 6 , rue de Palais, später 71 rue 

Die gleiche Erfahrung machte der nt e ;„ hikhst riihrigerGe- 

Dupont domizilierende V ei cbc r T c h| c l,tli C he Werke wie „Le XVIIIe siecle 

schäftsmann, der nicht nur si c und Erotik verlegte, sondern neben 

galant et litteraire (5 ~ C- 1 d j c schöngeistigen Produkte bekannter 

nationalökonomischer Liter atu > j. derno i S elle Fifi“ bei ihm erscheinen, und 
Autoren. Maupassant ließ seine „ * freundschaftlic h e Beziehungen. Letzterer 

Camille Lcmonnicr trat zu 1 m 1 £r habe neue s Leben in die bau¬ 

konnte ihn als Verleger nicht . § d 0 belc ri sc hen Verlegern das leuchtende Vor- 
fälligen Ruinen gezau eit un Entwicklung der Buchkunst bedachten 

bild eines unternehmenden und a f^ ^ ß dcr von ihm „Le MMe“ 

Geschäftsmannes gegeben. \ ‘ . beza hle,und erwähnt weiter, daß seine 

verlegte, hoch an, daß er seine Auto ^ Belgien verbreitet waren.»*) 

Editionen mehr m Frankre französisc hen Gerichten in Konflikt, als er Le 
Das erstemal kam ei mi 8 herausgab. FLer schildert der \ er- 

Roman du Cure“ von Hcctor F ^ 77 ^ p^-) Die zweite Ver¬ 
fasser die Anfechtungen ein« ^ Verlagswer k „Autour d’un clocher von 
urteilung zog er sich zu ui 

Fcvrc-Desprez."> , vel . h ältnismäßig harmloser Natur. Mit Recht 

Dabei waren diese ’äf er. da g der Verlag direkt obszöner Schnt- 

mußte er die Überzeugung gew. ^ Mch sich ziehen, der Gewinn aber 
ten auch nicht größeres Un 8' m “ Entsch | u ß bis zur Ausführung war für ihn 

beträchtlich höher sein wurde V ^ ^ ^ VmtiA ultragalanter und 

nur ein Schritt. Von l88 °. ab J r Schriften. Einschlägigen Werken des Rokoko 
später direkt pornographischer k v0 „ Go dard d’Aucourt, La chandelle 

verhalt er zu neuem Leben (h^ ^ Dieux v0 „ Evariste Parny usw.). Diesen 
d’Arras von Dulaurens, La be zeitgenössischer Erotik an: Le Theatre 

Neudrucken schloß sich die Heran . Jc u sociit4 v01 , Henry Monn.er, 

gaillard, Le Parnasse satirique, Les bas 




A? joic du Pornograp he ') usv/. Wie tür Poulet-Malassis, so arbeitete Felicien 
Rops auch für ihn und erhöhte durch seine vorzügliche Griffclkunst den Wert 
dieser ausgezeichnet ausgestatteten Ausgaben. 

Kistemaeckers beschränkte sich jedoch nicht auf diese bibliophilen Lecker¬ 
bissen, sondern stieg noch um einige Stufen tiefer, bis zum Druck und zur För- 

derung der gemeinsten Pornographika, spekulierend auf die Instinkte der brei¬ 
ten Masse. 

Brüssel T™eTT' 1 ‘ T ™ Brandt in 

Brus cl, 30 rue d Aremberg- ), spater in Amsterdam, Louis Jaugey und Adolph 

Delabays in Paris. Jaugey, aus Frankreich stammend, war ,863 nach Brüssel 

ausgewandert und betätigte sich hier, sehr vielseitig, als Verleger Verfasser 
und Illustrator seiner obszönen Verhoswerkc v„ -\ W ’ Vcrtasscr 

Stahlstiche au „Les Wros dwÄ " ~ ***** 

„L’annce galante“. Auch die 16 dem TYvr ? r 1 aublas und 13 zu 

flagellantistischen Roman „Le mari feroce“ "uh™vmf InT" r TT 
raktenstik seiner Person gibt Pisanus Fraxi. :,T ) ‘ LlnC Cha " 

Delabays Blütezeit fällt in das Jahrzehnt ,8<- f oz . , 

sich nicht auf Pornographie.sondcrn edierte wissenschaftlich“’ " bcscbränk j c 
Autoren, u. a. Werke von Paul Lacroix ^ und d' ‘ 11 Cr ,', 1St ZU nehmendc 
des curiosites“ brachte es bald zu großer Wertschätzu^f^? 0 ”? b ! ioth6quc 
ren verlegte er sich aber ganz auf den Vertritt I - ^ ^ Cn a(dltz 'g cr Jah- 

S bt„nt antCS “ 8CmaChl “ hab ' n -“ ) 

Als weitere Brüsseler Verleger seien noch erwähnt A Cl • • 

A. Hartcupp (Boulevard Central 128), der hauotsächr ? m [ laen5 ( um 1875), 
tierte und deshalb auf Veranlassung des englischen C^ England cx P or - 

schheßen mußte, und schließlich Vital-PuiL„> ~ esandtcn seinen Betrieb 
allen französischen Erotika-Verlegern ist Vital P, ^ S . UyS geheißen - Unter 
Jahrzehnt 1870 1880 fallt, wohl der t£££iS 3 Ä “ d “ 

Lebensverhaltnisse wissen wir so gut wie nichts wi -n ^ bcr Seine äußeren 
sein Charakterbild das wir uns a^s seinenÄÄ.t'“ 
sonderlich angenehme Zuge aufweist. Daß er eine TI.v 1 l ^ konnen > nicht 
gab, soll ihm dabei nicht einmal zu stark angekreider ^ 7" Er0,icis heraus- 
getstig viel höher stehende Zunftgenossen seTne/ ZA I“ ’ dC "" das 
und die Gilde der Erotikaverleger ist ja auch heute noch nich' 8 ' Sebe " baben ’ 
Zuzug ausgestorben. Was ihn jedoch als recht dunkle pV“ Man « el 
rakterisiert, ist seine Gehässigkeit gegenüber seinen Koni" Ebren " Mm ' cha- 
seinen clandestinen Katalogen nach allen Regeln de KunJT“'™’ dic « '« 
deren Ausgaben er nur aus dem Grunde lerreißt um hOTmter ™<*t und 

’ seinen eigenen Ncu- 

44 



Intime Plauderei 
. 























versehen, eine wieder] 
der Rue Boissy-d’Anglas 
zwei schwere Lastautomobile 
wurde Rue Milton 
Jessen Expeditionsräumen man eine 
hlag belegte. Das 
•schätzt. Ein drittes Lager 
dessen Bestände nur 

in Butrv (Oise) 

benfalls der obigen Firma l 
Abzügen pornograp 

' ' * ehrlichen Reingewinn von 

Tätigkeit mochte die Inhaber 
, KiKlinnhilc Interessen 


turgeschichtliehen Einleitungen 
die in den Geschäftsräumen 
beschlagnahmte, benötigte sie 
Ein weiteres Lager dieser liima 
Merlin ausgehoben, in d 
sandfertiger Postpackete mit Bcscl 
stücke wurde aut 400 Zentner ge 

James Joffe, 54 Ruc St. Martin, c 

fand ein findiger Polizeikommissar 

graphen Langlois ein e 
400 Platten mit rund 10000 
beiden Inhaber des we 
hochfeudalen Schlosses und 
polizeilichen Feststellungen einen ) 

francs. .. 

Der außerordentliche Erfolg ihrer 
wohl verführt haben, ohne Rucksu 
konsum zu befriedigen. In du 
melrcihc „Les Maitres de l’Amour 1 g: 
der Verlag in Serien zu 6 Band 
eine „Anthologie des Oeu\ lCS 
plus remarquables (vers et P 1 ^ 
des litteratures ancicnnes et mo 
traitant des choses de l’amoui i uaI 
Pro Band betrug der Preis 5 r ran ' 

Es sollten nach den volltönend 
Titeln „les Oeuvres“ Aretins, de 
des, Mirabeaus, Nerciats, a 
Restifs de la Bretonne, Voiseno 
usw. enthalten sein, fernei as 
ständige Werk Clelands, Lb lC ‘ ~ 

niour de POrient, Le Theatrc a 

mour au XVIIIe siede usw. a ' 
sächlich lag in dem Versprechen el 
schmähliche Irreführung, denn eI 

Käufer erhielt einen kastrierten o e 
zusammengestrichenen Text, zu 

le n eine bloße Inhaltsangabe mit 

einzelnen Textproben. Das Beste an 
diesen Ausgaben waren die 11 ^° 
rischpn . 1 i* U,erhen Em - 


ürucken den Weg in die Käufer- 
schichten zu bahnen. Dabei bestand 
nicht die geringste Veranlassung, seine 
Verlagswerkc besonders herauszustrei- 
j cn ’ da S1C überhaupt kein Niveau 
hatten, sondern lediglich auf die Lü¬ 
sternheit der Leser spekulierten. Kann 
man Gay, Poulct-Malassis und Useux 
zugute halten, daß sie nicht nur 

m Standpunkt des Verlegers, son- 
dcrn "S h mcllr von dem des eifri- 
^ 1 1 iophilen ihre Erotika einem 

C " 8 begrenzten Kreis von Spezial- 
darboten, so fiel diese 

Entschuldigung für Vital-Puissa.it 

1 . ö ’|. , a 01 sc i'ic Massenauflagen 

Tf C ’ aas Gewinnabsichten lief 

ausbrachtc, n K c l n 

Schaft/. 1 a skrupelloser Ge- 
rtk T^ Jcr nidlt davor zu- 
lb c \v/ i CCktC ’ sc "'e Kunden inso- 

hchl I T" vc rschiedcncn Titeln 

nc , el dc u l ’ 1 Gchcimka “lo S en seine 
' i ” ltlich da ‘ gleiche Werk 

..»:th i r dcn ". auch — 

kurzer Zeit sourlos 


aufgestapelten Bücher 
zum Abtransport. 
22 bei einem gewissen 
Unzahl bereits ver- 
Gesamtgewicht dieser Post¬ 
entdeckte man bei 
6 Zentner wogen. Ferner 
) bei einem Photo¬ 
gehöriges Lager von 
bischer Aufnahmen. Die 
Besitzer eines 
Erotika nach 
800 000 Gold- 


des Verlages 
den Massen- 


’ U1,u Bacchantin 

fern zu betrügen, daß er ein und dass, 

>■ “ T T Käufer, dertdi 
fgab, der Ansicht sein kon 
solche unsauberen 
1 vorärgert zu habe 

verschwindet. 

grünen Zweig hat es von ( 
■ J cn Ausnahmen, so gut w 
fugen mit harten Geh 

beschlagnahmten \\ 

men künden die Bericht 
Ätzern machte. Es war dies d 

’ ans ’ 4 rue de Furstenberg s 
je und Robert Briff 
Propaganda entfalteten Ein ^ 

botene Ware über die Grenze^T H ' 
es sein Geschäft 

scattung jed, Erotikons ^ 

f k/ j- ’ DlC berühmtesten Werke d 
fachkundigen Bibliophilen, wie , 3 i 
Sammler und Erotiker mit . °' 


herausgab, 

Bestellung aul 
zu erhalten. Durch 
Abnehmer gründlich 
von der Bildfläche 
Auf einen g " 

verschwindend! 
büßten ihr Unterfa 
Verlust des in die 
einem Unterneh 
Schloßb 
curieux' 

der Brüder Georg, 


^ ogern derartiger Literatur, mit 
- ebracht. In, Gegen,cd, viele 

; ■ e ttecte,, Kapitals. Nur von 

.ne d nr u,ui dic - 

:a. , 9o8 _! nM "Bibhothiquc des 

auch in d ? 24 bestcbc " d ' Vn la b 

on Schn tsck land eine rührige 

ß es dem E i' Crn brad ' K ver- 

r Auflagc'und’ ® rudcr P aar lasscn ' 

i äußerst • einwa ndfreicr Aus- 

■ischen WeidT, 8 8Cba ' K " < v °" 
Uaume Abnir eratUr erle bten, von 
den biblin lnai) e > dem bekannten 
bl bbographischen un/1 


Ulustration zu einem französischen Erotikon 







lekungen von Guillaume Apollinaire und B. de Villeneuvc , die manches 
unbekannte Material zu Tage förderten. 

Viel gehaltvoller als diese Ausgaben in Großoktav waren die niedlichen 
Duodezbandchen aus der Sammlung „Le Coffret du Bibliophile“, die etwa 32 

AUT:" 0 Z w n Jah n n 1910-1914 brachte ‘ über So6 Exemplare ging die 
ge nicht hinaus. Der besseren Anschaulichkeit seien aus den ersten beiden 

Serien zu je acht Nummern die 8 wichtigsten hier genannt: 

i. „Les Anandrynes“ enthält die bekannte Verteidigungsrede der Schau- 
Spielerin^ ÄdHcoK« aus dem „Espion anglai,“ Zugängen der sapphischcn Liebe. 

schienenen^Gedicht^amnilung eC0Urt “ *' . 7 «. *- 

3 - „Anecdotes pour servir ä l’histoire secrcte d«*c pk„„ « , . 
schichte ciucr homosexueller Vereinigung des ,8. Jahrh„ n fc,s gC " 

4- „Correspondance de Mme Gourdan“ ist für Hw» r I • 

Anschauungen des Rokoko wichtig. Erkenntnis der sexuellen 

j. „Parapilla“ und „Foutromanie“ des Scnac de Me‘11 , , 

löse Anekdoten usw. Mcilhan enthalten skanda- 

schreibt, das aber PouletÜtlassis ma " GuS,avc Droz zu ‘ 

i8. jährhundert. hllOSOPhC ’ ^ bekannt «*n obszönen Romane aus dem 

Die übrigen 8 Nummern sind Mittelware 

Die dritte Sammlung „Chroniques libertines“ k u 

ZlmT?“ 5 dCn Pam P bleten und Libellen des R 0 M tCn K ' atscb untl Indis- 
de Mlle Clairon, dite „Fr&illon“, ferner die sebf ^’n' B ' La vie Kbertine 
Pamphlets hcencieux contre Marie-Antoinette ses 7 '” » Biblio 8»-aphic des 

Hector Fleischmann. ’ ses ama »ts et ses maitresses“ von 

Ebenbürtig zur Seite steht ihr die Reihe T . 

Nur wenige Ausgaben aus der reichen V er1 ch 1 ronic l u es du XVIIle siede“ 
Verleger halten einer strengeren Prü^gl ^^ätigkeit diese^I 
noch k astn } N ^ Ut . hnen § nur d n Ble Herausgabe der (überdies 

Hl £ n , d ‘ e Sle lhre regelrechten PornograohZT^’ Um Adr «scn zu 
Hauptsache kam es ihnen darauf an mödkb P l absetzen konnten In der 
erzielen, was ihnen denn auch gelanget ' rei <*en Verdic 


bumsen «t, 4 ^tiuienst 

AS artige Erotik 


setzen zu können. Unter dem wissenschaftlichen Mäntelchen ließ sich viel 

Schmuggelware verbergen. ... 

Der Verla- Charles Carrington, 13 Faubourg Montmartre in Paris, hatte 
sich den Vertrieb „aufpeitschender“ Literatur (aufpeitschend in des Wortes 
verwegenster Bedeutung) zum Ziele gesetzt. Alles, was mit Flagellation zu- 
sammenhing, erfuhr in diesem Verlag die liebevollste Pflege. Auch gewisse Per¬ 
versitäten fanden eingehende Behandlung durch sachkundige Bearbeiter. Einige 
Titel aus dem Verlagsverzeichnis charakterisieren die Richtung des Unter¬ 
nehmens besser als langatmige Ausführungen: 

Jean de Villiot, Le Fouet au harem, 

Etüde sur la flagcllation a travers le monde, 

Curiosites et anecdotes sur la flagellation, 

Marguerite Anson, Une societe de Flagellantes, 

Ethnologie du sens genital, 

Etüde sur la bestialite, von Dubois-Desaulle, 

Le pantalon feminin, von Pierre Dufay 

usw. usw. Es kam natur¬ 
gemäß zu Verurteilungen, 
wogegen sich der Verlag tem¬ 
peramentvoll in einer Bro¬ 
schüre ,,De quelques com- 
damnations litteraires“ zur 
Wehr setzte. 

Die Erbschaft der „Bi- 
bliothcque des curieux“ 
scheint neuerdings die 
„Librairic de la nouvelle 
France, A. Bciucv , Paris, 

73 Faubourg Poissoniere“ 
angetreten zu haben, die, 
unbekümmert um das 
Anathema der Tugend¬ 
wächter, nacheinander so 
zugkräftige Werke heraus¬ 
gab wie ,,Le Cabinet sa- 
tirique“, „Les Dialogues de 
Pietro Aretino“, das Ka¬ 
masutra des Vatsyana, 

„Anthologie libertine“ usw. 

Auch die im offenen Han- 



Wilhelm Wagner: Dirnenlokal 


4 


49 
















(Jcl vertriebenen Werke führen die 
viel mißbrauchte „Liebe“ als Aus¬ 
hängeschild. 

Neben diesen offiziellen Verlagen 
gibt es wie überall und zu jeder 
Zeit die vielen Winkel Verleger, die 
ohne höhere Ambitionen Masturba- 
tionsromanc für teueres Geld in 
schändlicher Ausstattung heraus- 
bringen, Nach- und Neudrucke. 
Ihren Absatz finden sie durch Inse¬ 
rate in viel gelesenen Witzblättern, 
die sich zu Helfershelfern der Pro¬ 
stitution hergeben wie „Le Sou- 
nrc“ u. ä. 

Bibliophilen Erotikern bieten au¬ 
genblicklich zahlreiche Luxuspubli- 
^ ,, , ~~ Nationen auf bestem Papier und 

Schlecht placiert in mustergültiger Ausstattung zu- 

gestochen von Angelica Papavoin,. ., ^ ^° St > Ulld hervorragende 

Künstler wie Mac Orlan, Vcrtrs 

durch Ongmalarbeiten diesen in sehr i Fu ' jUa vcr schmähen es nicht, 

kationen sicheren Absatz zu verschaff Aufla & c hergestellten Publi- 

Prachtwerke „,it bibliophile- versieh« 

leitungen. b C8C " C " b 'Uio B raph,sehen und historischen Hin- 

*? ie Erotik ist »ko trotz aller ihr in den W t 
zu kriegen, sveder in Frankreich noch in F l B , 8tCr Hindc ™“' nicht rot 

Auch das prüde England hat näml* k ° S a ' K ’ nocb 1,1 Deutschland, 

gemäß auch Verleger aufzuweisen dk /'m Lit<:ratu '' u " d "»~r- 

urgte Nachrichten sind uns aber erst aus T N “ kfrase gerecht werden. Ver¬ 
einet der ersten wird Edmund Curl I .A"' I®' Jahrhund ert überliefert. Als 

des beruchtigen Earl o / Roche,,er J r , d ' r auch dia obszönen Gedichte 

ai h P nc 8CT ’ cr » v enus in a Clovst 8 'V S ' and cr in Chln "g Cross 

sehe Übersetzung des französischen Erotik' v in '’ Cr dia “*«- 

a'ZZlof ^ ' a sse„ S " V '"“ da " S k ^ la 

John Clelands »»««r. «er Verleger von 

r schnft *- 


Curll und Drybutter waren nicht die einzigen, die sich die obszöne Literatur 
als Spezialität erkoren hatten. Arcbenholtz* 1 ) berichtet ausführlich über einen 
Prozeß aus dem Jahre 1789, aus dem diese Tatsache erhellt: 

„Der Generaladvokat trat im Juli im Tribunal der königlichen Bank als 
Ankläger gegen die Buchhändler Morgan und M y Donald auf. Der erstere hatte 
ein obszönes verführerisches Buch, betitelt „Die Schlachten der Venus“ 4 ") und 
der letztere die aus dem Italienischen des Antonio übersetzte „Schule der 
Venus“ verlegt. Der General sagte, diese Bücher wären ganz dazu gemacht, die 
Leidenschaften junger Leute in Flammen zu setzen, die Sitten zu untergraben 
und alle Grundsätze der Tugend auszurotten. Er trug daher auf exemplarische 
Strafe an, und gab Nachricht von einer Gesellschaft angesehener Personen, 
die auf ihre Kosten den gegenwärtigen Prozeß angefangen und entschlossen 
wären, alle Buchhändler, die ähnliche Schriften verkaufen würden, gerichtlich 
zu verfolgen. Die Sachwalter der Verklagten beriefen sich auf die Armut ihrer 
Klienten und auf ihre Unkenntnis der Schädlichkeit dieser Pamphlete, die sie 
ohne allen Argwohn unter andern Büchern verkauft hätten. Der Vorsitzende 
Richter Ashurst aber verwarf diese Entschuldigungen, bezog sich auf die 
immer mehr einreißende Sittenver¬ 


derbnis und behauptete daher die Not¬ 
wendigkeit einer harten Strafe. Sie 
war es in der Tat. Die Buchhändler 
wurden zum Pranger und zu einem 
zwölfmonatlichen Gefängnis in New- 
gate verdammt; nach erhaltener Frei¬ 
heit aber sollten sie für ihr künftiges 
Betragen Bürgschaft stellen.“ 

Den Absatz der obszönen Schriften 
besorgten Hausierer, die 2 3 Mann 

stark die Lande durchzogen und untet 
dem Vorwand, alte Kleider zu kaufen, 
ihre Ware absetzten. Im Jahre 1817 
schätzte man ihre Zahl bereits auf 
600. la ) In der Zeit von 1817 bis 1839 
kamen nicht weniger als 20 Buchhänd¬ 
ler vor die „Society for the Suppres¬ 
sion of Vice“ wegen der Verbreitung 
erotischer Schriften zur Aburtei¬ 
lung, und von 1802 bis 1838 wur¬ 
den durch den Gerichtshof vor 
King’s Bench 80 Händler wegen des 
gleichen Vergehens, davon 53 mit 



us einem modernen französischen Erotikon 


4 


5 1 





Pranger und Geldstrafen, bestraft. Hand w-, i i 

nähme der verpönten Schriften Nur in I l 1 damU d,c Beschlag- 
folgung zum Opfer: . ,6a ^R U J ^ ,8 3 J—-« 3 « fiel«, der Vor 
Liederund [0493 unanständige Bild U<_ ll j r .. Un ^ Broschüren, 1495 schmutzig! 

tr>"" ä ..MÄtÄ N t *>r> 7 

ät .- . " arm -* « -: f s 

Al 1 1 


haben. -, 

Ms bekannteste Verleger und Händler fb.-id . , 

einer Hand vereinigt) nennt Pisanus Praxi" , Willi"'"w"" ^ mcistcns 

.ichstc Tätigkeit in die Zeit zwischen 18 /• , ! cst ’ dcsscn hauptsäc 

Verfasser der populären aber ordinären M*Vuu ^ L " Kl dcr ksonkrs * 
John Benjamin Brookes (+ ,8391 Und in Frage kommt, 

artige Sachen vertrieb, ^ von .8ao-,8 3 o de 

seinen^amen auf das Titelblatt seine,- a^tÄ: 

i8 ;v- - n,„ 

v!X J ° ’ n Wih °"- welchem N. ,t, er ” M 7 " sl '- h ^ l’»ul 

\ olk schwemmte. Pisanus Praxi erwähnt chm 7 ,T' , * W Scl,m « zf l« i 
Lane (zwischen ,8z s und ,840), An,htm,, 7 ^ J j A,cham "> Chance, 
seinen Sohn E dward und Dickcnson de Kr \‘"P‘ D> '" Whi,c <+ ■ «4 ’ 
Garden, der nichts dabei fand, „eben, v<> " St - Pauls, Cove 

Der hT' WlfC *" ^Waagswi L ab2 „r 18 f ~e„ Amt 

Oer bekannteste Verleger d; . abzu setzen. 

teste, s- 

Herstellung und dem Vertrieb ob ° ^ V1Crtcn langes befaßten sich ‘ I 

psgpsti 

ss s i 

kehrte 1854 wieder nach r T e " le aBen teuerliche R P ‘ ' W ? 8 Jedock M 
kleinen Laden zu ^,^»«1 »Hldt und erö 

und tatkräftigen TA , Cme Buchh andlung di §55 111 einem sei 

Hottentfihr;;^ ^ Ä untcr «~k*« 

Ä, s oi^vi r d r * 

52 



1 
















ä ä“ fr,r sTv r d T k lrr' 

tismus, Phalluskultus, Aphrodiciaca usw für ^ T ^ 

Selbstverständlichkeit, jedenfalls nichts B s '"r^T Künt,naUalcn cmc 
gebärdende England ein direkt uncH^ ts T ^ ^ P rüd ‘ ^ 
Herausgabe erotischer Literatur war das St-ck !? SammC ' n U " d d,C 

bezüglichen Verlagswerke sind bei Allibone") nlm '• Scmc d,cs - 

selbst besaß eine sehr reichhaltige Bibliothek d "c ^ .': crzc,ch,,et ' l r 
seinem Tode von einem Londoner Amateur en bl “° ner ^ hntten ' dlc nach 
ten, der es aus kleinen Anfängen zu großen r T Wot ' 

am 14. Juni 1873 i„ seiner Villa zu Han pstcad b'“l ’ ^i ' hallC ’ starb 
Verlagstätigkeit hatte ihm bei seinen KollJ bci London. Seine erotische 
sogar ein Denkmal setzten. L '' ,U1 S ° " cni ^ geschadet, daß sie ihm 

XamUXTk^ berci « '«57 hatte die sogenannte 

obszöse Abbildungen aufgenommen. Sic^varT iT I ? Uchlitcratur UIld 
damc des jüngeren Dumas Gesetz B J 0 I , auf d! * »Camelicn- 

rung machen müssen, daß gerade durch v'h hat icdoch di ‘ b >fah- 

merksamkeit weiter Kreise auf diewahrhaft Vcrfol 8 u ngcn die Auf- 

Havelock Ellis vertritt deshalb in der Monats 0 ? CPSt 8 c,cnkt wird. 

ter (Mai 1929) m j t R cc h t j jc Ansic) d ^«eenth Century and 

Ju gen d „trotz dem perversen Eifer unserer I, ' kunftl 8 c Oirlich erzogene 
klager in Zukunft kein Abnehmer fü , ' Und öffentlichen An¬ 

werde. Das könne freilich noch nicht heutd Tf ^ Wcrkc mebr 
ensor wohl zunächst eine Zeitlang sein W ? * l“" 1 ’ v,clm eHr werde der 

mutigend d.es auch für .Engländer Von ' 1 ?" ^ ^ dad ^ b , so de- 
lachter Europas“ machen/’") tCn Stock< sei, England zum Ge- 

trcten erst im ,o. I ahr u.. 


‘ -•“'-■■«-u. J ’ —•■feiauu zum VjC- 

ln Deuts cbland treten erst im ,« 1 . , , 

graphk zum beliebten Tummelplatz ihr^“"f"' V ' r,CSer ' die sich die Porno- 

sie”’ , hcrV ° r - 2wci Namen V sMd Se h :SCh r Tätlgkeit erwählt hat- 

sie als Mittler und Neuschöpfer erotisch cl ^ beSOnders zu nennen da 

inTlwn" Ü "h f?" G ' ScU “ k t S '----He Üben 

ln Altona und /. Schciblc in Stuttgart. tllch b «‘"flußten: Au gusl Prim 


August Prinz 

- - t, F.<h- 


54 


händler-Adreßbuch von Schultz er¬ 
fährt man nur, daß seine Firma „Ver¬ 
lagsbureau Altona“ im März 1848 in 
Altona gegründet wurde, und daß er 
in Gemeinschaft mit H. Neubürger in 
Dessau ihr 1871 einen Nebenbetrieb 
„Verlagsbureau Sep. Conto in Altona“ 
angliederte, der bis 1877 bestand. 1883 
verlegte er seinen Betrieb nach Ham¬ 
burg, Lincolnstraßc 11, wo er in finan¬ 
zielle Schwierigkeiten geriet. Am 27. 
Januar 1884 muß August Prinz entwe¬ 
der ausgeschieden oder kurz vorher ver¬ 
storben sein, denn im Adreßbuch von 
1 83 5 steht der Vermerk : „Verlags-Bu¬ 
reau (G. Kramer), Verlagshandlung in 
Hamburg, St. Pauli, Thalstraße 25. 
Kommissionär Heitmann. Firmiert 
so nur behufs Erledigung der Conti 
der früheren Firma: Verlagsbureau 
in Altona. Alle Auslieferungen erfol¬ 
gen unter der Firma G. Kramer in 

Hamburg.“ 

Seine Einstellung zur erotischen Li- 



Anonyme moderne französische Illustra¬ 
tion zu: Apulejus, Der goldene Esel 


tcratur hat er in seiner anonym heraus¬ 
gekommenen Schrift „Der Buchhandel vom 
Altona 1855“, sowie in der Fortsetzung: ,,. 
und Altona 1860“ (Drucker L. Schnauss in 
Hamburg und H. G. Voigt in Hamburg) an 


Jahre 1815 bis zum Jahre 1843. 
..bis zum Jahre 1860. Hamburg 
Leipzig, Ackermann & Wulff in 
mehreren Stellen offen bekannt- 


8 Tl b ch"bi„ nicht weniger dafür, daß solche (i. e. obszöne RV.) Bücher offene- 
lieh ins Publikum gebracht werden. Aber jemanden deshalb verdammen daß 
er solch ein (unsittliches) Buch verlegt, is, Unrecht, da Büchet Ware sntd wte 
jede andere Ware, und man versucht cs aal dtcsc oder , ene We.se. (S. 5°) 
Mit diesen Worten bricht Prinz eine Lanze pro domo, g.bt also den Druck 
obszöner Schriften zu. Ferner gesteht er,") daß auch gegen thn wegen des 
,, , , ,.. f • _ Q r u r jften eine Kriminaluntersuchung eingeleitet worden 

sei, F u.^zw^ auf^Grund einer^Denunziation eines Berliner Buchhändlers Friedrich 
Schneider. Über das Ergebnis dieser Untersuchung, die demnach vor i 55 er 
folgt sein muß, ist jedoch nichts bekannt. Im Altonaer Polizeipräsidium sind 
-fl-i.— A-„ -„f Prinz Bezug haben, vorhanden. 


lrninr» Qtfn f nr 


JJ 


zenstein in Schleiz) von Erna Eh* ” i . K .‘ Mah,un 8 cn (gedruckt bei Rei- 

Preußen, Sachsen und einige andere Staaten'f ^ VCI ' S ‘" ult wordcn - 
verbeten. Auf der LeiDzit?i-r M ' j ‘ c uttcn sie wegen Unsittlichkeit 

j : ca mP c,B. 7^rs7p c l7. nun ; üi v d ™ h— 

nämlich, die Erzählungen zu vernichten ^ ^ ^ u ^ ulart, ^ cr Antrag gestellt, 
eher Schriften je ein ^ 

smg tatsächlich durch, und das Autodafe f a „j“ r M 7 'T' Ut A " ,ri ' 8 

erklärten der Börsenvorstand und Ri • i ' K 1 st,ut - darüber hinaus 

Bibliographie, keine Prostitutionsbücher i '.'dt’ 7 - ..' 7*7 7 bclu "" U '" 
gen mehr aufnehmen zu wollen *-) * u/ eichms der Neuerscheinun- 

Ma 7 .- Hoc,.. zweierlei 

stößiger sind als Althings ErzählunL' Allel “ r ”^ U '" TOircn “ si "licl, nicht an¬ 
angesehener Verlag (, 8zz- , 8 , 8) f 7 "°"’, hatte Brockhaus, cm 

wegen seiner vielen Streitigkeiten « 27 Kki " W W 
Gegenüber andern Verlegern und ßuehhi I “‘’B™ 05 *" r “ht unbeliebt.“') 
”" d «"Hr engherzig. Broekhaus d r 7 ' " S ' d ’ B«rscnv„r- 
bereits von Amsterdam aus, wo er sieh neu lT"'"l Leipzig 

Bezeichnung Peter Hammer in Kill„ "7 hcrt h «“- unter der Verlags- 

£K^«£5srf«s 

R. Mü,denTr m Bd" W ° hl ™” 

«n sind, aber ^ ob "^. kl,chkd ' Bei Prinz Seite fAh^T'^ "» 
bezweifeln. '«halten. Die Idendta.^^^'t 


d7 ,r .r 

seine Fahnen zu bannen r ”1 d Und j ene Weise“ > Cs ebcn 
L'ter nicht entge^kommeTs" c 2 ° 6 ' »Ute er dem V f' Urfülti n " 

derbster Art die er J In’ S ° entstan den in rascher i? -l Cr an S cn seiner 

Ah Deekfirma ^,'"77; 7'^'" Erotica 

Boston — Geor?p r * . J - W a gener, Neustadt p • f n Mar ' u warf. 

George Brown,C„ci n „a t i, und „ ur ^ Chesterfield, 

tro 1 ar °ne in Padua 



(unter welcher Adresse sich sonst Fischhaber in Stuttgart verbarg). Nur ga¬ 
lante Sachen wanderten unter der Verlagsbezeichnung: „Verlagsbureau“ in die 
Welt. Am 12. und 22. September 1863 ergingen die ersten Verbote, die hin¬ 
sichtlich folgender Werke erlassen wurden: Memoiren und galante Abenteuer 
einer jungen Frau aus der Demi-mondc (Altona, Verlags-Bureau), Die Venus¬ 
grotte, oder die Kunst, Männer aus- und anzuziehen (ebd.), Memoiren und 
galante Abenteuer der Ida Jones (Neustadt, J. J. Wagener), Das moderne 
Decameron, oder wahre Geschichten aus dem Leben und Treiben der feinen 
Welt (Boston, Reginald Chesterfield). 

Prinz dachte natürlich nicht daran, diese anscheinend ergiebige Erwerbs¬ 
quelle freiwillig zu verstopfen, verstand er es doch, seine Urheberschaft als 
Verleger so gut zu verbergen, daß es den verbietenden Instanzen nicht zum 
Bewußtsein kam, wie sie durch die verschiedenen Verlagsbezeichnungen von 
Prinz düpiert wurden. Am 19. August 1868 wurde der gesamte erotische Ver¬ 
lag des Verlagsbureaus in Altona, und am 26. Januar 1869 besonders der von 
J. J. Wagener in Altona verboten. Ob diese weitreichenden Verbote fruchte¬ 
ten ? Eine Zeitlang wenig¬ 
stens, wie es scheint, denn 
erst am 4. September 1872 
sieht sich die Bücherzensur 
genötigt, von neuem die Al- 

O O 1 

tonaer Verlagswerke aufs 
Korn zu nehmen (Jettehen, 
die schöne Schenkmamsell, 

Liebesnächte, Memoiren und 
Aventuren Theresas, Die 
falsche Pepita, von Rosen¬ 
berg, ferner Flora, die Ge¬ 
heimnisse einer Probier¬ 
mamsell von Vocativus). 

Am 16. Mai 1877 wurde 
der gesamte erotische Ver¬ 
lag von Reginald Chestei- 
field auf die Verbotsliste 
gesetzt, und am 26. Ok¬ 
tober wird der berühmte 
oder noch besser berüch¬ 
tigte Roman ,,Aus den Me¬ 
moiren einer Sängerin“ na¬ 
mentlich als verboten auf¬ 
geführt. 515 ) 



Wilhelm Wagner: Marseiller Bordell 


57 







üs handelt sich hier um den zweifellos k.cr • 1 

der deutschen Ursprungs ist und d " cro J ,schen Roman dieser Zeit, 

mit dem Namen der beruh L ,... man stcls und allerorten in Verbindung 
(6. Dezember 1804 bis z6. Januar imT]'*- " ^cbroedcr-Dcvricttt 

ultrarealistisch geschriebenen Erin • ° 1r ‘ n » t ‘ blc soB die Verfasserin dieser 

ohne irgendwelche Zweifel in di / ll . rUn ^ cn Sc . ln - Audl Hayn-Gotendorf führen, 
Germanorum erotica“^die Vc * V P ' ™ in ih ™ -dübliothcca 

Seltsam genug, denn irgendwelche AnhT ‘ US ^ abc ’ 1UIUcr ‘brern Namen auf. 
überhaupt nicht gegeben. Nach der cincn^T . dicSC Bc,lau P tun ß sind 

Sänger Angelo Neumann (geb .»,o\ „,1 S< ” lr ' crbl ‘eitetcn V'crsion soll der 

verschiedentlich an dem Manuskritt hak™"?“*“ ® cltcn - da CT J ie Schröder 
To c der K ü „ st |eri„ i„ ihrem Schreibt ^h ^7''°!' *■“ « nach den, 

Bebhche Kronzeuge bei näheren, Zusehen , ? Uidt ' r dieser an¬ 

dre Vorrede zu den „Memoiren“ stammt "l't d ?" l8si ' alls »clchcm Jahre 

“od cs ist kaum anzunchmen, daß die Verf, * C ?' umann cr " O <"> Iahte, 

innmsten Bekenntnisse habe Einsicht „chm l™ ” U " r<:if '-''' Knaben in ihre 
der Schroeder-Devrient, weilte Neu mann .T ‘ 86 ° « Todesjahr 

erstere Koburg ihre Seele aushauchte Wf 1™°'? in l>r ' ;IJ l>urg, während 
fkriot CmCn b " aCh dCm Abkb ™ der a geb iA V Kül ' st| er mitten in, 

Skript aus rhrem Schreibtisch an sich n t Varfa »rin sofort das M „nr- 

mmfst ’r KCnnCr d “ einschlägigen v™h ä k m ' ,:, ’ ? | AU ' :h " a " mh 

in Mtoni° edCl k UeVr ' Cnt die ••Memoiren einer b “ treite t '), daß Wilhcl- 

A T Äs a r££ - T 

sch,Tn t™"’- dal! d,CSCr hocl ’8ebnd“ete 'und7b 86! ' > im Au 8e-Aber ganzTge- 
gegeben hat Hnd'iTttf" 8,0 -Ä* bai 

weder dt T ,T nC ";? Cd ' di ' M en>oirenset;ide; ", Wirklkha " Lebens- 

äsääöt* 

Arzt und Freund & de Ta § ebucb es i n Po '* ^ I llui011 ’ daß S1C 

vollem Leben entschletet Auch't 1 ' l ' ß " n ‘'''imitäTn' aüs “VT 

gerechtfertigten 1 \ h enn man sich nnf A -l dercn Wechs cl- 

den war, der in diesen^riefe^N’ daß dn Unbek annter hI'^ f UrcH nichtS 
lebende Personen n ; \ r U f . / ° Namen und Orte will! •• i- ^ aus 8 eb er vorhan- 

unmöglich so weit gehen 11 d^d- 0 " 1 ^' 61 ’' 11 ’ S ° k ° nnte di!se U ^ 

abweichendes Lebensbild' zeichnen MmTdTrf thT d " gat 

58 Ch kclncn Augenblick 


ver- 


gossen, dals die Briefe, auf denen das 
Buch beruht, an einen Mann gerichtet 
sein sollen, der mit den Lebensum¬ 
ständen der angeblichen Verfasserin 
aufs genaueste vertraut war. Der 
(wenn man einen Herausgeber an¬ 
nimmt) im allgemeinen sehr gewandte 
Bearbeiter hätte sich in einem solchen 
Falle kaum diese Ungeschicklichkei¬ 
ten zuschulden kommen lassen. 

Aber es fehlt ja überhaupt jeder An¬ 
haltspunkt dafür, dals die Briefe von 
dritter Hand redigiert wurden. Wir 
müßten also annehmen, daß die Briefe 
Schroeder-Devrient, ihre Autorschaft 
vorausgesetzt, im Orginalwortlaut vor¬ 
liegen, falls wir nicht die einzig plau¬ 
sible Meinung vertreten wollen, daß ein 
Dritter sie von Anfang bis zu Ende er¬ 
dichtet und sich nur des zugkräftigen Radierung von Ilasler, zu: Bethge, 
Namens der kurz vorher verstorbe- »Die indische Harfe« 

neu Künstlerin als gewinnverheißendes 

Aushängeschild bedient hat. Zu diesem letztgenannten Ergebnis wird man 
aber ohne weiteres gelangen müssen, wenn man die Angaben der „Memoiren 
ein wenig unter die Lupe nimmt. 

Die Vorrede datiert vom 7. Februar 1851. In ihr bezeichnet sich die Ver¬ 
fasserin ,jetzt“ als 36jährig, müßte also 1815 geboren sein. Tatsächlich fällt 
die Geburt der Künstlerin in das Jahr 1804. Im 2. Briefe des ersten Teils gibt 
sie an, daß, als sie selbst 14 Jahre alt war, ihre Mutter 34 Jahre zählte. Nun 
ist diese (Sophie Schroeder) aber 1781 geboren, ihr 34. Gebuitstag fiel dem¬ 
nach ins Jahr 1815, während (nach den Memoiren) Wilhelmine in diesem 
Jahre erst oberen sein müßte, als sie in Wirklichkeit bereits 11 Jahre zählte. 

Auf S 347 (ich zitiere nach der Ausgabe von 1907) erwähnt sie, daß ihre 
beiden Eltern, als sie, die Erzählerin, 27 Jahre alt war (demnach 1831) inner¬ 
halb einer Woche durch eine verheerende Epidemie hingerafft wurden Tat¬ 
sächlich starb ihr Vater, Friedrich Schroeder, am 18. Juli 1818 in Karlsbad, 
ihre Mutter, Sophie Schroeder, überlebte den Gatten um 50, die Tochter um 
8 Jahre, denn sie starb am 25. Februar 1868 in München. 

S. 204 behauptet Wilhelmine, geborene Österreicherin zu sein. Unbestritten 
aber stand ihre Wiege in Hamburg. Sie spricht ferner von großen Verrnogens- 
verlustcn ihres Vaters. In ihren authentischen Aufzeichnungen, die Clane v. 



59 




ÄÄ Zlt\t ^ " L "\'•«•'«— 

Burgtheater zufrieden war, was auf 1 -i . U,K , 1 bcscllCKicncn Stellung am 

Sie erwähnt einen drei jäh rh-.-n n T g anzclK,c Vermögenslage hindeutet. 

sic sich jedoch in drei versdhedenr'spieutrT, s) !''‘T'’' 1 "i ' 
halten hat. Sie spricht von einem ^II ” ( S3 “’ lS 33 und 1837) auf ge- 
spielte, nennt aber mit keinem Wort Dresd ■" ,n 1 lorcn/ > wo sic 

wenig Berlin. Im Vorwort illerdm i U1 ’ * 1IC ^ aucriH * c 1 Kimat, ebenso- 
welcher Initial „Drcsde“ nm Schluß, d™ 7 . febnur 

mit ihrem Gatten in Rußland und d-T^ /- 851 abcr blclt »ch die Künstlerin 
erst 1852 zurück. 1111 111 ms aul - Nach Dresden kehrte sie 

Im 6. Kapitel des ersten Teiles fiihrr • 1 , .. 

noch nicht vermählt habe, da eine Künstl '‘?" BtTcn ‘ U| s, dals sie sich selbst 
henmutter und Liebling des Publikum ‘ "T "' Cht ZUglcich 1 ^usfrau, l ami- 
Z- der angeblichen Abfassung 7 8 n b k °. nnc ; Schlich lebte sie zur 
edclmann von Bock. 8 ( ' 8Sl) bcrc,ts 111 dritter Ehe mit dem Land 

Schließlich ist ein Brief, den CI von ri- 

Interesse. Am Schluß dieses an C G Garn P' '“ 7) mitlciIt ’ 'dein ohne 

»Sie erinnern mich an m i u *”***“ ***■ ** es: 

-ddeßen können ans Sr3r 7? ^ " h ™ch nicht ent- 

sd'h"’ r' C kaUm gdlcilt ’ m anch strenges u r\^ manchc Wu »de auf- 
olc e, d,e noch leben und die ich “ho • Urtdl ^ 

mal d ? rbdt 8Ctan > icb habe meine p " Cn . Eincn Sdlntt habe 

* C gchongc Stl mmung über mich so gC “ rtlnct Und kommt ein- 

jssää rr-r w 

und alleiniger Hausarzt tatsäc hlich Hofrat Ca '“T 7 "” Arzt 

Schließlich gibt auch d r , beschwingten 

Sit .- 

der, wie zweifplcf • r 1Z ’ ^ cr Inhaber vom V i , ^ atsac hc Kapital 

skrupelloser GeschO d ‘ C •' M <™oire„'' in Alton», 

hat viel rSh dar aCher u 8dten ' dc '' ‘•nbedenkl ch Tk ' 'r“"" il ' S “ ld '“ 

Teil. daß cr a «h das Erotikon verfaßt " Lcich "' geht. Es 

* ’ wenigstens den ersten 


ÖO 


JW 

rük 


Herrschen also bereits für diesen sehr begründete Zweifel an der Autor¬ 
schaft der Schroeder-Devrient, so besteht hinsichtlich des zweiten Teiles bei¬ 
nahe Gewißheit, daß ein Dritter, keineswegs die genannte Künstlerin, ihn ver¬ 
faßt hat. Hayn-Gotendorf nehmen „nach Juli 1875“ als Erscheinungstermin 
an, ohne auch diese Angabe näher 
zu begründen. Doch finden wir in 
den „Memoiren“ selbst verschiedene 
Anhaltspunkte für die Zeitbestim¬ 
mung. An einer Stelle wnd auf ß 
die „Wagnermanie“ Bezug ge¬ 
nommen, die bekanntlich zwischen 
—^72 einsetzte. Ferner er¬ 
wähnt die angebliche Verfasserin 
die Lektüre von Karl Heinrich 
Ulrichs , der unter dem Pseudo¬ 
nym NumaNumantius für die Inter¬ 
essen der Homosexuellen sich ein¬ 
setzte und sjine Schriften zwischen 
1864—1870 (nur eine erschien noch 
1879) verfaßte. Da aber August 
Prinz, der auch den zweiten Teil 
der „Memoiren“ edierte, erst 1884 
seinen Verlag auflöste, so kann 
für die Abfassung nur die Zeit 
von 1869 bis 1884 in Frage kom¬ 
men. 

Das wichtigste Argument jedoch Wilhelmine Schroeder-Devrient 

gCgCll die Autorschaft der SchrOe- Nach einem Gemälde von F.B. Kietz 

der-Devrient ergibt sich aus der 

Stelle, in der von dem sog. „Provisorium“ in Ungarn gesprochen wird. 
Dieser Passus lautet: 

Damals aber herrschte in Ungar,, „och das sog. Provisorium es wurden 
„och keine Reichstage gehalten, wiewohl man davon schon sprach, daß einer 
Im folgenden Jahre einberufen werden sollte. Die osterre.ch.sche Regnerung 
fing an einzusehen, daß das System der Knechtung m ernenn Land wie 
Ungarn doch zu nichts führte und hielt es für zweckmaß,ger, „achzugeben. 

Das Prov,sor, um endete bekannt ch a m I4 eillberufen . Da die 

wurrL vorübergehend in diesem Jahre, enu 0 uii.i 5 /’ . , 

wurde vorubergehena Frankfurt verließ (diese Angabe steht un- 

Verfasserin angeblich ,,im jun 1 1 Tll i; ..os 

mittelbar hinter vorstehender Ausführung), so onn e 




ahr d ft r ^ r, 3 i Tl^ “ z ß„d., P v, t . 

di also l " Kl 3 . Jahre "“ h *«* »• 

-fol S . sein kann, \ '?? *! T “'' 

nicht aber für die Verfasserschaft Di li A” !^ l>,m bettet 1 ' des Druckes, 

verstorben war, konnte sie unmöglich v<>„ °^y ■ A ^ k ' mls ' S6 ~ 

1865 berichten. ^ c cn P l) l ,tls <-'hen kreignissen im Jahre 

sprechen. Auf den Seiten -> 8 “»_-><> ^ L Autoi schalt der Künstlerin 

Breite eine Orgie im ßudapester BJrddn'r »° 3 -T 3l - y ' vird 1,111 dinglicher 

stimmt aber fast wörtlich (ab-eseh- • i ^ A ^^schildcrt. Diese Szene 
ratenden Zusätzen und AusschmückuV °” ^ sclmf tstellcrisches Können vor- 
kamt „Meine Tante W.fe’ ™U'™' Srene des Spj.uli- 

von Ihrer (I) Nichu . Elilc v “ J " n Budapest, gesel,riehen 

cn. Hier berichte, eben die J- über 

g.bt auch die Zahl der Teilnehmer i n ’ W Tt ' il "“ 1 '™ an der Oreie. 

die Memoiren“ übernehmen die hlseheiT Z' ' lJdKT ' aber falsch, und 
erschien „ach Hayn-Cotendorf IV „ "r’" 'S' Wri8i '“> ** -K« U,fl“ 

ings setzen die genannten ßiblio»kphcn " '"r” 5 ’ J “ r "■'ebziger Jahre. Aller- 
p mikt jedoch stimmen, so wäre ItB ew ,TV'ürde der Zeit- 

„Memoiren" die fragliche Bordellszene iT B ** *r Verfasser der 

s.chthd, dieser breit ausgesponnen^ ><> dals also hin- 

ÄÄ i0 n c aS ' ^ 

Eme Ausgabe aus den seAzig^talentab’' T f Ci ” Cm lrr '“"' zu beruhen. 
Die mir vorliegende Ausgabe, die vullU n,ü ZIJ «esieh, bekommen 

Gotendorf beschriebenen überems ° T'”™ ?™ U ™ der von Id - 

zweiten leeren Blattes den V. , ’ tra ^ aber auf der i# •• 1 \ 

den beiden Bibliovriphen f Y m ' rk: »IWtlruek ,,o 8 ' de 1 "^ d “ 

Verfasserin von „R es i Luft“ auf d w 80 "’ dai '^ dcr Verfasser ol V 
genug erscheint, wenn man cY n™ ” Mcmoir cn“ f u ß t ‘ , dcl dlc 
hobelten des andern Snr A'l ^ gCp ^ egte Sprache der M ’ - aS ^ c ^ rcnid bch 
daß, wenn der Ve fa !^ ^»überstellt. Es i st ^ 

deutschen 0 ' ^ 1 7 «' ^ - 

Nach den wörtlichen üh ^."' 85 “ ß S ‘ cht ’ wo1 ’' ‘zustatten ^ " mit J er 

einstimmungcn bleibt iedoeb 1 • 8 kommen wäre. 
62 H kein a 11 de rer Schluß, 


wenn man nicht annehmen will, daß beide Schilderungen auf eine dritte ge¬ 
meinsame Quelle zurückgehen, die noch nicht aufgedeckt ist. 

Aber selbst wenn wir diese Bordellszene als nicht ganz befriedigend aus- 
schaltcn, besteht eine überwiegende Wahrscheinlichkeit, daß wir es bei den 
„Memoiren“ (zum mindesten im zweiten Teil) mit dem Phantasieprodukt eines 
Unbekannten zu tun haben, der mühsam den Zusammenhang mit dem ersten 
Teil herzustellen versucht, was ihm jedoch nicht immer gelingt, denn während 
beispielweise die angebliche Verfasserin in der Vorrede zum ersten Teil sieh 
zu 36 fahren bekennt, hat sie im 6. Kapitel des zweiten Teiles nach so zielen 
neuen Erlebnissen erst 27 Jahre erreicht, eine Unstimmigkeit, die zweifellos 
auf zwei verschiedene Verfasser für die beiden Teile hinweist. Wie unsicher 
sich der Autor auch fühlte, ergibt sich aus der Beanstandungen vorsorglich 
begegnenden Einleitung im ersten Briefe, wo er darauf hinweist, daß die jetzt 
folgenden Schreiben „von denen, die ich bis jetzt geschrieben, im Stil, in der 
Fassung, in der Philosophie und in den Ansichten, sowie auch in der Mannig¬ 
faltigkeit des Stoffes ganz verschieden sind“. 

Jedenfalls sollte man, wenn man sich die Mühe nimmt, die angefühlten 


Bedenken etwas näher ins Auge 
zu fassen, zu der Überzeugung 
elangen, daß es heilst, das An¬ 
denken einer edlen Künstlerin 
durch die Verbindung ihres 
Namens mit einem verlogenen 
Erotikon zu beschimpfen. Ein 
Beweis für ihre Autorschaft 
läßt sich nicht erbringen, die 
^egeu eine solche spicchcndcn 
Gründe aber häufen sich bei 
ernstlicher Prüfung und sind 
so gewichtiger Art, dals man 
sie nicht stillschweigend bei- 
scitc schieben kann. 

Wer war nun der eigentliche 
Verfasser des berühmtesten 
Verlagswerks aus dem Veilag 
von Prinz ? Mit Gewißheit 
wird er nie festzustellen sein. 
Man kann nur vermuten, dals 
Prinz selbst, der ja schrift¬ 
stellerische Begabung besah 
und die Anonymität auch bei 



Illustration von Franz Christophe 


63 





Teile yesellriebeii 

Wilhelm Christeni (1809—ei' '™ I ' '" n ' UK 1 vo " sc "' cn ’ 1 lausdichtcr 
«ellcr, der unKr den, Am und Schrift- 

• Rosenberg und (). Vokativtts, 
auch Vokativus //., zahl¬ 
lose Schriften pikanten 
und zweideutigen Inhalts 
lüi das Altonaer „Verlags- 
hureau“, die auf gleicher 
Stufe stehende „Verlags¬ 
anstalt in Leipzig“ (deren 
gesamter erotischer Verlag 
am 1 '• Mai 187a verboten 
wurde) und ähnliche Un¬ 
ternehmungen schrieb.' 1 -) 
Im allgemeinen waren 
seine gewagten Schriften 
, n Bcr, »ncr oder Ham- 
in gei Prostitutionsver¬ 
haltnissen entnommen, z.B. 

»Griscttcn- und Loretten- 

e li' 1 in Mamburg und die 
Schlupfwinkel der gehei- 
"\ Cn Prostitution ' usw. 
Altona >86,“, „Hamburgs 
galante Häuser bei Nacht 
und Nebel, > 0 . Aufl. Al¬ 
tona>870“. Gustav Gi,- 
gltz '"') vermutet, daß er 
auch den direkt obszönen 
»Roman eines öffentlichen 
Mädchens“ und „Julchen 
Unc l Jcttchen 


v U11 iviaruiier zu einem 
(*8. Jahrhundert) 


galanten O pus 


jtuuicn auf 

j- , Lei pziger Messe“ gcscl 

Sich diesTv Stilistiscl ’' ! '' und technischen Ei -''i*' u, ’ d **' 

aus seiner Fede™ämm b f“ ti8en ' so würden dT" 'ä hkeitcn - Wi 

U4 



Lavreince: Le tendre entretien, 



















Ledamotiv 

n Tas5ai‘ rt 

Lithograf von • 







I l "l' 8 , e .7 Ui: -u V r la8S, ' r f' Chn ' s dcr l ' miAcl "-' 11 Vcrlagswcrke erotischen 
Inhdts laßt «eh heute nicht mehr rekonstruieren, ebensowenig wie hei dem 

tw fcl/tf, f ’ W ' r ,,achstth ™ d 'inige Worte widma, wollen. Un- 

nlch t N,t Sa " K° ,a r m " Sind dic »Gern-««», «re« und gewissenhaft 
nach der Natur gezeichnet (mit dem vi„ r r,,. i- 

■> Teile Rnem,, r • i i r-i , cm jV * otto - Naturalia non sunt turpia), 
ihl f A „CX c „ orfh ' ^ ™ d '» * "e, 

galanten, erotischen oder zotigen Inha'lts^iT "l ' | tTslfl j'" :rt,; " Anekdoten 
Schreibungen gemildert wird. * ‘ dcncn das übs/onc durcb Un1 ' 

Bei „Non plus ultra oder Phantasien auf der Venus C -i p , „ • 

Gedruckt in diesem Jahre“ (ca. ,Rc,\ .• . ^tnus-Gcige. Rom und Paris. 

dichtsammlung, ist überdies diese H I ’ ? 4 Scltcn starbcn unflätigen Ge- 

auf der f Lei^ger^M^e.^M^0 ^^^'SuU Licbcs - Ab ‘ :nwucr 

und Washington, Eduard Rosenbaum o V‘ , 1 ^ 3 Bändc - Baltimorc 

'44 S.) .st das zweite bedeutendste Werk der d S ° i ' 86 °’ § ' 2 ° 2 ’ 223 U ' kI 
tur, das aus dem Verlag von P r .V 1 k dcr dcu «chcn erotischen Weltlitcra- 
dieser gerissene Verleger für dis 7n , 1C ÜI° r8ln8 Und ^g' 11 Beweis liefert, daß 
eher besaß.“) dai Zu S kraf '^ der Erotik einen feinen Rie- 

Schon dieses Werk würde neben den M 

Der zwe„e deutsche erotische Verleger von Kl«« ist 


Scheible in Stuttgart 


Unter Scheibles Namen besra,M„ 

2U halte " : . ve rschicdenc Firmen. Es sind auseinander 

• V J- Scllciblc (gegr. I. Januar i8 4 q( i n u i 
stirbt. Das Geschäft führt fort seine Witwe p'/ Schcible > der *866 

Sch -bl" 1 "l Apnl 1884 §eht die Firma *n den bI V Sdlcible ß cb - Bühr- 
Scheible über. Die neue Firma lautet jetzt- T e ü -m° n Rudolf und Albert 

quariatsbuchhandlung. Seit 1. Februar 180' l b ?, lbleS Vcrla S s - “"d Anti- 

T h c', SC n ll)leS Verlags- und Antiquariatsbuchh Scballin g er Inhaber. 
Jo . Scheible, hatte schon seit 1831 bis 1 c I 1 ^ nd un §’ mit dem Inhaber 
3- J- Scheibles artistischer Verlag mi de T uf bcSta " de "‘ 
stand von 1839 bis zum J uni f 8 ^ Johann Scheible be- 

genannte gingen mit dem .Juni ^ a " d der unter Nr. a 

r r 


4. Firma Scheible, Rieger & Satt¬ 
ler. Außer diesen beiden Firmen 
wurden eingebracht die Brodhagsche 
Buchhandlung und die Buchhand¬ 
lung L. F. Rieger & Comp. Diese 
neue Firma erwarb im August 1843 
noch J. Scheibles Verlags-Expedition. 
Sie war im April 1833 gegründet 
worden und ging unter dieser Firma 
bis zum i.Aug. 1837. An diesem Tage 
schied J. Scheible aus. An seine Stelle 
trat Hauptmann a. D. von Schrais- 
houon, der das Geschäft unter dem 
Namen „Literatur-Comptoir“ fort¬ 
führte. Seit 1. November 1840 löste 
ihn seine Gattin Mathilde ab, die, wie 
schon erwähnt, die Firma im August 
1843 an die Firma Scheible, Rieger & 
Sattler verkaufte. Letztere Firma er¬ 
warb am 3 1. Dezember 1848 Ad. Bene¬ 
dict, derden Namen in Riegersche Ver¬ 



lagsbuchhandlung umänderte. Am 
1. Januar 1894 erfolgte die Verlegung 
der Firma nach Frankfurt a. M. G,i ) 
Wenn man also von der erotischen 


Moreau: Pygmalion 
Verlagstätigkeit Scheibles spricht, 


so 


müßte man stets unterscheiden, aus welchem Verlag die Erotika hervorgingen. 


Im allgemeinen wird Johann Scheible der Spiritus rector gewesen sein. Mit 
40 Gulden in der Tasche begann er sein Geschäft und brachte zunächst einige 
populär-medizinische Werke, wie „Die Kunst, Kinder zu zeugen“ etc. auf den 
Markt, die guten Absatz fanden. Das größte Geschäft jedoch machte er mit 
Soltyks „Polen“. Nach dem Falle Warschaus glühte ganz Deutschland für die 
polnische Freiheitsbewegung. Roman Soltyk beschrieb in Paris das Unglück 
seines Volkes in hinreißender Sprache. Scheible ließ das Buch übersetzen und 
machte damit sein Glück. Verschiedene Begleitumstände begünstigten ihn 
dabei: das größere literarische Interesse in Stuttgart, die freiere Handhabung 
der Zensur, schließlich die billigere Lebenshaltung und die geringeren Kosten 
und Aufwendungen für Druck und Papier gegenüber noiddeutschen Verhält¬ 
nissen. Scheible vertraute nun allzusehr auf die Beständigkeit seines Glückes. 
Immer größere Auflagen warf er auf den Markt und, da er keinen Absatz 
dafür fand, mußte er verramschen. Aber einige Großantiquariate, wie Tonger, 
fallierten und Scheible sah, um die entstandenen Verluste auszugleichen, sich 





Illustration von Tony Johannot 


^nötigt, auf gewinnbringendere Ver- 
BBMh lagsobjekte Jagd zu machen. Da 

seiner Natur die erotische Literatur 
gut lag und überdies in einer Pe- 
I *°de politischer Unfreiheit das In- 
tcrcs ^ c * cr Untertanen erfahrungs- 
S eiT >äß auf die größtmöglichste Aus- 
T y .^stung sinnlicher Genüsse gerichtet 

jjfl |9 1^1 1 . Sl ’ erschien Scheibles Kalkulation 

^ urchaus erfolgversprechend, und 

der Erfol 8 stellte sich auch, wie sich 
n ei ^ °lgc zeigte, tatsächlich ein. 07 ) 
: Q P e "? u Prinz legte auch 

- C Cl c keinen Wert auf sorgsame 
Ausstattung seiner erotischen Ver- 
lagswcrko. Kleine, miserabel ge- 

Illustration von Tony Johannot 1 f tC ^‘^ ndc ^ cn au f noch mise¬ 
rablerem Panier ,* 1 

1 . P lLr ni einem unbe- 

kennzcichnctcn seine Produkte und ihr,,, , T, ? dünncn S™uen Umschlag 
deckfirma madue sich Sehcible ,,!ch ' der Wahl einer Verlags! 

überhaupt keiner genannt oder er l>,,!, Kopfschmerzen. Meistens war 

Jules Flangarin, Paris, z. B. in ".Saida eti , *? ,** fischen Namens 
Papieren eines alten Dragoncr-Capitäns'' (c^’ k'I’ dc " 'unterlassenen 
französischen Originals. Aus dem Nachbarin l X dcr Breitung eines 
die Vorlagen für seine Neudrucke und Üb Schcib le fast durchweg 

schöpferisch wie Prinz, schcut Vlh d '"" - war ja nicht 

Übersetzung welschen Guts fielen sie „„ n, Honora «usgaben. Bei der 
deutschen Schriftstellern seiner Zeit wente a' 6 "” fandcn sich unter den 
erotik hatten liefern können, die mit de! f dlc solche Original¬ 

konkurrieren durften. Frankreichs Vorm m"* 05 "*™ Ware mit Erfolg 
Scheible popularisierte die französische r" 8 ' 6 ,“” War unerschöpflich, 
weise „Therese philosophe“ im UrsprnLl T fahrend beispicls- 
brachte Scheible einen Nachdruck zu . ThaW e'T 3 Louisd ' OT kostete, 
tesem billigen Preise nimmt cs kein Wunder , 1, ;° S ' lb "S r °schcn heraus. Bei 
Ware florierte. Er verlegte ja nicht nur ond SC1 .'’ Handel mit verbotener 

quamatseme Verlagswerke. Unerschöpflich " 1 “'" dureh »" Anti- 
seme umfangreichen Kataloge verbargen u„ „ h V °™e zu sein, und 

sehr viele erotische Neudrucke aus seiner eigenen \Cri, ri i ° Ser markt 6Üngigcr Ware 

wen e erum war aber die Blütezeit des rührigen V T dlc Jahrhundert - 

ermo erneren Geschmacksrichtung besser Rechnung“!’ d Verlc S cr ' 

AQ ^ ru gcn, losten ihn ab. 




Johann Thomas Edler von Trattner 



6g 



Verleger diT" h ^ror,kspeia]iston marschieren die vielen kleineren 

gabt Zdrii h „ "c n '’' iC d ' r Fab " ka >io„ sotadischer Werke ab- 
als Na^drtker gTI u?" 8 Cfcr,Vt '‘ > " H.mbnr, in Berlin. 

Ä.. 

Das Frauenzimmer von Vergnügen - Di • V’ nap ! sdlCn Ro ' 7 anc “ ( C,c,and - 
chen, von Chorier — Mein Novi/hr ra ucnzimmcrschule in 7 Gcspra- 

Tarone in Padua“ die „Kanthariden“. ® rc,at ) hcraus »"') »Fictro 

Anekdoten und Witze Auch Giov T U ' 1C Sammlun 8 obszöner Gedichte, 

genössische Kollegen sind zu nennen “XL'Vrw/ i""“' ^ 7 " 
,n Lei P z 'g- Simon in Frankfurt a M ./„/'/ ' * lchelscn uncl Rem 

Posen, der möglicherweise E. T A H tc‘> m Hamburg, Kühn in 
zählt und erfährt» herausgegeben hat r * ” Schwcstcr Monica er- 
in Erfurt. Sie wurden später n k„ i’ jC> iU J 111 Dresden und Hennings 
C. Neusc in Sondershausen und vor all- T \. Iischhahcr in Reutlingen, 
bürg und Stuttgart, der noch bis in r ^ UrC 1 ^ l ^ } dm Digcl in Ham- 
Üches Steckenpferd ritt. K ,Ungstc Vergangenheit sein einträg- 

In Österreich wäre unter Maria Th • 
ten em Ding der Unmöglichkeit geweseT^Di ^ H ‘ gCnt,ruck erotischer Schrif- 
sion hätte jeden derartigen Versuch hr> ' • ^ strcn S c »Keuschheitskommis- 

f Werten Zensur ihres&hne Jo 1 , 7 7 "»<*'• <*« «"«r der 

heimische Drucker und Verleger' M J 7 ^"7 di = Mirage durch cin- 
Jobanr, Thomas Edler von Trauner m 8 Ual! *<«•> der berühmte 

dem bcfa " d . steht fest Man 'k< 77 \ '- 7 -7 b ' S >'■ J uli '798) sich 

gewünschte Erotikon beziehen. Kaspar Ricsk fc" ‘ fÜr Bua ' s Gcld Jedes 
schlußrcichen Werk „Briefe eines rehenden t Un! in seinem auf- 

seinen Bruder in Paris“ ( 2 . Aufl. , 78 , , 'j?, ™ 20scn über Deutschland an 

gängigsten Waren, die Trattner vertrieb Fr ’ 90) Elcicbz eiti B die markt- 

»bo sehr Trattner der Kaiserin „ r • sa 8 t - 

■st er ihr auf der andern. Durch ihn kommen'!)“ Scbmcicbcltc . so ungehorsam 
in die Stadt, Wenn du es ihm theuer »enue be "t i" 1 "““ 1 v erbothenen Bücher 
demje des Dames“, den „Dom B(ougre)“ die n'’ “ kannst du die „Aca- 
des Chartreux“ und die ganze skand a \ö x B den „Portier 

anderer Stelle (S. , 6 4 ) berichte, er wS« H « ^ ihm hab '"''‘ Und an 

andern Platzen die gesamte pornographische V ° n Salzbur « "" d einigen 

ihD g 8 ha ; M " ämlich ^ichsrhter p «M era, “ r '’ ach k =™'“) 

gen, über den Franz Gräffer’") berichtet- X "' Hau P'SUarticr aufge- 

” Als speeuhrender Verleger ha sich H.' 

enriosen Unterhaltungen verleiten las", W r ,J' MÖ g S ' C all «dings zu sehr 

^.Uune; Meursius Elegantiae latini ^ Der Jesuit in 

’ nbus mtpostoribus, deutsch etc - De. u ? Ear mit der Firma 

etc.. Der schnackischeRococo usw.“. 


ferner die „Priapische Dichterlaune. Macedonien 1788“ und die obszönen 
„Gedichte von Koler“.' 1 ) 

Die überaus strengen Zensurverfügungen Maria Theresias fruchteten also 
nicht das geringste. Wer es sich etwas kosten ließ, konnte jederzeit dem 
Gesetz ein Schnippchen schlagen, und lediglich der nicht so gut gestellte Mittel¬ 
stand, der weder Verbindung mit Diplomaten hatte, in deren Gepäck die ver¬ 
botenen Schriften unbeanstandet reisten, noch soviel aufbringen konnte, um 



die teueren Erotika unter der Hand zu erwerben, mußte neidvoll darauf Ver¬ 
zieh, leisten. Nur aus den angegebenen Gründen, nicht etwa wegen größerer 
Sittlichkeit! Was es damit auf sich hatte, erwies sich sogleich als 1781 nach 
dem Tode der Maria Theresia ihr Nachfolger Joseph I . die Zensur¬ 
verfügungen wesentlich milderte. Die „Galanterien Wiens ') äußerten sich 
über das dadurch gewonnene Ergebnis zwar sehr drastisch, aber durchaus 

treffend: 

„Als die Preßfreiheit ertheile, wurde, glich Wien einem Körper, der sei, 
vielen Jahren an der Verstopfung litt, und nun auf einmal ein mächtiges 


7 1 






Purgatif zur Kur gebraucht hatte, das bev tllen öffnn , , ,• •• , 

Unratl, hcraustrieb, der schon so hr-, L v ** '"'"'T J ™ 

über die Grenzen geschmu-elten Erotil , i /U '' lclVrsl wurilcn ll,c 

dem sehr gewandt abgefaßten Stüch nUmiK 11 u, Vescheut vertrieben, in 

Eli«, Stift,-Pfarrer zu ViVisonhur^ (iÜ TH; '"" 

8“. 48 S.) läßt sich , u f s o | lwi J« l'-.milic Jacob ,*«. 

nehmen: ' J n,i: 'erlasse,- folicemlernußeii eer- 


.,Uie Kirche wird /avar fleißi s ,,„ch besuelu 
D ° Jl statt Complett und statt der Vesn 1 ' 

IZ j' d ’p * «** Liebeslieddche '' U 
S a„ des Breviers studiert das Nonnenvulk 

pLik mr 7’ Crmion ' u,ld d* 

I nc Ile d Orleans, l’Acadcmic des IXu„e< 
und le Portier des ebartrex , 
und statt des Rosenkranzes haben sie - 
was andres in der Hand. Wenn sie hi 1 
mit frommen Stickerei’,! beschäftigten' S ° ,,St 
Sü nah " sic izt mit geiler Hand C 

Ü f Ü di L'™elenLi, "£££% 


wir wollen hier ganz ik ( .i , 

sich der eifernde Verfaiser I d '° Slltc "‘,clul J crLln »rau i„ l 

SY,-; 1 1 ,, . rertasset beniußnrt fühlt, ■ n .■ B Krau, zu der 

Wirklichkeit übereinstimmte _ uns : L alk " P >"'ktc„ mit der lebenden 
Erotika, die damals weiteste Vcrbrcitun. h ' cr " ur <Ee Nennuiv der 

TCTo daß f sÜ“/t'"“" 6 * ™ üemürr"' f *" 

, mmCnUrS Cnthal “ » n.0*c„"ÄL”". 

- -thteratur k I 

C: Ä Ä“Tr fclt ÜtÜ 

t eht waren. Es fehlte überdies auch ÜÜ V ? ChW! "’ d ™' als sie' ZZ 


72 


Gs;. Ph. Wucherer 

D 


Was über die Person dieses Libellen- und Erotikaverlegers bekannt ist, ver¬ 
danken wir dem Pamphlet Rautenstrauchs: „Wie lange noch? Eine Patrioten¬ 
frage an die Behörde über Wucherers Skarteken-Großhandel. Wien 1786,“ das 
abgedruckt ist bei: Franz Gräffer, Josephinische Curiosa. Wien 1848, 3. Bänd¬ 
chen, S. 64_S6V) Wucherer hatte den Mut, dieses Pamphlet neu zu drucken, 

es mit Anmerkungen zu begleiten und ihm eine besondere Verteidigungsschrift 
vorauszuschicken mit dem Titel: „Eine Beylage zum Pasquill, von dem Ver¬ 
leumdeten.“ Aus Rautenstrauchs Schrift ergibt sich folgendes: 

Wucherer kam aus Schwaben nach Österreich und nahm zunächst Dienste 
bei einem Handelshause, das unter seiner Leitung in Konkurs ging, während 
Wucherer sich so bereicherte, daß er sich als Großhändler niedei lassen konnte. 
Da ihm diese Tätigkeit nicht recht glückte, warf ei sich auf den Buchhandel, 
nahm zunächst die Bücher des Nachdruckers Schmiedei in Katlsiuhe in 
Kommission, ging jedoch bald dazu über, bei dem \ 01 maligen Faktor dei 
Schönfeldischen Buchdruckerei, namens W eimar, eigene \ eilagsobjekte ent¬ 
weder im Nachdruck herauszugeben oder selbst welche zu edieien. Auch zu 
Reutlingen und Tübingen ließ er Nachdrucke hersteilen und schwärzte diese 
geschickt nach Wien ein. Die Erlaubnis, 
sich als Buchhändler niederzulassen, erhielt 

er jedoch trotz aller Eingaben nicht, was OT>j.> frtttAf ItOftl V 
seiner Tätigkeit jedoch keinen Abbruch tat. UUt ^ JW W * 

Er steckte sich hinter den genannten Wei- ^ 

mar, der mit dem Gelde Wucheieis hinter SWt 

dem ehemaligen Johannishospital eine Diuk $£ 11 rfs ft* i» yÄ 

kerei einrichtete. Endlich bekam dann auch ~ “7 ' s ( 

Wucherer die Buchhandelskonzession, und ©htrtcfcn&rc^onbcl. 
nun legte er ein Werk nach dem andern Ooiw ., p,:.,. 

auf. Seine Arbeit charakterisiert Rauten- 
Strauch wie folgt: „Nachdruck guter 
Werke von In- und Ausländern. Selbst¬ 
verlag frecher, zügelloser, empöiendei, den 
Monarchen beleidigender und allgemeines 
Aufsehen erregender fliegendet Schuften, 

je verwegener, je besser. Teure Preise weni- ___ 

ger Blätter, verhältnismäßig mit der darin )Vltn , ,,, e . 

enthaltenen Kühnheit. Unbedenklicher freiet 
Verkauf aller dieser Verlagsartikel, sie mö¬ 
gen nun erlaubt oder verboten sein.“ Die 
Zensur umging er geschickt und hatte die 


73 




•Wien, 

geprüft in $ 6« SDeiour. 

* 7 8 6. 


_ Auflage bereits abgeset/.t, bevor ein 

; * Vcrbot c *ntraf. Wurde er einmal bei 

einer Zuwiderhandlung betroffen, so 
CsX leugnete er alles ab. Sein Hauptaugen- 

, <beorg $f)t(ipp ©UC&CW, merk richtete er auf Skandalös.!.' So 

s< '‘° verlegte er B. „Krattcrs Briefe über 

ba« Slogii&cli den itzigen Zustand von Galizien“ 

»Ul*»**(bin Beitrag zur Statistik und Men- 

• schenkenntnis, z Theilc. Leipzig 1786), 

das mit pikanten Anekdoten angefüllt 
ist. Die I'-inwohner von Lemberg, 
, ! CI " CI1 angeblich sittenloses Treiben 
gegeißelt wurde, waren darüber so auf¬ 
gebracht, daß sie ein Lxemplar des 
uches an den Galgen hingen, mit 

, " -- J“ mcm Zcttcl = Uies gebührt dem Ver- 

vri..., eger! worüber sich Wucherer weid- 

P **««**"•*- < ’ 1C1 amüsierte. Hin anderes Libell 

‘ 7 8 6> U1rtC dcn 1 itcl »Bordelle sind in Wien 

. ^ nothwendig, Herr Hof rat von Sonnen- 
cls mag dagegen auf seinem Katheder 
Predigen, was er will.“ Hin Vetter 

meisten Libellen auf Bestellung. Ein getauft tT’ N * mcns F ^er, schrieb die 
Handlangerdienste. Viel steuerte Wucherer namcns W leistete ihm 
und aus diesem Lager rekrutierten sirh 1 rcimaur enschen Literatur bei, 

Td r *Tu nicl ’ t S0 lan S c Salten können“ mäch "'*™ 

C leßlich jedoch war sein Maß voll. W,„. 
aisers „und Schamlosigkeiten“ wurde ih °- Cn ^ robcr Beleidigungen des 
mußte die Erblande verlassen. Sein f^ 'A T" Ladc " «Glossen und er 
Wucherer war ein Mensch ohne jedes Gew Dui,kcl ") 

tchafte zu machen, Geschäfte um jeden Preis Nach T dara " la 6. Cc- 
den Mucker und gab sogar ein protestantisch V™ "" abc1 ' spielte er 
seinen skandalösen Verlag paßt wie die Faus^ f'"' ahcnbuch heraus, das in 
und Pamphlete sind heute vergessen und ver rh" AUe scinc Libellen 

des „Taschenbuch für Grabe„ 8 „ y mphe au da, 'h' UbeKt «« nur 

der sonst hervorragende Wiener SiLschihW } l? 7 "’ deSS£n Vcrl ^ r 

Praktiken verrät uns ein Buchdrucker Full iri s ^ " JH " ist ' Wucherers 
über den gegenwärtigen Zustand der LitteraturTd “"“'Wmcn Schrift „Briefe 
reich O.O. (Zürich, Orell) , 7Ur 8' " 8S T , r h “ Buch| randcl s in Oster- 
er an seinen Bruder* n ta i \ 22öb * Bn Februar i 7 8 7 s i 

“dir. „Den Damenkalender, den du hier cnmfä ' , ‘ 

a empfängst, hat mir 


Weimar (d. i. Wucherers Strohmann) 
jüngsthin verehrt, nebst einem Taschen¬ 
buch für Grabennymphen auf das Jahr 
1787, mit Kupfern, das Wucherer, auch 
auf seinen Verlag drucken, aber vermut¬ 
lich darum einem Andern zum Verkauf 
überließ, weil er sich bey seiner Gemeinde 
nicht noch schwärzer machen will, als 
ob seine Begierde zum Gewinnst sich bis 
auf diese feilen Dirnen, denen er hierinn 
Regeln schreiben ließ, wie und auf was 
Art sie ihren Finanzstand in bessern 
Flor bringen können, erstrecke — man 
weiß es aber doch, daß es Wucherer 
druckte.“ 

Nicht das Werkchen an sich interes¬ 
siert hier, obgleich es das erste zahme 
Erotikon österreichischen Wachstums ist, 
nur die Tatsache, daß dieser Prosti¬ 
tutionsführer dem Zeitgeschmack in einer 
Weise entsprach, daß es bald nach 
Erscheinen in festen Händen war und 


Beilage suttt «pafquifl 


10 n bem 


Q 3 erldumMen. 


0amt bem augcbarigtfn unb mir Erläuterungen 
Dcrfchrncn 'pafquiüc. 


.Oeucbler! ;cudS jm>or ben halfen aus 
bemem flugi/ unb bann erft trachte, bafc bu ben 
0plittcr autf beinetf trüber* 3ugc jieben mogefl. 

£uP. 6 , 42 


nur für hohes Geld (man kannte es SBieit/i78<>. 

unter dem Namen „Dukatcnbüchlein“) <s«b.u<ic im mit »timorf*™ ».triften 

von dem Vorbesitzer überlassen wuide. . 

Doch blieben Männer wie Mösle und Wucherer Einzelerscheinungen, in 
deren Fußstapfen später Karl Schaumburg (177071833) und M. B Walhs- 
hauscr (1758—1810) traten, die sich jedoch nur zögernd auf dieses getahrhcie 
Gebiet wagten. Bei ersterem erschienen beispielsweise „Fragmente aus der 
Chronique scandaleuse von Poris .803“, bei letzterem ..Verbildung und 
Leichtsinn oder dos Tagebuch eines Freudenmädchens 1800 . ) Im aU„e- 

meinen sah sich Österreich auf die Einfuhr sotad,scher Schriften aus dem Aus 

land angewiesen, die, wie McmboU in seiner „Sidome von Bork erzählt, von 
jüdischen Schleichhändlern über die Grenzen gebracht wurdem ) 

Zahlreiche Verleger stürzten sich in Deutschland einige Jahrzehnte spater 

auf die Popularisierung der Sexualwissenschaft, wie Hermann Barsdorf m 
aut die 1 opulai » immerhin ein hohes Niveau aufwiesen. Im 

Berlin, dessen Produktionen doch in T , T-Tnrnt in Hamburg 

weiten Abstand folgten Wilhelm Digcl (In a er J° * 1 ™ p lires D 1S o. ro ße 

(Liebe und Ehe ohne Kinder, Brautnach, ern« adhgen ftare^ Das große 

Buch der Liebe und Ehe, Mädchenopfer der Sklaven a , S . 
Periode, Die Geschlechtsorgane bei Mann und Weib), Will}. Digel Stutt„ar 


die unermüdlich flagdlantisdschc Werkc^auf'dc “m T ^ D '‘ csdcn ' 

m Neu-Weißcnsce (auch Berlin Wilh •] * . a L " Markt %vartcn u,ul 1 • 
Schmutz- und Schundschriften wie DiTzcu'^L Blumcnstraßc 7 °) 

Brautnacht Melanies und Roberts M ■ > ung \ k' 1 * schone Sünderin, Die 
hebe, Kotzcbucs Verzweiflung iufkP f l " Cr Vcr führten, Husaren- 

Liebe und Ehe ohne Kinder Jn,” . .. ai j cn c Schriften über Kinderzeugung, 
** handelte cs /chf, “" d »■ J*l. Vornan 

Massen spekuliert wurde In das M ’ i • T'"*' 11 aU dlc niCtl °rcn Instinkte der 
Eckstein Nachfolger (Hammel I n sdcß . auch ** Verlag Richard 

Schleichwegen, Amor im Zofcnstübchc^Dic^' Zch,cn dorf (Amor auf 
^chge Bett usw.). Schon der Titel ließ di 'S C . ISt mcille Sünde, Das red- 
Gcheimnisse vermuten. Aus manchen die«rTt' Und aufr ^ndsten 
sten und literarisch wertlosesten Porncwnr.1 • *”1 ^ glngcn ^ crncr die zotig- 
der Einfluß durch ihren billigen Preis V P - lcrvor ’ dercn sittengefährden- 

DaßdieVeHe^soichetlSt^rrC^ , 

erdeckung der Provenienz 


• . . ‘t> * iovemenz 

U 1,1 großc g ci stigc Unkosten stürz- 



Gerard van Swieten, der schärfste Verfol- 


. , umtosten stur/- 

-•J’; C !’ ar “ ktc ;. isicrt «= zur Genüge und 
?‘; t , T M »Bl |c hkcit. ihre Neudrucke 
ze tltch e,„zureiheu. Einer aus dieser 

S.P?"’ " GcJ a"ken, als Ver- 

Babvl' T 3 ” Uo1 ’ -> ua " Casanova, 

genotr r ählcn ’ di<:dcnzunft: 

~ , a 'Tr C "d so ausnehmend 
PO no/' d f “ bd d ™ meisten 

zd" wÄ; iTr dicsor 

vorsrpN kChrt - Lcsb >ti, die Schul- 
Mans ’a ~ Auf “iohnu„ge„ einer 

der Fr! J We l HSu “m - Briefe 
er rrau Martinet 1: , 

Mademoiselle PI ~ Manien der 

als Hure zu ve 1 °™’ Um lhr D 'P lom 
dwFtau u 1 "'"' Freuden 
_ ij: “ ~ Mc "'' Tante Resi Luft 

stänJ G “ he " m dcr Eh = - Ge- 
ihre^verlo ^ Fummcl “her 

««resstrande -Z^Go ^ ~ A '" 
schlappen - 


ger der erotischen Literatur in Österreich hoher *See iV ° CnaUkel ~ Auf 

- Damenklub Venusia — 



Pensionserlebnisse eines jungen Mädchens — Wonnen der Grausamkeit usw. 
usw.: alle diese vom Geist verlassenen Rüpelsprossen berufen sich auf die 
Vaterschaft des augenzwinkernden, Handgreiflichkeiten in Aussicht stellenden 
„Don Juan Casanova aus Babylonien“. Fast durchweg kamen sie in den 
beiden Jahrzehnten 1890—1910 auf den Markt. 

Erotikaverleger von Bedeutung tauchen ebenfalls erst um die Jahrhundert¬ 
wende auf deutschem und österreichischem Boden auf, und es verlohnt sich 
schon, bei ihnen etwas länger zu verweilen. 

An erster Stelle stand unbestritten der Verlag L. Rosncr mit seiner Schwester¬ 
firma C. W. Stern , Wien, Franzensring 16, später 22. Die erstgenannte Firma 
war keine Eintagsfliege. Ihre Gründung geschah am 15. November 1871, und 
der Inhaber Carl Leopold Rosncr wurde am 7. August 1874 in das Handels¬ 
register eingetragen, aber schon am 23. Juli 1889 gelöscht. An seine Stelle 
trat Ernst August Schulze für die Buchhandlung L. Rosner. Am 17. März 1899 
erfolgte Umwandlung der Firma in eine Kommanditgesellschaft mit Dr. Carl 
Wilhelm Stern als Gesellschafter und Franz Ludwig Liebeskind in Leipzig als 
Kommanditist. Erst unter der Ägide Sterns setzte die erotische Hochflut ein. 
Seine Blütezeit dauerte von 1905 —1912. Das Merkwürdige an diesem Ver¬ 
leger war, daß er sich nicht scheute, den unartigen Kindern seines Verlages 
seinen Namen zu geben, 


daß er offen und frei in 
Zeitschriften wie der 
„Jugend“ und dem 
„Simplizissimus“ seine 
Erotika anpries und 
schwunghaften Handel 
damit bis in die über¬ 
seeischen Lander trieb. 
Seine Kundschaft rekru¬ 
tierte sich z.T. aus Mit¬ 
gliedern des höchsten 
österreichischen Adels, 
die ihre Hand schützend 
über ihn hielten und 
dafür sorgten, daß die 
Produktion ungehin¬ 
dert vor sich gehen 
konnte. Stern verstand 
es auch geschickt, die 
Behörden dadurch irre 
zu führen, daß er dem 



:: Le Gourmand 

Amethyste) 


Maurice Besnaux 
(Aus dem >. J 


77 



rftT’ y ay l f °, lsc ” d ’ dcr Schon '*7' seine „Soeiöte des biblio- 
“““t ' C"„ [gc Mitglieder er selb,, und sein ... 

Tatsächlich konnte sie 





Bleistiftzeichnung von Rolf Sachs 

sind bi, 3 ( Ü" nachfol 8enden Seiten beteich f," “" Katal “8e, wo es hieß : 

weitere Kreise vielf. U • , hnen ent haltenen 111, J • lhre all S c ' 

V, eifach nicht geeigneten textlichen „uT“ 0 "'" Und d “ für 

78 Inhahs gesetzlich anstatt- 



Barbier der Ältere: Der verschwiegene Freund 


79 



haft ist, \iclmdir dürfen sämtliche in diesem Kataloge auigeführten Bücher 
ntir an wissenschaftlich oder künstlerisch interessierte volljährige Persönlich- 
kciten und nur gegen namentliche Subskription abgegeben werden.“ 

Freilich kann man diesem Verlag zugestehen, daß'er sich von der gemein¬ 
sten pornographischen Literatur im allgemeinen fern hielt und ein Niveau 
wählte Die wichtigsten seiner Publikationen seien nachstehend kur/ registriert: 

i. •leurettens Purpurschnecke. Lrotische Lieder und Gedichte aus dem 
achtzehnten Jahrhundert. Gesammelt und herausgegeben von branciscus Ama- 
f.T M. A. Er. (- I ran/. Blei). Mit 2= Vollbilder,,, vielen Nonetten und 
Rahmen von Franz Marquis de Bayros. |,„ Jahr der Cvthere ,=»'• ( ,,os>. 

,Uo’> ~ “ *° “ <•« >» lmit - Luvuvausvahe altes Pest. 

1 « «». »r. Erich 

2 Titelbildern und « Vollbdden, von i™) B^”f ,, Zf! ; 

Cytherc MDCCCCVI. ’ ^pnos, im Jahi du 

3 - Die Bonbonniere. Galante und a«;,,. e , 

Von Choisv L fnn' /i ^ amni lung erotischer Phantasien. 

|, “ d 

Exemplare. Da sich Stern ndt ßavros veruneinige ' h' 4 ’ 525 

Heft 3 -6 folgten unter dem Titel: schienen nur zwei Helte. 

(ps.), die Tcxtauslahl wÄ V °" ^ 
erschien bis zum 15. April 1908 ‘ L a 1 Io ulette. Die Sammlung 

5- Thomas Rowlandson, FünfzH , rnr - o r . 

druek. Reproduktion in Original»^ ^s\«7 ^ 

6. Das Buch der tausend Nächte und ,1 • ' , 

1906 OM), mit Illustrationen von BayroT - N ÜÜ.' 8 Mntk ' (von 

Fernand d'Or, die letzten 6 Bände von Raph\c K H 
7 - Erotische Skizzen und Phantasien (C V Ku / < - hncr illustriert.") 
Lafossette (ps.). Herausgegeben von Petir Cn ^ Cr0t ! qucs) - Von Clairc dc 
gen Tonätzungen von Reymond Duplessis Nn' 1 ' (PS °’ Mlt IO farb, ‘ 

davon 25 Luxusdrucke (Preis 30 bezw. 60 // v VUllbcr I9 ° 7 - 5 2 5 Exemplare, 

8 . Cary von Karwath, Die Erotik in A - v 
10 Lieferungen ä 12 S. Text mir Tll et ^ Unst ' 4". Komplett in 

tafeln, und einem Nachtrag von t Seit^T 110 " 6 " j Un<1 zahlrcichen Einschalt- 
Tafeln. Beide Teile zusammen kosteten »o b™ ^ u° farbi B cn (aufgeklebten) 
gewöhnlichen Ausgabe erschien noch ei eZW * Stunden 104 Jl. Neben der 
in SO Exemplaren Die h°t T - weißem Leder für 

nach der Subskription Da ich ein F ^ n ^ c ^ en Ausgabe richtete sich 

werden „ohl «beEooo Exemp,:;: Xu r scbO-) der ^ ,5 ' ^ ^ 


9. James Grunert. Lin Roman aus Berlin \V. Mit Bildern von L. Sartori. 
2 Bände. 1908. 1500 Exemplare. 30 und 60 .//. 

10. Visions erotiques, von Henry Lemort (ps.). Mit einer Einleitung von 
Sig. von Eggh (ps.). 4". 20 Tafeln, davon 2 in Kupferdruck, 7 Lichtdrucke 
und 11 Tonätzungen. 1908. 500 gewöhnliche und 25 Luxusexemplare auf 
Japan (20 bezw. 40 .//). 

11. Bernhard Stern, Illustrierte Geschichte der erotischen Literatur aller 
Zeiten und Völker. 2 Bände. Wien und Leipzig (Oktober) 190S. 8". 2 62 und 
266 S., T ") ein Musterbeispiel von Büchern wie sie nicht sein sollen. 

12. Die sieben Hauptsünden (Les sept peches capitaux). 8 faksimilierte 
Reproduktionen nach Aquarellen von Lebegue. Bildgröße 12:16,5 cm, Blatt¬ 
größe 25 : 30 cm. (Heft 1 der „Beiwerke zur Erotik in der Kunst“.) 15 bezw. 
30 .//, Erscheinungstermin 1. Dezember 1908. 

13. Johann Nepomuk Geiger. Zehn erotische Aquarelle. Mit einer /seitigen 
Einleitung von A. Normann. Wien 1909. 530 Exemplare. (Lieft 2 der „Bei¬ 
werke zur Erotik in der Kunst“.) 

14. John Grand-Carteret, Die Erotik in der französischen Karikatur. Nach 
dem französischen Manuskript deutsch herausgegeben von Cary Karwath 
Edlen von Würdeburg. 272 Druckseiten in 4", ca. 240 Illustrationen im Text, 
13 mehrfarbigen und 24 einfarbigen, z. T. doppelseitigen Kunstbeilagen. 6 Lie¬ 
ferungen ä 6 . 11 . Die erste Lieferung erschien im Febiuai i 9 ° 9 - 

15. '‘ Erotische Märchen. 2 Bände. Mit 27 Illustrationen in Dreifarben¬ 
ätzung. Erscheinungstermin Ende 1908. Schluß der Subskription März 1909. 
800 Exemplare der gewöhnlichen Ausgabe in flexiblem Ganzleinenband. 3 5 

30 Exemplare der Luxusausgabe 70 .//. . . 

,6 Balkan-reuel. 12 Bilder in Licht- und Kupferdruck nach Originalen von 
Archibakl Smith (= Gottfried Siebe,,). Mit einer Einle.tt.ng von Herbert 
Stonc (ps.). Gttgnst ,9.9- Auflage in Höhe der Subsknpt.on. 2) bezw. 50 ,. 

17 Dcvcria und sein Kreis (Beiwerke zur „Erotik inder Kunst .Heft HD. 
50 Blätter in Farbenatzung nach Original-Lithographien m « Liederungen. 
Bildgröße 20 : .6,5 cm. Mit einer Einleitung von Stg. von Eggh. Oktober ,909. 
Auflage in Höhe der Subskription. Preis der Ltefertmg 7.50 bezw. .5 J . 

,8 Dis tolle Hundert. Hundert Zeitungsausschnitte unfreiwilligen erotischen 


Humors, in Zinkätzung nach den Originalen reproduziert, mit einem Be¬ 
gleitwort von Dt. L. H. Auflage in Höhe der Subsknpt.on („ich, ube, 

8 ,o Exemplare). Herbst 1909- 12 bezw - 10 ' 11 ' , c . 

Alle die vorstehend verzeichneten Publikationen erschienen unter der Flagge 

der „Gesellschaft österreichischer Bibhophilen“. Zuweilen verzichtete der \ er- 

ln- s i c h ihrer zu bedienen. Es kommen hier in Hage. 

A Das ' Ische Werk des Fehden Rops. ^Radierungen m schwarzem und 
farbigem Lichtdruck. Wien ,905. Folio, too Exemplare. 40 . 11 . 


6 


81 



C.V E t"V UC ^^'* mCnt ' rü, ' quc da,,s la «ricaturc. Vienne ,yoS. 
Technisch mangelhaft. Crit ‘ ZUns VO " dcr dcmsclK " Ausgabe von l uchs. 

MDCDVI^Hcfte Bld. (Griechisches Motto.) 

auf Japan. T ^ « 0 . Eacmpla«. 30 weitere’ 

der 4 L“bctde71el“„ n ce ( im ^ ° aS liudl 

Geschlechter. Mit ja künstlerischen V-)' AI rif*"' l ros ‘ Koii<:x für b >-' ldt 

8 Seiten). Wien, C. W. Stcrn's Verlag (1907) z" 8 ™ r ''" drack (i " 4 aul 
flexibel in Kunstleinen mit Goldsehnit Z L cd' “T“" ^ S , KJc ' Ba " d 
’• L ' a — « 'a folie. Poesies chöisls de Phol DeT"' ’° '? 

non. Dessins par lc marquis 


lotto.) 

/eitere 

Buch 
beide 
4 aut 
Band 



M< VUn Alaele: Ländliches Lu 


ran^ois de Bayros. Novem- 
^ cr *910. 500 Exemplare. 
1 dieses Werk ist die fran¬ 
zösische Ausgabe von : I’Ieu- 
rettens Purpurschncckc. 

Liste ist keineswegs 
vollständig. Sie genügt je- 

u 'ii erkennen zu las- 
scn > worauf es Stern bei 
seiner Produktion ankam. 
Uas notdürftig befestigte 
Mäntelchen der Wissen¬ 
schaftlichkeit war natürlich 
fadenscheinig genug. Stern 
wollte verdienen, und das 
war sein gutes Recht. In 
dem Augenblick jedoch, in 
dem er den immerhin doch 
hi Massenverbreitung nicht 
geeigneten Inhalt jedermann 
zugänglich machte, ohne sich 
darum zu kümmern, in 
wessen Hände seine Bücher 
kamen, rechtfertigte sich ein 
behördliches Einsch reiten, 

das man verständlich finden 
w ird, selbst wenn man nicht 
prüde ist. 

1 9 11 ereilte den Verlag 


82 


sein Schicksal. Fünf 
ganze Wagenladungen, 
ca. 30000 Bände im 
Werte von 150000 Kro¬ 
nen (= 120 000 M) 

wurden beschlagnahmt. 
Auf dem Wege zum 
Polizeipräsidium ver¬ 
schwand allerdings die 
Hälfte davon auf un¬ 
erklärliche Weise. In 
der Verhandlung selbst 
wurde Stern ziemlich 
glimpflich behandelt. 
Das Landgericht Wien 
verurteilte ihn am 3 1 .Mai 
1912 nur nach § 24 des 
österreichischen Straf¬ 
gesetzbuches vom 17. De¬ 
zember 1862 zu 100 (!) 
Kronen Geldstrafe we¬ 
gen Zuwiderhandlung 
gegen die Kolportage¬ 
bestimmungen (Akt. Z. 
321 1 VIII Z. 12), trotz¬ 
dem einwandfrei fest¬ 
stand, daß sein Handel 
mit Erotik überaus glän¬ 
zend floriert hatte. Nach 



Martin van Maele: 

Illustration zu Sorel »Histoire de Francion« 


der ,,Allgemeinen Buch- . 

händler-Zeitung“ (Nr. 24 vom 14- J uni I 9 11 ) hatten nicht weniger als 

1800 Buchhändler von Stern derartige Ware bezogen.* 1 ) 

Nun wäre es freilich verfehlt, anzunehmen, daß Stern gleichsam isoliert auf 
einsamer Insel gesessen und die leidige Konkurrenz mit scheelen Augen ange¬ 
sehen hätte. Schon Gay hatte mit Poulet-Malassis einträchtiglich Hand in 
Hand gearbeitet, letzterer sich auch an der Herausgabe von Eroticis durch 
Isidore Liseux beteiligt. Ebenso hielt es Stern. Willy Schindler (auf den ich 
gleich zu sprechen komme) hatte über ein Jahr lang die Vertretung von Stern, 
und dieser wiederum vertrieb die Verlagswerke von Schindler, während Fritz 
Freund (über ihn siehe später!) jedem Erotikaverleger sich als \eikäufer ge¬ 
fällig erwies. Der ihnen gewährte Buchhändlerrabatt überstieg nur in den 


























seltensten Fällen den für reguläre Artik -I i 

da(i dcr Vertrieb erotischer Bücher T t ' l;;cscl/lcn •Vo/ents.u/. ein Beweis, 
sehen wurde. Auch aus den vor-• I ) '° ,lkomnicn SI ^her und erlaubt an-e- 
fassung belegen. -^druckten Bestellkarten labt sich diese Auf- 

Wlll y Schindler, ein wa-emuri- i> r 
Oberst,a, ic !2 , dam| ,,, » S- l,.\ |, m , 

- »Internationale Verel u , '"'e' "”>*'**. W„ S erlae. 
"»Leben rief. Der (nebendehltehej Ztveei dcr S ««'.>Kn.sensel,alV' 

n L! " 'tel, der ei»entliel)e /veeel k. ‘-•'‘l’.UHtys dokumcnticru- sah 

r d " Hä " d *» Isaben, die auf d y n '" ",. ^ ^mittend Ktnulen 

Zur Orient, über die erotiseh" ^ Verle S ers reflektierte,,. 

Mär VI t ’ , Ju von ll ’ | n llerai,s»e»ebene,f Clllk ' llcM tlie Mil»lieder 

f , Und Sc P'™*- ,,,8,. dii. sieh ; , MU ' r Uir 

tütt , Vak »? ”*>■ rentie™ k ™ i"' J*«**;« von 

InbcN ’ ,Lu ^ cur hefen svobl anel, nieht ''" " >IC l5csu llt,ntten auf ein- 

Schinde 's err""' ** ^ 

Seligkeit ge-en d t U " J " ic -r raetclaisclaer li.bli, , " S 'T" Vl ' rl ’-'" d 

Du die I)d,t, XV,H ’ tT Unternehmer ,„i, ‘ '«„Kut l einth 

sich Schindler »' ' t "'™ licstrel ’ u nsen kein y,..,.“"' f' ' kl ' "l’erworfen hatte. 

(««.tts.t ..- 

(ßerlin-T n p ,Ä/ ;rf "lh- Er kehrte ä c J""> Ungarn st ink,e 

so risikoreichen Ge,mes^» n,C ^ " **• BrrlÄ^ , 'tt** 1 7 ‘"' ikl ' 

Jahren 1907— r9u >. • t,ai1/ auk Vinc HaupttätiN- c ' L 1 ° n kcrk ' l b des 
mysteriöser Dr. phil/F a '^ cbllcllt -' r Dr. Willy //e/'\ entfaltctc cr in den 
Beschichte der Menschheit» Sal>Cn bci 'hm ihre h ]. Crncr cin cl,cnso 
Sexuallebens“ heraus. M ” I)oku ™cim- XU r Ges’l .° 1 Ulmcntc Zl "‘ Sitten- 

beiden Namen nur P *'i ^ CU Uob * nicht fehl F ‘j lK 1tc menschlichen 
Schriftstellerin ^^r nVmC ^ "s^ d *« diese 

Sachscnkiinigs, nach 

Pro domo „Das erotische m cn . ™ Scho, T° dcs '««c» 

»orte Schrift, verfaß,. Hayn g" A 1 1■»rat,, r unJ K 7 ° 7 ''arte er mehr 
Richard Werther kursi ‘ y , n ' Gotcndor f schreiben ,r ' C ‘ nc klcnic >usens- 
scrhaft und belastet Er ° tika ih m zu. F r s !u Un , tcr dcm Pseudonym 

Richtigkeit dieser An^'X^ . K ° nto ci,1cs SchnftsUI U ' Strcitct dic Autor- 
jedenfalls, daß er an di L S ‘ dl natUr gcmäß schw ° CrS , Lrnst Klcin - I)ic 
ren einer Sängerin ot 7 Ä- Änd Er °^a ^ "^en. Sicher ist 
gen Sonetten Arctinos — ry c ° Romanos 16 Zcichnu ' " AUS dcn Mcmoi ' 
y on Semmerincr __ Vp D ‘ C Sone tte des Pietro Arer' "f” * U dcn wollüsti- 
V Perrante Pallavicino, von Dr. H. 

04 Schüler Anandria — 


Die Beichte eines Sünders — Die erotischen Bekenntnisse des Abbe Pineraide, 
verschiedene Werke des Schriftstellers E. D. — Die Übersetzungen von „Das 
Liebesbad“ von Le Bordelais — „Die Rache“ von A. Richeque — Madame 
Gilles Tugend — Les diableries erotiques par Le Poitevin usw. 

Auch Schindler hat wie C. W. Stern, Fritz Freund und alle die andern, die 
mit dem Vertrieb erotischer Schriften das Glück zwingen zu können vermein¬ 
ten, dabei keine Seide spinnen können. Die Auflagen (225—400 Exemplare) 
waren auch zu gering, als daß sie, selbst wenn Polizei und Gerichte ihm keinen 
Strich durch die Rechnung gemacht hätten, einen nennenswerten Gewinn 
hätten abwerfen können. 

Durch die beträchtlichen Erfolge, die Dr. Heinrich Conrad (Storni), gest. 
1918. mit seinen Übersetzungen Aretinos und des Meursius erzielte (was nicht 
wunder nehmen kann, da er das lange brach liegende Feld der Erotik als erster 
wieder neu bestellte), ließ sich der Inhaber des „Wiener Verlages“ Fritz Freund, 
Krieglergasse 1 8, verführen, die Versuche Conrads in großzügigerWeise fortzu¬ 
setzen und sich dabei gleichzeitig die Feder dieses gewandten Übersetzers zu 
sichern. Die „Dichtungen und Gespräche des göttlichen Aretino“ erwiesen sich 
als besonders geeignet zur Ausnützung der augenblicklich günstigen Konjunk¬ 


tur. Die Auflage betrug hier schon über 3000 Exemplare. Das Buch ging als 
„Privatdruck“ des Herausgebers. Der Erfolg befriedigte den unternehmungs¬ 
lustigen Verleger so sehr, daß er gleich serienweise gangbare Erotika auf den 
Markt zu werfen gedachte. Unter dem Obertitel „Venus orientalis. Beiträge 
zur erotischen Literatur der morgenländischen Völker und „Venus occiden- 
talis. Beiträge zur erotischen Literatur der abendländischen Völker“ sollten 
die fraglichen Hauptwerke als „Bibliophilenausgaben“ erscheinen. Heinrich 
Conradt (oder Conrad), der für den Verlag Georg Müller in München als 
Mittler fremden Schrifttums wirkte, war als Herausgeber gewonnen worden. 
Von der ersten Sammlung erschienen aber nur 1905 „Der duftende Garten des 
Schcikh Nefzaui“ in 1000 Exemplaren zu je 20 .//, in der zweiten Sammlung 


„Gamiani oder zwei tolle Nächte, von Alcide Baron de M*** Ä< (Alfred de 
Müsset) ebenfalls in 1000 Exemplaren zu je 12 M. Conrad übersetzte darauf 
noch das „Erotica biblion“ von Mirabeau (4 00 Exemplare, in Ledet und 
Drahtheftung), zog sich dann aber zurück. An seine Stelle trat ein Di. Richaid 
Fiedler, der Hi „Börsenblatt für den deutschen Buchhandel“ 82 ) einen gehar¬ 
nischten Artikel gegen die Pornographenhändler vom Stapel ließ, in det Praxis 
jedoch selbst daraus seinen Unterhalt bezogt) Er wählte als Pseudonym den 
Namen eines geachteten Oberstaatsanwalts, Dr. Martin Isenhiel, der gegen ihn 
eingeschritten war, um dafür Rache an ihm zu nehmen, und gab untet dem 

_ « . 1 t • t? !_ c _ovJ-_ 


Heraus: Restif de la Brctonne, Anti-Justine oder die Wonnen der Liebe (Paris 






schah „ach einer französischen Bearbeitung)'-“ ^ m* y bcrsc . tzun » gC ‘ 

schen Tänzerin. - Clcland kostete , Q ft für ,11 I ’ „T'™ C " ,Cr rUSS, ‘ 

auf 30 -H festgesetzt. Als Papier sollr ’ I * n - U ’ n8Cn Bandc war clcr l>rc,s 

ap.er sollte echt Butten, als Einband Seide zur 

\ erwendung gelangen. Von 
beiden wurde nur ein küm¬ 
merlicher Ersatz geliefert. 

\ iele seiner weiteren Ero¬ 
tika erschienen unter der 
J ' rma m Verlag der Spiegel, 
cl P z i& ü( Jer nur mit dem 
C)rtsnan ien Leipzig (noch . 91 o), 
/ j B * ” Venus in Indien“. Bei 
a cn ^' cscn Eroticis handelt 
1 CS S ' ch um Übersetzungen, die 
fl andere Verleger auch heraus- 
J ra chtcn. Ereund verdient aber 
V auch um deswillen einen beson- 

f < ’?, rc . n ^^ atz ’ Wc 'l er Schnitzlers 
f ” engen aus der laufe hob und 
ai| f seine Initiative eins der 
meistgelesenen Erotika hervor- 

w 15, n f mlich „Josephine 
Mutzenbacher, die Geschichte 
?, lner wienerischen Dirne“. Die 
Entstehungsgeschichte des Ro¬ 
mans entbehrt nicht eines ge¬ 
wissen pikanten Beigeschmacks. 

icund ubertrug die Abfass ung 
zu ‘l m n Schr . beka nnten Schrift- 

... Freun^ \ ferti g stel lte.Alsih.n 
Verleger wußte sich iedo WUrdc ’ brach cr 

Journalisten Willi Handl fü^dier^" 8CWann 

oman a " Ki " OT tÄ Z 


Vorbereitung zum 


(französischer Stich dcs l8 . J ahrhundem , 



Julius Eicbcnbcrg übertragen hatte, Y ( 

fand so wenig Abnehmer, selbst in fc-., 

Paris, daß Eichenberg, aller Mittel 

entblößt, sich verzweifelt in die Seine M - 

stürzte. 85 ) Fritz Freund verdiente „so 

gut“, daß er nach wenigen Jahren mit 9 

700000 Kronen fcstsaß und ciuf fünf 
Jahre als sogenannter Angestellter 

bei seinem Verlag fungierte, der sein Wßf j i jjg '| J ;t _^ \ | - 

Lager übernahm und seine Gläubiger |B M ^ : A 
abzufertigen hatte. su ) Heute bietet HL ^ ^ J’’ ,;/• 

ihm die Filmbranche ein gewinn- WF'JßS 

Mit ihm arbeitete Hand in Hand ■ * I 

Wien IV., Weyringergasse 37, der \ ' 4 *^ 

selbst jedoch ^nur literarischhoch- • >* 

Gugitz), Die galanten^Stecher 'des 

18. Jahrhunderts in Frankreich, ■* 

iqii, 88 ) Futilitates, Beiträge zur 

volkskundlichen Erotik, 4 Bände, Frontispiee zu Angola von La Mürbere 

^In Budapest wirkten lange Zeit Gustav Grimm und Fritz Sachs, letzterei 
auch unter der Firma Sachs & Pollack und Buchhandlung Pannoma. Ersterer 
ist der sympathischere von beiden. Er trieb die Erotik immer nur bis zu einer 
gewissen Grenze, über die er sich nie hinauswagte. Seine Verlagswerke sind 
deshalb galant, lüstern, roh, unflätig, aber nicht eigentlich Schilderet des 
physischen Aktes. Er hatte das Unglück, in einer prüden Zeit zu leben und 
selber die Prüderie nur dem Namen nach zu kennen. Deshalb nahm er Zola 
unter seine Fittiche, zu einer Zeit, als dieser Name auf alle Ehrpussel,gen wie 
das bekannte rote Tuch auf den Stier wirkte. Er machte sich zum Mittler 
fremden, insbesondere französischen Literaturguts, und setzte seine Vorliebe 
für das leichtere Genre in die Tat um. Ocuvc Mtrbcms Tagebuch einer 
Kammerjungfer'' kam zum erstenmal bei ihm unkasmert heraus und ver¬ 
fiel deshalb sogleich der Klaue des Zensors. Nachdem erst die Aufmerksam¬ 
keit der hohen Behörde auf ihn gelenkt war, regnete es eine Beschlagnahme 
nach der andern, bis schließlich der ganze Verlag in Verruf geriet und Grimm, 



um sich über Wasser zu half 

gefärbte Sachen auf den Markt brachf'^f ^'^r da,UI " abcr um so ‘■gotischer 
waren. Lesenswert sind auch heut r' d ' C Stcts A ^ ,lc l 1ni ur zu finden 

,>Caviar“-KalcmJcr. Willy-, (J : \ !‘ üd ’ ^ Zeitschrift „Cavi.ar" und die 
Skandalosa mach.cn viel von sieh reden" 0 ' p auth, <=/- Vi Uars) Khw«|.«„»liche 
dcr letzten Erfolge Sei, dieser Zeit . L " !"^ ernc ci.. - war einet 

l'aus, der ehemalige Verlege, „ich, s,uh ” . dcm VcHa S bergah. I lerne 
Hofstubchen an der Stätte seines ehema^ Ll | t " atur "> einem armseligen 

Grundverschieden von ihm *»*««. 

aufhehe Buchet schon auch bei nicht - f Uchs - d essen offen ver- 

i S ‘f sTT dcSK ‘> heimlich gedruckt P f C " Gt '" ii >e™ erheblichen 
ledoch Maß und Ziel überschritt™ Sa^ “"‘‘t T*’’™'" Verlagssvetke 

graphika “TT SClw “ cn sich '"'ehr. die wer,l ° »"Scsthloaenen 

tt cb I Mari “ «■ bringe Dam T" “” d S-nonsten Porno- 

<r'cb der obszönen SchundschtifL ' . ,,,cl,t «*»«*! Neben dem Ver- 

widcnnt P |' !< 'i!’ Cn ß ' ldcr "’ R «'zmittcln cTd »<-hwunghafter Handel mit 
w,denn „t,,eben Befriedigung, ein. ' und anderen Hingen zur 

Sj? ’L IStF **. Phi,,i,s “* j™ 

sind nur feurige und t' Auszu B bringen kann- "V • ' C 1 W ' BC " dcr 

volle Männer lii„ r m P eram entvollc krauen Ms , " Z11 sämtlichen Serien 

lus, und sd: ? ;;r u,,d *■*« Ki - d - ■>«*• 

reelle und pos,wendende Fried ZUr Verfügung stellt • 

folg gekrönte (!) Tätiekc r bürgt meine langiähri ’ Ul streng 

Erdteile erstreckend™ “t L T cinc " kaum S Z'’ SC ' tc ' K '" 

Lage, in allen größeren pp- L " vrcls v crdanke. Auf \vz ' au 't, sich auf alle 
ferenzen aufzugeben ■ ' 2C '’ E “ ro l>« sowie den V''' ^ 

Lfiese anreißerischen' Ka, I ' 8 ‘ Cn Sc “™ «f 

Ä:r E£;Ä Ä diec'' 0 '’'" -heißenden 
Genug! Der Boden Schelm dt^r^'k “<■“ WluÄ 'T f 

gekrönten Tätigkei^te^^ f** 

ist, doch wohl nicht denTh ff betrachtlic hen Risikos d * Erfü1 ^ (!) 
seinen übelduftenden T i M ° ^ Cn < ^ ew ' ll n ab Kurz ' T ^ anilt vcr knüpft 
Verlages. Einträglich U ' ld ist hcu te Komm U ' ld gUt ’ Sachs schloß 

InPreßburg arbeite« derVeriag“^' W£ " i8Cr Grfa bren°Tsich n be bCk T tCn 
hetausgab , 



Philipp Xehbe, Kitelkeit 




L r • - - 

Robert Kiss: Die Toilette 


8g 


■907, ferner „Briefe überd^e Gi! '"T™* 1 Jcr Dl'n», von Alfred Seiner.»,, 
-wie zahlreiche mathis i che P blT" • V ° n Offizier-, 

Ausgestaltung der Ausgaben is, ubllka ' lu " <; " brachte. Nach der textlichen 
■reibende Kraft war. -rnzunelnnen, dal» Fritz Freund hier die 

Sterns Eigenschöpfung , Gcsellsch ( i 
imitierte ein gewisser Karl Hauer wr , ostcrrc ichischen Bibliophilen“ 
*T bibliophilen DeutschilÄ ö«r u ^' 7 ^ * " »Neue, V erein 
” Dcr verschlossene Garten Kinn c , Hs (l i>o 7 ), der unter dem Titel 
dcr Weltliteratur“ als Band'l nur M'AlT “ 7 . VO " CTütischcn Meisterwerken 
Händler,herausgegeben von Otto Vrl ^ ,**" Ch ™ f H Hendi, DieSklaven- 
pJaren edierte, Preis 20 ^ V °" Br ‘* k ™dorff (p,)“ in 5DO ,.; xem . 

Zu kc,ner Bedeutung brachten « ,1 c 

spater Wulfcnbüttcl, Lange HcrzogstriV CmpCr ~ Vcrla &’ Leipzig, Talstral.se .5, 

Grav" 6 drcibändi ^ c Ausgabe von N«W \ v ElU " d ~ V ^ Wien 66, 

a uren von Rops ( 400 Exemplare a ’’ Pa "da<nonium“ mit .2 erotischen 
woh aus d Verlag yon rrit/ Pl ; u 0 ’/O und »Klub der Demi-Vierges“, 
Selbst bedeutende Firm 1 lcl ’ vertrieb. 

* £- Co. gab , ’hcr°:'; t d n as SiC M dan ^.nicht entziehen. 

rr Et ?^ ^it,c?Tr vtTk - Dcr ph «-“ o /.eich 

Ouoko,TZ’ KICy ’ Frm * Christophe C™ ° "«“'“W/, H/ic« Weiß- 

Zcichnn ' ’ y Ge ‘ ger - Mm °" Y.Ld’a , W chcr - Karl ArnoU. 

und Ut, 8 VCrtrCKn w atcn.») j6 crodlr KI r ' / ° ,, '‘ !n ’ i< i“incrcrotischen 
plarcn " laro vcr e |n| gtc 1907 dj c Mappe [ UtU Y"' bWonobu, Harunobu 

^ 9 ■ I bW° M) - Sd ’' i liro ' ik " i" 4 M l-eni- 

„Baucrncro* Ä u ' n ?lf i » '?*“*' ' 9 " 

Wörterbuch I ßaucrnf chmc in Oberbav,- " VOn Georg Qucri 

Auch der V r' ,SChCn Und *ÄV T K ” K - f ‘ l - y ri.sch" Hin 
Kenner der M 7 ' r GlWs M ‘:ller i„ Mii '«■«Karten der Altbavern.’’) 

herauszugeben Beii , h du , rch s,e bestimmen y* 1 * . Scmerau ™ seinen 
sehen Damen“ von Crsch ! enen »Denkmäler de^r f •'TV' 0 " 0 Erotika 

»DieGrenouill^re“4 n; C T '’ die »Erzählun, c ,f lm T 7" t$ ^ rÖmi * 

Übungen des Herrn P hlloso Phische Therese“ ^ m ^ 0,lc « c »t.sch“ , 9 o8-), 
Voisenon (r 9o 8). AuchT^ R ° Ch mit der Frau H*- 9 ° 8 ’- Ulld ” D,C Andachts- 
Diderot, der Erzähl ^ Hcraus & a be der Gc VOn Co rMc>r“ von 

»Perlen älter; ron ^ n8 t n Fontaine . Kleillode “ von 

und kunstwissenschaffl 50 ^ Prosa<< la ßt sich we/' ' 9bandl § en Sammlung 

Wg Müller Erotika verKgl BCd T Ung dicser Werke'VTT'’' '‘ tCratUr ; 

dl e gar nicht in den Rnh § ’ W ‘ C dle » T Hcrese“ und A’ " c ^ tf ® rtlgen - D ^ ß 
Bahmen seines Verlages D 1 R r d d,e »Andachtsübungen“, 

8 PaßtC,1 > erklärt sich wohl, wie 


go 


der Verlagskatalog „15 Jahre Georg Müller-Verlag“, S. 11, sehr richtig be¬ 
merkt, aus seiner Angst, „es könnte ihm ein schönes Verlagsobjekt entgehen 
und der angeborenen Schüchternheit, die es ihm schwer machte, nein zu 

sagen.“ 

Mit dem Jahre 191a war die gewaltige Welle der erotischen Neudrucke so 
„ ut w i e verebbt, und der Weltkrieg bürdete den Verlegern und ihren Kunden 
andere Sorgen auf. Nicht, als ob im Kriege der Vertrieb erotischer Lektüre 
überhaupt geruht hätte. Keineswegs! Aber es handelte sich hier durchweg um 
wertlose Makulaturware, bei der die Ungeschminktheit des Ausdrucks jedwede 
künstlerische Form ersetzte, die lediglich für gehirnlose Zotologen bestimmt 
waren und die irgendein obscurer Drucker in seinen Mußestunden für seinen 
Freundeskreis hergestellt hatte. Sie sind vom psychiatrischen, nicht vom litera¬ 
rischen Standpunkt aus zu werten. Erst gegen Ende des Krieges setzte die 
Produktion wieder ein. Da jedoch die Papierzuteilung immer geringer wurde, 
verfielen die Pornographenfabrikanten (nur solche kamen in Frage!) auf einen 
leicht gangbaren Ausweg: den des maschinengeschriebenen Buches. Irgend¬ 
welche Schmiererei eines an Erotomanie krankenden Verfassers wurde mit dei 
Schreibmaschine mit 6 —8 Durch¬ 


schlägen getippt, die fertigen Manu¬ 
skripte band ein vertrauenswürdiger 
Buchbinder notdürftig in einen Um¬ 
schlag, und das Buch war fertig. Im 
Regelfall handelte es sich um auf¬ 
peitschende Literatur in des Wortes 
ureigenster Bedeutung, nämlich um 
Erzählungen für Flagellanten. Dei 
Bedarf muß ungeheuer gewesen sein. 
Alfred Kind'-' 1 ) hatte bereits zu der 
damaligen Zeit :, / 4 Millionen Bände 
in einem Zeitraum von 10 Jahren 
festgestellt. Für die Kriegs- und 
Nachkriegszeit liegt keine ähnliche 
Statistik vor. Berücksichtigt man 
jedoch, daß das sexuelle Empfinden 
zu allen Zeiten gleich bleibt, so 
wird man bei der erleichterten 
Herstellung solcher Flagellanten¬ 
lektüre und ihrer verhältnismäßigen 
Billigkeit annehmen dürfen, daß 
die Nachfrage nicht geringer ge¬ 
worden ist. 



Aus einem neuzeitlichen Erotikon Buda- 
pester Herkunft »Der moderne Boccaccio« 


9 1 


,[>C ii*^ 

•-■ssay r - “ .«_. «•» 

as S csc hah nur gelegentlich, neben 
Nur auf die Herstellung von 1 i andcn \ Verlagsproduktion. 

schieden«! Bucliklubs und "üue]. .cicn -L’.'i V/'’' ‘"“"'p Warfe " sicl ’ dlc y "- 
Uros-Vcla, in Colmar. *« J« der 

Gesellschaft in Frankfurt a M dl sonn * *' ** Straßbur 8’ dic lris - 
gab, der Collectionneur-Club des F Idl'"! uf™ M ° I natsschrift h <™us- 
Bimim-Club in Berlin der ledi-dirl ’ ' T SLhulz 111 Charlottenburg, der 
-h auch v. Glimma natte R ^wdbt, der 
graphen Kutschera und einem Por C1niUn ^ er Otto Wiehle, einem Photo- 
Am lebhaftesten betätigte sich j ' °^ rap ^ iandlcr P°pohnsky bestand."'') 
handliche, aber schlecht gedruckte Bä.lT' Z** Cülmar ’ c,cr zahlreiche 
tung kam jedoch folgenden drei Unr heraUSgab - Vicl S rö ^re Bcdeu- 
zu München, später zu Basel der /L nc ln ^ n gcn zu: der Eros-Gesellschaft 
„Internationalen Zentralverband der ^ lm ^. esellscha f t ™ Berlin und dem 
-d Völker“, denen wir eini e t b Volkserotik aller Zeiten 

Gesellschaften oder Klubs milden .1 C ^"1? Wollen ' allen diesen 

vermuten sollte, niemals i^dwelTT”, "T** Stcht "«ürlich, wie man 

Phantasie »es |rrck\e7vt7et h s C ihyf an ^ S °'’ dCrn sie '"=^,Z,T 
Die Fmc r» r „n i t r llc gers int Entstehen. 


92 


Meisterwerke der Weltliteratur in absolut mustergültiger Ausstattung, z. T. 
mit erstklassiger Originalgraphik herausbrachte. Zwölf Bände sollten er¬ 
scheinen. Tatsächlich kam es nur bis zum neunten Band. Es erschienen: 

Band 1: Denkwürdigkeiten des Herrn von H., eines teutschen Edelmannes. 
Von Gustav Schilling (1766—1839.). Mit 10 Kupfern, 

Band 2: Josephine Mutzenbacher, die Geschichte eines Wiener Straßen¬ 
mädchens (mit und ohne Lithographien), 

Band 3: Der Roman eines Schlafzimmers (mit Kupfern), 

Band 4: Die philosophische Therese (Kupfer), 

Band y. Willi. Schroeder-Devrient, Aus den Memoiren einer Sängerin, 

Band 6: Alfred de Müsset, Gräfin Gamiani, 

Band 7/8: Johann Meursius (Nie. Chorier), Die Gespräche der Aloysia 
Sigca, 2 Bände (mit Lithographien), 

Band 9: John Cleland, Dic Erlebnisse der Fanny Hill. 

Nicht zur Ausführung kamen: Gervaise de la Touche, Die Memoiren des 
Saturnin, und die beiden Romane ,,Der Satan im Blut und „Der Orden det 

Aphroditen“ von Andrea de Nerciat. '") 

Nur ein schwächlicher Ableger war die „Insel Bimini, Gesellschaft füi 
Sexual-Ästhetik“ zu Berlin eines Buchhändlers Johndorff. Den Vertrieb leitete 
ein gewisser A. Hilmar Haber in Berlin, der auch die Bücher der Eros- 
Gesellschaft unter seine Fittiche nahm. Obwohl die Bände der „Insel Bimim“ 
(schlechter Druck, schlechter Einband, schlechtes Papier) keinen Vergleich mit 
denen der Eros-Gesellschaft aufnehmen konnten, machte dennoch der \er- 
leger durch die unermüdliche Tätigkeit von drei Re,senden glänzende- Ge¬ 
schäfte und unterschied sieh in diesem Punkt zu Semen, Vorted rühm ,eh von 
seinen andern Kollegen, die. wenn sie mehr Kopf und Kragen dabe, ver- 

loren, zur Not auf ihre Kosten kamen. ., ... 

Eine besondere Stellung nahm ein der „Verem deutscher B.bl.oph.len über 
Volkserotik aller Völker“ (gegründet ,919), der vom Marz 1920 ab sich In¬ 
ternationaler Zentralverband der Bibliophilen Über Volkserot,k aller Ze.ten 

n , re Gründer war der Buchhändler Max M.nl m Le.pz._g, der den Vor- 
nannte. • j-.. p 0 i; ze i dann an Friedrich Karl Holzin- 

sitz wegen ® ea " S “" Pscu donym Ferdinand Rodenstein, abgab. Holzin- 

ger, bekannte alltä Hiche Persönlichkeit, wurde 1881 im Armenhaus 

SSI Bauerndorfes geboren. In einer autobiographischen Sk.zze 

schildert er seinen Werdegang, w » . Angeborene Intelligenz ließ mich 

„Aufgewachsen als °™° sapl entSDrec hende"Bildung erwerben. Beherrsche 

als vollkommenen ^ ut ? L [ La '“"j h und ariechisch, nebst Sanskrit. Bin Ver- 

28 (?) Sprachen mklusn ^ J belletristischer Art, Lyrik, Dramen, Ro- 

fasset* von zirka 120 ßuenwerweu 



manc, Novellen, Erzählungen. So gut wie gar nichts davon gedruckt. I and nie 
\ercger. Die moderne Welt wollte nur Schund. Da tat ich ihr den 
Wdlen, warf Erotik auf den Markt und fand sogar behördliche Anerkennung, 
kur mich kam nur die Eolkloristik als Wissenschaft in IVage. Was ich für 
unsere Vcrbandsm.tgliedcr an Erotik verzapfte, war Mittel zum Zweck, Geld 
Z u schaffen, um alle einschlägigen Werke für mich beschaffen zu können. Re- 
tat, meine viele Folianten umfassende .Geschichte der erotischen Literatur“, 

einTmttrh r T CntC g T .’ Vcnustcm P cl ‘ veröffentlicht. Nebenbei entstanden 
B schla nnh S C ? 1,1 2 f Sprachcn ’ «och Manuskript. Durch 

t bt m idT' nCr Gc r; b!b ' i0lhck im 40 000 . , „anv-Uch 

habe , h Lt , C '" ft“'"’"“ 1 ’*'" id ' "-»IC Strafe „t,„.„ehr'verbüß. 

5^ Äz Gatt . . r r d " wudit 

durchdrungener l ^rS^ h GSc^cmgc^m“'dc r Ci ' , ‘“'"u BcdcUtU " S 

r> ?o n, der, mag man ihn nun ein¬ 
schätzen, wie man will, doch 
immerhin einiges Interesse be¬ 
ansprucht. Als Erotiker trat 
cr mit einer ganzen Anzahl 
selbständiger Werke und Ncu- 
ausgaben vor die öffentlich- 
i 'J' 1 -' er unter den Pseu- 

onymen Ferdinand Rodcn- 
* tcin ’ Dr. Schwimmer, Sieg¬ 
fried Freiherr v. Fried, Wal¬ 
emai kerkes, Dr. Steinröder 
usw. veröffentlichte. Für die 
Geschichte der zeitgenössischen 
erotischen Literatur kommt vor 
al em seine unregelmäßig er¬ 
schienene Zeitschrift '„Der 
Venustempel“ in Frage, die 
in den Jahren 1919—1926 
>n 7 Jahrgängen an die Mit¬ 
glieder seines Verbandes ver¬ 
sandt wurde. Der 7. Jahr¬ 
gang verfiel in seiner ganzen 

Anonym: Bordellszene x 5 ^ ßesc hlagnahme. 

Ur SC11 wenige Exemplare 



94 



Prof. Rudolf Keller: Im Pensionat 


95 



nicht, die Ha]bbiIdun^ lC de^l^crauy>' S *r nSC ^V‘ t ^'i C ^ Cn Wcrt bcsitzt sic zwar 

man ihr ernstlich Lxistcnzbcrcchtigum"'hHtte'/uerl ^ "V^ ^ 

sich in diesen uneinheitlichen auf frbl -U kcnncn kon »™- Doch findet 

sonst unbekanntes Material zur G- 1 ap, . cr gedruckten Heften vieles, 

sie aus diesem Grunde reichlich.' a,, L C1tC c CI zeitgenössischen Erotik, so daß 
Schilderung der gegen IWc„ st *' U ' C . fBr d '" '■»-her liefert. Neben der 
unzüchtiger Literatur V ' rfah ™ »egen Verb, CU, ng 

Stmg enthalten. Wenn cs mit den a k J ,ttc,lu "IS‘ : " Uber die „Vereins"besve- 
Verband im Mai , 922 , 0 , MW cd ' 8 g’ ?* hat, besaß der 

Rodenstein und die cinleln^t d “!> »b«r infolge der gegen 

mehr zusammen, bis cs , 926 /Ur Auf m T' tZCndcn Verfolgungen immer 
bandes“ kam. ' M Aufl '*“"S des „Internationalen Zentralver- 

Rodenstein erwies sich nicht nur ak 

sei n u gUtCr Gcschäf ^mann, der aus Z^T Por "°M>Hophile, sondern 
chafthche "och mehr aber erotische W- T r,vat . bibI i«thck sexualwissen- 

le'iV It t ‘r dcr aus,ieh ’ »zum Studium“ mt"' V C " 1C hohc Leihgebühr an 
leuJensc aft erfaßter Bücherfreund Zn" ^ ^ ^ Büche,- 

ßibliTu aUS ' Hattcn sich im 18 hhrh' T* T SCU1Cr Blhl ">thekswerkc 

B^bliophdcn gefunden, die Erotika in 4^' ^«« in Lank,eich, 

Schritt nidK feh i Cn durftc ’ binden ließ, n Ul V ?" I rau ^busen, bei der die 
Heß WC ' Mr ' "’ d "" - hinband 1^.««^ noch einen 
I* andauernden Verfol ^'»nnhaaren sehn,Uelsen 

äiientah’ flati ° n ^ der Hrwartung, aus 

stein endl*\ IUng C1I1Cn Cr ^ cb,ic * lcn Gewinn . mU1 ^ tlagcncn Büchern bei einer 

t i- 

He™ Dls, dCr , Ab,Cilun8 11 des'ße B rt'e°r t, ’p k l WUrdC rCStl ° s bcseldagnaiuni 

ihr definitives 

ahndete dt Ger" ei'neTht 3 * ?*.-Ä m' 

•’ ^ ,se B ' bliotW “ 

erwähnten »«obiöfraphTsehetsk''’ 08 ' ^"'"t-Mdert’diesetn 111 ''' 

»Der Nestor aller Erotik, f Wle fo, §t: SC " 1Cr bercits 

” — 
vericgt und 

96 ' ' Wclt bannte ihn. Nur der 


Staatsanwalt hat in nicht erreicht. Mein 
Fall zog dann auch seinen nach sich, 
allerdings erst lange hinterher. Rudolf 
hat Waggons aus Österreich herüber- 
geschmuggelt, und ich habe ihm daiin 
hilfreiche Dienste geleistet. Was in dieser 
Zeit von mir und an die Mitgliedei un¬ 
seres Verbandes in den Handel kam und 
nicht von mir selbst verlegt war, stammte 
zum größten Teil von Rudolf. 

Sein Finanzier war Osterloh in L., der 
einer biblischen Sekte angehörte und 
unter dem Deckmantel tiefster Religio¬ 
sität Erotika ebenfalls in Massen ver¬ 
schob und speziell das Auslandsgeschäft 
Rudolfs poussierte. Wenn die Kriminal¬ 
polizei Haussuchung bei ihm vornahm, 
fand sie stets nur religiöse Werke in 
seinem Laden und ihn selbst über einer 
christlichen Postille. Man hat ihn nie 
erwischt. Er starb an einem Schlaganfall. 

Buchhändler Max Fcrling in L. hat 



Ferdinand Rodenstein 


meine ersten erotischen Sachen verlegt. 

„Kote Sonne", „Tagebuch der Gabriele Sre.ner“ usw„ ha. den B.bhoph.len- 
verband begründet, der dann, als ihm die Kran, nalpol.ee, auf dun Hals ,rack«. 


Pl 'E,‘,e klaSh^tugnummer bildete K„nb in Berlin-Friedenau, der am 
. L Her Polizei Gehetzte. Seine Abenteuer mit Fluchten über die 

DHcher Groß-Berlins, Verstecken in Schornsteinen, Fluchten in Leipzig durch 
Dächer Uio . ^ ’ ,• r Sto ff für drei Kriminalromane. In Leipzig 

: wahre Treibjagd hinter ihm her, bis man ihn endlich zur 
wai wocneiuaii*, . i__ npfnncrnis^rrare ist 


er gestorben. Hamburg waren ebenso allen Wissenden 

Gebrüder Wegen in er n ^ französischer Übersetzungen klas- 

bekannt, brachten eine Anzahl seht 

sischer Erotik des 18. Jahihunder Ortsgruppenleiter unseres Verbandes, 

Richard Hanfe in D. war sel ^ c J mac h t e sich selbständig, wurde gefaßt, 
gründete dann den „Prornct eu p r : vat bibliothek bestraft und ist heute 



»Wenn ich vom Honorar meines 
bringe, h 


Kalkulation j os . 

erotischen Romans die Spesen für Fachstudien 
ätte ich an Lyrik mehr verdient.c 

Aus der -\Jugendc 


Hegenb 

in Ab; 


Machwerkt^oroH Un ‘ Cr IO , CkCn<iCn 7 ite,n «»«eher Werke harmlose 

Machwerke produziert, die er und Schwalbe in R „i rr r- r- 

Dummen vertreiben. B ‘ S Fllc g CIlf a»ger für die 

fla8Cl ' 

kennt. Die Liste ließe sich loch beliebfffo Vcrhältnissc |a wie kci " zwcitcr 

hä £ s n ^»^*Ä wcni8 w ‘" 

meiden, gedachte der Verlag TT Fa ^ stncFe dcs Gesetzes zu ver- 

der erotischen Literatur“ DerTr 1° "T- C mit SCiner Sammlung „Klassiker 
wohl auch, damit das breitere plvi™ ^ el , vcrs P rechc ' 1 d und man hoffte 
tigen Namen Aretinos als V 1 u m zu ködern, wenn man den zugkräf- 
von ihm herausgab. Auch 1 ,?*"" Und eine sehr harmlose Schrift 

alle drei gewiß Erotiker vo *™ C fT° herhalten ’ und ebenso Diderot, 

erotisch gefärbten Produktion, 8 k Ausmaßen - AF er ihre eigentlich stark 
K-ner fiel »f di. »ieh seht weise. Der 

eF lame nicht herein, und die breite 


Masse verlangte ganz andere Kost. Der Plan erwies sich alsbald als große 
Pleite. 

Die übliche pornographische Händlerware lieferten nach der Inflation in 
Wien Brakl, Josef Welkhammer und Alfred Trelde (früher Klement von Trel¬ 
dewehr), ein schäbiger Charakter, der wegen systematischen Bücherdiebstahls 
mehrfach mit schwerem Kerker bestraft wurde. 

Verleger der unmittelbaren Gegenwart zu nennen möchte ich aus leicht be¬ 
greiflichen Gründen mir versagen. Als hervorragend ist keiner zu verzeichnen. 
Für das Gebiet der schwarzgelben Grenzpfähle liegt dies wohl an der typischen 
Wiener Eigenart, da hier Drucker aus eigenem Antrieb Erotika herstellen und 
dann erst Verschleißer suchen. Die Folge davon ist, daß selten Verleger, dafür 
um so mehr Händler gefaßt werden. 

Auf einen grünen Zweig hat es von den Verlegern derartiger Literatur mit 
verschwindenden Ausnahmen so gut wie keiner gebracht. Im Gegenteil, viele 
büßten ihr Unterfangen mit harten Geld- oder Freiheitsstrafen, sowie mit dem 
Verlust des in die beschlagnahmten Werke gesteckten Kapitals, gleichgültig ob 
es um englische, französische oder deutsche Verleger sich handelt. Keiner zieht 
eben aus dem Mißerfolg seiner Vorgänger die Lehre, sondern vermeint, es 
klüger anzufangen, um sich nicht in den Maschen des Gesetzes zu verfangen. 
Nur zu spät wird er inne, daß der Wahn in trog. 

Augenblicklich ist Paris das Eldorado der Erotikaverleger, wie bereits früher 
ausgeführt wurde. Hier finden sich noch wagemutige Verleger, die nicht für 
die große Masse arbeiten, sondern wenigen Auserwählten bibliophile Lecker¬ 
bissen bieten — und die es sich leisten dürfen, da sie stets ihrer Abnehmer 
gewiß sind. 



/ 


99 






























II. Lrotik und ihre Liebhaber 

„Kennen Sie Herrn X? Schwprtv>.VU 

Originale, ist aber erwiesenermaßen ’ pnma ’ P r,ma * sammelt nur erste Namen, 
Sammlung. Oder den Musiüh V I ^ %" ZI8C ° n 8 i »al in seiner Gemälde- 
aufstapel,? Aber blank „ feen 'J ^ ™ Herren Länder 

Wen Spiegel alt lästige K„,l ^ ^ 

Ihnen die weltberühmte Brief rmrk i " Cn * ^ an/ 8 CW >^ jedoch wird 

catepetl nicht unbekannt geblieben seines' 1 Un . S d cs k1| stcr Sowieso aus Popo- 
Überlegungspause! Schüchterne Anfrage" '” C zusnmnKI >‘>! Das genügt!“ 
die einzigartige Bibliothek von I„t, i , , " kt ' ni,e " Sie sicherlich auch 

rühmen kann oder die zahlreiche S |t“ f H " r K • in M. sich 

Philen A. S. in W.? Verlegene, Sttmmd'T Bücherei des Bihlio- 

Hinwcis auf die Unvollkommenheit all & tf" untt ' r vorwurfsvollem 
der Hase im Pfeffer, Hier liegt 

zum wenigsten Beachtung findet steht ^'nfr ^ liebevolle Forderung, 
verborgenen blühend als Veilchen in, 

mit anklagendcm Augenaufschla ■ hineeha,' J ' T Beantwortung der 

nicht allzuviel versprechen, so kä„„ t " »«„8 Jas sein ?“ 

hier mitsprechenden Beweggründe dazu bei, “* Würdigung der 

hangen lagernde Dunkel ein wenitTufthT"’ ** *» Zu amnaen- 
Aufgabe Vorbehalten bleiben. Hier so | n , Kom P='=ntere„ mag diese 
daß immanent es Trägheitsgefühl die ”rä 1 "j ^ hi ''ä™i=scn werden, 
gebiete oor der Bibliophilie einil r albr andern Sammel¬ 

gewerblicher Gegenstand, Schmuck Ed "' m Hi " G ='"äldc, kunsc- 
sc au se m: Schdnheit beim er ten ß den, Be- 

geistiger Anstrengung um A„, , v ’ Verla ngt nur P m iwt j a 

ZU verschaffen. ° d "’ Ku " ! ‘v=rständige„ "Z T ^ I " ldc f, n ^ li 

w/ . b genußreiche Augenblicke 

Wie ganz anders das Buch' AI i 

Einbandes und der Schönheit' typo^s!^ Kunstwerk des 

verschlolen E 1 , L° rdn , Une ' ist *<•« Buch tat- 
-steek eS t. T m t °<Är e ;S i ^ den 

rschung bedarf es ein^c • S es chnittenen Typen 
IOO 8 c wissen Maßes geistiger An¬ 


strengung, der man sich im all¬ 
gemeinen nur zu unterziehen 
pflegt, sofern daraus ein materi¬ 
eller Vorteil direkt oder indirekt 
zu erhoffen steht. 

Darum (und hier ist die Wur¬ 
zel, seil, alles Übels) bildet die 
Gilde der Büchersammler keine 
zu starke Phalanx. Bei dem 
Sammler erotischer Schriftwerke 
kommt außerdem noch ein Mo¬ 
ment hinzu : die Scheu vor der 
Öffentlichkeit, eine Scheu, die, 
angesichts der Mentalität ge¬ 
wisser Kreise vollauf berechtigt 
ist, setzt sich doch jeder, der 
seine einschlägige Sammelnei¬ 
gung allzu offenherzig zu be¬ 
kunden wagt, der Gefahr aus, 
entweder als Händler mit ver¬ 
botener Lektüre oder als den 
Gipfel der Wollust erklim¬ 
mender Lüstling in Acht und 
Bann getan zu werden, eine 
Aussicht, die wenig Verlockendes 
in sich birgt. 

Wer aus dieser nicht wegzu¬ 
leugnenden Tatsache nunmehr 
den Schluß zu ziehen sich 

bemüßigt fühlte, daß derartige Befürchtungen, schon temperiert mit mo¬ 
ralischen (i. e. moralisinsauren) Gefühlen die Sammler abhaken würde, 
sich ihrem Sammelsport hinzugeben, wurde sich auf dem Holzweg befinden. 
Sammelleidenschaft läßt sich eben nicht so schnell tot kriegen Es müssen also 
schon schwerwiegende Gründe triebkräftig wirken und es durfte sich ver¬ 
lohnen, sie ein wenig unter die Lupe zu nehmen. Man kann unterscheiden: 

,. den Sammler erotischer Lektüre schlechthin Er Samme t Erotika, weil 
er darin sinnliche Anregung findet, sie demnach als Stimulantia benötigt. 
Einen derartigen Sammler interessiert weder Verfasser, Schönheit des Druc -es 
oder der Ausstattung, auch nicht die Seltenheit. Maßgebend bleibt der Inhalt: 
je grobschlächtiger, je eindeutiger, je gepfefferter umso besser. Derartige Can- 
tharidenlirenrur , schon im Rokoko unentbehrliches Requisit )edes besser 



Frontispice zu einem Erotikon des 
französischen Rokoko 


IOI 




d “ ** Casanova mehrfach an- 
amreffen, Sz,, * “ «*»«" 
lerin, die aus Neigung am Gar ^ r" Cm a ais c ‘ ncr rc >c'hen Pariser Kupp¬ 
hält. Zu ihr sei et gekomnfen^ j f H“““" Mais °" d « rendez-vous unter- 
Album mit Photographien schön p mp c un 8 c ines Antiquars, der ihm ein 
Vermittlung der ^ ^ di < all < d - b 

weiter: „Frau C. hat die schönste haben, seien. Von ihr heilst es dann 

Ausgaben von Aretino, Sadc, NerciaG* 011 ^ Blbllütllck ’ dic ich je sah. I-Irst- 

gehend'an.^BaUJ 1 f^det'dic^au^gestac^l 10 ^pt haU nur vorüber- 

gungsfeld mehr. Der Reiz beghmt 2U s h • , T" ^ Achtbar« Betäti- 
trachtet ein solcher Pornobibliophile Z'^T' ^i Stlmulans hlciln aus - Als« 
Schundschriften 2U setzen, von den ' e U ’ ^ . in dc " Besitz weiterer 
a er zu seinem Mißvergnügen bald in . , ncUc Sensationen erhofft, muß 

testen Schilderungen an allzu großer Ide WCrdcn ’ daß aucb die ungeschmink- 

-—Ä. -- - 

Schriftsteller zeichnet, der ein por- 
nographtschcs Werk „Los oris des 
,L lm f S , hcr aosgebcn will. Seine 
sicn ist unbeherrschte, von der 

f -sr LI ) SC . la 1 er zeugtc Naturlaute“ 
f « -halten, und zwar nur, „was 

Gliilk ,m Augcnbück der höchsten 

Gluckse,npf m d une äu|!crt _ ^ 

snt I -V U|C Rheder Frau 
w 8 S ' C ’ dari " wieder. Denn 
diese lr8C n J " ann ’ Jal,n verrät sie in 

blick ( 7 ° * S L Unbe herrschten Augen- 

2* e k . W rCS WcSCn ‘“ Zu diesem 
Zweck macht er als V oyeur in 

e mcm Bordell Studien. 

dien' auch 1 “- naturalisti «*'=" Stu- 
wüH Clnen Hrfol g zeitigen 

noch A bcdurfte es doch immer 
des Vf. ga ' 1Zen Geschicklichkeit 

tden kT^ ^ de " pas ‘ 

genau I h ? Cn ZU schaff en und in 
genau berechneter Steigerung, so¬ 



Aus »Bes cerises« 

Paiis I7fig 


102 


wie einem notwendigen Retardando die Spannung des Lesers wachzuhalten. 
Das aber gelingt in einem von ioo F«ällen. Die notwendige Folge? Der Porno- 
bibliophile gelangt zu der Überzeugung, daß es für die rege Tätigkeit seiner 
leichtbeschwingten Phantasie keinen vollwertigen, seinen Wünschen genug¬ 
tuenden, Ersatz gibt. Die einst mit hartnäckigem Eifer gesuchten und mit 
Heißhunger verschlungenen Schriften aufgeilender Natur liegen verstaubt oder 



Tuschzeichnung von Margarete Gaal zu einem Exemplar 
von Arthur Schnitzlers »Reigen« 


wandern wieder in den Handel, un, von neuem Leichtgläub.ge, die auf sie ihre 
Hoffnung setzen, am Narrenseil herumzuführen. Das Kontmgent solcher Leser 
stellen keineswegs nur welmnerfahrene Jünglinge oder abgetackelte Lebegre.se, 
Immer, wenn das Geschlechtsbegehren, das nach Befr.ed.gung drangt, auf Er¬ 
füllung warten muH, sucht die Sexualität thre te.lwetse Entladung m der 
schriftlichen Fixierung eigener Produktion oder gen,eßenscher Lektüre auf- 
per.sehender Schriften. Besonders während des Kneges als M.lhonen zeu¬ 
gungskräftiger Männer im Felde standen, fern von der Gebebten und Frau, 
suchte der Geschlechtsdrang auf diesem Wege Entspannung. /. Sp.cr- 
I,diesem Punkt: „Viele dieser weiblichen Geschöpfe 





(in der Heimat) beschäftigten sich obszön mit der Sexualität. . . Oft sind Do¬ 
kumente gefunden worden, die das erhärten. Tagebücher, Notizbücher und auch 
gedruckte obszöne Schriften kamen uns unter die Augen, welche nichts Gün¬ 
stiges aussagen. Mädchen legten sich Listen an, in denen sie die Zahl und auch die 
Leistungsfähigkeit ihrer täglichen und vorübergehenden Liebhaber aufführten, 
mit allerlei sonderbaren Bemerkungen. Andere wiederum hatten sich Gedichte 
^ezcic net, in denen geschlechtliche Dinge und Situationen in obszöner W eise 
verherrlicht waren. Andere trugen Briefe bei sich, von ihren Liebhabern, die 
nicht gerade im Pensionärton gehalten waren und geschlechtliche Dinge sehr 
schmutzig und lüstern beschrieben.“ 

Ebenso stand cs bei den Feldgrauen, gleichgültig, welcher Nation sie angc- 
orten. R. K. Nmmann berichtet'”) von der Erotik der Era,Kosen und ItalL- 
schm 7e S,C h Cmi ' ri V UU t rcn bemerkbar machte. Er sagt: „Die skatologi- 
eeht we , 7 «’ T C " d "-;. l,äufi 8 stt ' 1 ’ • • • J'' Entblößungen gehen übrigens 

dar .'rellt I d mCh ' nUr d,<: ttlvi, sondern auch die Genitalien frei 

Lt Eni U r de 7 W r 0bC ' nan ’?7' Ch Skr ° tUm L ' inc “'.glaubliche Größe 
sihimp , amen * ZC ' 5 '- daß für Ecldgrauen deshalb den 

wird d a difi' ak CrfUnda ' h3t - Auf ““Jen. Zeichnung 
Kompagnie lei H 8C Abst '"'“ z /“tüchgeführt, und der Zeichner läßt eine 
Überhaupt wimmd, mlnn k 2Ur C '” f™™*' «"«• «• foutons vous!“ 

,,,. STzX: 1 !,^—" c,, B Ans T luni T n ', A 7 ^ -•*- 

Bilder, auf denen dargestellt ist daß di ' ’ abschcul,ch berühren die 

2U Koprophagen geworden sind, ‘und I'T'T 

Franzosen deutsche Generale besudeln ^DiTT’ ^ f‘ C sicfircidlcn 

italienischenZeichnern Mnü«. ^ 

bng. Ein paar Soldaten machten sich an dci-'T f'" Huh " Und cin Spcr ' 
man auf einem andern Bild sehen könnt au " plankc — schaffen, während 

- sexuellen Attacken benutzt wurden " V "l 7 UMCr Ricscnrai3wcr 
daß sie nicht einmal beschrieben w,rd ” 1 •• ^ C Zeichnun S er > sind so gemein, 
Wenn dabei jedoch der 1 konne " • • • usw.“ 

zu Ungleichmäßig verteilt und ,^ enannte Spier-Irving 1 “-') Licht und Schatten 
hinzustellen versucht, so mae H' C eUt< \ C cn Soldaten als Keuschheitsapostel 

-ng erklärlich erscheinen. Die^Tatsad ^ da ? lallgCn P atri °dschcn Bcgeiste- 
fuhrt aus: „Wir wissen daß di, atSachen ödeten eine andere Sprache. Er 
Gebiet wohl die verderbtesten m 1 ra " ZOS,Schen S °ldaten auf geschlechtlichem 

gräben fanden wir die schmutzet' sind ‘ In geräumten Schützen¬ 

schmutzigsten und gemeinsten französischen Photos, in 



Fin^esten: Exlibris 




[EX Llö-RiT 



I-xlihris von Fingesten 


cn fomistern der geflohenen und 
gefallenen ,Poilus‘. Derartige 
Schweinereien trägt kein deutscher 
Soldat mit gesundem Gcschlcclus- 
empfmden bei sich. Bei ihm ist alles 
ZU natüHic h im Fühlen und Wün- 
!> c ten (??.''). Auch in französischen 
0 eräumten \\ ohnungen fanden un- 
*jc leidgrauen solehe Bücher mit 
sch echten Illustrationen und un¬ 
saubere Romane und Novellen. 

■ °8 ar in Wohnungen von Damen 
und ferneren Ehefrauen von Leu- 
1 er französischen Gesellschaft 
macht" solche hintdeckungen gc- 
• Abcr “"serc harmlosen (!!!) 
brache™ diese SaciJ 
lachend zu den Vorgesetzten, weil 

- * . . - 

ratsaehheh lagen die Verhältnisse 
heindes Seite so 


ziemlieh gleich. Unparteiischer schildert die“! ' | IT'“ *"Ä!« 

dienen, wurde offen zucetl" lhr Zweck d, p* “ “ " UI wic 

sprechend ausgenutzt.») M™'hö" d V °" ‘ fcn Händlern „ “‘d es 'w “" 8 
Regungen sinnlicher Art L H 11Ur ’ Was ein Einecw 1 Ware c 

tändeleien erhalten di ]n* ^ sdlli eßÜch durch^ I' ^ bcnchtct: 
den Hotels „T ^wüchsige Burschen “ , * manni gfachen Lieb 

hohen PrJ^ Jr'l l^ 0 ^" Und sonstigen v"! t" bdcbtc " Straßen, v 

Pornograph, c i„ Schrif, KU an den' ", ? Un * l “ bli 

echt Brüsseler Wi i ^ Ur) d Skulptur wurd f u zu bringen suchte 
auf den d c S Tar r? Hiedensimport ^Inhalten und stolz , 
kaufet von dt " elea ' — nu r zu l*r Bode 

zeugen.“ 10 <^ ^ 8finStiSe '’ Herste,ier und V! 

vermutet „ltr C d kniSS A d “ ^'^krieges und ) ^ “ 

an s ; pMünm s ’^ ^Zzt 77 S 

106 Frontsoldat weiß aus eigen 





Erfahrung, daß pornographische Photos und Zeichnungen auftauchten, 
nicht nur bei den Femdtruppen, sondern auch bei den eigenen Kameraden. 
Geschäftstüchtige Photohändler machten sich die Konjunktur zunutze und 

boten (allerdings nur in Paris) ihre Ware öffentlich an, zur „Erheiterung“ 
der Frontkämpfer. ö 

2Ö £TH naU r tb T.^ n8 scxucllcm Nervenkitzel hat die fran- 

üb r di dT 8 1 “ ka,mt Ul,d d “ hidb klugerweise unterstützt. 

St. r 8 “:t MCth ^ läßt Sich allcrd “’8 s streiten. Man 
we.8. daß d,e Panter Wttzblatter eme Klasse für sich sind (vgl. Abb S , 7 8/o) 

An erot,scher Zugellostgkei, suchen sie ihresgleichen. Vor« ginR schon der 

88, gegründete „Courrier Fran S ais''. der im Sinne des Gründers an der haar- 

b etben"oU^eiTj u U " d VCrfci " OT - Unzucht stehen 

k a 2 P risfr kt„ " Z Er0tlSchc „ st “'' k ^pfänglichen Aufnahntefähig- 
Panser konnten selbstvcrstandhch diese Grenzen nicht immer ein- 

gehalten werden. 

„Der große Erfolg des 
,Courrier FranSais* ließ 
natürlich eine unglaubliche 
Anzahl solcher Fachblätter 
aus der Erde schießen, 
meistens mit einigen Hun¬ 
dert Franken und Buch¬ 
druckerkredit für zwei 
Nummern gegründet. Le 
Boudoir, Gazette galante, 
L Evenement parisien, Le 
Pii*on, Le Boccacce, Le 
Decameron, La Lanterne 
des cochons de Paris, Le 
Faublas, Le Pornographe, 
Le Journal des cochons, 
a Grivoiserie parisienne, 

1t * cot ’ Le Rabelais, 
Alphonse et Nana, Le 
Journal des Cocos und 
andere, von denen viele 
rjac ihrer Verurteilung 
Namen wechselten. 
Das Gesetz vom April 1882 
& e S e n . die unzüchtige 
Presse ist derart abgefaßt. 



Clement Marot: Epigramme 

Textseite: Entwurf von Paul Renner 

108 


da ß cs diesem Unfug keinen Abbruch tut, und während des Krieges hat die 

Remerun- so-ar offen diesen Skandal begünstigt und Tausende von Exem- 
Kegie 0 ^ ^ . „ n1 den Helden im Schützengraben einige 


'intrpunilt 


.Zvti)in 0ct>inS lcc 

3ef>n Dialoge 



1 


109 









EXLIBRIS WIlHEin ffiSWÖH tihrZ-t! Ersötzu, ' s z “ *»- 


Daß die Frontsoldaten bei dieser 
rezeptiven Tätigkeit nicht ver¬ 
harrten, sondern, durch die an¬ 
reizenden Vorbilder bald zur pro¬ 
duktiven Tätigkeit sich gedrängt 
fühlten, ist durchaus logisch. Man 
kennt die Scbiif/.cngrabe»-Zeititn- 
^cn. Den meisten sind sie nur dem 
Namen nach bekannt, und die 
deutschen standen (das kann man 
o ine patriotische Voreingenom¬ 
menheit feststellen) im Niveau be¬ 
deutend höher als die der Fran¬ 
zosen und Engländer. Der bereits 
oben sich ausführlich äußernde 
ariser Chefredakteur, der wert¬ 
volle Aufschlüsse über den fran¬ 
zösischen Journalismus vor, wäh- 

Harmloses Exlibris ‘ Lric“"‘I ^ d * Ni,Ch ' 

g bietet, erzählt auch, daß 

de la Presse“ die französischen Schützeneraben-7^ SpI ° naßeZCntralc » Maison 
wurden, allerdings nicht für wissenschaftliche Z.TK" S ° r8 . fälti S gesammelt 
Kulturhistoriker bestimmt. „Hier wurdet alle fm- mdn fÜr dcn 
Front- und Etappenzeitungen, von denen oft c utz engrabenzeitungen, 
geordnet und aufbewahrt. Die meisten mit d ^ ^ urnmer erschien, 
vervielfältigt, einige sogar gedruckt. Ihr T , § esc hneben, andere 

ständlich nur aus mehr oder minder gepfefHrtfn 11 ^ u bcstand selbstvcr- 
diese Zeitungen an Lustgreise oder alte Weiber r^r' Man verkaufte 
Pikanterien waren, für teures Geld.“ 10 «) ’ le au ^ der Suche nach 

Bekanntlich hechelten die antiklerikalen Schrift n . 
insbesondere das sittenlose Treiben der Gei er II u U f S 1 J a hrhunderts 
durch. Die Pamphletisten erzählten, ohne d ^ UI \ der ^ oster insassen 
von dem Vorhandensein erotischer Bücher in KlöT^ * toß Zu nehmen, 
scheint sich sehr wenig geändert zu haben. Willy Hacket £ * diesem Pu » kt 
„Unbestreitbar ist es, daß in Nonnenklöstern 1n u , ' benchtet darüber: 

teratur und dito Bildern kein Mangel herrscht ° bszöner Li- 

'egenhett gehabt, in Klöstern, wo die Insassinnen glohett“ mChrfaCb Gc ' 

duven anzusehen. Es kann auch nicht der Einwand erhob“’ S ‘ öße 

ernoben werden, daß 


sie etwa von vor uns einquartierten französischen Soldaten stammten, denn 
eine *anze Anzahl trug den Namenszug von Schwestern.“ 

, An zweiter Stelle stehen die ästhetischen Sammler, von denen es wiedeium 
l , , i nr > r arten *nbt Der Ästhet sammelt aus Freude am Absonderlichen, 
fÄ ir Wohlgefallen an der schönen Form Durchschmtts- 

. , i • i , r jTjir ihn aus. Jedes Buch muß eine persönliche Note aut 
literatut schenkt k wird Er sammelt die Seltenheit 

Sr h? Ät i* » -h" bedeutet. 

u,u ihrer selbst willen, da sie u. m. ncnnen> deren sich die übrige 

s “’“ BesltZ “ m be, ’ cldet 2 “ 

wissen, so fehlt nichts mehr zu eines solchen Buches auch die 

Vielfach geiort zu ei i e^ Ausstattung> um ein harmonisches 

zweckentsprechende, d n, ustrie r U n- werden nicht selten hervorragende 

Ganzes zu bilden. Fui d e * in den Dienst zahlungskräftiger 

Künstler gewonnen, die i ir | anZC f j are durch den von ihnen gefertigten 

Kunden stellen und einzelne u\* ■ ‘ bekannte Erotiksamm- 

Buchschmuck zum Range begehrter Un.ka erheben 

ler Pisanus Praxi ließ die „Con- 
tes Remois“ 110 ) des Grafen de 
Chevigne, durch Chauvet mit 
reizenden Bildern ausstatten, 

so daß jedes Gedicht durch J|g|m 

eine Zeichnung veranschaulicht 

Der Münchner Verleger Kult ). i 

Woljf besaß ein Exemplar der ( V 

Originalausgabe von Verlaines f 'IM» y r . 1 

„Femmes“ mit sehr leb ^^ fj / / 

anmutenden erotischen ‘ \| ^ 

lungen, die auf einen Künstler ^ \ 

von Rang schließen lassen. Fran- ^ V- 

zösische, mit Glücksgutern ge- V^'T>=di 

segnete Biblophilen bevorzugten 

ja von jeher die Ausstattung 

ihrer Erotika mit farbigen an y ZßiP - 

malereien zeitgenössischer Kuns '-ä'- j, fi 

Dr uTd die Illustrationen der ^ BES® HdS © 
deutschen Ausgabe von -h olk Erotisches Exlibris 

Protats „Serrefesse“ sind Naci- 


k, • / 




\ 






Erotisches Exlibris 


III 







Bildungen solcher ausgelassener 
Schöpfungen. In Berlin wurde 
dieser Brauch mehrfach nach¬ 
geahmt. 1929 schuf die fein¬ 
sinnige ungarische Margarete Gdal 
(geb. 1902 zu Ungvar) auf diese 
Weise das Beste, was cs an ero¬ 
tischer Kunst bisher gibt. Ihre 
Handzeichnungen in 6 —8 Exem¬ 
plaren von Bouchets „Schwänke“, 
Verlaines „Frauen“ (deutsch¬ 
französische Ausgabe), „Die 
braune Blume“, außerdem in 
einem Luxusdruck von Schnitz¬ 
er 5 „Reigen“ (Ausgabe Harz- 
Verlag) legen davon Zeugnis ab. 
Graziöseres an erotischer Kunst 
wird kaum je wieder so ge¬ 
schaffen werden. 

Zum erotischen Buch gehört 
auch das erotische Exlibris, das 
in der Mehrheit der Fälle aus 
einet Meisterhand hervorgegangen 
st ” Durchblättert man die leider 
v orea ^P^ "ach einem Entwurf von Marcus in tschechischer Sprache 

- er, zu. Verlaine »Hombres« erschienene Monographie von 

wird man dem zustimmen. Die Krönnno- ^ aroslav Obrdtil , 112 ) so 

der Einband, der dem Inhal, eL ZZltnt ?'? 

Zu einer Zeit, freilich, als das Sammeln crodsdicn's' L H -f Uc lc ' ht ' 
mutigen mit einem Makel behaftete ia dnriih, t Schrifttums den Wage¬ 
ziehen konnte, hütete sich jedernach sich 
Bücher den verfänglichen Inhalt ahnen zu lasse^V Äußere seiner 

genteil eines gern geübten Tricks um HarmH ■ 1 ! ele Bedienten sich im Gc- 
schen. So war es üblich, durch den Aufdruck * T-'.? Ücher /orzutäu- 
Eindruck zu erwecken, als ob es sich um horhw - ^-uckenschildern den 

Die „Aloysia Sigea» band ein ^ h!l " dle - 

nerus, wodurch sich sogar der gewiegte / • band des Phili PP U5 Gar- 

ouvrages relatifs ä l’amour“ verleiten ließ dieses LTdT des 

zuzuschreiben. 113 ) Der bekannte Erotikaverleger und a Gelehrten 

verkaufte eine Erotikasammlung, deren emaeL 



Vorsatzpapier nach einem Entwurf von Marcus 
Behmer, zu: Verlaine »Hombres« 


112 


wie „Fromme Wünsche“, „Stunden der Andacht“, „Gefällige Werke“ 

US Noch perverseren Geschmack bewiesen die Damen des Rokoko, die in ihrer 
Heuchelei so weit gingen, obszöne Bücher und Bilder in Gebetbücher sich 
einbinden zu lassen. So berichten z. B. die „Memoiren des Herzogs von 
Choiscul“ folgende bezeichnende Tatsache: „Nicht um die Welt hatten die 
Schloßherrschaften von Hautefontaine und ihre Gaste am Sonntag die ^ se 

versäum,. Andächtig ging 11« m d K d Betenden umspielen sieh,, 

wenn man hier und da e„, Lächeln dm L pp Einb a„d nach is, 

Jeder hat ein Buch in der Hand au den u=■ Sammlung skanda- 

das Buch em Gebetbuch, sein InWtt.be. besteh^ ^ A „ e dicse 

f^ " »<**£*£ 1 % 

Arbeitszimmer^'mi^Attra'ppenreiheif bekleiden, auf deren Rdcken scherahaft 

obsaone Titel standen. Erotobibliophile wieder viel Aufmerksam- 

Erst in „euerer Zeit verwendet der Erotob^^ Einband Sclte „ er kommt 

keit auf die Übereinstimmung, j s E ro tikon kennzeichnet. 

es vor, daß bereits der Verlagseinband das Werk^ ^ v0 „ 

Der Grund liegt z. T. daran, dal. 

Buchhändlerlagern nach solchen 
Druckwerken den Beamten der 
Sittlichkeitskommission nicht so¬ 
fort in die Augen zu fallen 

brauchen. , 

Der Geschmacksrichtung des 
Bibliophilen sind freilich keine 
Schranken gesetzt. # . .. 

Daß hierbei die Exzentrizität 
Orgien feiert, nimmt den Kenner 
der Materie nicht wunder. Einige 
Beispiele: 

Camille Flammarion, der mit 
der bildhübschen, aber lungenkran¬ 
ken Frau eines Diplomaten be¬ 
freundet war und sich einigema 
entzückt über die Glätte def Einb anddecke von Walter Tiemann zu: Alt- 

morweißen Schultern # französische Schwänke 

niistresorochen hatte, ^ ar 111 _ 



tepäil 


8 



wenig verwundert, als ihn nach längerer Zeit ihr Gatte aufsuchte und ihm den letz¬ 
ten Wunsch der kurz vorher Verstorbenen überbrachte. Sie hatte ihrem Gatten 
das Versprechen abgenommen, Streifen aus den bewunderten Schultern schnei¬ 
den und sie dem Verehrer überbringen zu lassen, mit der Bitte, daß Flamma- 
non sich ein Buch aus dieser Haut binden ließe, damit ihr Andenken erhal- 



Prof. Keller: Märchen 


ten bliebe. Flammarion, dem der Wunsch Her v i 

denn auch kein Bedenken, ihn zu erfüllen. eistorb enen heilig war, trug 
Auch noch intimere Körperpartien mußten A „ e er 
geben. Der bekannte Erotika-Verleger Isidore Lisr - ^° ff Zu . Einbänden he*“ 
Ausgabe von Sades „Justine“ (von 1793 i n 8 0 ) das u“" Exem P lar der 

busens gebunden war. Auch V °die 7 Brüden^ ^ , HaUt eillCS Frauen ' 

Tagebüchern-,n S) daß ein betnn^ Bu^deT a 
Samt-Honore nd. Vorliebe für obsaone Bücher Hau. autfc “bZ 



Paul Lacroix 


Arthur Dinaux 










mitsamt der Warze als Einbandmaterial verwendete. 11 u ) Ein Zyniker, der 
vernommen hatte, daß ein anderer Liebhaber kostbarer Einbände „L’eloge 
des Seins von Mercier de Compiegne aus dem erwähnten, dem Inhalt 
des Buches angepaßten Material hatte binden lassen, bemerkte: 

„Wie hätte er sich wohl den mittelalterlichen Traktat ,Dc serto virginum* 
einbinden lassen?“’ 1 •) Allein diese Frage ist durchaus unangebracht. Wenn 
schon Georg Christoph Lichtenberg in seinen „Aphorismen“ von einem Manne 
erichtet, der einen ganz aus weiblichen Schamhaaren hergestellten Hut sein 
eigen nannte, um wieviel leichter läßt sich ein mit solchem lockigen Körper¬ 
schmuck gezierter Buchdeckel fertigen! Haarfetischismus vor allem spricht bei 
einem auf solche ausgefallenen Ideen sich stürzenden Bibliophilen mit, 
spielt eine um vieles größere Rolle als der Wunsch, einen exzentrischer 
Laune sein Dasein verdankenden Einband in des Bücherschrankes tiefsten 
runden zu bergen. Im Regelfall wird erfahrungsgemäß der Besitzer 

trlf C 7 ” S A h r tZe “ StetS V\ Abrcdc . Stcllen ’ in c io cne r Person den Auf- 

Erwerb n , e " lgUn | f S0 . lcher Cunosa gegeben zu haben, und nur den 
rwerb aus dritter Hand zugestehen. Lediglich der Erotikahändler Fer- 

--t .. .. dinand Rodenstein (alias Friedrich 

1 f~i ^ ad Holzinger) berichtet voller 

Stolz in seiner Zeitschrift „Der Ve- 
m *r*m&r*Z vTli | nustempel“, daß er besagten Buch- 

JOANNIS MBl T R SJI | \ 1 schmu ck für einige der Kostbar- 

Pi xpr ^ P i S<dner Bibliothek sich zu- 

IjLLi GSLJSt FZsEi Vd gelegt habe. 

PlaATINI SEEMCXNIS M . Di , ese K ! asse von Bücherfreunden 

1St d CI d * e S anz e Welt verstreut 
rjgr a W2® Und SIC ^ zahlenmäßig wohl 

f\^ 4 LOI S I A. mi ^ den ander n Klassen die Wage. 

jj£: SIG^ATOLETANA J|§r Pariser" dC1 bckannte 
PgL,. • „ i • Bibliophile und Kultur- 

DearcamsamonsocVenens^^ßj historiker Inr ^ 

d > un . n semen „Caprices 

j . 7 n . bibliophile“ (Paris 1878) im 

»Cabinet d’un erotobibliomane“ 

• l -7 146) das Urbild eines Eroto- 

m,ß | rnanen sehr anschaulich geschildert 

- Jll; Be, seinen Rundgängen durch die 
—uMi clalocc LXXXt, )« f Buchantinunri-ir« -1 . 

^FTV.f) II . . m ' L.^ anate war ihm ein nervös 

UlHilil^ “ufgefau“ ‘ Crn aUftrcte " de ‘- Herr 

Frontispice zu einer Luxusausgabe Kunde zugeirm 

de. bekannten Frotikons ™ dotier nur hdchstll" t 7“ A TZck 


Frontispice zu einer Luxusausgabe 
des bekannten Erotikons von Chorier 


brachte, aus Scheu, durch seine wohl nicht als 
liebhaberci ein spöttisches Lächeln aui den 


sanktioniert empfundene Bücher- 
Gesichtern der andern Kunden 



J 


Titelbild von 


,Les sonetts d’Aretin. 


, , ,„ß die Bekanntschaft dieses seltsamen Kauzes zu 

hervorzurufen. Uzanne besch'A d ^ Thea,erauffuhrung traf er 

mache,,, und der Zufall war ,hm » ein Gespräch m,t ,hm an. 

•u : p( i er und knüpfte bei pass _ ^ ^^„„ungsgenossen legitimierte, er- 





hielt er eine Einladung in dessen Heim, der er gern Folge leistete. Er schildert 
nun eingehend, wie die ungefähr 2000 Bände umfassende Bibliothek stufen- 
weise nach der Starke der Erotik aufgestellt war, von den galanten Werken 
angefangen bis zu den (grob) obszönsten Klassikern der erotischen Literatur 
Frankreichs, alle aufs prächtigste in Ganz- und Halbleder gebunden und mit 
den ausgelassensten Darstellungen von Künstlerhand geziert. Als Prachtstücke 

AnriTp“"“ ü z '., C ‘,? F -“ mpbr dcr Originalausgabe von Rcstifs 
dfff.I " i", vo " & *.llons „Tableaux des moeurs du temps dans les 

von Ca“ T ' % V M fl! Ba r d in Sr ' mi ' dc " 20 Gouachezeichnungen 
freies GemTd " p h ' Uß ^'U-nne, daß er dem Sammler ein sehr 

Prachtstücken dir SaJX^bedL'h,''wurde. '“ tamentarisch roit dc " bcidc " 

K “!T !r VCrStand dam2 ' s dic ^ bibliophile 

Ir am 8 Tun! ,8« n'" ^ick Hankcy, 

eben die Tahlea ' j'“*’’ ^ cbcnfalls ncben manchen andern Seltenheiten 
Dühren'besTreitet ah d“ T", tC '” PS “ mit dcn 20 Illustrationen besaß, 
erst .882 Tennl! erd ‘"f dle da Uzanne den Sammler Hankey 

über alln z"" w T u aa ^ “ Diihrc " s M' a up.u„g durchaus nicht 

f aß fr ChCValicr dc K-bany keine 
X iicuuasiegestait Uzannes war, sondern daß die F mf n n;i r u... . . , . 

"t Ti" WCSen V ° n FlclSCh U ! ld Blut verkörpere ü -'ü 51 " 

ihres pekuniären WertT wegL^Er/st GeschT SClbSt Willcn ’ SOndcrn 

für ihn ein gut angelegtes Geschäftskapital F "Tp Bucher repräsentiersn 
spekuliert in Seltenheiten und rechnet mit V . Spek ^ lert nicht 111 Aktien, er 
Preise. Kennt er doch die ganze Gilde wund e /!™ mdleit d ‘ 1S Stc!gcn der 
sendet Gelegenheit seinen Besitz mi, Gold au w^efzu dT b' b m PaS ‘ 
mit Geschick und Routine an sich bringt steht er k, Z d Budiern > die Cf 
hältnis. Sie bleiben nur so lange in seinem iw/ 1 a T 6 ™ lnnigen Ver_ 
nicht verlohnt. Bei einsetzender reger Nachfrage w ^ Abs . toßen sich noch 
nutzen und trennt sich ohne Bedauern von seinen Mch " r™* ^ 

dem gleichen Eifer auf das Sammeln alter Gebetbücher wer/ ™ 
daraus einen in Geld meßbaren Vorteil verspräche^ f ’ WC " n “ ^ 
4. Der Wissenschaftler sammelt Erotika wegen ' ihr« 1 • , , 

liehen, literatur- oder kulturhistorischen Wertes * 3 //J Sexualwissenschaft- 

Er weiß Beziehungen aufzudecken, er sammelt Erkennte d B “ ChCr 
fruchtbringend in seiner Praxis oder Forschertätigkeir t ^ Wlederum 
gemeinheit verwertet. In meiner bereits erwähnten (Lc^h T" ^ AU ' 
Literatur“ habe ich den Nachweis erbracht daß die ^ hlch . te , der erotischen 
des Geschlechtsaktes Jahrtausende alt is, und bei allen VöTemlich 0 " d'''“" 8 

Il8 


daß besonders in Zeiten rigorosester Unterdrückung die erotische Literatur 
kräftig ins Kraut schießt. Andere Forscher wiederum, wie Bloch, Fuchs, \ o,- 
bere u v a. haben an Hand erotischer Schriften gezeigt daß es heute keine 
so/ Perversität“ gibt, die nicht schon vor unvordenklichen Zeiten geübt 
Zd, Das sind Erkenntnisse, die unser Wissen berei^em^umijiiisere^Emstel- 

^ * , | bestreitet, mit dem ist nicht zu rech- 

Männer den Nutzen erotisc 1er - ^ Überlegung, sondern aus der vor- 

ten. Er fällt sein Urteil nicht a « Allein das ist kein 

gefaßten Meinung: „Die ganze Richtung paßt 


lüstlinge oder die Armen 

im Geiste erotisches Schrift¬ 
tum aufspeichern. Falsch, 
grundfalsch! Liebhaber 
clandestiner Literatur las¬ 
sen sich in allen Volks¬ 
schichten finden. Daraus 
erklärt sich auch die ver¬ 
schiedenartige Ausstattung 
solcher Schriften. Die be¬ 
rühmte Sammlung der Ab¬ 
teilung II des Berliner Po¬ 
lizei-Präsidiums weist Por- 
nographika auf von der 
denkbar schlechtesten Aus¬ 
stattung und nur wenige 
Seiten stark, bis zum teu¬ 
ersten Luxusdruck im V a 
zerformat. Für jeden Ge 
schmack ist gesorgt, un 
auch auf die nicht son¬ 
derlich große Zahlungs¬ 
fähigkeit wird Rücksicht 
genommen. 

Sammler erotischer 

Schriften gibt es ja m clt 

erst in der unmittelbaren 

Gegenwart. Wir wissen, 
daß bereits zur Zeit Franzi. 
von Frankreich die „Are- 



XtecuciL 


^t_a Jondres. - 

/-v 2,/W r/- /" 


Titelbild einer stark erotisch illustrierten 
»Pucellett-Ausgabe 


119 




tmos ein heiß begehrtesSammelobjckt bildeten. Aber erst das ,8. Jahrhundert, 
da goldene Zeitalter der Liebe, hat zahlreiche, namentlich genannte Sammler 
aufzuweisen die ohne Scheu auch das Sammeln erotischer Bücher nicht nur 
nicht verschmahten, sondern sich mit Vorliebe darauf warfen. Wir wollen 

reiche Auswahl stimulierender 
Literatur für ihre Kundschaft 
vorrätig hielten. Das erfor¬ 
derte das Geschäft. 111 *) Auch 
die Königsliebchen, Madame 
de Pompadour und Gräfin 
Dubarry, besaßen ihre präch¬ 
tige Erotikasammlung, die aus 
den erlesensten Werken be¬ 
stand. Die Pompadour gestand 
hi ihren Briefen an ihre 
Freunde, daß sic bei der Lek¬ 
türe ihrer Lieblinge an sich 
selbst deren aufreizende Wir¬ 
kung angenehm erfahren 
habe. 1 - 0 ) Daneben hatte ihre 
Bibliothek den Zweck und 
dlc Aufgabe, die königliche 
Phantasie mit immer neuen 
Vergnügungen zu beschäf¬ 
tigen. 1 - 1 ) in Jen Schränken 
der reizenden Dubarry stan¬ 
den die bekanntesten Werke 
der zeitgenössischen Erotik, 
u. a. Voltaires „Pucelle d’Or- 

die .lüsternen Poesien von Boufflers Piron r™" Dlde ™ ts »Religieuse“, 
baren Einbänden zur Benutzung bereit bif --flM in koSt ‘ 

die Verschwendung auch bei ihren Büchern 8 <T Maitresse liebtc 

sie als deren Gewand und schmLte d e„ R«T U '’ d Seidc wäh,K 
Perlen und Edelsteinen. Jedes Werk tru^ ihr W cken . wortwörtlich mit 
besonderen Wert erhieltet die ErX ^ ^ 

volle Bereicherung der einzelnen Stücke mit Orivin 1 k Verständms ' 
scher Künstler. Pastelle von Watteau Laueret CI 8 j* arbeiten zeitgenössi- 
zu den Abzügen von der Platte hinzugefügt. 122 ) ’ ^ Und Boucher waren 

Auch die Königin Marie-Antoinette wußte den Reiz intimer T k •• , , 

zu schätzen. In dem Büchlein „Livres du boudoir de Mar^SSST^! 


hier ganz absehen von den Bordells, die eine 



120 


















ÄÄ v„Ä , , CoLsionsd» conKe .*££ 

Lcs '-Lun res compieies p, rnv - die Lia sons dangereuses de 

Crcbillon fils ; die Po 6 sies: erotiques de Parny, 

Choderlos de Laclos usnv.’"') gekrönte Haupt, von dem 

Freilich ist Mar.e-Anto.ne.te mch das^emz, ^ ^ ^ ^ Kabinett 

die Vorliebe für Erotika bekannt • j Gattin von Louis Napoleon, 

erotischer Seltenheiten der Königin o » Uassaner y hatte sie sich sämt- 
gewesen sein. Von einem deutschen Ju e^ ^ Wachs nac hbilden lassen, 
liehe Szenen aus Sades „Justine *L d ; Menge mythologischer Sta¬ 
bile berüchtigten Bücher und viele Bildei, 


tuetten in Marmor, Gips 
und Bronze, dann Nach¬ 
ahmungen berühmter 
Kameen und Münzen aus 
der Epoche der Casaren 
fanden sich vor. Die 

Wachsfigurenmodelle al¬ 
lein bildeten eine Galerie 
von 300 Nummern, und 
es befanden sich auf der¬ 
selben 937 Figuren. Der 
Künstler hatte vier Jahre 
daran gearbeitet. Ein 
Teil dieser Sammlung 
wurde spater von. einem 
Engländer, wahrschein¬ 
lich Hankey (s. d.) an¬ 
gekauft. 1 -’ 1 ) Eine ähnliche 
erotische Gemmensamm¬ 
lung besaß auch der Hc>- 
zog Philipp IV. von Or¬ 
leans (a. a. O.). 

Da die deutschen Für¬ 
stenhöf esklavisch ihr fran¬ 
zösisches Vorbild nach¬ 
ahmten, mußten sie sich 
natürlich auch erotische 
Bibliotheken zulegen. 



121 



Noch 1780 befand sich .in dem Schloß zu Ludwigsburg (Württemberg) ein Schrank, 
in dem über „100 Bilder von allerlei wollüstigen Vergnügungen“ aufbewahrt 
waren, ") die spater vom König „beiseite“ gebracht wurden. 12 '') 

In Joh. Georg Keyßlers „Reisen durch Deutschland, Böhmen, Ungarn etc“ 
neu herausgegeben von Gottfried Schütze (Hannover i 77 6 , S. 37 ) wird be- 



Lithographie von Gavarni 


richtet, daß in Schloß 
Ambras in Tirol vier 
große obszöne Gemälde 
hingen, für die ein ge¬ 
kröntes Haupt ver¬ 
geblich 30000 Taler 
geboten habe. 

Einen noch größeren 
Umfang wies die Bi¬ 
bliothek von Goethes 
Freund und Gönner 
Carl August von Sach¬ 
sen-Weimar auf, der 
weniger überlegsam als 
Goethe die ars amandi 
praktisch betätigte, so 
daß er sich genötigt 
sah, eine in Holland 
erworbene Syphilis bei 
Geheimrat Hoffman n 
in Mainz behandeln zu 
lassen. 1 - 7 ) Auch Eduard 
Vehse l2H ) bestätigte uns 
diese Tatsache. „Als ein 
Kuriosum verdient noch 
angemerkt zu werden, 


Felde der Liebe nicht nur gründliche „ n A ( d ^ ß Carl August auf,dem 

machte, er beschäftigte sieh u urn ^ assen< ^ e praktische Studien 

amandi und kg« si c h dne bihl t" 8 ''' 8 “'“ «* Literatur der ars 
Bücher dieser Gattung enthielt Er sch '1°"° ZU ’.. d ‘ e aUcl ’ die seltensten 
din, der Oberhofmeisterin Ottilie H T'l 'r S " 5 ’““’ SClner guten Freun¬ 
der Großmutter von <Se ™ L 7 n ( T 

Zimmer aufgestellt wurde. 


122 



A. A. Barbier 


Pixerecourt 


J. Pichon 


Brunet 


schichte des Romans (von dessen Ursprung bis zur neuesten Zeit. Jena i8si) 

wm ^ j" . der ? 1C Branche dcr Liebesromane der beste Teil ist. Die seltene 
o standigkeit der Carl August’schen Sammlung setzte ihn in den Stand, hier 
etwas Erschöpfendes zu geben.“ 

lIaZ f dchc Vorliebc fBr Erotik bekundete ferner der Bayernkömg 
düng /., der die in dieser Beziehung umfassendste Bibliothek des Geheimrats 

f (Vor6 “ scr dcs Kar! Heinrich Ritter Lang im Reichsherolds- 
t) ankaufte und sie in der Staatsbibliothek in München aufstellen lieli. 

WSr f ^ d r" B “ i,Z Ci "“ andcri ’ Bibliophilen, 

den 'von d * T“’ und f war f0r d ™ billigen Preis von 3000 Gul¬ 

den. Von diesem erwarb sie ein Oberbibliothekar Liebten,halc, von den, sic 

chcr W äuch b“bl t, c"“ Staatsbi bliothck kaufte. Kreimer hatte seine Bü¬ 
cher auch bibliographisch ausgewertet, denn jahrelang arbeitete er mit Hin- 

CZrrZ ^ 57 f r0l ' ka ‘ Uayn\ ges, D^n) 

. 889 ). dicdaS Numm“rn”ver“c h hnet. Cr0t ' Ca “ Monaccnsis “ < Bcrlil1 

seiner^ Bibliothek^ 6 Pr “ l!c, ’ k . 8 " i S F'Mrich schied Erotika nicht ängstlich aus 
Sir tesst, T f ant0m ;'. Graf Ca y lus ' C ro bi "°", Dorat, Grandval, 
Marmorne!^ Vor a,ne • 8UCt < Cac ° m °" ad ' 0 . Marguerite de Valois, 

Werken fast vollzählig vertreten Wilh l mi " dcr galante " 

Literatur nicht ach,Io! vorbeigeganget sei, ” dCT "' 0tisch ' : " 

SammeltätTgkeft 5 jedes^Einzdnen ^in Th Spi ' Cngcn ’ solhe dic 

deshalb auf kurze Bemerkungen beschränken TloT 1 ^ " 1Uß ^ 

die bedeutendsten hier an: phabetisch geordnet führe ich 

Heinrich von Orleans,' Herzog von Aumalc (i8zz- i8 o 7 ) 

Antoine Alexandre Barbier (uGc— t r,,\ r 97) ' ) 

fasser des auch heute noch nicht veralteten’ Umfa f endem Wissen, Ver- 
nymes et pseudonymes“. ” mnnaire des ouvrages ano- 

Jacques Charles Brunet (1780—iSöz') dpr v»r( , 
braire et de l’amateur de livres“. 7 ' *" ^ ei ^ assei des »Manuel du li- 

Pierre Gustave Brunet (1807—i8o6’> P ,■»,*.- A 1 
sehen Literatur überhaupt. Die Erotika Verleger'/T/er gT er ° ti_ 

sicherten sich seine wertvolle Mitarbeit und , ui • . G ? y Und Isidore Liseux 

Gebiete sind mit grundgelehrten E„'" ' Ncudrud “ auf diesem 

versehen.”') ‘ Einleitungen aus seiner unermüdlichen Feder 

Ga,ton Camus, Rechtsgelchrter und Politiker, wurde erst soär 
melf,eher ergriffen. der französischen Revolution wurden vo"!! 

124 


und verarmten Adeligen massenhaft die galanten Bibliotheken auf den Bücher¬ 
markt geworfen, und Camus, die Kon,unktur witternd, kaufte alles auf, was 
sich ihm bot. Seine Sammlung schenkte er spater dem Palais Bourbon, wo 

* iC Cto^ > 8 79>-*^ c W ,dehr * er «ndBibUothekar «Belgien, 

durch den einflußreichen van 
de Weyer zur Übersiedlung 
nach London veranlaßt, wo 
er 1844 belgischer General¬ 
konsul wurde. Ständiger Se¬ 
kretär des exklusiven Rox- 
burghe-Club. Am meisten in¬ 
teressierte ihn das Exzentrische 
und Erotische. Bei seinem 
Tode hinterließ er eine ero¬ 
tische Bibliographie: Porno- 
didascaliana ou Bibliographie 
curieuse d’ouvragcs dans 
genre badin, erotique et gail- 
Fard. Rome 3581, ein Manu- ,, 

skript von 25 Sciten ’ daS . f!” 
sanus Fraxi (s. d.) ausgiebig 
benutzte und das sich jetz 
im Britischen Museum 
findet. 

Arthur Dinaux, der^ e 
fasser von »Les societes a- 
dines“ etc. Paris 1867* 

Fernand Drujon, Liebhaber 
des Kuriosen in der Literatur. Octave Delepierre 

Als Frucht seiner langjährigen 

Beschäftigung mit dieser Ma- ^ ^ und den „Catalogue des ouvrages, 
terie gab er ein Werk „LiJ ‘ ursuiv i s , supprimes ou condamnes depuis 
ecrits et dessins de touten ^ ( Par is 1879)“ heraus, 

le 21 octobre 1814 J usc l u a “ / 3 i822 _i 896, 1830-1870), die uns das 18. Jahr- 
Edmond et Jules Goncowt K ^ Au$ diesem Jahrhundert besaßen sie 

hundert näher zu bringen ve Kr Romane und Flugschriften. Nach 

wohl die vollständigste Sam Bib li ot hek versteigert. 

dem Tode von Edmond wui und Bibliograph, Mitherausgeber der 

Paul Jannct, Buchhändler, Ver g 
„Bibliotheca scatologica • 



125 



„Dictionnaire critique, litteraire 
ct bibliographique des principaux 
livres condamnes ou censures 
etc.“, Paris, Renouard, 1806. 

Baron J. Pichon (1812—1896), 
der Vorsitzende der „Societe des 
bibliophiles franv'ais“, über den 
G. A. E. Bogeng' 37 ) ausführlich 

berichtet. 

G ullbcrt de Pixerecourt (177- bis 
1844), dessen umfangreiche Samm¬ 
lung 1839 für 82 000 Fr. ver¬ 
steigert wurde. 133 ) Vgl. Catalo- 
gue des livres rares et precieux 
ct de la plus belle condition 
composant la bibliotheque de 
M. G. de Pixerecourt. Paris, Cro- 
zet 1838. Dieser 2313 Nummern 
umfassende Katalog, der inter¬ 
essante Vorreden von Paul Lacioix 
und Ch. Nodier enthält, bringt 
natürlich nicht die Erotika, da 


eudTk UStaVC ,Ct ^ Cr fÜr Vcr ' C§er von Eroticis zahlreiche 
cht sä r ,nKreSSa " Mn Emleitungcn heraus. Seine Kenntnisse des cro- 

äs: r™ dcm Pscudonym picm Dufour 

Charles MomeUt (.Sa,-,888), ebenfalls fruchtbarer Schriftsteller, der die 
m französische Erotik des 18 . Jahr- 

| Hunderts zu seinem Sammcl- 
■ gebiet erwählt hatte. 

jflflRf Graf Nadaillac , dessen Bi¬ 

bliothek 1883 im Hotel Druot 
' B ‘ ^^B » 1 (Charis) Versteigerung 

j f r * v A 4 

j °t I sclien Schriften des 18. Jahr¬ 
hunderts. 1 ;i;; ) 

Charles Nodier (1780-- 1 844). 
Versteigerung seiner Erotika 
Bf von 

PI ^ Pr. Noel de 


r Pariser Uni- 
ve r s irätskanzler, hinterließ bei 

j j seinem Tode gleichfalls eine 

große erotische Bibliothek, der en 

Verkauf seitens der Polizei 1841 
Guy Patin mhibiert wurde,.«.) 

Marquis de Paulmy , Rene de 

besaß eine der kostbarsten Bibliotheken in y° ye . r fArgcnson(i 7 i 2 —1787), 
“ brfanden - dwer -* ä 

College Royal/besaß eintlpaslLäalhe’u'reut "'‘dkX Pr ° fes ° r T Pariser 
Zeitgenossen zum Vorwurf germchr Tm ltv j ’ Ü hm von ma nchen seiner 
„Hvres licencieux“. Diese "* Eifer die 

gestorben als Professor in Padua) über und wurdet ° hn , Charles <S cb - i6 35 > 
er von Colbert den Auftrag erhielt, einige diterT;u e J än ? nisvo11 ’ dclln als 

zukaufen, und sie Z u vernichten, konnte er seiner Sa' V". H °" and auf ' 
widerstehen, einige seiner Bibliothek emv,, 1 -u arnme hcidenschaft nicht 
Vaterlande fliehen mußte. 130 ) k e ‘ nZUVerleibe "> weshalb er aus seinem 

Gabriel Pei g no t , hervorragender Bibliograph. Sein bekanntestes Werk ist 


Gabriel Peignot 



der Sammlung io Handschriften, davon 2 von Rochestcrs „Sodom“. Viele anti- 
oyalistische und skatologische Schriften waren darunter. 

Duc de la Valliere. Seine Bibliothek, die 1784 in Paris zur Versteigerung 
kam, war reich an Eroticis.” 1 ) Versteigerung 

Alle die genannten Bibliophilen, von denen ich nur die wichtigsten und 

^ 8an “ S naturgemäß 11 nicht 

ließen wie L T ’ c ^ gCnau 50 ,icbcvolk “ Pflege angedeihen 

liehen, wie den übrigen Sammelgebieten. Man ist fast versucht zu Hauben daß 

eine große Zahl von ihnen durch den bloßen Zufall zur Beachtung* der clande 

^tr^r fÜh V° rden . iSt l denn ^ ^nd obszönen ‘werke 

. massenhaft im Antiquariatsbuchhandel zu haben, so daß schon die 

r 2 S rBM nkaUf VC [ l0CktC - S ° « -vef Bibliophil^ 

uie man besser wohl als Bibliomanen bezeichnen di rf l^r „• / • 

Marie Henri /?„„/ j f C . nen tlarr - Ucr eine war Antoine 

1808 7 m B d (5 ' Se P tember i8 54 -6. Mai ,825) 2U Paris. Als er 
8 sein Notariat an seinen Sohn abgegeben lnrrr> 1 . . 

aufs Büchcrkaufcn. Bei dcu Büchertrödlern am SeiL uf " ^ 

gern gesehene- r-t«- n c- c , , . , , am Nnnc-Ufer war er ein 

ab und zahl« „ro M h:,lb “ maß er die Bücherreihen 

zahlte pro a Meter roo Franken. So füllten sich denn bald seine 

fünf Häuser zu Paris vom 
Keller bis zum Boden mit 
mehreren hunderttausenden 
von Bänden. Gegen seinen 
Willen befand sich in diesem 
Haufen auch eine umfang¬ 
reiche Sammlung stark ero¬ 
tischer Werke, die er in 
ein durch Bücherwälle ver¬ 
sperrtes Zimmer zusammen¬ 
getragen hatte, um sie ge¬ 
legentlich zu verbrennen. Sein 
plötzlicher Tod hinderte ihn 
an der Ausführung dieses 
Entschlusses. 112 ) 

Die Prüderie des alten Herrn 
will mir allerdings nicht recht 
glaubwürdig erscheinen, denn 
es wäre ja nicht das erstemal, 
daß selbst eine auf die Spitze 
getriebene Bigotterie sich sehr 

J. M. Querard AussT^ .? eimlich betrie bener 

Ausschweifung verträgt. Es sei 



128 









A. A. Renouard 



Duc de la Valliere 





























bekräftigen''’ d '' S ' TatSaCh ' : durch cin hlcrhcr gehöriges Beispiel zu 

In den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hatte in Paris eine Kur* 

oofernd nCn pf| r ' r g “ d " m ™d*n Anbeter, den sie durch auf- 

Bei der H T 7 7"" JS«“ 1 «- Sehsvefelsäure ins Gesicht zu schütten, 
einen ■» der Wohnung der Kurtisane fand die Polizei 

Bücher noch u m | ZtC " n'n Sci " In '’ CrCS ab “ unnennbare 

(eben die Kur* “t T g PaSti " Cn a “ S Kantharid “. welche die Gras 

hres stbe^äd g ’ T 7 enC " Gcstä,,d " is Ulld »«da der Aussage 

in welchem 'Ti d K f“ L,ab 'i ab “ n ci " z “Sebe„ pflegte, und ein Gedicht, 
in welchem sie die Kräfte und Tugenden dieser Drnvnrv m ,V 1 

scher Begeisterung besingt.»» 3 ) 8 C mit n y m P hom *ni- 

Lürtchlsfl^rst, S h mml T in ' r ° tiscber Li «racur wurde gleichfalls eine in 
eingewirkt hane daB a “ » unheilvoll auf sie 

de-lrre mit dem ! R ^ ibrCm der Rue Table- 

Boukrd kaufte s r / v 77°" . alt “ ScharKk£ " ««■ Genau wie 
und konnte es auf' dTwZ ££ ^E^T 

der Pariser NationalbibliothektthrT'Höiit" 7t 7 b “ al! ' nach dcm Vorbild 
Erst nach ihrem Tode bekam • c ” , ’. ZU ^ er nieman d Zutritt erhielt, 

ein Mitarbeiter an Barbiers Dictio amm *: r ’ ^ er sicb Kapitän Ulysses nannte, 
den Nachlaß besichtigen zu dürfen"fe es oavra 8esanonymes», die Erlaubnis, 
er in der „Hölle» außer sonst.Ven^ T r ^ edoch seil1 Erstaunen, als 

Schriften in hunderten von Exemplar” ^ * 3e ^ anntesten sotadischen 

Ausgaben der „Dialoge der AlZ£T ^ WarCn dies französische 

von Gervaise de la Touche die Mem VOnC l0rier,,,Der ^l° ster pförtner <c 

und „Die philosophische Therese“ de^ Mar 61065 denmädchens “ von Cleland 

ausgestatteten Ausgaben wurden von d ^ Ar8ens - Alle diese kostbar 

Wenden wir uns den/Xte/sam ^ ^ Ver " icht <^) 

eme starke Vorliebe für erotische Literatur sY° ** ^ bd dieSCn 

1714 ) besaß eine große Bibliothek der e* uv*- Ati ' Beverland (gestorben 
sammelte der bekannte Bibliograph ChristoXr 1212 ^ Schriften “ B ) Ebenso 
Vorliebe Erotika. Die Dubletten seiner Sn ’ .?/ ^ Hrr ( I 733— 1811 ) mit 

dem Dompropst Feuer lin. liB ) Einen reichend U " 8 “ berlleß er seinem Freunde, 
auf die „Bibliotheca Roloffiana»(SnÄÄ W j £sc1 ’ f«™r 
kannten Bibliographen Uffenbach J 7 ? T )’ ^ Ie Bibliothek des be- 
Stadcbibhothek kam, die d!c Hamb -8 £r 

Noch berühmter aber war zur selbigen Zeit , ” “ t0 Ph Frcihcrm von Aretin. 
bürg, genannt von Neuenstein . m ) ClneS E) omherrn in Regens- 

130 


Eine ausgedehnte Sammlung besaß weiterhin Prälat E Hauswirt, die nach 
seinem Tode in alle Winde zerstreut wurde. 11 ) Das kleine Österreich stellt 
überhaupt ein großes Kontingent dieser Sammkr■ &*on zur Ze^Mana 
Theresias hatten sich, ähnlich wie in Berlin die Gräfin Haugwitz, ) die 

clandestine Litera ut, Gräffer 151 ) Job. Liebenstein (1752—1833), 

Aus dem Vormärz ne berühmten Blumenmaler, leider ohne 

und Friedrich Schlögl ) «wahm^= Erot iksammler. „Man wispelte 

seinen Namen “' f „"w k eine Parole zu, und man kannte 

s,ch den Namen des Aufträge ^ und p anSi in Texas und Rom, 

den Namen in Sumatra und^ ^ un<) ; n Ncapcl und Hamburg. 

in Hongkong und Pia 0 , ^ merkwürdigsten Raritäten eines 

Er hatte überall Verbindung«.und $o da ° ß ef schließlich eine 

hier nicht definierbaren enr ‘ h Autorität in dieser Bran- 

Spezialität in Pikantenen wurde. Und er 

che. Er schrieb, das Opus ■■■ ■■ **1 


blieb freilich Manuskript, eine 

gelehrte wissenschaftliche Ab¬ 
handlung über seine Samm¬ 
lung, von der er jedes einzelne 
Stück mit dem Ernst eines 
Professors detailliert behan¬ 
delte. Man hieß ihn übrigens 
auch Professor, aber der ,Zoto- 
logie‘. Was mit der kuriosen 
Kollektion, die nicht ihres¬ 
gleichen hatte, geschehen sein 
mochte? Ein pamr Holdselige 
Töchterlein waren die Er¬ 
binnen.“ 

Von Wiener Sammlern neu¬ 
erer Zeit nennt Gugitz: ) 

noch Johann N. Nicola (auf 
dessen Sammlung ich we i 
unten noch zurückkomme, 

Graf O. Sullvuan, den P 
Sammler O. Mascha, • 
gusch, A. M. Pachmger (Lmz), 

sei- ^ 

^indT^es Herzogs Robert 


LES SONMETS 

lüxürieux 


L’RRETIN 




.-rr'*} 

i (- 


m 


Moderner französischer Neudruck 

(Frontispice) 


9 * 




von Parma, die laut Testament „ach seinem Tode vernichtet wurde. Fried- 

alkNovSd 7 Vier p rivatbibliotheken in Wien, deren Besitzer 

. , l n m dC L r f r ° Sche " zeit 8 cn össischen Literatur sammeln und lobt die 

d i T orb r 

\x ol i L 6 Jwig f T d Beniamin «-"-fühL s ktr„. Sammlun6en vo " 

Wiener&hrifeX wjfww’: <£ ^ n d^; r Sa '" nllUnB ^ 

C \ Sam ? n?C " iSt d ‘ C d “ A ^-ra,cs C. C. Günther 

dessen Bibliothek nach seinem"Todc^nTlofin denTsT G " !cbacb ’ 

v. Brünine für ?n nor, Me, i -i • , n den ^ esitz des Legationsrates 

beiMarÄ^Srt ^ ^ 

in D Cinem zTu^nis abWen nntniSrCiChtn AnmCrkun 8''' 

l-'Ä inT„‘Be^vmfc:;:: "V T" “ **" ^ 

einen Kriegsgewinnler in Wann«* • .. 111 ^ C1 P Z1 § über, der sie an 

deutsche Abteilung die er lesen kn Weiterve ’’ au ^rte. Auch der behielt nur die 
gelöst wurden. k ’ Wahrcnd die andern Abteilungen auf- 

*> dcs ? anntcn s r aI - 

z u c™:;? r "it £ „ c k ro en zur £ 

Weinfirma Kempinski. Der dritte undTmTOUsKT^d T ^ ““T 

SÄÄ i„t?B Vcrmittlun8 d « ä 

Dresdner Bank. Auch der £ £ V'"“ L . .y von der 

Vorteil zu ziehen. In 15 Kisten verm 1 r , Verstar b> °bne von seinem Kauf 
heute des neuen Besitzers, der bereit ist j< arren // d j e Wertvollen Bücher noch 
s Werner v. Bleichröder aus der bekannt/ °n° f ZU Wagen - 

nur Neuerscheinungen, dabei den größten sammelte 
legend. Auf Grund testamentarischer Bestimm f , erstklassi 8 e Ausstattung 
den, Tode Bleichröders in den Besitz seines Freund*“ 1 " aCh 
dem sie für 5750 Ji das Leiozieer Am-' • CS ür ' ^P nnz über, von 
Diese Firma erwarb ferner die Erotiksami , iqUan , at Ad olf Weigel übernahm. 

forschers Prof. Dr. Paul Brandt (der auch unter demp VC , rSt ° rbenen SexuaI ’ 
schrieb) aus Schneeberg. Die Bestände d t • . seudonym Hans Licht 

(unter Außerachtlassung der Sexualwissenschaft) 


x 32 



f Uhl: Die Schande 

Originalradierung 


133 




zeichnis der Bibliotheken von Professor Dr. Paul H. Brandt t und Baron 
Werner v. Bleichröder f. Leipzig, Adolf Weigel“ (1930), 4", 56 S. mit 56. 
Nummern. 

Drei weitere größere Bibliotheken wechselten jüngst ihren Besitzer. Zunächst 
die des verschiedenen Oberinspektors Max Strauß in München, die für 
30°° M ein Berliner Antiquar erwarb. Strauß war ein Sonderling, der Ero¬ 
tika nicht kaufte, um sie zu lesen, sondern nur, um sic zu besitzen. Jedes 
Buch wurde, soba d cs angeschafft war, fein säuberlich verpackt' und 
nicht mehr angeruhrt. Eine genau geführte Kartei, in der die von anderen 
nndlern verlangten Preise verzeichnet waren, ließ ahnen, daß die Biblio- 
e daneben auch als gute Kapitalanlage angesehen worden war. Der 

Münrh Ant l q , Ua . r kaU ^ C I93 ° auch die gotische Bibliothek des bekannten 
Münchener Verlegers K. W. für denselben Preis. 

kanlr^ r ^ ^ war ’ wic schon früher erwähnt, der be- 

fTrZ Fne tt Kad HohmSCr ■ b£SSCT *"> Name, 

JsinnKn I i msum ., bekannt ;. E", der eine Schar von ca. 500 Gleich- 
Bibi* hil " em V ° n 1 m ^gründeten „Internationalen Zentralverband der 

pornoaralhi,ch T' g b ‘‘T" Cr gcgc " cinc Mietgebühr erotische und 

fan-reiche RihB TT' zur Vcrfii S u "8 «eilte, wollte schließlich seine um- 
fangretche B.bbothelt veräußern. Da er jedoch als Verlege, und Händler 

einschlägiger, Literatur bereits Ver¬ 
schiedenes auf dem Kerbholz hatte, 
brachte ihm der gewerbsmäßige 
Verkauf seiner Bücher eine mehr¬ 
monatliche Gefängnisstrafe und den 
Verlust seiner Bücher ein. 

In Paris kam 1928 die prachtvolle 
Sammlung des bekannten Schriftstel¬ 
lers Henri Lavedan unter den Ham¬ 
mer. Seine einzig dastehende Samm¬ 
lung umfaßte in erster Linie Kupfer¬ 
stiche aus dem 18. Jahrhundert, die, 
er künstlerischen Auffassung jener 
a a anten Zeit entsprechend, ziemlich 
unverhüllte Liebesszenen in Hunder¬ 
ten von Variationen darstellten. Den 
zweifellos wertvolleren Teil bildete 
jedoch die Kollektion von Büchern, 

. le * n wen *gen Exemplaren unter 

Fritz Meisel, Ausschluß der Öffentlichkeit er- 

Radierung aus: »Poder und Lendelein« scheinen und nur an auserkorene 

J 34 



Liebhaber verkauft war zweifellos das 

ergänzte die Sammlung. Leder gebundenes Heftchen, das Tage¬ 
interessanteste und wertvo s Kurtisane aus dem 18. Jahr¬ 
buch der Ninon de Lene , - n ^ ßesitz dnes eng li sc hen (!) Anti¬ 
hundert. Es ging für 5 °° ‘ , . hr lebhaftes und starkes Inter- 

quars über. Für die Auktion zeig e ste U te . Lavedan, seit Jahrzehnten 

esse, so daß der Erlös sich auf 600000 F«n«ste^ $chät2e in 

ein passionierter Sammler, ha billiges Geld erworben. Das ange- 

Je, kleinen Trödlerläden am Ä gewesen.“') Was dabei je- 

wandte Kapital war also zwei ^ » die Tatsac h e , daß die Versteigerung 

doch am meisten Verwunderung eru . 0 , ö , fentlichkeit vor s i c h ging und der 
dieser erotischen Kostbarkeiten in a un d ohne Vorurteil, 

gestrenge Staatsanwalt, anscheinend en Ma^vo ^ 

keinen Anlaß zum hochnotpein lie ß e sich beliebig fortsetzen. 

Die Liste der Sammler eiotiscu Mtnme \te alle Neuerscheinungen 



Im Boudoir 

Berliner Lithographie 1S60 


135 




des ehemaligerf Staatssekretärs v U K."BibHüd!^"ut'r d “; Sammlung 

öfSSkhungln auf SdlätZC “ “^k^ods^VeT- 

Rechtsanwakes E. in haben " b K ‘° mmerzie "™es P. i„ N . und des 
An der moralischen Oualkärt U r inter ™ io ™'™ Ruf. 

Sprossen der sozialen Stufenleiter steh -nd ‘T* dU . rch - egs auf den Höchsten 
stehen und doch - auch sTe fanden an d ^ ^ ^ 2wdfd bc ' 

Sollte das nicht zu denken geben nicht ahn/ / rp ° ntC . n Schnfttum Gefallen, 
verderblichen“ Einfluß erotischer T V ° asscn ’ daß cs mit dem „sittcn- 

kann? Gewiß, vernün^ 7 ^ f 0 * » icht Sü -eit her sein 
schließen. Adders dagegen uns^e m „T " ^ ^ E »**t nicht ver¬ 
kanten, deren Stellungnahme, soweit sie Unbc,ebrbaren Gesetzesfabri- 

keit als überflüssigen Ballast längst über Bord gewo ^ De,lktätig_ 

durch *Hre Parteizugehörigkeit fest verankert ist ' ^ V ° n vornhcrcin 
an halte doch einmal eine Rundfrage bei de c • 
quaren, die, sofern ihnen aus der R § b d Sort, mentern und Anti- 
mindestens 8o«/o unumwundentueestT^™ 1 "/ kdn Nachtcil erwächst, zu- 
eindeutig erotischer Druckschriften e'° ^ T’ d ^ S ‘ C aus dcm Vertrieb 
haben. Selbst die Einnahmequelle 

verpönte Literaturgattung, ZlJ^“f" 8 “ 1 ^ ”" d führen diese 
Neigung dabei mitspielt. Einem o« df d ? h . ingcstdlt sei " mag, ob eigene 
Kunden selbst in streng religiösen Crhalten vertrauenswürdige 

türe und die folgende von Dubut de S ™ Ü '' sch « Art von Lek- 
auch für deutsche Verhält,hsse UI ° reS ‘ > Schilderte Szene gilt wohl 

>jDer Buchhändler kaufte W^ikn l i 
abonnierte auf verschiedene religiöse^eir ^ T Und aEer * ei komme Bilder, 
murmelte Theophile (der Reisende) mit fern h” T.'’^ War ’ 

.Zu Ehren des lieben Gottes und der h l he T Uchlenschc " Blick: 
kleinen Nebenzweig beigelegt/ C1 1§Cn J Un S frau habe ich mir einen 

,Was meinen Sie darunter?' 

.Werden Sie aber nicht böse sein>‘ 

,INein, nein/ • 

Im «wälTn 5 td“ t kWäniE “ Udc " Sehend 
nah, den, doppelten und ent- 

,Das findet Absatz,- saete er rr T 2ahi Eüc her. 

Bu " cr -'. ’ ’ b “ S ' e mIr - d a= verkauft sich wie 

Er wies bei diesen Worten^ r u 

noch den des Verlegers zei gti -und ziscSe ^ denNamC " d e S Druckers, 
■Das Zeug verkauf, sich wie frische Bu,“e'r es ist v ■ r 

eS ISt ganz Clnf ach ekelhaft... 


Aber schließlich findet es reißenden Absatz und man verdient eine Menge 
Geld dabei.. 

Alle Wetter/ grinste der geschworene Feind des Naturalismus. ,Und sind 
Bilder auch dabei?* 


,Sehen Sie selbst!* 

.Donner und Doria ... Gerade verlangt man derartiges von mir/ 

Es folgte nunmehr eine eingehende Mu¬ 
sterung der vorgelegten ebszönen Bücher 
und erotischen Bilder, und der Buchhändler 
erstand einen ganzen Stoß der so beliebten 
Literatur, die man im geheimen verkau- 
fen muß/ 4 

Die Geschäfte des hier geschilderten 
Reisenden hoben sich erst in erfreulicher 
Weise, nachdem er auf den Vertrieb o - 
szöner Schriften sich geworfen hatte. „Er 
war eines Abends in einem Gasthofe mit 
den belgischen Reisenden zusammenge¬ 
troffen und, als er sich beklagte, daß er 
in seinen frommen Artikeln gai 
Absatz erziele, da die Zeiten allzu sch echt 
seien, machte ihm Charlotte den Vorschlag 
obszöne Buchet - natürlich m.c der er¬ 
forderlichen Vorsicht - zu verkaufe, . 

Aus Belgien und Holland schickte .hm d '- 
würdige Dame die Kataloge er g. - 

Bücher, schickte im* 1 .< • Frontispice zu »Venus dans le cloitre« 

und beide verdienten durch diesen kkmen 

Handel weit mehr, ab m * t * \ ym diese Schilderung auf ihren Wahrheits¬ 
und Kruzifixen“ (a. a. • • man b eac hten, daß Dubut de Laforest selbst 

gehalt richtig einzuscia > jjg tatsächlichen Verhältnisse also aus 

als Pornograph verurteilt wurde, Q 

eigener Erfahrung kannte £ rot ik die ihr zukommende Rolle in der Gesell- 

Daß man sich schämt, e kein Ruhmesblatt für unsere heutige Kul- 

schaft einzuräumen, be eu e ^ ^ zun f t g em äß e Sitten- und Splitter- 

tur. Noch viel zimpei ic R 0 H e der Erotik in Literatur und Kunst han- 

richterei, wenn es sich um^ ^ ^ künstlerische oder auch pseudo-künstle- 

delt. Und doch ist dieser gege^ gefi . hrte R amp f nach den bisherigen Er- 
rische Darstellung des " l0 A.^^gtclosiskeit verurteilt, sind doch, um nur 









ein bezeichnendes Beispiel anzuführen, allein in Deutschland von der Abtei¬ 
lung II im Berliner Polizeipräsidium, der die im Buchhandel erscheinende 
LiteratUr ZUr Überwachu »g untersteht, seit der kurzen Zeit ihrer einschlägigen 
Tätigkeit an 8200 Druckschriften als unzüchtig beschlagnahmt worden. Die 
Zahl ist, absolut genommen, hoch, verschwindend gering aber, wenn man die 
Unzahl erotischer Schriften, die tagtäglich neu erscheinen und im geheimen 
vertrieben werden, ohne der Beschlagnahme zu verfallen, ins Auge faßt. Nach 
meinen wirklich gründlichen Erfahrungen, die ich in zwei Jahrzehnten ge¬ 
sammelt habe, ist die Hydra der unterirdischen Literatur stärker als alle 
Hemmnisse, die man ihr in den Weg legt. 

Das ökonomische Gesetz von Angebot und Nachfrage gilt für die ero¬ 
tische Literatur ganz besonders. Auch sie hat ihre Konjunktur, und die 
Preise pendeln zwischen Tief- und Höhepunkt unaufhörlich auf und ab. 
ei einer an ern Literaturgattung macht sich das Gesetz der Auslese so 
ensiv ge tend wie gerade hier. Elaborate ohne jeden künstlerischen oder 
literarischen Wert verschwinden bald spurlos von der Bildfläche, Produkte 
n o crem Niveau erleben im Laufe der Jahre einen Nachdruck nach dem 
, .?j , ° n J° n Clelands „Fanny Hill oder die Erlebnisse eines Freu¬ 

denmädchens« habe ich (in meiner bei Julius Püttmann in Stuttgart erschienenen 
ert verschiedene Ausgaben feststellen können, für die „Gespräche 
der A oysia Sigea“ über 60 für „Gamiani“ an die 50!!! Es] muß demnach für 

können Tnhb'T"* 7 Bedürfnis vorhanden sein, und dieses (wir 

len Krei, 1 ° A ffu n annchmen ) macht sicb gerade in den intellektuel- 
erotLch r s 7 f u* Geistesheroe " fanden und stehen den Reizen 

dil nur d M n u m T“ 8 C S enübcr - icb ™ folgenden 

so le erb- r Nlchtei "S eweihte " befremdliche Tatsache durch einige Bei- 

iee nden Aufz-hl "“f- T ^ beWußt Sei "> daß ™ der hier vor- 

zeuet d daß f r S ™erschöpft ist, ja ich bin über¬ 
zeugt, daß mancher Bibliophile mehr i1< u- • . 

Schriftsteller oder Künstler von R an ! i • l ^ nicHt S cnann r tcn 
benennen kann. g a $ Liebhaber erotischen Schaffens 

b d< V’ Reli8 :T"- 8estcht 

besaß In seinrm f f roKe Vorlle be für erotische Literatur 

die Frau dec n , T } er ’ Wle er im Alter von 20 Jahren 

des Augustins kennen lernte^ Sie' wlr^LX^ am ? Ual 

wie eine Lilie nnd dnfeend wie eineÄSSchtf“ihaffwlfS 
damals war, verlangte ich kurz: ,Madame, die »Contes« von T f l a 

einen »Petronius« bitte!' - ,Hier sind sie mein w, T , Lafontaine und 
andere Bücher?' — Verzeihen Sie M d Brauchen Sie nicht noch 

- ,U religieuse e„ ehemis,' - ,P fui , mein Herr, lies, 

138 


Schweinereien — .Ah, sin d r 
das Schweinereien? Ich hatte 
keine Ahnung.' Und andern 
Tages, als ich sie wieder tia , 
lächelte sie und ich auch.« 1- ) 

„Contes“ von Lafontaine und 
der „Satyrikon“ des Petronius 
sind bekannt. Bei der „Rehgieuse 
en chemise“ handelt es sich um 
das äußerst realistisch geschrie¬ 
bene und in zahllosen Auflagen 
verbreitete Erotikon von Cha- 
vigny, das gegen 1682 zuerst 

erschienen ist. 1 *’ 1 ) 

Frankreich verfügt bekanntlich 

über die reichhaltigste clandesnnc 

Literatur. Koryphäen des Sehr ft- 

tums haben sich nicht gescheut, 

schlecht und recht direkt porn 
graphische Romane zu sc 

oder der Venus vulgivaga ein ve^ 

sifiziertes Loblied mit unverblum 

ter Deutlichkeit darzu ‘‘ ingei ‘ . 

darf nur erinnern an Na^s- _ 

Bcilzac (Contes Hugo (Ro . Aus einer Prachtausgabe von Boccaccios 

set (Gamiam;, vu. Q aU _ »Decamerone« 

man der klemen^ 'p^^ntin), ia Jahrhundert 

Gustav^Droz? (Un ete a U cam- lonelle)> Beranger (Chansons 6ro- 

S ä»-—- D ie Li : s ; 

scher Werke auch Liebhaber «u re gewonnenen Eindrücken und der 

wirkungen^wlschen. den 

Nacheiferung. Wenn auch ^schildert die fragliche Wirkung mit 
Kretonne von sich behaupte t. D ^ ■ die$er böse Traum wurde durch die 
Anschaulichkeit- »D erbworen, unter denen als besondeis ge 

Lektüre erotischer ^“ chartreuxS ,Th«se philosophe' und die 

fährlich Rciüi den .P»« 1 « __ ! 3g 

























Sr t" Chemi ?' T*l P ic ' Lcktto d “ erstgenannten Sotadikuma 
oste eines Tages in .hm den heftigsten Erotismus aus. Er hatte cs an einem 

„ '"“S'morgen im Bette gelesen und alles, selbst Zephirc, darüber ver- 

SteOnfer d Cm ' ch . Z ' Va,12 ‘S Seiten gelesen, stand ich in Flammen.' Das 

“e ^d i 7 C T ! Ma, ’°" Uvc rS"e. eine kleine Plätterin, 

sdne Lektür fTP' — '!“* '*"* Wäschc brach “- Hierauf setzte er 

eile Det r k T C "’ e be Stunde später eine zweite Besucherin, Ce- 

Viemlstunden L^Th “ NC “ C Lcktüre ' Naab weiteren drei 
«SfoJ ( ” v0n Manon L ' lvcr gne unterrichtet, 

D?cs TreS h Cr ° t,CUS Hddcn üb “ sid > ergehen zu lassen. 

• g gen ^ atten nur seine Leidenschaften gesteigert seine raee ero- 

miTzJeTander *0*1 " ich Z ^ h ' K - mul! ‘e rieb aber bei ihrer Abwesenheit 
gn ügJ Das W . P ’ naml "T h Sera P hinc J°'°» “"d Agathe Fagard be¬ 
kenne ein’Buch H “T C t --t't\ Wirkm ’ g erotischer Lektüre. Aber ich 
Es rdzt zur Gr ’J» T S ^ “ aU dic «enannten. Das ist Justine'. 

des schändlichen'd Um Slch ZLI erregen. Es ist ein Werk 

aes schändlichen de Sade.“ (Mons. Nicolas VIII u ) 

ebe„:; dre 0 rtr,l Z stt n ' Ä “ i/ , Und W/ist *> ^"reichend bekannt, 
rein oh“^XtMusti!''.‘“T,“ 1 »*“ * bl “‘rüns,ige „Justine" seine 

Wirkung mit einiger Sicherheit e fests'tellen 0 E Ma “ P V“ , ".‘ läl!t sicb dicse Eil ’- 
Beziehungen zu dem als Verlöt, • < ‘ stan ^> Wle man weiß, in engen 

leger Poulet-Malassis Er 1- ^ Vle * cr sotadlschcr Schriften bekannten Vcr- 

dessen GenreSÄ in Brüssel, 

passant einen Roman verlebte Nun b * h"*^ , War U ‘ ld der auch von Mau_ 
„Tagebuch-Notiz vom ****** ^ 

kannten Kritiker beauftragt wurde ihm ’ * ß Mau Passant von einem bc- 
Bücher zu besorgen. Man* darf wohl 'T Clnem dieser Verleger sotadische 

nicht zugemutet ^worden ^äre wenn ^” ne ^ en ’ , da ^ diese Gefälligkeit ihm 
kenntnis zugetraut hätte. Er mußte mit dieser An Lk ^ Sadl ' 

sein, um die geeignete Auswahl treffen zu könn L Ur als ° Wohl vertraut 
Daß er der stark erotischen Literatur ihm t* 1 i • 
selber keine Bedenken trug, ihr den We- in die nff^ 'r ZUerkannte und 
auch aus einem von der literirischen Fowhun^h-T 11 ^!* Z “ bahnen ’ geht 
Brief Maupassants hervor, den Louis Perceau ersLlf 6 ■• mdlt benützten 

du roman erotique au XIXe siede“ 101 '! im r> . lg ln seiner „Bibliographie 

interessant genug ist, um ihn hier in Übersetzung Veröffentlicht > und dcr 
Verleger gerichtet, mit dem Maupassant bereits b'vSbfnd ^ ^ “l 
der ihm als Mittler erotischen Schriftgutes hinländiJ f ^ $tand ’ U ° d 
scheinlich war es Henrv Ki*ci- 1 • ö C1 ^ e kannt war. Wahr- 

wie folgt: ^ KlStemaecke - ln Brüssel. Der Brief lautet 


140 



zu dem Maupassant zuge» 


Titelbild von Rops 

|eb Jn erotischen Roman ,Les cousmes de la colonelle. 


IJI 



„Oase Bou-Saade, 25. August 1884. 
Werter Herr und geschätzter Verleger! 

Ich empfing heute allein in der weiten Sahara Ihre Postkarte. 

Schicken Sie bitte die Sammlung zu mir nach Paris, 83 rue Dulong (Ba- 
tignolles), das ist noch am sichersten. Ich werde sie dann in einem Mo- 
nar bei meiner Rückkehr vorfinden. 

Jetzt zu etwas anderm. Ich habe hier ein arabisches, sehr schlüpfriges 

Buch entdeckt, das von einem höheren französischen Offizier übersetzt 
wurde. 

Die Geschichte dieses Buches ist kurios genug: Ein arabischer Schrift¬ 
steller sollte auf Befehl eines Bey (es mag wohl der von Tunis gewesen 
sein) zur Hinrichtung geführt werden, erhielt aber Freiheit und Leben 
unter der Bedingung, daß er ein Buch schriebe, das imstande sei, die erster¬ 
bende Leidenschaft seines Herrn und Gebieters wieder zu neuem Leben zu 
erwecken. 

Er verfaßte also dieses Buch und wurde wieder in Gnaden aufgenommen. 
D,e einzelnen Abschnitte der Übersetzung stammen von einem Stabsmajor 
Meisterst ' " tf'bemerkenswert. Einer scheint mir ein wahres 
der Umarmung*! SCm ’ ’ “ ' ZW “ LlcbcnJc . wohlig erschöpft nach 

int^reKanfft! 1 ’ <° ll'u “ ™ lliS " nbckannt ’ “*eint mir ganz ausnehmend 
veröSchen? V ° n Sclt “ heitc " »"• Möchten Sie es nicht 

sein Na™ " äst Bedmk "' a " d ba ‘ Furcht, daß 

gege £ n daß im F ^ nd der beUtc kommt - I* babe ihm die Versicherung 
S kann Cf Z “ Sa8c er der ab *>l«es,en Diskretion gewiß 

La^vertehetell' TT t * api,cI 2U Ub '™**n, das ein in diesem 
tt das BuchT «ine T ” P f deraS,ie " b ' ba " d *- Ater alles in allem 
w J- v j^ rt eines der sonderb arsten auf diesem Gebiete 

mich direkt an den .Commandat MarthT" cTT 7 TT 8 ^ 
du Militaire- von Bou-Saada (Algerien) schreibt, SUpCT,eUre 

S^^^^tttntinfach tnige'treiexemplare^gebet' 511111 ^ ^ e ^ d w ‘ ssen * 

Wichtiger.wäre ein anderer Punkt Er hat twu • ~ . 

Untergebenen ins Reine schreiben lassen und wart stTnu?!' 1 " 10 ' 1 Y ° n 

dem kostbar gebundenen Bande trennen. Aus diesem SiL T" T 
ein Ausweg geschaffen werden. Dilemma mußte eben 


142 


Haben Sie die Güte, mir mit einigen Zeilen zu antworten, denn wenn 
die Sache Ihnen nicht zusagt, so kenne ich jemanden, der sie sofort nimmt. 

Empfangen Sie den Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung 

Guy de Maupassant. 


Vom j. September bis zum i. Oktober erreicht mich Ihr Schreiben in 
Erbalunga, Gemeinde Brando, bei Bastia.“ 



An diesem Brief ist nicht nur von Interesse die warme ^nteunanme ™au- 
ssants au diesem Erotikon, bei dem es sid. wie der Kenner ohne weiteres 
dß um den „Duftenden Garten des Scheikh Nefzau, handelt, sondern 
ch die venaue Kenntnis der für Erotika m Betracht kommenden Verleger, 
^ er hier ein glänzendes Verkaufsobjek, zuschanzen will. Da Isidore 
“ ,88«, also zwei Jahre nach Maupassants Schreiben, eine französische 

bersetzun» des „Duftenden Garten" herausgab so kann man wohl mit 
liuein liecht annehmen, daß es Maupassant gelungen ist, den einen oder 
0 j A Cn^iilverleger für das Manuskript zu interessieren. ) 
n . ande ™ dC . JL.. v^mheit mit Werken der clandestinen Literatur läßt 


SttfOiDcft. 


tfoiniulilAr 

£iclunrl;fal)rtcn 


tlnlin 




•*> rtCWitrt 

il'nmflifnDantcn. 


Galante Poesien von Paul Lippert 


Edeldame u 
Schloß lädt ; 




liehen Umgang ihn prüfen zu können, ob er sich als Gatte eignen werde. 
Der Bewerber vertreibt sich hier aber die Zeit recht angenehm mit der 
Kammerjungfer, so daß ihm die Wartezeit nicht allzu schwer fällt. Eines 
schönen Morgens nun sieht er ein holdes weibliches Wesen durchs Fenster 
schauen. In der Meinung, cs sei das Kammerkätzchen, entblößt er schnell 
deren Revcrsscite und drückt einen heißen Kuß auf die sonst für diesen 
Zweck nicht bestimmte Stelle. Zu seinem Leidwesen macht er jedoch die Er¬ 
fahrung, daß er sich in der Adresse geirrt und seine zärtliche Aufmerksam¬ 
keit der sittenstrengen Herrin hat zukommen lassen. 

Diese pikante Situation findet sich in dem pornographischen Roman 
„Odor di femina des unter den Initialen E. D. schreibenden Schriftstellers, 
u. z. in den letzten Kapiteln, natürlich zweckentsprechend vergröbert und 
mit breiter Ausmalung der für die obszöne Gestaltung verwertbaren Gelegen¬ 
heiten. Die Abhängigkeit beider Autoren kann also nicht geleugnet werden. 
Zweifel kann nur obwalten, ob Maupassant E. D. oder umgekehrt dieser 
Maupassant benutzt hat. Die Entscheidung ist nicht ganz einfach, da, wie das 
ei Pornographien in der Regel der Fall ist, das genaue Erscheinungsdatum 
nicht genau feststellbar ist. Höchstwahrscheinlich ist „Odor di femina“ um 
das Jahr 1890 zum erstenmal gedruckt worden, und die Möglichkeit der 
Beeinflussung Maupassants durch E. D. ist immerhin diskutabel. 

Scheiden wir aber diesen nicht ganz geklärten Fall aus, so genügen die 
oben angeführten Punkte bereits, um den Nachweis zu erbringen, daß Mau¬ 
passant von einem Faible für die erotische Literatur nicht ganz frei war und 
auch von clandestinen Werken Anregung erhielt. Darauf ist bisher in der 
zunfugen Literaturwissenschaft noch nicht geachtet worden, und es würde 

sc on \ er o nen, diese Zusammenhänge zum Gegenstand einer eingehen¬ 
den Untersuchung zu machen. 

1 -cndbal Beyle las genau so wie Beardsley 1 '"') die Liaisons dangereuses“ 
es Choderlos de Laclos mit Leidenschaft und erzählt im „Vie de Brulard“, 
aß er dem Autor, den er als alten Artilleriegeneral in Mailand kennenlernte, 
wegen des Romans den Hof machte. Er sagte von sich selbst, daß ihn schon 

a V W^r dheit - S r. feUnSeS , Temperament plagte> Din S e zu beobachten, die 
aUe Welt venmed, beim rechten Namen zu nennen. „Ich fand Mittel und 

p r , e . rZ , ah ! t ln } . Br . ul f rd ’ ” ln die Bl bhothek meines Vaters zu dringen, 
fand sich da eine köstliche Sammlung von Elzevierausgaben, aber unglück- 

tcvT, e o^; e « rSta , 1CH kd u Latein ‘ kh VCrSUchte ’ ei " P*- Artikel in der 
^ esen, aber was war das alles nach der Lektüre von 

A,tZr , :Gemeint ist hier: mü * "><* fredaines, 

Zeiten vW 77 *’- m «T‘ ^ ,,den ’ e!neS der § e * stre ichsten Erotika aller 
Zeiten. Verfasser ist Andrea de Nerciat.) 

Diese Vorliebe für das Erotische und Pikante behielt er für sein Leben. 

144 



Hans Leu 








Wenn er den man als glänzenden Erzähler intimer Geschichten schätzte, der 
anwesenden Gesellschaft „italienische Freimütigkeit“ zutraute, erzählte er 
M • - Immoralitäten, und zwar derart, daß man jeden Moment die un- 
r, 'V ; Enmleistnw ins Erotische befürchten mußte, während er seiner 
ffilrpiöÄ harmloseste Wendung zu geben verstand,-*) und auf 
diese" Weise die überraschendsten Wirkungen erzielte. An diese Meisterschaft 

reichte sobald keiner kennt man übrigens auch Henry Mon- 

Als ebenso ge e v Liebhaberei und Verfasserschaft von „Deux 

sotadischen Dialog. Alphons Daudet) 

sehr anschaulich piaucknt sc hr arm und aß stets bei seinen 

„Er bezahlte seine „ csalzeiie Geschichten beim Nachtisch 

Bekannten zu Mittag) \ ™ m ’ hr J spielen, denn in seiner drastischen Dar- 
zum besten zu geben, . . war c ; n se hr skandalöser Dialog mit 

Stellung lag nichts lmpiousiu ^ auc h bisweilen sein Lieblingsheld, 

Nachahmung zweier timmen,^^ ^ se [ nc unerschütterliche Feierlich- 
Herr Prudhommc. der semei ‘ ^ Zu einer Zeit wollte man 

keit durch die beden' icistei ^ ^ er Brachten seine lockeren Nachtisch- 
ihm eine Pension aus '' 11 ' jjnheil. Man hatte die Sammlung in Belgien 
vorträge dem armen Mann übef d[c Grenze, das ministerielle Scham- 

druckcn lassen, ein Excmp a> ' und plötzlich war es um die ver- 

gefühl erklärte sich für be ei o Samm lung ist nicht mit den „Bas-fonds 

sprochenc Pension ges<chehen- J erschicnen zwc i dieser Geschichten: „Die 
de Paris“ zu verwechseln ^ i877 und „Zwei Gougnotten“, Bordo- 

Hölle Joseph Prudhommes , g ^ jungc Mädchen gelten könnten, ob- 

polis 1892), die neben du * durch besondere Nachsicht in sehr be¬ 
gleich ihre Veröffentlic 1 ? und zU einem so hohen Preise gestattet war, 

schranktet Zahl von Excmp' * ^ Verdcrben über die exkommunizierten 

daß der Band in ^mem , ‘ hilie hinaus verbreiten konnte.“ 

Grenzen der Welt der ^^^torschaft an „Gamiani“ der verstorbene Iwn 
Alfred de Messet dessen nachwcist ^), war gleichfalls „ du 

Bloch mit unwiderlegli laj?en# Da ß er Boccaccio, Bandello und die 

erotischen Literatur g« b ^ kannte , bestätigt er selbst, und diese 
Nouvelles nouvelles „ dereS au f sich, aber er verschlang auch aus- 

Kenntnis hat auch nichts vollem Verständnis für den Inhalt. \ on 

ei« Kind« r - mit alten, verstaubten BUchern 

Ste 5 e 7 fährt d»n ich beginll e„ sollte, und mich tödlich langweilte. 

„Da ich "ich* w ” ßK ' ‘ TIC 


TO 



faßte ich den Entschluß, einige davon zu lesen. Zum größten Teil waren cs 
Romane aus der Zeit Ludwigs XV.; meine sehr fromme Tante hatte sic ver¬ 
mutlich selbst geerbt und sie aufbewahrt, ohne sic je gelesen zu haben, denn 
es waren sozusagen Katechismen für Wüstlinge ... Auf die Gefahr hin, kin¬ 
disch zu erscheinen, muß ich doch zugestehen, daß das Eintreffen dieser 
Bücher gerade in diesem Augenblick einen tiefen Eindruck auf mich machte. 
Ich verschlang sie mit grenzenloser Bitterkeit und Traurigkeit, mit ge¬ 
brochenem Herzen und lächelndem Munde. ,Ja, ihr habt recht/ sagte ich 
ihnen, ,ihr allein kennt die Geheimnisse des Lebens. Ihr allein wagt cs zu 
sagen, daß alles verlogen ist, nur nicht die Ausschweifung, die Heuchelei und 
die Verderbtheit. Seid meine Freunde und benetzt die Wunde meiner Seele 
mit ätzendem Gift. Lehrt mich an euch glauben 4 .“ 

Man spürt in diesen Worten den großen Einfluß des Marquis de Sade und 
dessen philosophische Maximen, die Umkehrung aller sittlichen Werte, die 
Verhöhnung der Tugend und die Verherrlichung des Lasters. Seiner Ver¬ 
ehrung des Marquis hat denn auch Müsset in seiner „Gamiani“ offenkundigen 
Ausdruck verliehen. 

Balzacs Sinnenfreudigkeit beweisen schon seine „Drolligen Erzählungen“. 
Aber auch sonst ist sie bezeugt. Die Brüder Goncourt berichten in ihren 
Tagebüchern von seiner Korrespondenz mit der Gräfin Hanska und sagen 
dabei wörtlich: „Diese seine Korrespondenz ist auch beinahe undruckbar 
wegen ihrer Anspielungen auf erotische Vertraulichkeiten zwischen ihm und 
dem Gegenstand seiner Liebe, denn Balzac war keineswegs, wie allgemein 
geglaubt wird, ein Asket, war kein keuscher Joseph.“ 105 ) 

Seine „Contes drolatiques“ beweisen hinlänglich, daß er in der erotischen 
Schwankliteratur wohl zu Hause war. 

Auch Flaubert zeigt sich erotischer Literatur gegenüber durchaus nicht ab¬ 
lehnend. In ihrem „Tagebuch“ 1 ''’) berichten die Brüder Goncourt von seinem 
„Geheimarchiv“: „Da ist die eigenhändig geschriebene Beichte des Päderasten 
Cholet... eine Beichte voll von vertraulichen Einzelheiten und Ergüssen 
wahnwitziger Leidenschaft... Da ist ein Brief einer Dirne aus einem Freuden¬ 
haus, die einem Zuhälter allen Unflat ihrer Zärtlichkeit anbietet“ usw. 

Bei dieser Gelegenheit sei auch daran erinnert, daß der „Pan“ 107 ) reali¬ 
stische Tagebuchaufzeichnungen Flauberts zu veröffentlichen wagte und dem¬ 
zufolge die fragliche Nummer der Beschlagnahme verfiel. 

Nur Zola stand in dem Kreis um Flaubert trotz ungezählter „freier“ 
Stellen in seinen Romanen den Einwirkungen erotischen Schrifttums ziemlich 
passiv gegenüber, nicht aber aus engherziger Prüderie, hat er doch selbst den 
galanten Stil Lafontaines in seinem bisher unbekannten „Le diable ermite“ 
nachzuahmen versucht, sondern — aus Zeitmangel. Als ihm die Brüder Gon¬ 
court 1882 die Lektüre der „Gefährlichen Liebschaften“ von Choderlos 

IJÖ 


de Laclos anrieten, lehnte er mit der Begründung ab: „Ich habe keine 
Zeit 

Kann man Zola, Begründung Glauben schenken so werden 

Dumas d. Ä. und /. /. Rousseau ein 


1 • 1* A_1 ~ 





Ansrribe von Mussets erotischem Roman »Gamiani« 
Frontispice zu einer neueren Aus 0 

H 7 








großes Fragezeichen machen müssen. Dumas berichtet nämlich in seinen „Me¬ 
moiren 1 ): „Der Zufall hatte nur manchmal obszöne Bücher in die Hand 
gespielt. Ein Hausierer, der in seinem Kasten erlaubte Bilder, aber unter 
seinem Mantel verbotene Bücher trug und je nach Wunsch bald diese, bald 
jene verkaufte, kam zwei- oder dreimal des Jahres durch Villers-Cotterets. 

as Geld, das ich mit Not meiner armen Mutter erpreßt hatte, wurde oft 
zum Ankauf dieser verbotenen Bücher verwendet. Aber ein gewisses Zart¬ 
gefühl .. ließ mich ähnliche Bücher gewöhnlich schon bei der zehnten Seite 
° er bc'm zweiten Kupferstich weit von mir schleudern.“ Allein diese nach¬ 
trägliche reservatio scheint meines Erachtens eine reservatio mentalis ge¬ 
wesen zu sein Man muß bedenken, daß Dumas seine Memoiren im vor¬ 
geschrittenen Alter schrieb, daß sie zur Veröffentlichung in einem Familien- 
a t bestimmt waren, daß der Verfasser im Zenith seines Ruhmes stand, den 
er “ e 8 r ‘j 1 fhcherweise mc ht unnötig durch eigenes Verschulden schmälern 
wollte, daß er endlich Dutzende von Geliebten nach- und nebeneinander be- 

sais und man wird seine moralisinsaure Beweihräucherung der eigenen 
1 erson richtig einzuschätzen wissen. 

J 77 Angaben dürften nicht so ohne weiteres stimmen. Er be- 

eesehm : ,;Lr CWi, n"l m,C '"7 mci " nicht vor platten und ab- 

?i-e„ und 7 Buchcrn ’ behütete mich mein gutes Schicksal vor unzüch- 

Bcziehun. ‘f "n *7 mCht als ° b die U Tribu . Frau, die sich in jeder 
JeHeichL n 7 sich ci " Gewissen daraus gemacht hätte, mir 

Wesen um h ' slc nan " K sic mir mit einem geheimnisvollen 

sowohl' r Ah m ' r t UCk " machm ’ u " d <*«> «farun, verwarf ich sie, 
kelschen Sin ,SU " S ' ^»"'haftigkeit, und der Zufall war meinem 
einen Blink ” 8 T 8 ' r'^’ Sch ° n Ubcr 3° alt war, ehe ich nur 

diese Schamhaft“!“ “ gC ähr icl,e " Bb ebcr Beworfen hatte."'") Allein 
Umils emes h 18 7 ^ t" u' Jcr Ausfluß cin ' s » uf Kritik gegründeten 
hZ gesteiv rtenT 77'^7 Sand ^ k ^ sondern einer im Krank¬ 
seiner °Phan°tasie al r 'f b>richtun S- Der Leser erotischer Schriften fühlt sich in 
STunven be ‘die T ,dmtifi2ie ''' sich mit dem Helden der Er- 

obe unfder Ä 7 p° ak “ V mi ' Sci " CT Einbildungskraft an der Er- 
Se P°a S ti,ä, m'd “T“ mdeSSen 8KKht «*“ daß in der 

vrn einer G bietnrr Zustand dünkte. „Auf den Knien 

VerzeihungIhre " , d“ 77 B r rfehlc " ™ 'eisten, sie um 

kann sein erotisches Triebleben mcht'gerade'aj!'be" s “ ßer . Genuß/ ‘ Üb . CTdies 
werden, was W oh, auch auf sein nettes 

schmacksrichtung^Zeugrü^ab. 1 l!r| 8 Oktober^ “ schrcilH^ei^ a^de^ah^ Ver- 



Lutz Arden 





leger von Eroticis reichlich bekannten Poulet-Malassis: „Sehr liebenswürdig 
von Ihnen, teilten Sie mir den Preis eines Exemplars der Justine" von Sade 
mit und wo man sie findet. Auch wüßte ich gern den Preis der ,Aphrodites\ 
des ,Diable au corps‘ und was nach Ihrer Meinung die charakteristischesten 
moralischen und literarischen Qualitäten ähnlicher Saloperien sind. Was zum 
Teufel will der Sieur Baudelaire mit diesen Paket Dreck anfangen? Der Sieur 
B. hat hinreichend Geist, um das Verbrecherische im eigenen Herzen zu 
studieren. Diese von Ihnen erwartete Notiz ist für einen großen Mann be¬ 
stimmt, der das Verbrecherische nur bei den andern Menschen studieren zu 
können glaubt.“ 172 ) Blei, dem ich diese Äußerung entnehme, gibt der Vermu¬ 
tung Raum, daß die fraglichen Erotika, die neben Sade Andrea de Nerciat 
zum Verfasser haben, für Sainte-Beuve bestimmt gewesen seien, da dieser ein¬ 
mal Baudelaire um eine 



gepfefferte Geschichte 
des Abbe Voisenon ge¬ 
beten habe, die eben¬ 
falls von Poulet-Malas¬ 
sis verlegt worden war. 
Indessen ist es durch¬ 
aus nicht nötig, der 
W ahrheitsliebe Baude- 
laires in puncto Veneris 
übertriebene Bedeutung 
beizumessen. Wir wer¬ 
den stets und immer 
wieder die Erfahrung 
machen, daß Schrift¬ 
steller, selbst wenn sie 
keine Bedenken tragen, 
ihre Liebesabenteuer li¬ 
terarisch auszuschlach¬ 
ten, sich über ihre Nei¬ 
gung zu erotischer Lek¬ 
türe ausschweigen oder 
sie gar in Abrede stellen. 
Warum soll Baudelaire, 
desseivAufrichtigkeit ja 
durchaus nicht r über 
allen Zweifel erhaben 
ist, allein eine rühm- 


Stich von Colin zu »Les amoimfdu Chevalier de Faublas« liehe Ausnahme machen? 


Ich jedenfalls habe den dringenden Verdacht, daß die fraglichen Erotika für 
Baudelaire bestimmt waren. Das glaube ich um so eher annehmen tu müssen, 
als Baudelaire auch sonst die pornographischen Neuerscheinungen mit leb¬ 
haftem Interesse verfolgte. Iwan Bloch, der den unumstößlichen Beweis 
erbringt daß Alfred de Müsset die „Gamiam“ geschrieben hat, fuhrt neben 
Heinrich Heine und Alfred Meißner auch Baudelaire als Kronzeugen für seine 
Thise an und beweist damit jedenfalls, daß Baudelaire ein scharfes Auge für 

die fragliche Literaturgattung besaß. 0 . .. 

Interessant ist auch in obiger Notiz, daß Samtc-Beuve eine kleine Schwache 

für Pornographika gehabt zu haben misMUr genannt . Goethe 
Von deutschen Dichtern seiet ^ ^ am persön licher Erfahrung 

liebte derbe Ausdrucke seh ^ ^ erfreuten slch an der Lektüre 

bestätigte, ) und Goet , Nonne “, den „Liaisons dangereuses“ und 

von Diderots „Bijoux mdiscrets , ^ j” nuar I 7 g 9 an Goethe er- 

Rcstifs freien Schriften. In seinem humain devoile“ und ist des Lobes 

wähnt Schiller die Lektüre » cht et alles Widerwärtigen, Platten 

voll. „Ich habe es nun gelesen und un£^ ^ so heftige sinnliche 

und Rcvoltanten mich sehr daran er 0 otzt. ^ 

Natur ist nur nicht v°^ ekon ^ besonders Crebillon der Jüngere mit 

Neben Restif de la Bretonn Interesse des Weimarer Musenhofes 

seinen überaus galanten Erzeugnis p „ j ; v . Göchhausen schreibt an 

gefunden zu haben. Das verwa^ Frwle Chillon. Ich war 

Knebel: „Vor einiger Ze "j a ^iefLon schwatzte. Der Herzog, die Stein 
davon so eingenommen, d, . T> e kommandation. Wieland erzählte die Ge- 
und andere lasen s auf me: , ^ Heime gibt seinem Ent- 

schichte den Weib und < t> • ß r i e fe vom z. Juni 1776 an Gleim 

zücken über Crebillons Schri ten ^ ^ einem Roman i m Kopfe, welchen 

beredten Ausdruck: Je a e ^ Wo llte doch Apoll und die Grazien, 
ich diesen Sommer noch sei könnte wie Crebillon den Franzosen!“ 

daß ich de, Teutschcn was er freimütig, „Welch eine 

Auch in der Vorrede zu seinen _ * Crebillon und seinem beliebten 

selige Wonne kann man bei dem ,Sopha o 

,Schaumlöffel' empfinden! rr&illon in unverkennbarer Weise nach- 

Selbst auf den alten^ie^u ^ französisc h e Schriftsteller nicht nur so 
haltig eingewirkt. 1 '') Und oc senann ten geschrieben, sondern auch die 

stark galante Sachen wie dies o> ^ moeurs d u temps“. 175 ) Wie weit diese 

direkt pornographischen „ < . n i c ht mehr feststellen, 

bekannt waren, läßt sich on GoethesVorliebe für Obszönitäten 

Schopenhauer, dem wir di eigenen Person gegenüber Frauen- 

verdanken, äußerte sich hinsichtlich seiner 0 








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Erotische Reklame von Apoux 


t <? , k .v städt, ein Philosoph müsse „nicht 

y \ bloß mit dem Kopfe, sondern auch 

I mit dem Genitale aktiv sein“. 176 ) 

| 4 tr jjjjjn» Er selbst war ein Liebhaber von 

^ TfPlf}! Pornographicis, solcher skatolo- 

gischer Natur und erzählte gern 
* ^ | Jpy 3 „zynische Geschichten, die sich nicht 

' wiedergeben lassen“, z. B. auch über 

V | tfg| r die verschiedenen Arten von Küs- 

/ä . sen > über die Ausartungen des Ge- 

.. J> ^ schlechtstriebes usw. (Schopenhauers 
\ Gespräche und Selbstgespräche S. 42, 

I 2 3 > 106). Die „Galerie des fem- 

IftVf;.* nI mes“ von Jouy bildete trotz ihres 

11 zuweilen obszönen Inhalts seine 

1^ äjj Lieblingslektüre. 177 ) 

/ij ft /. J •Winkelmann wußte erotische 

{ [ A f / $ Literatur sehr wohl zu schätzen. 

f V". über Clclands „Fanny Hill“, das 

Erotische Reklame von Apoux bekannteste englische Erotikon, 

. urteilte er, daß der Roman von 

einem „ eister in der Kunst, von einem Kopfe von zärtlicher Empfindung 

und von hohen Ideen, ja in einem geradezu pindarischcn Stile ge- 
schrieben“ sei. 176 ) 

Lichtenbergs Beschlagenheit in pornographischen Schriften ist durch seine 
etgenen Geständnisse belegt. In seinem Briefe an Wolff vom 16. Januar itSc’"') 
sc reibt er: „Lindamine kenne ich gar nicht. O schicken Sie mir sic, vielleicht 
kann ich dann nur weiteren Nachrichten dienen.“ Es handelt sich hier um das 
bekannte EronkoniLyndamme oder die beste Welt in warmen Landen, 
a Teile. Rom und London ,783. Das Original erschien fünf Jahre früher: 
nakm T'h Op'imismc dans le pays-chauds. Londres 1778.'”') Die A11- 
minr hkm Cr ü USS -T Lichtenbergs Briefen (S. 400), daß hier „Linda- 
«emein, ‘^Tu’ T “ t. '' espa 8 no1 . P« Baudoin, Paris, Rocolet, 1638" 
NeuerTch ^ f 'u’ e " n L , ,cl ’ tcnb < :r 8. der sich für schönwissenschaftliche 
au W,tr Un8en !el ’ r . in “ reSS,ert f> ™ d logischerweise eher den Wunsch ge- 
als rine^he h C “d ”7 ™' h L " CrSchicne " e Übersetzung kennenzulernen 

tenberv “/ rh“ b“” '‘‘"t' ^ Di ' Ti '='ongabe ist also so, wie Lich- 

eht luch aus d ’ R ea "f " 8 ’ Daß “ “ m d “ Sotadikum handele, 

li auch ^ us dem Brief vom 2. Januar 1785 an Wolff-“) hervor- Diesen 

e ssrofet ri W T *7“ ^ **"*> ^ h «* ™ den Ti^l ver¬ 

gessen. Dieterich (sein Verleger und Freund) hat es mir einmal heraufgebracht. 




Ich sende es also sogleich, da sich die Gelegenheit trifft, in dem V-iTag zurück, 
an dem ich es empfangen habe. Es ist schlecht geschrieben. Dom Bougre und 
The history of a Woman of pleasure sind viel besser, die Kupferstiche im 
letztem (Schwänze Kunst) sind würeklich schön, das Büchelchen ist aber 
theuer “ Mit den beiden genannten Schriften wissen nun die beiden Heraus¬ 
geber wiederum nichts anzufangen. Tatsächlich haben wir es bei ihnen mit 
zwei der bekanntesten und verbreitetsten erotischen Romane der V eltliteratur 

“inTjahrc .9.. entbrannte ein lebhafter Streit darüber, ob E T. A. Hoff¬ 
man,, die „Schwester Monika“, ein Erotikon par excellence geschrieben habe 
oder nicht. Seine Verteidiger glaubten anscheinend der Dichter konnte an 
seiner Bedeutung verlieren, wenn ihm allzu große Menschlichkeiten auf eroti¬ 
schem Gebiete nachgewiesen werden würden. Wer nun nicht bewußt die 
Augen gegen Tatsachen, wenn sie auch unangenehm sind, verschließt, nur 
f 0 0 °. .. Hnffmann zwe fe os das Erotikon geschrieben 

heute zugeben mu»en daß Hoffmann z daß Hoffmlnn „ ach 

hat Den Beweis erbringt trank. ) J-r w'- 151 - , r . ’ , • , 

der Biographie universelle des musiciens“ an schlupfrigen Romanen arbeitete, 
daß er grolks Wohlgefallen an, Obszönen hatte und daß Hoffmanns Nach- 

iaßverwaker Hitzig drei volle Monate ganzeBerge der pikantestenHandschnf- 
laisverwane o F u unte rsucht weiterhin den Stil des Dich- 

ten Hoffmanns ms Feuer warf. T ank unte.^ ^ ^ ^ bizarrer Art 

ters und kommt a^ei zu^ ’ vorkommen . Der Einwand, ein Hoff- 

auch in den ande Schwester Monika“ verbrochen, hält nicht stand, 

mann-Nachahmer hatte die' ^^ Dichtcr nicht von so überragender Be- 

denn für seine ei ^^"°* S hmun sich verlohnt hätte. Steht aber die Verfasser¬ 
deutung, daß eine * . ° ir • f est S o ergibt sich daraus noch ein 

schaft Hoffmanns m E. ein ^ die ’ sota dischen Werke des Marquis 

dTsI mit 'größter' Aufmerksamkeit gelesen hat, denn dessen Einfluß is, 

unverkennbar. 

Heines bekannter Vierzeiler: 

Niemals habt ihr mich verstanden, 

Niemals auch verstand ich euch, 

Doch wenn wir im Kot uns fanden, 

Da verstanden wir uns gleich 

,, • „ „lc durch die von J. F. Castelli, dem Wiener 

findet keine bessere Illustnerun 0 ne kdote. lsr ') Leopold Kompert berichtet 

Dichter des Vormärz, u er ie er e j nst [ n einer Gesellschaft fürchter- 

in seinem Nachruf von ihm, < ermannte sich Castelli. Mit 

lieh langweilte und die G ^. SC um die Tafelrunde sitzende Gesellschaft 
einem fragenden Blick au ie r * Rocktasche und begann zu lesen, 

zog er eine dickes geschriebenes Buch aus ae 



Ich kann mich an Titel und Inhalt der Din-e nicht m -hr • r 

lieh aus seiner Feder waren alw - ° h erinnern, die samt- 

währte nur wenige Minute und wi *>>*«"• * 

des Bannet von der Gesell X “KW* T ^ 
roten über ein verschämtes Am-I.V i ’.’i n d da f ° g Cln starkcs Er- 
tuch über die verräterische Farbe -eworfen' Ab dcckcndc Battist " 

den alten Mann nicht weiter. . Es\var , ’ Aber das ^cs störte und beirrte 

Stimmung uns zum Aufbruch rüsteten Der * Wlf ^ hciterstcn 

Ehre des Abends gerettet “ Rindrn .• aItL 8 *jahnge Castelli hatte die 
Tat und ein erbau tes B d der T r ^ S ° ndcrbarc ^rc in der 
Jahren! Wir aber wollen f£ den alte! He" ^ ^ ™ den ***** 
erinnern uns, daß Castelli in der Ludl c n mcht Wc,tcr erröten, denn wir 
den Beinamen ,der Höhlenzote' trug und als^P G f CSC,ll S k J i tsvereinigung) 
Wissenschaft' fungierte Der Ton § i ? ’ Profcssor der Frivolitäts- 
hch zuweilen gewisse Grenzen übe u’ ? hcrrschtc > scheint tatsäch- 

nur Vorsicht^ Ans^™«rfÄS,“ T'"' <b &s ‘ dli sdb " sid ’ 

Wiener Geselligkeitsvereine erlaubte.“ SCUC Urbllt,cs allcr späteren 

Um nun auch aus der unmittelbaren Gegenwart R • • i 
nur einige bekannte Namen genannt- f 1 j £ Beispiele zu nennen, seien 
Georg Hermann und 0 . a j. C Bi«b“m. t: EdUard GHscbach ’ Kun Martens, 
Eduard Grisebacb war ein R,‘ki;~ u*i 

k ann. Sein Streben ging dahin, das ganze" WcltsdUf ^ ^ WÜnschen 

arten zu erfassen, was voraussetzt dS u- dlnfttUm 1,1 allca ^inen Ab¬ 
berücksichtigt wird. Und tatsächlich gin^'er^d 6 ap ° k / y . pheLiteratur gebührend 
sondern zog auch sie liebevoll in d^-Tic 0 • aran kcincs wegs achtlos vorbei, 
tätigkeit. Durchblättert man seinen wTtR^ 10 ^ Betracktun g und Sammel- 
u, B. Behr, s0 stößt V Aüfl '> B “’ 

er erotischen Literatur, und die eingehenden A ^ d ' C Meisterwerkc 

von ab, mit welchem Interesse und Verstand " n ' crllun 8 el1 legen Zeugnis da¬ 
verpönte Literatur begriff, I as und würchg“ "' S “ Dichterbil>li opl'ile diese 
Kurt Martens 1 ™) verrät in cAi no r 

Lektüre erotischer Schriften auch anatISchen B ekenne rmut, daß ihm die 
on einer Schüchternen erzählt er: Ich ri^L-^a " r ° k erungen verholfen hat. 
und schlug die gemeinsame Lektüre eines hrh^u en breiten Lehnstuhl zurecht 
nach längerem Widerstreben auf meinem Sch (T Buchcs vor > dIe denn auch 
wir, Wange an Wange geschmiert stumm /° Mich Also lasen 
Celestine, leicht erhitzt und mäuschensFll ,Memoiren ein er Sängerin'. . . 
“r er Sä " 8erin 8£feSSelt - ™ en d f," 1—rhafte-a 

diesem Roman untir nlm^tlicher ^ in 
^ r einer kleinen eroti- 

I o 4 


sehen Bibliothek kurz von dieser Liebhaberei und beweist damit, daß ihm 
diese Materie nicht ganz fremd blieb. 

Otto Julius Bierbaum hatte gleichfalls seine helle Freude an besonders 
„saftigen“ Stücken. In seinen Notizbüchern findet sich noch manches stark 
gepfefferte Gedicht, das im Druck sofort der Beschlagnahme verfallen würde. 

Im Besitz des Buchantiquariats des Westens zu Berlin befand sich im 
Januar 1927 ein von O. J. Bierbaum geführtes Notizbuch, das u. a. zwei 
stark erotische bisher unveröffentlichte Gedichte enthielt. Das eine, „Ein 
Duett“ betitelt, beginnt: 

„Schwül war die Nacht, und dumpfe Wetter grollten, 

Wir saßen beide in der feuchten Laube, 

Allwo der Liebe Taumellust wir zollten . . .“ 


und enthält 30 Zeilen, nebst einer gestrichenen. Es behandelt ein Zwiegespräch 
zwischen Liebhaber und der Geliebten, in dem letztere den männlichen 
Partner mit den ungeschminktesten Worten zur Vollziehung des Aktes auf- 


f °Das C zweite Gedicht ist ohne Überschrift und enthält 28 kurze Verszeilen. 


Es beginnt: 

„Sie sprach: 
Hernach! 

Er flog — 
Sie trog. 

Er sprach: 


Ich möchte! 

(O Schmach — 
Die Schlechte!) 
usw. 


Eine vollständige Wiedergabe der beiden Gediehte ist wegen der allzu 
krassen Ausdrueke leider nieh. möglieh. Die Authentizität .st bezeugt dureh 
/ , \ vermerk auf dem Innendeckel des Notizbuches. „Dieses 

SÄlSl- schenkte mir Georg Müller, als ich nn Keller 
des Müllerschen Verlages gegen zwanzig solcher Nonzbücher Bierbaums ein¬ 
mal auffand Und nunmehr gehört es Alexander Ehasberg Johannes 
von Genther." Das meiste ist mit flüchtiger, heute fast unleserlicher Schrift 
schnell entworfen, darunter manche in seine Sammlungen aufgenommenen 
Gedichte. Sehr sorgsam sind hingegen die vorstehend erwähnten erotischen Ge¬ 
dichte geschrieben: was darauf schließen laßt, welchen Wert Bierbaum selbst 

ihnen beilegte. Rehhern ein einzelner sich ablehnend verhält, so 

Wenn nun unter so viele,! Bgal^n ^^, S7) ^ ^ 

ann diese Ausna nieim ^ ^ noch einigc französische Schrif- 

Kn "Lr'TrTn «robe‘ und abscheuliche Unsittlichkeit ich mich nicht genug 

uuui uulji r-r _r^iUl ,m/d Tiicr^nH in pinpm I annA 


155 



gesunken SÄ, wo » viele Bücher gedruckt und gelesen werden“ (Notiz vom 

de„ iJlMterÄ^s *f*r Ucbc 2WiSd ’ C '’ 

moehte. Sein ablehnender Standpunkt erklär, sich demtch ™TX'’ ^ 

der Schluß h” 1 ,'”Hand kl t“'n h sTb S t aCh,e " Ich '&**■ 

dischen Literatur ihre Listt„,V: 1 hervorragende Geister der sota- 

lichkeit irgendwelchen Schaden zu erSIf sTbrauch'"’ ° h '’ e . ln . ihrcr Sitt ‘ 
tium uns nicht scheuen, diesem verpönten Tir Wir d “ minores § en ' 

ÄÄär" wahrcm w sä 

jedes Erotikon nach h d!r”S.äÄf^^. | ^'J“*' Zcit Ecübtcn Bra »ch, 
aufgegeben. Die Berliner Zcntralnnli, n S hmC restlos zu vernichten, 
Btlder und Schriften“ ““ 7 ^ 

verdammten Druckschriften ie ein R„ ‘T i ” " n2e1 "“ zum Feuertode 
sehen Staatsbibliothek. „Giftschrank“ n " ^ ” Glftschrank “ der Preußi- 

abteilung öffentlicher Büchereien in demT ” , bekanntlich die Geheim - 
nicht geeigneten Bücher, Zeichnungen R^ d f e fUr dlC breitcrc Öffentlichkeit 
Zutritt zu ihm erhalten zum Glück nur fölch" p" aufbcwahrt werden, 
wissenschaftliches Interesse nachweisen kö r^"’ die ein besonderes 

schrank hat heute wohl jede größere öff^L 11 ' Elnen derartigen „Gift- 

Nicht immer genügt nun freilich ein Schranl C Blbl . iothek au fzuweisen. 
das nur zum geringen Teil politischer in der U ^ ^ ufnahme des „Giftes“, 
ei manchen Bibliotheken umfaßt der Giftsch^S“* 6 er0tischer Natur ist. 
beispielsweise im Britischen Museum zfu n tn ^Hungen, wie 

ZU Müncbe " n C1 Nat ‘ 0nalbibliothek 
sitzt, ist mehr einem grotesken ZuSl 8 ^^^? 611 Schatz an Eroticis be- 
dreieTse'hr n ^ ,T erpÖnten Ma ^rie. Der r^chTsT’ t ei " em besonderen 

^^r^^ Bibii ^p hi «(wfdirS r s r mer und ^i^h 

dcr r ‘ d ™Ä; h m n ;t ein r hen ^ 

Quich„ttc“-SammTu™ c H ? he ™™ecnd schied lZ f 

ging zufallen sollte daß e' T" Bn “ schen Museum nur , ” D . 0n 

scher Schriften ein ’würdia^H • "T' fast noch «^volleren Sam 1 “ Bed "'' 
stellt: Aut Caesar, au, nihil, br'h u würde - Vor diese Ze “"* ' r ° 

j-g b ' ,Cb d “ B ‘ b,bth ' k 



StTft rsbe; b T Ap 5 d ? bAn und dic Bücherschätze des 

Zcit ’ Cd ° ch wurdci ’ sic als '»“ Ballast 

Zurtt g t!l" CgCl §ChalKn ' U, ' d *“ dT 

m DC w?i lf fu hran L dCr ” Bibli0th ^ nationale“ oder besser als L’Enfer“ 

ß“ £ „! dnem ““'—eh des gro- 

nographischen Büchern veranstalten «8 Debo hT 6 T ßeRaZZ ‘ a " ach por ' 
den auf sein Geheiß vern.VU 7 , beschlagnahmten Schriften wur- 

Werke, die in der NationalbtoiiX^IT*^ ZWeiCr Excmplarc vo ” jedem 

Verzeichnis dieser unter Klausur gehaltenen" Jo^Num” WCrdc, \ Solltcn - Ein 
scher Herkunft, ist in der Bearbeirnno- rl • nlr _ mmern > meist französi- 
und Perceau der Sammlergemeindc zum Blbllo philen Apollinaire, Fleuret 

Die Geheimbibliothek des Palais Bourbon bTstht Telfr worden (vgh S. 170). 
bereits an anderer Stelle (S 124'! nrwil, 1 Clt r 793 und wurde, wie 

Konjunktur durch den Sammler c’ ge ^ hicktc Ausnutzung der 

Von deutschen Bibliothek™Zehner tT ermö S licht - m ) 
bibliothek durch besondere Reichhaltigkeit Ho f~ ™d Staats¬ 

summen aus der „Bibliotheca erotica 8 K remds Prachiger Erotika aus. Sie 
Besitz des Oberbibliothekars LichtenthalerlTd^n ^ gelan § tcn aus dem 
" en Hauptkatalogen sind die Bücher nicht 20 ^ Staatsbib liothck. 

Auch Dresdens Giftschrank enthäl" ch ' 
auch „nt denen Münchens sich nicht messe !" CreSSante Bestände, wenn sie 
20 Januar 1923 verstorbene) Bibliograph H ^ Unermüd Hche (am 
wähl die wichtigsten. 189 ) ö ph Hugo Ha Jn verzeichnet in Aus- 

Verhältnismäßig geringfügig sind d’ p .. 

Preußischen Staatsbibliothek zu Berlik ße'T^c , deS ” Giftscb ranks“ der 

ÄÄ; Sä 

z=«c 

ucher harmloserer Art wieder frei zu cz eben d ^ Ch ’ grÜndlicb zu sieben und 

a -^ erKn Wcrkc sind im 

Z 1 15 ^erarac i,,. Dir Grund'Ta “^ ^ 

Ssr^" - ÄSS er D r ms 

Von einem systematisch^ 7 e " le charakter befleckend P T"^’ d,C m 
nungen ist bi dTser BibP 2 g USammcntra ^n der cland «t S ^ 

Jahren überweist die R ^ h ° thek nie die Rede gewesen F Neuerschei - 
die Berliner „Zentralpolizeistelle Tur ßek ^ 

Bekämpfung der un¬ 


züchtigen Bilder und Schriften“ regelmäßig je ein Exemplar der zur Ver¬ 
nichtung verurteilten Schriften der Staatsbibliothek. Ein immerhin beachtens- 
werter Fortschritt! 

Die Wiener Stadtbibliothek verdankt die Reichhaltigkeit ihrer sekretierten 
Abteilung der Großherzigkeit des Sammlers Johann N. Nikola, der sie testa¬ 
mentarisch dieser öffentlichen Bibliothek vermacht hat. An sich bereits \ on 
stattlichem Umfang erhielt sie 
durch dieses Vermächtnis einen 
Zuwachs von 600 sehr wert¬ 
vollen Ausgaben stark eroti¬ 
scher Druckschriften, die na¬ 
türlichunter Verschluß kamen, 
während mehrere tausend Bän¬ 
de galanten, kuriosen und 
sittensreschichtlichcn Inhalts 

o 

der Benützung freigegeben 
wurden. I!,Ü J 

Leipzigs „Deutsche Bü¬ 
cherei“ sucht gemäß ihres 
Programms das gesamte deut¬ 
sche Schrifttum seit dem Welt¬ 
kriege in seinen Mauern zu 
vereinigen, auch alle seit dieser 
Zeit erschienenen Erotika, die 
sie in annähernder Vollstän¬ 
digkeit besitzt. Der Charakter 
dieses „Giftschranks“ ist dem¬ 
nach ein ganz anderer als der 

erwähnten Bibliotheken, daein- ?aul Renner: Illustration zu »Die 75 italienischen 
mal die Sammlung systematisch Künstlernovellen der Renaissance, 

geschieht, während sonstige (München > Geors MUter> 

Büchereien erotischen Schriften und da sie sich weiterhin auf die 

nur höchst ungern ntcisc dcu ° tsc hen Neuerscheinungen beschränkt, ältere 
se ‘t 19- herausgekommenen deutschen . deutschen Pressen 

und fremdsprachige Erotika, sofern sie m 

hergestellt wurden, also nidit ber " cks ^ h ^ „Deutschen Zentralpolizeistelle 

Eine Sonderstellung nehme Inscrate bei dem Preußi- 

sch e„ PolJeiprLdium ^ Tt- 

^ßeTUn" f,> sechs^iesigen Doppelschränkcn stehen die Erzeugmsse der 



159 






Literatur, die auf Grund des 
§ 184 StGB. Anlaß zum Ein¬ 
schreiten gegeben haben, in 
Reih und Glied, der Einblatt¬ 
ruck für Kegelbrüder neben 
dem dickleibigen Wälzer, eine 

Zeitschriften-Nummer neben 
dem anspruchvollsten Luxus- 
and, Büchlein im bequemen 
1 aschenformat neben unhand- 
ichen Foliobänden, in der 
Reihenfolge, wie sie zur Be¬ 
handlung kamen. Man kann 
über den Wert einer derartigen 

chronologischen Anordnung 
streiten Für den Dienstge¬ 
brauch besitzt sie jedoch man- 
er d Vorzüge, und außerdem 
ur e die Neuordnung der 

senrT 8 c°° Nummcrn umfas- 

blioth^k ammIU1 ^ VOn ^ en bi- 
? e . kSWlSSenschaftli cb nicht 
rfu ten Beamten kaum zur 

vt utriedenheit bewältigt werden 

Martin van Maele: Gynäkokratie k ° nne n. 

urteilung betroffen iu l Werk^ !f deS k ‘ er vor bandene 

kosten angeschafft unHk T nUr ZUr Prüfung ein a , tdasAnat hemaderVer- 

dem sekretiert. Man mu £ <. s ' chem Verfahren wieder frei b^ k “T“"“ 1 '" 
Argusaugen über die u 1 n verantwr ortlichen St-pII / ei ^ )t a ber trotz- 
»lohe Schrift» „nd r r/ der Sh l " daß “ mi« 

harmlos anmul ^ ^«dmfttn-Nün,^ ^ d ;“ ,e . n denn selbst 

mikroskopischer Gen aUC ^ s ' n d< werden mit .^ urc hsclimttsleser 

f d ™ Ba 2 ;i, u r t de k r n “ SCl ’“ S °" d = und 

wie so manche Pariser Zeit , " fan 8m sie sich i„ den M P ° mo 8raphi<; hin 
2 Das 


erotischen Inhalts. Ein streng geheim zu haltendes und nur an Behörden 
gegen Revers abzugebendes, numeriertes Verzeichnis 1 ” 1 ) informiert über das 
juristische Schicksal der in den Beständen enthaltenen Bücher. 

Mit ihnen ist jedoch der Inhalt der „Giftschränke“ noch lange nicht er¬ 
schöpft. Ein Schrank enthält lediglich Graphik und sonstiges illustratives 
Beiwerk, vom gewöhnlichen Kitsch angefangen bis zur eminent künstlerischen 
Gestaltung. So mancher in der Sammlerwelt bekannte Name figuriert hier 
mit einer reichhaltigen Kollektion. Doch wenn der Vorrat auch vielgestaltig 
ist, so überwiegt naturgemäß die literarische Produktion. 

Noch umfangreicher sind freilich die Bestände an pornographischen 
Photographien, die zurzeit 35 dicke Foliobände umfassen und nach Stich¬ 
worten (Algolagnie, Heterosexuelle, Auto- und Homosexuelle, Männliche 
Akte, Weibliche Akte, Kinderakte, Unzüchtige Kunst) fein säuberlich, aller¬ 
dings ohne bestimmte Richtlinien, lediglich nach der Reihenfolge des Ein¬ 
gangs, in je einem Exemplar eingeklebt sind, während der Rest der gleich¬ 
artigen Abzüge nach der Beschlagnahme vernichtet werden muß. Der be¬ 
dauernswerte Beamte, dem die Sisyphusarbeit der Einordnung zufällt, hat 
nun zu prüfen, ob die neu beschlagnahmten Karten bereits in den Beständen 
enthalten sind. Daß ihn vor lauter Erotik ein Ekel vor der Erotik erfaßt, 
ist nur zu begreiflich. 

Diese pornographischen Aktbilder nehmen zwei große Doppelfächer eines 
Schrankes ein. Die übrigen Fächer sind mit tausenderlei Scherzartikeln in 
bunter Reihenfolge angefüllt. Sie liefern den Beweis von der unerschöpflichen 
erotischen Phantasie, die sich in der Produktion solcher obszöner Nichtig¬ 
keiten austobt. Nippsachen aus Urvaters Hausrat in gewollt verführerischen 
Situationen finden sich neben modernen Metallarbeiten für den häuslichen 
Alltagsgebrauch, wie Scheren, Messern, Fingerhüten, Taschenspiegeln, 
Pfeifenköpfen, Manschettenknöpfen, Streichholzschachteln, alle mit Dar¬ 
stellungen eindeutiger Art „verziert“. Den Clou des ganzen Sammelsuriums 
jedoch bilden die gewissen Surrogate, die man als Dildoes oder Godemiches 
bezeichnet und die wohl assortiert in komischer Aufgeblasenheit vereint in 
einem Kasten ruhen. 

So reichhaltig auch diese Sammlung ist, besonders auf dem Gebiet der ero¬ 
tischen Literatur, so erschöpft sie doch bei weitem nicht die ganze Fülle des 
vorhandenen Stoffes. Noch vielgestaltiger und umfangreicher, besser ge¬ 
pflegt und liebevoller geordnet, sind manche Privatbibliotheken dieser Art, 
beispielsweise die Sammlung A. Pachinger (Linz). Wie hätten auch die für 
die Wissenschaft unschätzbaren Nachschlagewerke zustande kommen können, 
wenn nicht leidenschaftliche Bücherwürmer in selbstverleugnender Hingabe 
an das Buch gewaltige Bibliotheken einschlägiger Literatur zusammen¬ 
getragen hätten ?°Nicht zur Befriedigung eines sexuellen Kitzels, sondern der 
















Erkenntnis wegen, um der Wissenschaft zu dienen, sammelten, kollatio¬ 
nierten und verwerteten sie ihre reichhaltigen Bestände 

Sammler von erotischen Schriftwerken hat es ja seit Erfindung der Buch- 

scitdtm d” S V S 'n BM, ° tr *pbUn dics « Litcraturproduktc aber erst, 

“tettn U„fd n' mmUng “ CmCr Cn8l,crzig ^Handhabten Zensur sieh 
Herten u d der Besitz von pornographischen Büchern nicht mehr unter 

. Straf e gestellt war. Aber auch dann noch waetc es Innen 7,.;, 7 , 

sich vor rlnr . gte cs lan ge lt kein Sammler, 

bekennen. Meistens erhielt'die Gemehidt'der Sc ,J ,rif ‘ Cn zu 

solchen Sammlungen, wenn der Sammler chgÄT,“ T," 

zu veräußern oder wenn „ach seinem Tode d r Naehiaß n h I 
fanglichen Stücken unter den Hammer kam. “ da ’ VCT ' 

Der Besitz einer Bibliothek setzt freilich nnrh 1 
Inhaber sieh auch liebevoll mi, ihr beschäM,,Mg 6 ' mch ‘ ™ ra “s. 

rufsgeschäft ^ lassen den>?*«“■ » 

.rucket, --- 

sich zu informieren. Schlögl berich¬ 
tet uns von dem, namentlich nicht 
genannten, Blumenmaler (s. S. 131), 
daß er sich in dieser Weise biblio- 
P etätigte, und auch vom alten 
1 «wer erfahren wir (s. S.124), daß 
r se nc B.bl.othek bibliographisch 
verarbeitete. I m Druck J £ Af . 

b =.t freheh nicht erschienen, 
zeichn' A ^* tcstc bekannte Ver- 

gus bibii r cr Art ist dcr •■ Ca « i °- 
8 b'bhothecae Mocno-Francofur- 

TX f ^ ibl *bthekars Job Jacob 
»“' dem Jahre , 7l8 

sonderfbiu" f Mi,1 °f> isi "“ng. 

GeH. ieg^tmt; "£ d l 'T'• 

C.G Güntl™ • tn Uncl Archivar 
Martin van Maele- se : ' • [ ln Dresden gezwungen 

Histoire co.ni q ue de Francion kaufen T\ 

IÖ2 U 1CSem Zwecke ließ 




er durch G. Klemm 
sein „Verzeichnis 

einer Sammlung gut 
gehaltener, größten- 
theils sehr seltener 
erotischer und sota- 
discher Schriften“ 
(Dresden, Walthcrsche 
Hofbuchhandlung, 
1834; vgl. Hayn-Go¬ 
tendorf II, 64) f er " 
tigen, das in seinen 
1260 Nummern dem 
Titel widersprechend 
u. a. viele nicht ero¬ 
tische Schriften ent¬ 
hält. Auch dieser Ka¬ 
talog enthält wertvolle 
und brauchbare An¬ 
gaben über franzö¬ 
sische Erotika. Wohl 
aus diesem Grunde 
fand er so viel An¬ 
klang bei den Bücher¬ 
freunden, daß er 1862 
noch einmal nachge¬ 
druckt werden mußte. 
Heute ist er jedoch 

ganz außerordentlich 

selten geworden. Gri- 
sebach besaß ein Exem- 


Hayn-Gotendorf 1Jl ) Titelbild der 

nennen noch ein „Ver- von pj sa nus Fraxi 

zeichnis einer ausge¬ 
wählten Sammlung 

erotischer Lektüre in c nrac he“ o. O. 

deutscher und französischer Spra 

nähme verfiel. . i Rüche: 

Eine Bibliographie seiner ero i 
harn i. T. 1882 heraus. 185 ) Uber die Bibliothek 




m 


‘Hg 


Bp| 

Q| \ls 















Intrigue A-la-mode : de Kerhan y P laud ert Octave Uzanne in: 

Uzanne et Robida, Contcs pour les bi- 
° R ’ ™ E bliophiles (Paris 1885, S. 169—189). 

Covent-Garden Atalantis. Buchdruckcrcibesitzer joscf Scbocncbeck 

containinc ln Meßkirch führt seine reichen Bc- 

Thp T ttt tj o . Stan e au ^ ' n dcm „Verzeichnis der 

, INTRIGUES^ erotischen und kuriosen Bücher und 

FORTUNATE and UNFORTUNATE f^^ e . r ^ c dcr Bibliothek von J. S.“ 

ADVENTUREq P 2l) ’ das nur in > 2 Excm " 

URES plar ^ n fur ^eunde gedruckt wurde. 

° F T H E Ebenso wie der vorgenannte Günther, 

Moft CELEBRATED LADIES / .j“? auch dcr Kulturhistorikcr Bcrn- 

Of that Neighbourhood. ^ tcm-Szana 1922 veranlaßt, seine 

tocether. with 1 • s ° e "^Flte Bibliothek dieser einschlä- 

CHOICE ANECDOTFQ f' gCn n M Cr T r abzu «<>ßcn. Sein Kata- 

Of the A MO URS 0 f feveral 0 f ■ ? ” Blbll0tllcca curiosa et crotica. Be- 

WeU-known Admircrs. '' sch [ cibu ”g meiner Sammlung von Sei- 

~Mtn feme to B r f r —- i . e * tCn unc ^ Privatdrucken erotischer 

* ' ’ J r° ßme to Pleafure tal, kurioser BücW“ /D , , 

Jieart a ’ br * (Pnvatdnick l 9 2l) 

- Jf ZU den meisten der aufgeführten 

London, 6~rfidL,.X sich auf ‘Gay^bd Zh U Exkursc ’ dic 
r.-mt«d ior j. Ew«s, in / stü , ^ Ulld Hayn-Gotendorf 

m dcc txYii; ^ C1 Hauptsache verzeichnet 

Titel einer englischen phien 0 ^'^ Er ° tlba und Pornogra- 

erotischen »Penny«-Broschüre ,. 

für H ieS £r Katalo ^> d i c nur selten 
stimmt waren, werden jedoch übertroffen durch'°, ffen , tlichcn Buchhandel bc- 
»raphien des englischen Sammlers Spencer A<U VorbildE chen Biblio- 

isanus Fraxi herausgab: „Index librorum n 'pf“ U " ter dem Pseudonym 
„Centum librorum absconditorum“ (Londo Pr ° blbltorum “ (London 1867), 
tacendorum“ (London x88,). Au f ^ und „Catena librorum 

u erfasser eine ausführliche Beschreibung 93 - beZW ' 593 Seiten bringt 
du-_ nach seinem Tode an das Britische M U 1 “T' eigenen Sammlung, 
aufgenommen, das Ashbee nicht i m Besitz hat c - W Kein Bucb wurde 
ie denkbar zuverlässigsten. V on jedem Erotiko ^ Angaben sind deshalb 

dcrcn “ f ht nur v m 

Buches. In der Hauptsache ist U.“ ^ d ‘ C WSj'te 

d“T i Am 1»"™, df= d^Zr TI«“- s PärIicher die 

ngaben von P.sanus Fraxi können deswegen' A ^ We * 
j5/|. c S muster gültig ange- 


o R, THE 


Covent-Garden Atalantis. 


CONTAININC 


The LIVES, INTRIG UES, 
FORTUNATE and UNFORTUNATE 

ADVENTURES 


0 F the 

Moft CELEBRATED LADIES 
Of that Neighbourhood. 

tocether WITH 

CHOICE ANECDOTp 
Of the A M o U R s Of feveral of 

Well-known Admirerc ^ 


Mm, ferne to Bufmefi, f mt p,, 

But nery IVeman „ at Heart Q '* 


Mmmm 




SÄ 


I 






sollen werden, da er sich bei 

der Beschreibung der Bücher Vf 

nicht auf die Angabe anderer Z' 

Bibliographen zu verlassen *^7, 

braucht und diese nur heran- 

zieht, um über die Person ‘ ^ ' 

des Autors oder Verlegers ge- 
n^u^^Mitteilungen machei^ 

Verzeichnis der bibliographi- 'C= 

sehen Hilfsmittel' ; ' 7 ) enthält Qi 

zum Teil wieder eigene kn- UBKt-S 

tische Untersuchungen. Der 

„General Alphabetical and / //] 

Analytical Index“, der federn 

ist, kann als abgekürzte Wie- 
derholung des ganzen Inhalts 

des betreffenden Bandes gel- S^ M 

teil. Er umfaßt die Namen 

und Pseudonyme der Auto- Pisanus Fraxi 

ren, Künstler, Verleger und 

Buchhändler, feinci die mit Bezugnahme auf deren Inhalt, sowie 
der irgendwo erwähnte ^ (wirkliche und fingierte), die Aufklärung 

auch die Untertitel, die l * usw>> durch die der Wert des Buches 

der einzelnen fingieiten Dr 

bedeutend gehoben wnrd. a e druckten Bibliographien von Pisanus 

Da die in nur je 2jo ^ ^ (die Preu ßische Staatsbibliothek 

Fraxi zu den gioßtu «« und „Centuria“, während der „Index 

zu Berlin besitzt nur ie Eingehen au f die äußerst wichtigen 

verloren gmg), so auin 

Werke wohl von Interesse sein. Bio-Biblio-Iconographical and 

By.Pisanus Fraxi. London: Pri- 

Critical, on Cunous and 

vately Printed: MDCCCLX • j erte Seiten. Das Buch enthält aus- 

4". LXXVI, 542 Seiten und 4 L john Davenport, John Cleland und die 
führliche Angaben übei ’• e > f erner über zahlreiche Schriften 

verschiedenen Ausgaben der „Fanny tu , 

flagellantistischen Inhalts. ßein Notes Bio-Biblio-Icono- 

2. Centuria Librorum ALsconau 


Pisanus Fraxi 


Ui 



graphical and Critical, on Curious and Uncommon Books. By Pisanus Fraxi 
London: Privately Printed: MDCCCLXXIX. 


4 • LX J93 und 2 unnumenerte Seiten „Sodom“ and „Contents“. Aus 
dem Inhalt ist besonders hervorzuheben die komplette Bibliographie der 
Werke des Polyhistors Martin Schung, zahlreiche Werke über die katholische 

»W“ Rochesters „Sodom“, Rowlandsons obszöne 
oilder und Bibliographie über Flagellation. 

}■ Catena Libromm Taccndomm: Being Notes Bio-Biblio-Iconoeraphical 
and Cntical, on Curious and Uncommon Books Rv p; c - r • ^ , 

Privately Printed. MDCCCLXXXV. V Fraxl ' London: 


InUt: 'Btbliolrrtphie vefst“d"rifa„ ^ 'TV TV V 

hundert, vnr alLm »k» _i • ■.. . . * 7 * und 18. Jahi- 


hundert, vor allem über Cleland ,; n v T- ' 7 ' Una I8 ’ J ahr " 

Varia.«*) ’ Verzeich "' s spanischer Erotika und 



Pisanus Fraxi (mit seinem rii 
b. am 21 . April i8 p-f»Cf on 


James Campbell 


Ausführungen: „Campbell (gest. am 4 . Juli. 87 a) besaß,ohne eureakadem,seheB.l- 

dung genossen zu haben, beträchtliche Kenntnissc.Er las nutLerehtigkertUter- 

„isch, Französisch und Italienisch und kannte trotz serner gerangen Vettrauthe, 

mit der deutschen Sprache fast alle Erotika der deutschen Literatur. Seine Kenntnis 

"üf diesem Gebiete war so gründlich, daß kaum etn obszönes Buch u. irgend- 

einer Sprache seiner Aufmerksamkeit entging. Jedes Buch, jede neue Ausgabe 

wuulc Sofort nach der Erwerbung kollationiert, bibliographisch festes eilt 

und Seite für Seite, Wort für Wort mit irgendeiner andern Ausgabe desselben 

Buches verglichen. Von sehr seltenen Büchern, die er nicht: in seinen Besitz 
Buches vergnene : aener Hand Kopien. Er betrachtet die 

bringen konnte, mac tc c Standpunkte aus als die deutlichste 

erotische Literatur vom ph.W-chen jtandp ^ 

Illustration der mensc .. a ^ er me j ir umfangreich als aus- 

sehr große Samrn ung e.ro«.sclkr B ■ ^ ^ den 

gewählt war, da er aut den in $ eine derartige Beigabe ver¬ 
äußeren Schmuck, wenn er J «eiferte, Bücher zu verleihen, kam es 

schmähte. Da Campbe sie i \ kamen . Auch in der Mitteilung 

nicht selten vor, daß f rei cr e bi- und sparte weder Zeit noch Arbeit, 

seiner Kenntnisse war er ebenso trag®«,, V englischen 

um bei etwaigen Nach.orschuug^ behilflich z^sem. ^ ^ ^ 

Erotika, die man in ay s „ » der Vorrede zur dritten Ausgabe der- 

J. Campbel mitgeteilt, wie di« ^ ^ CaKna s . XLVH ff.) Das 

selben erwähnt wird. ( » ' . , , ; m Britischen Museum verwahrt. 

Manuskript seiner k 

b) Pornodidascaliana ou -, P Rome 3 j8 i, ein Manuskript 

badin, erotique et gaillard (pzr Octave v y 

von 35 Seiten (im Britischen usernn).^^ ^ ^ ^ Juni 1871 beginnt 

c) Bibliographie erotique Beschreibungen erotischer Bücher, die durch 

und 1797 Artikel enthalt ’ m ! Auch dieses Manuskript ist noch im Britischen 

Tricotels Hände gegangen sind. Auch dieses 

Museum erhalten. , . 1; 2t j n ihrer Genauigkeit und Gründ- 

Der Wett aller dieser ***°%£^Zü* wurden, ihr Mangel in 
lichkeit, da sie nach eigen d g ren Verfasser darauf verzichteten, 

der gewollten Unvollstan lg ’ e ‘’ , zu verzeichnen. Naturgemäß legen 

Erotika, die sic nicht selbst 8 esc en qliscbe Literatur, die der andern Völker 
sie auch ihr Hauptgewicht auf die engUsc 

ist recht stiefmütterlich bedaCh . t . auch die unter dem Namen Gay bekannte 
In den gleichen Fehler ver * a 1 BiblIographiej dere n sehr langatmiger 

für französische Sammler acres r elatifs ä l’amour, aux femmes, au 

Titel lautet: „Bibliographie e t ^ques, sca tologiques, satiriques, 

mariage et des die vk^ Auflagen erlebte. Die ersten beiden 

etc_par M. le C. d 1 z 

107 




gehende Mitteilungen gegeben sind. Gay war ja „icht'nu '! KapiteI J n " 
auch Gelehrter. Die eroricrh,» t \ * * nicht nur Verleger, sondern 

bibliographische Fixierung Steckcnpfcrd und deren 

lichste Vollständigkeit erstrebte beschrä h ZUI - l ebensau fe abe - Da er mög- 
persönlich aus eigener Anschauung bekanntenTh f ledl§llch auf dic ihm 
einschlägigen Kataloge und Spezialabhan II C1 " tCn ’ sondern zo S au ch die 
ist seine Bibliographie Aus diesem Grunde 

kann er als guter Führer gelten Gav & b ZUVer . a ^ sl S- 1 ™ allgemeinen jedoch 
Aufzählung von Büchertiteln, sondern würzfd'^ mk dcr trockenen 
historische und literaturgeschichtliche Exkurse A CI . nze l nen An § aben durch 
teilungen über erzielte Auktionspreise usw. T n ’d , der Pr °venienz, Mit- 
läge, die von ihm selbst bearbeitet ist find * * u ** sec k s kändigen dritten Auf- 

verzeichnet. Die vierte Auflage kam’ ersti'l-^ S ?f' Schc Scb riften reichlich 
heraus und wurde von dem Buchhändle/ I Jahre nach dem Tode Ga y s 
ans) earbeitet (1894—1900). Lemonnyer fp”, Rouen (später in 
Auflage und ergänzt sie bis auf die neuere Zeh iTl a “ f GayS dritter 
Erwarten anschwoll, merzte er ziemlich Im . , Da der Stoff jedoch über 
Matz f ür seine eigenen Angaben^\ äl «« Schriften ans. um 
sich, daß in der vierten Auflage sogar viele V^l Grunde erklärt es 

fehlen, so daß also auch die dritte Auflage nich ^ von Gay selbst 
englischen Erotika bearbeitete der berefts e H Cmhehn Werd en kann. Die 

Mit d' Ll 7 atUr i St kaum nennenswert vertreten”' 6 ^ C ^pbell, die 
Mit dem festen Vorsatz, nicht in r^, ™ en ; 

sondern ein Monumentalwerk aere perennks zu'“hfl? Fehler ZU verfallen > 

er Mitarbeiter am „L’Enfer“ sein Werk begönne^"’ ^ L ° uis Per “«“> 

bhographie du roman ^rotique au XIX* si J e ‘‘ dl T° Seine ” Bi ‘ 

hat. Der zweite Teil soll den erotischen RomV d / S Cmer Band zu gelten 

dem gewidmet sein. Ein dritter Teil soU iTr ’ 7 * Und l8 - Jahrhu“- 

stehende Bibi' 656,1 t* beabsickd gt Perceau d" ?° edscben Werken 

stehende Bibliographie von Gay gänzlich l l blsher in Ansehen 

onnen. Der erste Band gestattet bereits ein Urteil 61 " h ^^ acbe Verdr ängen zu 
wird. Perceau geht hier vnn „• Urteil > ob ihm dieser PU. 

l68 " “* 8 “ 2 Arbeitsmethode £ 



Gavarm 


Prelude 










zeichnet nur diejenigen erotischen Werke, die ihm bekannt sind oder deren 
ganz genaue Beschreibung er durch Bibliophilen erhalten hat, rubriziert unter 
einer Nummer alle bekannten Ausgaben und zitiert auch ausgiebig aus den 
clandcstincn Katalogen, zu ausgiebig sogar, denn er unterlabt es nicht, 
die anpreisenden und verhimmelnden Lobsprüche der auf den Absatz ihrer 
Elaborate erpichten Händler für bare Münze zu nehmen und ihnen eine 
Bedeutung beizumessen, die ihnen nicht zukommt. In übertriebener Scheu 
unterläßt" cs Perccau auch, ihm bekannte Pseudonyme zu enthüllen und 
die Namen der Verleger zu nennen, selbst solcher, die infolge ihres Ab¬ 
lebens keinerlei Schikane seitens der Justizbehörden zu gewärtigen hatten. 
Ferner vermißt man die bibliographischen Exkurse, die tut Gay, Baibiei 
Brunet so charakteristisch sind und deren Lektüre niemals ermüdend ssnki. 
Die einzelnen Ausgaben sind zwar genau verzeichnet, auch deren Grobe in 
Millimetern, anstat't der oft irreführenden Formatangabe Q“art Oktav 
Duodez usw. Aber die gebracht,in A “^f“ T ^“ di ^^“s^. 
Ät»» -ere,, Bänden ein un- 

e c ;T;r A. 

sind zu betrachten: BMiotbea ' kosmetischer Schriften mit Einschluß der 
Verzeichnis deutscher sexuellu ... Leipzig 1886. — Bibliotbcca cro- 

Übersetzungen nebst An§abc französischer, spanischer, englischer, 

tica et amosa Monaccnsis . ^ m un j Kuriosa, von welcher keine 

holländischer und neulateiniscici 1:., j889. — Bibliotbcca Germanorum 

deutsche Übersetzung bekannt ist.^ Hoc h ze itsgedichte und 

nuptialis. Verzeichnis von MI g T a h r hunderts bis zur Neuzeit. 

Hochzeitsscherze in Prosa von Mita des 1 • j 

Köln 1890. . • unermüdlichen bibliographischen Sammel- 

Inzwischen hatf^ Hayn b ^ aufgespürt . In Alfred N. Goten - 

tätigkeit immer mehr einsc c» ^ gestorben) fand er einen verstandms- 

dorf (25. September 19M 111 Müller in München einen wagemutigen 

vollen Mitarbeiter und in ^ _ 1914 das Riesenwerk der ,,Biblio- 

Verleger. So konnte in den Ja ^ken Quartbänden erscheinen, 

theca Germanorum crotica et cuiiosa^^^ Hayns muß man doch zugeben, 
Trotz aller Bewunderung üi en j iarm [ 0 sesten Werke, die nur ent- 

daß hier des Guten zuvie -,etai j t au fgenommen. Als „kurios“ ver¬ 

femt mit „Liebe“ zu tun ia cn^ ^- os ans ; e i lt _ Da e r sich viel auf Buch¬ 
zeichnet er Bücher, die nieman <• insbesondere für die porno- 

händlerkataloge und Prospekte verlaßt (das 0 

IO9 



graphischen Neuerscheinungen), sind seine Angaben noch mehr als bei Gay 
vielfach falsch und irreführend, seine moralischen Urteile deplaciert. 

As Ergänzung dieser nur bis 1914 reichenden Ausgabe erschien 1929 ein 

r“"'“ V °" "“ l Enlhc ! b ' arbciKK r Ergänzungsband, der die c,mehlige 
Literatur bis zur unmittelbaren Gegenwart verzeichnet und manche Irr, Ürner 
der vorangegangenen acht Bände berichtigt. Ein ausführliches Rems,er er- 

sonder" „ter Sa I d T eingeordnet, 

ondern unter Sammel-Stichworten genannt sind. 

Zur Ergänzung sind ferner heranzuziehen: Barbier Dictionn-Fr . l 
anonymes, n Aufl Paris tR6 q ,ö o o ’ LUctionnane des ouvrages 

iWur de , 60^ Je n"^" 1 dU ,ibraire dc 

ä gravures 6 Aufl Pn ‘ . * ’ ^ 0}en> Guide de l’amateur de livres 

voilees, Paris 1869-1878.'ß^bier und'otlrar^ SUpe f C . h " ics littL ’ raircs d ^ 
Werke Frankreichs, deren Verfasser vielfach fest JsTellt'v"rd * 

bei manchen Titelangaben auch die Geschichte IT i WC dc,K ßrUnCt “ lbC 
und verschiedene Ausgaben an Coh^ I u •• , Bucies > deren Verbreitung 
genaue Zitierung der französisch™ v ' ' ich “ uf '"«glichst 

18. Jahrhunderts. Die galanten Vwe ' ^ nten unc ^ er *otischen Schriften des 
zusammen die „Bibliographie cldrico^galante d ? r Geisdichcn stellt 

E-ähnunrot !in^betiteh e s,cl U c'aT^ ^ VCrdicnCn bc ‘ 

Sä: P c r;r 4 ';: 

talogue des Livres etc., Chansons, Contes envT V ° n 3 ° Scitcn und ein »Ca- 
comiques et burlesques. Dissertations sineiiF' * 1 ™ Pl ‘ OSe ’ Fac<kics > Pieces 
reuses, prodigieuses“, Paris 1847, XII und e Aventures galantes, amou- 
hervorragendem Werte, da die Wollet Le Der Katal °g ist von 

haltigsten auf diesem Gebiet zählt"'*) ^ Sammluil S *u der reich- 

Der andere wichtige Katalog ist J.W- .. 


— xunit a ) 0 iGiuii“ 

Der andere wichtige Katalog ist ’ T ’ r . . 
juüatime Apollinaire , Fernand Fleurct ct L * blbllot| Vque nationale, par 
graphie de tous les ouvrages composl, «“"o-Bio-Biblio- 

und 1919. Das Werk bildet einen iiK Ce!lebre Collection. Paris ,0.» 

m H d n ‘” Bib f I . i0th ' qUe nadon ale <c zu ParilTn S ei‘ tCn l UmfaSSenden Katal °g der 
»Holle aufbewahrten Schriften, deren Weite^ , beSOnderen Abteilung der 

nen Inhalts verboten ist. Die Bibliograph ^gen des obszö- 
men manche, m mehreren Exemplaren 1 a j 930 Hummern, darunter 
Nummern ein. Der Hauptteil besteht aus ? rhandenen Werke verschiedene 


englischen, nach ihnen die italienischen (besonders Aretino), die deutschen 
fehlen fast ganz und belaufen sich auf acht Nummern. Jeder, der sich über 


VENUS 

DANS LE CLOITRE 
O U L A 


RELIGIE USE 

en chemise, 


E N TR ETI EN S CURIEUX ,’. 




A LONDRE, 

Chez VAN DERHOEK, 
Alarchand Libraire Ties Renoniee- 

m.d.ccxxxvil . 


Titelblatt eines alten lsrotikons 

. ^ • „ n - uer informieren will, kann an dieser wichtigen 

die einschlägige Maten « ^ orübergehen . In der Beschränkung auf das ge- 
Bibliographie nicht ■ & Schwäche> a b er noch mehr ihre Starke, 

rade vorliegende Material ö 

171 



Jedes emzelne der verzcichncten Erotika hat den Bibliographen Vorgelegen 

utrlT^h^l “ ? a " d "" ° ri8i " alc «** » da,! der Be¬ 

nutzer des Nachschlagewerkes auf die Zuverlässigkeit der Angaben vertrauen 

kann. Noch einen größeren Vorzug hat es jedoch gegenüber den wohl 

schöpsf cur den "b i b'l'i'o- rl^hfc ' Wir "l“'’ mCisKnS dritKr Ha " d 

Büchertiteln, sondern wi“„Teb" tr0ck<:, ’ <: A “ fzähl “"S von 

Erotika deren Geschichte und SchicksririXn'^dot&I | bCSCi,ricba ' c " 
ermüdend wirkt p •• i • i_ ’ so daIS dle Lektüre niemals 

Verfasser ^dST^jSÄS aT V «*^ “" d 

einzelne Namen nur durch Punkte anzudeuM ' Skre ' Cn VcrfaSSCr bcs,immt ' 
Um so höher ist die Arbeit und der Wert’ des R„ i 
wenn man berücksichtigt, daß es ?eoen A w/-n , es veranschlagen, 
nale“ entstand. Der durch umfangreiche ^ u ^ ^ ’p'bliotheque natio- 

hche Arbeiten rühmlichst bekannte Schriftsteller V^P/ 1 '^ , sitten S eschicht - 
1900 während der Urlaubsreise des ei» r 1 e ~Plessis hatte im Jahre 
Marchal, von dessen Stellvertrerer Blanche 'tk r ” E " fcr ‘'' 

sekret,erten Werke Einsicht nehmen zu Ifct r“‘"^ CrhalK "' “ dic 
zo Bande gleichzeitig vorgelegt Die l " , Es wurden 'hm stets an die 
Blanchets brachte es natürlich°mit sich d ' C " sd ; ch<: Inanspruchnahme 
blättern der Bücher allein gelassl ^e und d W d '"’ >*■«*- 

verfehlte nicht, sich die Gelegenheit zunurv d ^ f CWlSSenhafte Gelehrte 
Werke bibhographisch aufzunehmen. D " B." maChc " Und dic einzelnen 
tjgen Bibhothekars erregt, naturgemäß din „i! M 2 “ 8 “" 8 cilK! "« 1 » zünf- 
suthehe Entrüstung eines Bibliotheksaneestelh M . llmm j crnd ™ Neid und die 
fehlte nach der Rückkehr Marchal, diesen 'n"’/“ "" aUch nicht 

ms sofort in Kenntnis zu setzen. Marchal ließ ^T, unerh ° rt «' Vorkomm- 
fahriges Instrument des Naderers Tb rauche ' ^ ^ als 

“T ”«* ™ Beisein eines BiSÄ, U " d dufte von 

sich beliebe aber keine Notizen mach „ ^ " d " besichtigen, 

-Uennoch war seine ArlW u 

dienten den jetzigen drei Bearbeiters“ 5 1 8 ' wcsen - Seine Aufzeichnungen 
Bibliographie die sie erst ein Dutzend Ergänzung fürTe 

tu crie nicht mehr so lächerliche Purzelbä^ a * s die jämmerliche 

wenn auch widerwillig erteilten Spezialerhubn k auf G ™nd einer 

Dem Vernehmen nach hat auch der k P f beCnden durf *n. 

(T Dr. Hugo Nay) bei seinen wertvoll^ »Ho Hayn 

s ine Bibi h 1 diC WÜnsche " s ^rte Unterstützung bci den 

seine „Bibhotheca erot ca et curio« M Iuem utzung gefunden „ n A „ u 

=“-«^£ 5 = 50*5 

alle widerstände be- 


172 





semgende Tatkraft Hayns wüßten wir auch heute über die reichen Schätze 
er Münchener Staatsbibliothek an erotischem Schriftgut so -ut wie -a- 

sekrcti ™ — <* 

Nicht so zahlreich sind die Zusammenstellungen in denen ,ID . ./ , 
Literatur verzeichnet- icr * i r ö ’ denen die vcibotciic 

zu nennen i ‘ Cl ’ C, " MlnCn U " dcr " ^ordnet wären folgende 

i. Deutschland: Verzeichnis der verbotenen Bücher \ 7 • 1 -e 

bis Ende März 1914. Herausgaben im Anfr i eitschnften 1903 

Vereines des deutschen Buchhandels. Als Manuskript' dcS BÜrSCn " 

Der Polunbi-Katalog der Po/izeistelle für P 1 o edluckt - Leipzig 1914. 
ist die Abkürzung für das Verzeich ' A , ^ z “ citl 8 c Bilder und Schriften 
Strafgesetzbuches eingezogenen und unbrauchba?™^ ^ [f* dCS * cidlS_ 
als unzüchtig verdächtigen Srhrifr»,-, u ‘ ' U macicndcn sowie der 
Zentralpolizeistelle zur Bekämpfung unzüchriC'Sld^S T°"r ^ DcUtschcn 
bei dem Preußischen Polizeipräsidium in Berlin Ahw’ ' U ' ld Inscratc 
erste Auflage erschien 19*0 (i„ der Reiche ^1! ManUsknpt 8 cdruc kt.“lDie 
stark, mit einem Nachtrag von 13 Seiten (B^r^ 1 gcdruckt )> 102 Seiten 
wesentlich stärker ( 22 8 Seiten), in größeren " i* 9 * 0 - Dic 2 ‘ Aufla S c > 

ist viel besser durchgearbeitet als die erste AufT’ “i DicSe 

daktion. (Näheres vgl. S. 183.) Auflage und unter besserer Re- 

prohibitorum, von An'on 

3 - Frankreich: Catalogue des ecrits & c, Janker (Wien 1902). 20 "') 

1814 jusqu’äu 1 janvier 1850. Paris i’sfo ^ ** dCSSinS COndam "es depuis 
Catalogue des ouvrages, Berits et dessins de , 
pnmes ou condamnes depuis l e 2I octobre T » " "f tUre Pulvis, sup- 
par Fernand Drujon. Paris, Edouard Rn 14 jUSqu au 3 i juillet 1877... 
Stellungen verwerten amtliche Unterlagen UVCyre ’ Bcide lammen- 

i d& " d - 00 France ■ • - 

1 * V^ugust 1867 bis Dezember T ß^\ -ta- 1 ran ce imprimes 

oET 8 -' 8 a , ZeI ‘ SChrift ist v °I‘«ändi s i„ aV R’“' von p o„le t -Mulassis 
plcmemen und bietet die beste Übersicht —t V Numm ern und zwei Sud 

* » beuchet ’■&££***"; »tiriXn uTd 

Account of her Da m „a,„ ry Catalogues , a f° me “»«d in an 
«purgatory etc. By Rev. J oseph J d b ° tl ’ Prohibitory and 

literatur von größter Wichtigkeit. ' d ° n l830 ' ~ Für die Index- 

George Rcdway, Bibliotheca Arcana „„ r- , 

London 884 . _ E „ Kaa]og dtf Cata ogus Libroru m Pe „ etralium . 

' ^ x P ur S at °rius Anglicanus; or A Descript^e'c“ | Crotiscl ''=n Bücher. 

npnve Catalogue of the Prin- 


cipal Books printed or published in England, which have been suppressed, 
or burnt by the Common Hangmann, or censured, or for which the Authors, 
Printers, or Publishers have been prosecuted. By W. H. Hart , F. S. A. Lon¬ 
don. John Russell Smith 1872, drei Teile, 194 Seiten. 

5 . Holland: Servaas van Rooijen, A. J. Verboden Boeken, Geschnften, Cou¬ 
ranten, enz. in de iSe eeuw, eene bijdrage tot de geschieden« der haagsche 
censuur, door. — Haarlem, V. C. de Graaff 18S1. , , 

Die Verbote der neuzeitlichen deutschen Literatur werden laufend ver- 
offcatlicht im „Deutschen Kriminalpolizciblatt“, im „Fahndungsblatt und 
in, „Börsenblatt für den deutschen Buchhandel“, ebenso die auf die Liste der 
Schund- und Schmutzschriften gesetzten Publikationen. 

Sexual wissenschaftliche Literatur wird verzeichnet von den Zeitschriften 
„Sexualprobleme“ und „Zeitschrift für Sexualwissenschaft dte auf Homo¬ 
sexualität bezügliche in den heute nicht mehr erscheinenden „Jahrbuche n 
für sexuelle Zwischenstufen“. Keine Bibliographie ist die sonst ausgezeichne , 
die Erotik aber nicht einmal streifende Arbeit von H. H. Hottben „\ er¬ 
botene Literatur von der klassischen Zeit bis zur Gegenwart. Ein kritisch- 
, T T -K on Zwei Bände. Bremen 1928.“ Auch gibt es eine ganze 

Anzahl von Katalogen und Verzeichnissen die viele erotische und skatolo- 

Msche Titel enthalten, die aber fingiert sind. ) . , . . 

A e diese Bibliographie,, und Verzeichnisse lassen das eine k ar erkennen. 

Obwohl Jor Kampf gegen d e Po 1,0 ap e ^ 

nachsichtiger Strenge ge,M dics „ Art Umur , so wird 
auch der'^gegeTgeführre Kampf s,ecs ein Fechten gegen eine nicht ,o. zu 

alle» Auswüchsen ba de. I ‘ vcr|lii|lftig Denkender erheben, mag 

Zusehen soll. Diese l 01 dei 0 _ ede ^ yon Zensur se i n , da diese 

er auch der cnragiettc.se t> y 7 ewa ltiger der freien Meinungsäußerung 
sich doch in der Haupmdie a!s keinerlei geistiger Vormund- 

auswirkt. Bedarf also auc o „ ehssen werden, daß sich nie ein Schutz 

schaft, so darf nicht au ci ‘ ^ im Ge j ste wird umgehen lassen. Noch 

der Minderjährigen un c Unterschied zwischen Urteilsfähigen 

macht der Staat zwar noci 11 se j ne Sitten überwachende Tätigkeit 

und Urteilsunreifen, *°. n e ™ . ob er e i nes Schutzes bedarf oder nicht, 
auf jedermann aus, 8 e ‘ c 8 “ T zu rec hnen, daß in Anwendung des § 184 
Zunächst ist mit der a < s zur Bekämpfung der Geschlechts 

StCB. “ nd „ "“Demschlaiid dir Kampf gegen die Pornographie und Erotik 
krankheiten in Deutscn . . daß ü B er d ies zur besseren und erfolg- 

unvermindert weiter ausge 

i75 



sicheren Auswirkung noch eine Zentralstelle in Berlin geschaffen ist, die ober- 
ste Instanz ist im Kampfe gegen die Pornographie. 

Gewiß wäre nicht jede beliebige Ortspolizei einer deutschen Stadt, noch 
weniger in einem weltvergessenen Nest befähigt und in der Lage, die Tra- 
weite der auf diesem Gebiet liegenden Übertretungen beurteilen und danach 
ihre Entschlüsse fassen zu können, kein Gericht würde die Schwere d~r 
Straftaten eines Angeschuldigten, dem der Vertrieb oder die Herstellung von 

zufLt'JT 7 n u VerSt0ßende u SchHftCn ’ Ge 8 enst änden oder Photos 
Last gele 0 t wird, richtig einzuschätzen und danach die Höhe der Strafe 

zusTmmenLfTn^d iTifkV* ZentraIstclle > in der alle Fäden 

den T s 7 TT lh r r bekannt § ewor denen Zuwiderhandlungen ge-en 
den § 184 des Reichsstrafgesetzbuches registriert und -u § A 7 

material jeder Auskunft heischenden amtlichen Stelle das ?- , ArCh ' V ' 

gehend zur Verfügung stellt. Dieser Mittelpunkt bth, “ 7' 

Zen,ralpohzeis,eile zur Bekämpfung unzüchtiger R dJ 7c [ r ^ 
dem Preußischen Polizeipräsidium in Berlin“ “ g t J Schr,f “ n bcl 

während der ganzen Dauer ihmc n i geschaffen worden, die sich 

der ungeheuren Arbeit, die hier bewäTgtTrTiTcTT 77? ^ V ° U 
unmöglich einen richtigen Begriff. Es besteht “ . 7 ^ Außenstehendc 
mehr, und doch darf sich kein Schr'fr n A War ^ eine Präventivzensur 

sehen Hoffnung V«legerin der trügen- 

unbeachtet bleibt. Wenn der Titel ‘ c , .- r °duktion bei dieser Stelle 
tung aufkommen läßt, cs kö„„«IhT Schr “,"“ f halbwegs die Vcr,un¬ 
guten Sitten zuwiderläuft, oder wenn im' p U '| c m f Cwerli bandeln, das den 
genannten Roman Anschuldigungen Pr hr>l ^ amc . nt S e § en einen namentlich 
mehreren hierzu bestellten Refe,e„," n itu"fh er von 

antwortlichen Sachverständigen mit pinl " m u °d den dafür vcr- 

der dann seine Entscheidung trifft ob j™ F entS P recßenden Bericht vorgelcgt, 
Lange Zeit fungierte als solcher bekanntlich T ^^derlich erscheint, 

rung lebende Prof. Brunner. Ergeben sich 7 hcUte vielen in Erinne- 
in Frage kommenden Stellen mobil gemacht 77 ßeden ^ en > so werden die 
keiten erschöpft. Auf jeden Fall wfrd das v'V * e . strafpr °zessualen Möglich¬ 
es sich um ein populärwissenschafthehes odvtü* °7 kt > gleichgülti g’ <* 

Umfangs, eine winzige Broschüre, einen Finh7? «T* 5 Werk größeren 
oder eine Zeitschriften-Nummer handelt dem 77 m ° dernen Gepräges 
stnert. So hat sich denn im Laufe der Tat 7 einVerleib t u «d regi- 

° “f.! p J asidlUms eine ganz stattliche Reihe von" D 7 ” 1 Giftschrank<< des 
, gehauft ’ die sechs gewaltige Doppelschränl Druckschnften (an 8200) 
kontingent bilden naturgemäß die grobpor no TTT ^ DaS Haupt ‘ 

Sc C hl 1 r animaIisck en Liebe, mit keTnem 7T" Scbriften > in denen 

Schleier, „ach allen Regeln der Kunst abgehTdetwtd ’f “ 
jyfo a - An zweiter Stelle 


stehen belletristische Erzeugnisse von literarischem Niveau, deren Verfasser 
lediglich in der Ausmalung erotischer Begebenheiten des Guten zuviel getan 
haben, weshalb der Bannstrahl des Gesetzes sie traf. An letzter Stelle rangieren 



Louis Legrand: Le baiser 


•ehrliches Erkenntnis ihre Unbedenklichkeit beschei- 
die Schriften, denen ein geri A mtS g e brauch bestimmter 

nigte. Alle diese Drucke ««reimet ^ ^ ^ 

Schicksal der Druckschrift Auskunft gib,. 


12 



Die gleiche Aufmerksamkeit widmet die Zentralpolizeistclie den periodi- 

bet äekH k A C a, Bcr , il,cr von „ad zeigte eine ganz 

stärkt , h r V °V ' U „ StrierKn J °“ r " dci ’ “" d Witzblättern, deren 
stark erot,sehe Tendenz Anlaß zum Einsehreiten gegeben hatte, und deren 



Aquarell 


. 


Titel bereits den Inhalt erraten ließ (, R „ , 

?!' ß“ m ">'lwoche, Das galante Lebet' "t'" !? acht> BerIi "“ Loben, 
Die Ohne, Reig en> Die Freundschaft, Der Eke, Dcr Junggeselle, 

Zeitsehr,ften in der Regel „ ur der ',„^2 “ W °‘ bei deutschen 

Witzblattern (z. B. Le Rire, Sourire Eros Frö, F ” ‘ S ' bti fischen 
In era enteil wegen seiner vielen ungeniert Kut?“ USW '> Vor a11 ™ 

Und doch bilden diese Zeitschriften nur 1 PPCllnserate zu beanstanden. 

i;8 ' Clnen minimal en Prozentsatz der 



Tageszeitungen. 

Inseratcnblätter.• * * 

Erotisch betonte illustrierte Zeitschriften . . 

Erotisch betonte nicht illustrierte Zeitschriften 
Witzblätter ohne besondere Einstellung . • 

Witzblätter mit satirischer Tendenz .... 

Homosexuelle Zeitschriften. 

Filmzeitschriften. 


Titelblatt eines Heftes des bekannten Kokotten-Witzblattes 













uonge rrozentzatz 
entfällt auf ernste Fach¬ 
zeitschriften (Musik, Thea- 
tcr usw.). 

Das Hauptaugenmerk 
wird bei den Tageszeitun¬ 
gen auf die Inserate ge¬ 
richtet, die wegen ihrer 
Reklamewirkung auch von 
eien Gesetzesübertretern ge¬ 
bührend eingeschätzt wer¬ 
den. Erscheint nun ein In¬ 
serat etwa des Inhalts: 
»Bekanntschaft mit stren¬ 
ger, energischer Dame er¬ 
sehnt sich anschmiegsamer 
Charakter“ oder . Pri vat- 


stellter Schwächling Befriedigung sei, 
nen erstrebt, im zweiten Fall obszö 
werden soll. Beiden Inseraten geht , 

kurz oder lang Erfolge 

hal/'n'” 1 !' n Jahr “ macht lh « Tä 
halt. Durch ein in Genf a , 

Abkommen, dem fast alle 

haben diese sich zu gegense 

^.raphie verpflichtet. Gelin 

Literatur oder pornograph, 

seinem Geständnis oder c 

Postsperre ein wirksames 

Budapest, Paris, Bar^U„_ 


2 Cht mehr an de n La 

No ^ em ber 1923 getroffenes im 

rUnt den - Staaten der Wdt bei §‘ 
r Unterstützung i m Kampfe geger 

eispielsweise, einen Händler n 
bes^r^ , feStZUnehmen > und er- 

-ertrt 8n d ,T h" ? oms P“"d=nz 

r / . aß dle fr aghche Ware 

so Cn J IaUptvertrieb sorten diesei 
o w e nde t h die 2entral , C ' 

' n Sl ^herheitsdienst der in Frae! 
uug des Lieferanten durch A\ a 


Heimatstaates. Diesem Verlangen wird regelmäßig entsprochen und nach 
einiger Zeit der deutschen Zentralstelle Mitteilung von der erfolgten Ab¬ 
urteilung gemacht. War der betreffende Lieferant auch nur Händler, der seine 
Ware wiederum aus einem andern Staate bezog, so wiederholt sich das Er¬ 
suchen an den betreffenden Staat, bis man zum Produzenten gelangt und ihm 

das Handwerk legt. . r 

In Deutschland steht naturgemäß Berlin an erster Stelle als Lieferantin. 

Wegen des Vertriebs pornographischer Bilder kamen 1924/25 zur Aburteilung in 

Berlin 102 Fälle 

Leipzig 37 „ 

Kiel 1 9 ” 

Bremen 13 » 

Köln 11 » 

Hamburg 9 „ 

Breslau, Nürnberg, München je j Fälle. 


Von den beschlagnahmten obszönen Bildern (Photos) entfielen für den 
gleichen Zeitraum auf 


Heterosexuelle Akte. 

Weibliche Akte.. 

Algolagnic (masochistische und sadistisc e) 
Autosexuellc und homosexuelle Akte . 

Männer-Akte. 

Entkleidungsszenen. 

Kinderakte. 

Kinderunzucht. 

Bestialität. 


38,5°/o 
3 o,j%> 

9,7% 
7 > 8%> 

j, 9 °/o 

4,o°/o 

i,7°/o 

i, 5 0 /» 

0,9% 


, A mir Vernichtung verurteilten Photographien 

Die beschlagnahmten zmd ur Vern £ ^ ^ dner der nach 

werden verbrannt, b« >■' fdn säuberlich eingeklebt wird. Bei jeder 

Materien geoidneten <■ Prüfung, ob wegen der gleichen Auf¬ 
neuerlichen Beschlagna ine er ^ diese Weise gelingt: es nicht selten, 

nähme früher Verurtei ung: «> Fabrikanten wiederholte Zuwiderhandlung 

dem bereits einmal abge Handel mit solchen obszönen Photos 

sewkhtise Fo “ 2ur 

angenommen hat, erhellt da < , waren. 

Aufnahme dieser Belegbil er er°^e der p resse und unz ü c htige 

Mit dem Kampf gegen ‘ ’ , nach verbotenen Manifesta- 

Photos erschöpft sich aber noch n cht <d j » fffl , t mit 

tionen erotischen Begehrens. Fast ein gai * 





















»Was wir 
werden es 


hier machen? Lieber Herr, Sie 
nicht glauben, wir warten auf 
die Elektrische.« 


Aus dem »Ulke (Rudolf Messe, Berlin) 


tausenderlei Scberzartikeln in bunter 
Reihenfolge. Es gibt, wie ich an an¬ 
derer Stelle (S. 161) bereits ausführte, 
kaum einen Gebrauchsgegenstand für 
den Alltag, der nicht die erotische 
Phantasie des fabrizierenden Tech¬ 
nikers oder Handwerkers beflügelt 
hätte. Die Ausführung aller dieser 
kurioser Sächelchen verrät vielfach 
einen anerkennenswerten künstleri¬ 
schen Geschmack und, da aus der 
Art der Herstellung der fabrikmä¬ 
ßige Vertrieb unverkennbar ist, muß 
daraus auch eine entsprechende Nach¬ 
frage gefolgert werden. Ein großer 
asten birgt ferner für liebcbedürf- 
tIg e» einsa me Frauen die gewissen Sur¬ 
rogate, die in der marktgängigen ero¬ 
tischen Literatur eine nicht unwesent- 
•che Rolle spielen. Man denke an 
Mirabeaus „Rideau leve!“ 


der Prüfung unterwerfen. Insbesondere gilt de^ Ke aUch der FUm S ‘ ch 

irekt obszönen Fdms, die wegen des großen R • ganz ab gesehen von den 

Stellung auf deutschem Boden scblechcLdvf, '“l'“ bci dcr kostspieligen Her- 
te eschlusse der Filmprüfstellen. Nicht allen T 2uwiderhand| ungen gegen 
Inflationszeit, daß Streifen, deren Vorf it cra S"«' es siel, in der 

dennoch in den Kinos abrollten. Heute l^ rUnS ,- mCht scstMtct worden war, 

Eine genau geführte Kartothek in dreif 7 7 “ F8 " C ZU de " Seltenheiten, 
leger und Verfasser erleichtert nedn d mbTitel, Ver¬ 
de Feststellung, ob bereits ein Verfahren j "T "' wähntt1 ' Polunbi-Katalog 
kam. Naturgemäß ist die vorzüglicheel 7 ? KU " d ob « tut Aburteilung 
^Mangeln behaftet, die freilichder ' Z ™ mancher 
werden können, deren Abstellung jedoch ,T u, ' nicht 2ur Last gelebt 
des Archivs wesentlich erhöhen würde R W ° U , mö 8 lid > 1 « und den Wert 
Wer od Verfasser darM _ dcilkt J n 

durchsichtig genug „ m L wahlt 'men Decknamen, fä, L r 
>ar■ Casan^^Ba^nt aWe I ^ 

sr:re k b tt c " d ’ diLm Äiörr, Nun wirkt '« 

l8a Wen ' Bci d£r Ab — £ Ä-gtJ“; 



doch den Gerichten in der Regel, den tats 
es würde keine Schwierigkeiten bereiten, 
wonnenen Ergebnis in Kenntnis zu setzen 
die willkürlich gewählten Pseudonyme 
wenn den erkennenden Gerichten zur 
jedes Urteils der Berliner Zentralstelle 
Dementsprechend krankt auch dei 
Übelstand. Im allgemeinen ist er 
schlagnahme an, sondern verrät ,• 
bar gemacht, von welcher Dienst 
wieder freigegeben wurde. Die A 
nach dem Namen des Verfasser 
streng alphabetisch, wobei das < 

Titel folgt, soweit überhaupt feststellba 
Wrc selten das Erscheinungsjahr, nu 


der Verfasser aufklären, besonders 
Pflicht gemacht würde, eine Abschrift 
zu übersenden. 

Polunbi-Katalog an dem gleichen 
r gut durchgearbeitet, gibt nicht nur die Be- 
auch, ob ein Werk eingezogen und unbrauch- 
tstelle oder von welchem Gericht, oder ob es 
Inordnung der Druckschriften geschieht nicht 
:rs, was seine Schwierigkeiten hatte, sondern 
Jcro Hauotwort voransteht. Erst nach dem 
des Verfassers und Ver- 
it und Seitenzahl. Noch 
Erotikons geachtet. Pseu¬ 
do unerläßlich dünkenden 


A PAUIS 

CUEZ LA MÜHE CiODICUuN 

nu Palais Royal; 


Umschlagbild eines neuzeitlichen Erotikons 






184 



aussetzen, selbst wenn ihn die Rücksicht auf sein Stammpublikum zwingen 

sollte, dessen Extralaunen zu befriedigen. 

Wie widersinnig übrigens von der Gesetzgebung, jedermann zu gestatten, 
sich sexuell bis zum Exzeß auszuleben, von Laster zu Laster fortzuschreiten 

_J TT crnfV7P 

LI11W La --O- 

Familien, durch einen auf 
Befriedigung perverser 
Triebe gerichteten Hang 
zu bringen, die Schilde¬ 
rung aber oder auch nur 
etwas verschleierte An¬ 
deutung erotischer Situa¬ 
tionen und Begebenheiten 
als Verbrechen zu ahn¬ 
den ! Geht man von dem 
einzig richtigen Stand¬ 
punkt aus, daß der Ge¬ 
setzgeber die Pflicht hat, 
lediglich dann hemmend 
und ahndend einzugreifen 
wenn die Rechtssphäre 
eines Dritten-durch das 
Verhalten eines andern 
verletzt wird (und das 
ist der Sinn jedes Straf¬ 
gesetzes), so ist nicht recht 
einzusehen, wie Verfol¬ 
gung erotischen Schrift¬ 
tums sich überhaupt recht- 
fertigen läßt. Es wird ja, 

• T TSf _ 

Wie - - 

sehr treffend ausführt, Martin van Maele: Handgreiflich 

niemand zur Lektüre 

solcher wollüstiger Schn - u -^fähigen Menschen aber, die sich für das 

ten genötigt. Erwachsenen Anschaffung von Eroticis anlegen müssen, 
gleiche Geld, das sie tui a schaffen können , sollten doch wirklich von 
reelle Wollustorgien jederzci Scheu klappen angelegt werden. 

Staats wegen keine laciet ic ^ rigorosen Vernichtung der als 

Jedenfalls besteht m Deutsc: ^ mehr die Mög n c hkeit, daß sie (von 

sittenlos gekennzeichneten te ■ Hände fallen können. Deutschland ist in 







dieser Hinsicht ja viel gewissenhafter wie romanische Staaten Was hier oas 
sieren kann davon mag folgende ergötzliche Probe Zeugnis ablegen das hier 
wiedergegeben wird, damit auch der Humor 7 „ c »; » . < ’ d h 

r cilt , wordcn ist: 

hau». Als die Auserwählten, die we g e„ ihres“», 

Buch beschenkt wurden, den schönen 
hla eingebundenen Band öffneten 

und in dem erhaltenen Buch, das den 
Titel ,Leila‘ führte, lasen, fanden sie 
eine Liebesgeschichte von mehr als 

gepfeffertem Inhalt. Die Eltern, die 
au eia sonderbaren Inhalt dieses 
Jugendbuches« bald aufmerksam wur¬ 
den richteten entrüstete Proteste an 

tu" e o* eru ng, und auf Grund von 
Nachforschungen wurde die Vor¬ 
geschichte dieser eigenartigen Prämien¬ 
verteilung enthüllt. Noch unter der 
Bratianuregierung war das Geld für 
den Ankauf der Prämien bewilligt 
wor en. Da man aber damals in 
mamen Regierungsgelder zu allen 
an ern wecken, nur nicht zu denen, 
ur die sie bestimmt waren, ver- 

r d ? te > _ so wurde die Summe 
on den Beamten nach ihrem Gut- 

Frontispice j- ^. veiwan dt, und als nun 

zu dem bekannten Erotikon »ParapiUa« Z t®? . h erangekommen war, da 

t t e Pramien verteilt werden soll- 
a. Da machte einer der Beamten erneuern ZW Anschaffun S 
ihnen aus der Verlegenheit helfen sollte Er fanH^ 6 ,. 1 j ntdeckun g> die 
Haufen verstaubter Bücher, die als sie - namllch einen großen 
dig und wie neu aussahen. Was brauchte Waren ’ sehr anstän- 

nicht für wichtig gehaltenen Inhalt der Büche ° hne sich um den 

zu C V" ZUr Verteilun § geschickt. Man hatte ta iU ™ mern > wurden sie an 

2 S^SIagnahmt wo., 



„ich, für Erwachsene und so gar nicht einmal für den abgehärteten Geschmack 

^^‘'•«agf^I'nuf Rumänien oder ein ähnlicher Balkanstaa, sich der¬ 
art gewiß nicht alltägliche Stückchen leisten. In Deutschland und andern 
Kulturstaaten *eht die Sittenteinigungskomm.ss.on schon etwas grundl.cher 
fu wirke wovon Verleger und Schriftsteller ein Liedchen s.ngen können 
ZU Fi» Glück nur dal! die überaus vorsorgliche Staatsgewalt wenigstens den 

' . , ] • i Schriften ungeschoren läßt und dafür nur den 

Leser und Sammler erotischer Schriften unges Logik 

Händler und Verleger - Sd»pfa ££££ zwang die Dirne zur 

wie bis vor kuizun Gewerbe, dem sie frei nachgehen durfte, 

Kontrolle, nahm Steuern von du e Unterschlupf gewährten. Allein 

bestrafte aber alle Rolle. Maß- 

die Logik spielt ja im deutschen P und im Namen dieser Phantas- 

gebend ist die Erotischer’ Schriften unnachsichtig der 

magorien wird den V Gleich Null Un d warum dieses Löken wider 

Prozeß gemacht. Der Elf 0 . „ . fellos müssen hier andere Gründe nut- 

den Stachel staatlicher Auton < • j st j n der Tat der Fall, 

sprechen als lediglich gierige ^"l die ’ vielgestaltige Kategorie der bunt- 
Knöpfen wir uns zuna ^ ^ allem die Spezies der Hartgesottenen, 

scheckigen Herausgeber vor. , M inung sc heren und aus ihrem 

die sich keinen Deut um die ^ ^ ^ Liebe> mehr 

Herzen keine Mordergru e mac^ ^ und Trachten sich einzig und 

noch von Wollust und ’ ht Aber auch hier sind nicht alle über 

allein um dem Geschlechtsgen . ^ eenen sin uhl, is dem andern sin 

einen Kamm zu ^^’Ä^ema Unterabteilung: 

Nachtigall!“ Also nach lköche> denen die Lust an der Gemeinheit aus 

a) Hierunter fallen die S <U verkörp£rn Natur> Natur in ihrer Ur- 

jedem Knopfloch S ucKt> d|e y 0 l ta ire im Auge hatte, wenn er sagt: 

sprünglichkeit, aber von a ^ ^ trage ic h Hosen!“ Für sie gilt als 
„Mein Hinterer ist aUcl L. , der ’ an i ma lische Genuß, den sie aber gleichzeitig 
einzig erstrebenswertes za Schmatzen jedem andern zu verekeln 

im widerlichen Zynismus m ° n<ren ste hen auf der tiefsten Stufe „lite- 

trachten. Ihre literarischen ‘ » f „ r Kege l k lubbrüder und sonstige 

rarischen“ Könnens un S1 “ chade ® m das bedruckte Papier! 

Armen im Geiste bereenn • Schriftsteller (hier kann man wirklich von 

b) Sympathischer beru ren F i x ierung ihrer Gedanken und 

solchen sprechen), denen bedeutet. Sie bedürfen ihrer zur Ab- 

Wünsche eine ^ beI1Sn< j! We £ln e schwelgt in Erinnerung an genossene Freuden 
reagierung ihrer Trie e. e j m Geiste Revue passieren (so im Ero- 

und läßt die Zahl seiner zweiter, der sich mit kolossalen Erfolgen 

tikon „Beichte eines Sünders ), 




pZJa - 

hingen „Lingamfeste“, „Das Tagebuch der LbrLe'™ a'üe'i"“ 

k* - mvial ist, um auf abCF> diC WirUid '- 

sproden unbefriedigenden Rohstoff neue Seiten ih"’ Vt ' S “ C,t lrandKr ’ Jc,vi 
spielsweise Felke Dubais, der hinter dem Schielender T"'".' S °.‘' äU, ’,’ t bci ‘ 
schanzende Verfasser von Arlim^rJ 1^11 Anonymität sich vor- 

großen Spielraum ein. An sich wirke er" R f ? ° tt de “ dcr Phantasie einen 
gens monoton. Reizvoller könne sie gestdtet" te 7 * ^ SCXUcllcn Vcrlan- 
sich in die verschiedensten Rollen hin ‘ i i r Cn ’ Wenn d * e Liebenden 
selber Theater spielen, um alle Nuance” ^V' 1 ’ gewisscr maßen vor sich 
bührend auszukosten. Unter dem Sehe’ ” S f StgewaIllter Situationen ge- 
5 ™ ä „„e das Altgewohnte «hd^ 

tfZZ'äZizür ?:z ri»—- 
äSZ Ä fss-- Ä“ 

wunder, daß Anonymität und (was «leichbed''' 'j Klasc n,mm « cs nicht 
Regel bildet. Meistens zimmert dann der t T r| St) Pseu donymität die 
und recht (erstcres vorwiegend) zusammen oh dcS , E1laborats dieses schlecht 
sich irgendwie bemakelt zu finden Der’ er-^ die Verf asserschaft 

Namenlosigkeit bedeckt seiner Ansicht nac" Schlcicr bequemer 

Emern dahin zielenden Vorwurf zu ^eh, u Mängel, 

geschickter Weise sich einer Fiktion b dt SU<=hen alle diejenigen, die in 

wecken, als ob sie lediglich als Eindruck zu er¬ 
sehe,nung träten. Nichts leichter als das- D iche " Urhebers in Er- 

sem mehr „der minder geglücktes We £ P« w * llcb ‘ Verfasser schreib. 

& 

tüchtig,en „Memoiren ÄeTsVnge*-“ ® ci ' piel 2 “ Tfnen, „Th den"^ 
tehmten Sängerin Wilhel m ,„ e Sc Wer De "‘ K "° cb d - Seinerze be 
Jkm Roman j*. Roman der kleinen^F^ehrieben werden. Mit 

Z7B H y Z '™d f T- W 7" K °!’» von 

und „Don Leon" in A Ut ° r T'*“ obszöner Schriften Le V °'' S “ J ‘" l "" nc - 
zünftwe Liter.. Anspruch genommen.'“'j Merkw- a- n co Annabell" 

- rs 7 'r° 7 ° hi ^& 

tettung diese d„ h die Au n f°d ; iCht der MBb ' “"tef ”7“ Ab- 

Aufdeekung einiger Mensch, 1^,"^ 


Halbgötter vorzunehmen, wie es bei- ? t* 

spielsweise Carl Georg v. Maaßcn und JA VlUW 

seine Gefolgschaft mit ihrem Idol grt<ib(t d:fö()rtt 

E.T. A. Hoff mann taten, den Gustav 0 / 

Gugitz in der Einleitung zur Neuaus- --- 

gäbe zu „Schwester Monika erzählt und _ _ 

erfährt“-" ''), Paul Margis- 1 "') und Rudolf Uudus - fabularum cur s,t m. 

Frank - 1 ' 7 ) mit wohlerwogenen Gründen ventum genus Brevi decebo — 

als den Verfasser dieses höchst seit- Servitus ab nocte dieque. 

samen Erotikons bezeichnen. Diese These | 

wird von Hans v. Müller, C. G. 

v. Maaßcn-"*), M. Meyer-"") Johann ^ cr0 ,jf^ , > pf)i)fifcf) * pfci« 

Cerny- 1 ") bestritten. Maaßcn vermutet ^ , pfjilanttopiulfcfje Ht- 

daß der Roman möglicherweise von M V 

Chr. Althing geschrieben sei, hält die funbe bcö fdcillönOrten ^loflcrd 3E. 
Untersuchung aber für schwierig, weil ^ ^ _ 
dieser keinen eigenen Stil hatte, son¬ 
dern überallher entlehnte.- 11 ) In dun >ir„ na 

vorliegenden Falle hat also der Litera- £ r fl e ^ t» M I 3- 

turfreund Gelegenheit, auf Grund der 

beigebrachten Gründe und Gegengiün e __——^ 
sich ein Urteil zu bilden. Warum 

bleibt er. vereinzelt? Schreck, d,e II nb SotCfiO. 

Schwierigkeit der Untersuchung a i S 1 5» 

oder — was wahrscheinlicher ist — 

le<rt die nimmermüde Moral und Titelblatt des E. T. A. Hertmann 
Sitte mit drohend erhobenem Zeige- ^geschriebenen Eronkons 

finger geharnischten Vrotest ^ sein . wenn der Verfasser eines Erotikons 

Weniger Kopfzerbrechen s erursa ^ lediglich ah Herausgeber; ein 

den Glauben zu erwecken ^ d{e Vertreter der Sturm- und 

alter Kunstgriff ubiigci ’ J} Maximl l ian v. Klinger sagt in seinem 

Drangpenode be ( dl ^“ n ‘ Erzäh lungen oder Märchen“ ihm „bei seinem 

„Goldenen Hahn daß ,7 * ^ CTefal l e n seien“. Wilhelm Home gibt in 

Aufenthalte in Italien in Lndion“ (i774) sich für dessen Übersetzer 

der Vorrede zu seinem ^ ‘ ein£m ; ta li en ischen Kloster gefunden habe, 

aus, der die Origmalhan Semerau nach, der in seiner Einleitung 

Sein Beispiel ohmte n»od„ Das Reich der KypAf”) 

des von ihm heraus„e„ Novellen in einem italienischen Kloster glauben 
die Entdeckung Mor l^ Cb ' d 7 Aufspürung verschollener Dokumente erfreut 

sTcfvrX BehSeit. So'will z- B. Meusnier de Querion (, 7 oa-, 7 8o) die 


jj„dus — fabularum cur sit in* 
ventum genus Brevi decebo — 

Servitus ab nocte dieque. 


Cin? €roiifd ) e pft?d)ifcf}» pf>t)fifcl) * p^i« 
latttropifd) » pf)ilantropitiifd)e Ur» 
funöe bcö fdcularifirten jSlofler^ 3L 
in ®, — 

£ r ( 1 1 71 b t f> t i I u n 3 . 


ÄcB »nb £orcffo. 


Titelblatt des E. T. A. Hoft'mann 
zugeschriebenen Erotikons 



Geschichte seiner „Psaphion“ einem griechischen Manuskript entnommen, der 
-rotiker Fritz Thum (d. i. Dr. Fritz Forcgger, Rechtsanwalt in Wien) die 
Manuskripte seiner beiden Erotika „Die Weisheiten der Aspasia“ und 
r'f Brlef,: d “ Chevalier de Grammont"™) aus Staub und Schutt aufgestöbert 
aben, und selbst Franz Blci leistete sich die niedliche Mystifikation, in einer 
ffibhonh I aufgemachten Einführung in dem Privatdruck der Münchner 
d e n w'lr' hf " e dCn a "S cblicl “" Nachweis zu führen, daß 

stammele! C 7 h‘' 0°" ‘‘.T’, BcrH "' r Kri,ikcr Dr - Lander Bcßmcrn.y 
Wr htm n T j Romamiker ***** Schlegel zum Ver¬ 
ve storbenF ’ t ” Be, u h ; C SÖndcrS " S0M sid ’ Nachlaß eines 

rstorbenen Erotomanen befunden haben, aus dem sic durch dessen Arzt 

herausgegeben wurde Auch bei den „Memoiren einer Sängerin» und de 

, ArZt dcn Mittdsmann bci dcr vi£f£ 

ssj ^r bIich rr/ reunde zur 

Licbcssckte zusammengestellt haben. Der T 

wird also von den wirklichen Verfl^der" g ??ß« Wertla T 1^""" 

“ÄÄ" 1 Bef Dime ": KUPPl "' 

W. glaub; der SSÄ’TlT-” rf * 4t 
Leser nicht ein Kunstwerk an sich sonder Voraussetzung aus, daß der 

Geschehen mitgenießen will Mir e - ' - 1 ” Cm ^ tuc ^ Leben, also wirkliches 

ihm jedoch wenig gedient. Dem SAriftstelW^kr 1 ^ 11 ^ Abkonterfeiun g wäre 
ein künstlerisches Gebilde zu formen d' PU ° 1C§t CS ’ aUS diesem Rohstoff 
und trotzdem ihn nicht merken 2 u tj TT ** ^ 2U befrucht - 
Produkt seiner blühenden Einbildungskraft^^ d lT •*" Cm . Cm mutwilli 8 cn 
SO seltsam dies auch klingen mae _ A 1 e | c ^ tlert * Hier zeigt sich — 
sich sehr selten. Nur wenigen gelinet d ^ ünst ^ er > a ^er leider zeigt er 

» großer Beliebtheit sie FS .’■ ^rke, 

Jahren vergessen sein, lediglich Tosefinp A4 fle “ en > werden in wenigen 
Muse, wird ihn überleben und _ scinc “ atzcI ' b aCier", das Stiefkind seiner 
Als Erotiker müssen aueh S c%”iw c?t" erha ' K "- 
unter dem Mantel der Wissenschaft die Rel/ angesehen werden, die 

voll sich erwählt haben. Schon Bayle t sf"!; ^ '*be- 

ganze Anzahl hochgestellter Persönlichkeiten i° SCen j tes erwähnt eine 
hchkeit, die mit Obszönitäten nicht gespart habe dcr Geis ‘- 

Haar gekrümmt wurde. Einzelne nahmen die Ko" dC ” en trotzdcm kein 

Satiriker wie Martial, Juvenal und PetronteTm"’v™"® a" römiSCl ’ e,, 

zum Vorwand, um ihren 


igO 




freien Sparren ein Publikum zu schaffen, z. B. Joseph Seliger in seinen An- 

srr&x 

nobir “4n n a St ‘S “1™ fÜr « Anspruch „ihm S 

lediglich die Betätigung durch fw.rk“vorX’“'’ ma " U " Mr ” Lcb “" 

nannten “stabVlT 8 b f^ ränk '<= r Mucker über alle die gc- 

mochcrn, die sich das Gebiet derErotik l'cdWich"'’' T T dC " G “ chä l u - 
um auf ihm mühelos gute Gewinne zu erzielen Tl ^ dcm . Grundc erwählten, 
Gewissensbisse, was sie fabrizieren und vertreibend™^ “ dCShalb We " ig 

Hände ihre Fabrikate kommen. Einige trieben das Gescr-f^" 18 ’ “n WeSSen 
Stammerjohann, Kouhrt ToDolimki F,V 1 1 Geschäft im großen, wie 

mer, Fürst, Schwalbe Rieh Hanf w“ 1 *? u,,d ' von den „eueren, Voll- 
Verleger i'n ei„e“ n D,s kl "^7 ih " Cn si " d Händler und 
größerer Teil des Gewinnes fließ, in ihre Aschen VCrmmdcrt u " d ei " 

beu^^^Ä die Verhältnisse auch 

leitet sie bei der Fabrikation ihrer m L- " § g ' K höherer Gesichtspunkt 
ausgaben serienweise hersteilen. In der Sc^ff^ Sot * dika > die sie in Schund¬ 
steht Deutschland leider an erster Stelle "U Un j S ° c h er Durchschnittsware 

risches Draufgängertum und Darbietung bibbodl Fr * nkl - eick durc h schöpfe- 
vor allen andern Ländern sich auszeichnet r P 1 7 L f ckerkls sen rühmlichst 

und /sidore Liseox geschaffenen x“'^' Beid V ^ ^ G “> 

Hälfte des vorigen Jahrhunderts ihr Lebe’ 1 d VerIe S er a us der zweiten 
hchen Schikanen seufzend, und mehrfach™ ■ a " 8 “J 1 '“ UeWiduten polizei¬ 
wurden dennoch in ihrem idealislsliiht“ '"*"**** Strafen "belegt, 
brochener Folge ihre für wenige Feinschm k f n<fc f n edierten m ununtcr- 
hchkeiten die „och heute fas, nichts vo„ hre“ b B er “ hnettn ^aten Köst- 
Deutschland kann auf solche Vorbilder^ !, “ 2 '“’S 613 “ 15 ' haben. 
Profitjäger scheuen jede nicht unbedingt erford^“ruckbückcn, denn die 
und Ausstattung. Während des Krieges als der h ' “ H “«llung 

erleger zwang, nur das Allernotwend’igste erscL™ ISCh<! | PaP ' ermangel )eden 
Produzenten erotischen Lesestoffes sogar in dt M ". en 2 “ Wn, sahen sich die 
setzt entweder ihre Produktion ganz aufz" eben d ” PeinIii:h ' Lage ver- 
gangbaren Ausweg zu sinnen. Dieser eröffoet •°?V ber auf einem leicht 
masehme-Büchern. Das Manuskript wurde so 1 n“" in de " S < M - 

urchschlagen vervielfältig,, geheftet, m i, BuchdecW ermÖ8 ’ ich,:n ließ " in 

uiaeckel versehen, und das 










Verlagsobjekt war fertig. Zu Tausenden entstanden solche für den Augen¬ 
blicksbedarf berechneten Erotika, deren Verfasser jedoch weniger die nor¬ 
male Liebe, als vielmehr deren eine Abart, die Flagellation, z um Gegenstand 
nniiL > ,,ii ... // koft-ncr rW DiirchschnittSDreis 


»• • r* s* k *-» »* U n i 


Privatgelehrte Dr. D . .. aus 
Gerolstein, K ... in Ilmenau 
lieferten. Der dicke L ... mann 
aus Berlin, ein Auchschrift¬ 
steller, klapperte im Schweiße 
seines Angesichts Tag für Tag 
auf der Schreibmaschine die 
Sudeleien herunter, die er kurz 
zuvor im Cafe bei einem 
,,Mocca“ auf der Papierman¬ 
schette schnell und flüchtig 
entworfen hatte. Lange Zeit, 
d. h. bis ca. i 9 2 8 > hielt sich 
die Nachfrage auf der Höhe, 
um dann plötzlich umzuschla¬ 
gen und schließlich ganz zu 
verebben. Nicht als ob das In¬ 
teresse für Erotik nachgelassen 
hätte. Keineswegs, nur die In¬ 
teressierten hatten gewechselt. 
Ein mehr bibliophiles Verlan¬ 
gen machte sich wieder ge - 
tend, der begreifliche Wunsch, 
keine tollen Phantastereien 
lächerlicher Dilettanten auf 
minderwertigem Schreibpapier 
in fehlerhaftem Tippsatz sein 



aus: Les aventures amoureuses de Mademoiselle 
de Sommerange, von P. de Bourdel 


eigen zu nennen, sondern an würdiger Ausstattung und möglichst 

ihrer Stelle Standardwerke der tauchten allsobald die vielen Neudrucke 

fehlerlosem Druck zu erwer en. g^enn“, j er ) Josefine Mutzenbacher“, 
auf, von den „Memoiren e( j er wiener Ursprungs oder dem Unter¬ 

ere“, „James Grunert usw„’ kfurt a . M. ihr Dasein verdankend. Freilich 
nehmungsgeist von Jacobs m ^ ^ geringst en Unvorsichtigkeit gefaßt 

bestand noch immer dw Oetai , Bemü hungen beraubt zu werden, 

und des klingenden Lohnes f ier ” ahe , als einen kleinen Dreh zu machen, 
Was lag für gewisse smarte 1 1 o 


13 




der sie mit dem Gesetze zwar nicht in Konflikt brachte, den Pornobiblio- 
philen aber tüchtig hineinlegte. Dieser Schachzug, zu dessen Erfindung es 
allerdings keiner großen geistigen Anstrengung bedurfte, bestand darin, die 

fuaS7e T T Tj m WeltliKr «- *> »recht zu schneiden, daß der 
zugkräftige Titel und das Gerippe der Erzählung zwar erhalten blieben, jede 

Erotik aber, die doch den fraglichen 
Romanen ihren eigentlichen Schmelz 
verliehen hatte, ängstlich daraus 
verbannt wurde! Die Spekulation 
ging nun dahin, daß jeder Inter¬ 
essent, dem der elektrisierende Titel 
schon lange vomHörensagen bekannt 
war, sich sofort auf die noch dazu 
verhältnismäßige Neuerscheinung 
stüizen würde. Die kurzsichtigen 
Drahtzieher dieser Komödie (es 
sind dies insbesondere der Elite- 
Verlag in Leipzig und der Lilien- 
[irüher Rosen-] Verlag in Berlin, 
neuerdings auch der Regina-Verlag 
m Atzgersdorf bei Wien) kümmerte 
es natürlich wenig, daß die Käufer 
eines ihrer Schmarren nun verärgert 
auf den Bezug weiterer Werke aus 
diesem Verlage verzichteten. Sie be¬ 
gnügten sich mit dem einmaligen 
Erfolg. Die gerechte Strafe aber 
e rei te die erwähnten Verleger in 
Aus* Tni i Gestalt des „Schund- und Schmutz- 

l8 .jaTrh U d V ° 1Upt<§ g es etzes“, das zum Glück mehr als 

e * ns dieser Bankerte der öffentlichen 


Dieses Schmutz-Gesetz ist wi, Pachtung entzog. 

18. Dezember 1926 ist man ohn man Wei f’ erst jüngeren Datums. Bis zum 
Vorschriften sehr gut auseekommT^V 111 ^! . ne ^ enc * en unc * wenig erfreulichen 
Organisationen wu & rde 7 °* ™d Jugendschutz- 

stellt, daß Milliarden von Schundb f ^ b f wieSene Behauptung aufge- 
runstigen oder sexuell aufreizenden '/Ti ‘"l. 0 ™ 1Iauf seicl1 ' durch deren blut- 

- ... y^tzsss. SÄr*c,s= 


194 


mit beigetragen zu haben, ergab sich eine Mehrheit für dieses im Grunde ge¬ 
nommen höchst überflüssige Gesetz. Sein vierjähriges Bestehen rechtfertigt 
bereits dieses abschließende Urteil. Von den Milliarden von Schmutzschriften, 
die angeblich im Umlaufe sein sollten, sind weder Millionen, auch nicht 
Tausende, ja nicht einmal ein knappes Hundert vom Verbot betroffen worden. 
Es kamen nämlich auf die Liste der Schund- und Schmutzschriften (zusam- 
mcngestellt nach dem „Nachrichtendienst zur Bekämpfung von Schund- und 
Schmutzschriften“, Berlin 1929/30, 4 Nummern). 

k Lieferungsromane von 100 bis 110 Heften und wertlose Pfennig- 
broschüren, 

2. 14 Skandalzeitungen, 

3. 8 homosexuelle Zeitschriften, 

4. 15 Nackt-Magazine und Witzblätter, . , 

, 3, Bücher größeren Umfang, (Romane und Novellen darunter: Aphro¬ 
dite von Pierre Louys, Klettermaxe von Hans Possendorf und Der Laden- 
prinz von Kurt Münzer. 

Zusammen also 03 Nummern. Ist das Ergebnis nicht kläglich genug? War 
cs deshalb nötig, den ganzen kostspieligen Apparat der Prüfstellen au zu¬ 
ziehen und Reid und Länder mit Millionen von Kosten zu belasten? „a, 
warm es 63 Schriften, die sich das Anathema der Prüfstellen zuzogen und das 
waren es 03 nächsten 12 Monaten kamen 30 weitere Nummern 

; n 29 M ° v JüHl iS zü der vergangenen Periode eine ansteigende Ziffer, und 
hmzu, im u , Berechtigung des Gesetzes zu erweisen. Es besteht 

doch nicht genug, um d ^ ^ ^ ^ ^ 

die Gefahr, a man » mu g d ; e Tätigkeit der Prüfstellen sich bald auch 
Schutz genommen ' vei ernsthafter Charakter nicht geleugnet werden 

auf Werke erstreckt, d<ere Intcr ebiet der Jugend fallen, die aber aus 

kann, die auch nie it n ‘ ^j^sen, moralischen oder weltanschaulichen 

irgendeinem also: eine Zensur auf Um- 

Standpunkt dei P Gesetz für diese Befürchtung kein Raum 

wegen. Man wende nicht ein, daß J Gesetz. ^ ^ - m 

sei! Übersieht man enn ° al ’ j a ß deren Definition dem freien Ermessen 
Gesetz nicht definiert sind, sondrn <daß de e ^ 

der Prüfstellen von, Reichstag in die Enge ge- 

Mimster Kuh, der Vate d<; Definition. „Was ich in der Linken habe, 

trieben, allerdings eine vci | m be, ist Schund.“ Der Minister hob 

dabeh’^sTm Reieh’s.agsberieht heißt, mit jeder Hand ein zerknittertes 
H So leicht darf man sich freilich 


I 3 J 


i95 



■ion kd,, Ge*,*, sondern eine Waffe in der Hand der Reaktion, und es steht 

brauch maeh’ 'n" ' il ’ r 1 scnchme '’ Zeitpunkt davon reichlich Ge- 
brauch machen wird. D,e augenblicklich geltenden Rechtsgrundsat/e der 

“n :r aur v h ?. Wil,y - ««Hl des ihn, von'Äk^ 

s hut dsehn^ ‘ Tr S T a ! ***** '™" Stttagen. Der Begriff 
„ocnundschrift ist folgendermaßen definiert: 

„Die Schrift muß dem Schund, d. h. dem Abfall c .1 • j . . , 

bar sein. Daraus foDt zunächst Haft * , c linder, vergleich- 

Nr c ) Den Bekiff 1° w , ’i ^ \ T WCrtIos SCIn muß “ (Entscheidung 
5-) cn Be ö rirr der Wertlosigkeit faßt sic dahin mf r *rr • 

festzustellen cn L-m r c i r ° , ' l 7-) ^ st nun ein literarischer Wert 

Schundschrift auf.^Tn dem\v!,rM li“”'' nocl ’ mcht den Stempel der 

Heb eine gewisse Ve^,T'■*- 
fassers) erst, wenn der Verfasser dem P M l * S ‘ C ^‘ C Tatl » kcit des Vcr- 

»gar Schädigendes bietet. Das geschieht nt^Auff Y“''?“’ ’° mkm 
dann, wenn die Schrift entweder auf d T Auff assung der Oberprüfstelle 
ihre hemmungslose Weltfremdheit t lnstlnIuc dcr Leser oder auf 

die Oberprüfstelle das zweite Mcrknul X^hL^XifL"'*'' 1 ''" 10 " Crb ' iCk ' 

fw* ™d' veriYg“ jeStil“ ? :m der „Spekulation- 

kommen, was die Schrift beabsichtig *!!'"a ” Nlcht darauf kann es an- 

objektiv geeignet ist. Die OberDrüfcr ll 'i-d' n nur darauf, was sie zu wirken 
Spekulation fallen und begntt sich d ' d t 7 ^ Be S riffs ™rkmal der 
sein muß, beim Leser niedere Instinkte '"m r V 10 ^ ckri ^ t objektiv geeignet 
ständig verzerrtes Weltbildzu^ an2Urei2C " ° d - ^ ein voll- 

Man sieht, daß die Oberprüfstelle sich 

bestimmungen zurechtlegen muß d‘ k j muhsam tastend seine Begriffs- 
vorgehoben werden, dem Sinne defc “ d “, muß »* -Her Schärfe her- 
j S niag noc(l an gehen, daß sie Schriften r f ^ mc 11 durchweg gerecht werden, 
»beim Leser niedere Instinkte erheblich •! ““H- W ‘! ’ d ’ e geei 8 net sein können, 
gewisse großstädtische Boulevardpresse norh^T 11 ". Aber tUt dies nicht cinc 
Berichte über Mord, Raub und Sexualv ^1 "^7 Wenn sie ausführliche 

Schreibung der Verbreche,asbegehun“uld f‘0’.' brin S'. ™ genauer Be- 
cinz.ge Prüfstelle dagegen eingesehrftten ist v’li ’T " ,c H ts , dal! eine 
“ ff daß die Schrift geeignet sei lau J ° r ^ '<* wenn 
7 cntes eltbild zu vermitteln.“ Wer zweifelt T vollständig ver- 

Hcmb"r s „ nd Comh'-Mahlc, diesen BeH dilß d,e Ro '”-"v der 

ß Red,n S un gen gerecht werden? Soll 


man deren Romane, deren literarischer Wert doch wirklich recht problema¬ 
tisch ist, ebenfalls auf die Liste setzen? Die Logik würde es erfordern. 

Ober den Begriff der Scbmutzscbrift äußert sich die Entscheidung Nr. 13 

V °!JZine' Solimutzschrift ist eine Schrift, die mit zureichendem Grunde dem 
Schmutz verglichen wird . . . Wenn man eine Schrift dem Schmutze mit Grund 
vcnScn will, muß sie sein 1 . wertlos, da Schmutz keinen Wert hat, 

, Widerwillen erregend, und zwar in bestimmter Hinsicht, namheh wegen 

u r iiiiidik ii:: f ! nl s^"ÄÄ n SÄ l 

\oi allem eine sU , Schrift die zwar nicht zur Erregung geschlecht- 
Schmutzig ist aber auch «n Unsaubcrkeit ausmalt.“ 

rSÄ dieser Begriffsbestunmung die so- 
Zwutclio c . T .r i ef t en im Auge. Zum Teil konnte die 

genannten Volksromane ,n L ete.un shetten ^ ^ ^ Km „, r 

Obe,prüfstelle rCC ^"j^handlung sexueller Dinge gehen diese Schnf- 
der Materie, ausluri . „ G j Erlaubten. Entkleidungs- und Ent- 

ten sehr we.t, olt b.s an th ^ Ku| ;. Sze „ e „ ab , oft bis ins 

blößungsszencn wethseln mi ? Bordell vor, in das ein Mädchen- 

Endlose ausgemalt. 1-ast „«»' Hon “ errettet wird. Dirnen. 

Händler die Heldin lockt, wo s c H« - “ im , a , lt (dii 

die die Handlung bdd». „I crto de zu retten, auf die Straße 

Mutter, welche, um ,h, K.„ |lch w cnn sie den Typ der eleganten 

geht) oder v^lendete K n Hem na.ne^ ^ ^ ^ Gefühle... 

Kokotte vertreten. Mc c.-kiklfrunv sexueller Dinge sehr weit gehen. 

Wenn auch die Schriften in Moral " tät anzuerkennen. Wohl wird das 

so kann man nicht umhin, aema l t un d prunkvoller dargestellt, als 

Laster mit lockenden bunten * £S ^ ird zum Schluß auch gebührend be- 
es in Wirklichkeit ver au • Bu ß e . Die Moral ist so aufdringlich, 

straft und tut reumütig cm - 1 i rrtum sein können, welcher Weg nun 

daß selbst ganz naive Lesu ment 

der bessere ist.“ Becrri ff s bestimmung der Oberprüfstelle folgt, so muß 

Wenn man also de ^ ° daß diese überdies auf dem Aussterbeetat 

man zu dem Resultat 0 / » . , Bne : eden Wert ist, wenn die \er¬ 
stehende Volksliteratur 11 def Wollust auch den Teufel malen. Auch 

fasser nach Schillers Rezep ^ findenden erotischen Gemälde erregen 

die in solchen Liefetungsie i o- e meine geschlechtliche Lüstern- 

wegen der Kräßheic der Szenen seh selten e „ dcr ^ 

heit“, sondern sind spennungerr« d ” ^ Zcit gezwungen wird, 
wicht, der die Unschuld,ge Tugend1 bedrtm 

von seinem häßlichen Vor z en- seelische Zärtheit“ verlangt (Ent- 

Wenn weiterhin die Obeiprursie 

197 




scheidu 


n;> Oherorüfstelle gerät immer mehr in das Fahrwasser, die Schutz- 

^ 1C i-^i r A A\p doch der ei a entliche Sinn des Gesetzes ist, als 
bedürftigkcit der Jugend, du do< :h de ' ^ de „ SchuK 

Nebensächlichkeit zu behandeln, und 5 n >, t se h r richtis: 

1 i . Prwirhsenen auszudehnen. Goldmann (a. a. ü.) sagt senr ricnu^. 
auch der Erwachser verantwortungsfreie Rechtsprechung (mangels 

„Weiter ist diese rec ht »‘“ J S chlimm, weil sie die Beschränkung auf den 
gesetzlicher Bestimmung) ^ ni cht theoretisch, aber in der Praxis. 

Jugendschutz vo1 ^f § w en d‘wird stets irgendwie begründet. Bei den 
Das Schutzbedurfms der J g Erwerbsmöglichkeit i„ dem Pfennigpreis des 
Hintertreppenromanen heg aber se lb $ t bei teueren Büchern die 

Einzelheftes. Die Oberprufste k ‘ Wndlichen könnten gemein- 
Schutzbedürftigkeit mit der ce § tu 'Worten: die Schranke ist total durch- 

eäeä SÄ - -- 

die Gefahr, die c rohend u u j dringend einer Revision. Am segens- 

Gesetz segensreich wirken so bed. f c^dn^ __ _ 

reichsten aber wurde sich die >■ o der Tec j m ik des Absatzes gewidmet. 

Zum Schlüsse seien noch einige ^ Hemmnisse, die sich ihr in den 

denn daß die erotische Literatur ß $icb aus Jen zahlreichen Bibliographien, 
Weg stellen, blüht und gedeiht, a verzeichnen, mit wünschenswerter 

die gewissenhaft jede au taUC e !V unc J die Reklame vollzieht sich zwar 
Deutlichkeit entnehmen. ei einigen Einschränkungen in der sonst 

nicht in aller Öffentlichkeit, aC,ei kle ;„ en Unterschied machen zwischen 

üblichen Weise. Doch mu m an ^ durcb den Antiquariatsbuchhandel zu 
Neuerscheinungen und Werken, natür li c h das geeignete Adressenmaterial, 
haben sind. Das Wichtigste ist h ‘ jüch nur vertrauenswürdige Kunden 

da für den ErotikaherstelUr selb kofe „. w,c der Verleger oder Händler 
in Frage kommen, um ton £' Worte sagc „. Der Grundstock wird v.el- 

sie erhält, läßt s,ch “Behandlung sein, die speziell mit erotischer 

fach das Adressenmaterial au flöst. Sie kennt also bereits ihre 

Literatur gehandelt hat und s f ür deren Zuverlässigkeit ver- 

Kundschaft und kann sich un aii e 

bürgen. . h einen kleinen Trick, die Adressen von Inter- 

Zuweilen gelingt es, werden harmlose Aktkarten angeboten. 

essenten zu erlangen. Durch *dann sofort regelmäßig an ausländische 

Die Adressen der Besteller wer en dIeses Materials ihre Geheimkata- 

Verleger weitergegeben, ie n , pl 10t0 s angeboten, da sie am sinnfal ig- 
loge versenden. Zu allere« Händler nicht sogleich zu bieten 

o* “ ner M " ncm 




m.er„a,i„„ale„ Großhändler vor, ergeht sieh i„ fehlerhaftem Druck wie 

ge^t iSSK T er r Cnmal tci “■“» Ve rs! ,„d- 

photos, mit denen sie beliefert w»*” “ 11 w ' lse rcciu harmlosen Akt¬ 
unter welcher scharL Kon 0 I a "“''u ' C "' * *««». 

die Lieferungsmethoden zwar nicht bUli^T“Kub Stchcn ' wWcn Sie 
hm geht aber meine Angst vor den R„ J !?’ (0 ber Verstehen - Immer- 

welche sich durch ihre Anfmgen u “d i^:,' 72 " T «“ “ *»*■. 

essenten ausweisen, nicht von vnmL • l °hnort als ernsthafte Inter- 

Photos meine scharfen von Polizei TnYzIT ^ harmlosc Akt ’ 
Photos anbieten sollte. Außerdem würde • , ebor< ^ e . strcn g verbotenen 
nichts nützen, mir allerdings auch nicht schaden"^™ 011 Ihnen 

So sicher fühlt dieser Liefe¬ 
rant sich, daß er mit einem 
Achselzucken zur Tagesord¬ 
nung übergeht. Dann kommt 
der übliche Hieb auf die un- 
leidige Konkurrenz: 
»Selbstverständlich sind diese 

otos nicht zu verwechseln 
mit einem ähnlichen Genre, 
welchen (!) eine Pariser Firma 
urch einige Versandhäuser und 
einige Postkartenhandlungen in 

denGroßstädtenvertreibenläßt 

und deren ganzer Reiz im Zeigen 

der Hemdhose und der Strumpf- 

bänder besteht. 

Sollten Sie befürchten, daß es 
S1C ei meinen Ihnen angebote- 
nen Photos um harmlose Post¬ 
tarten handelt, wie die meisten 
Versandhäuser sie führen und 
ie man sie in den besseren 

Ostkartengeschäften kaufen 

nn > so wird meine Versiche . 

rU g^j me me Photos ver- 

Aus »Les Capucins ou ] e secret d„ f r ^chiedene Male von der Polizei 

e secret du cabinet noir« beschlagnahmt w „ a 
Paris 1802 .. n ° nmt wurden, von 

größtem Interesse für Sie sein. 



200 



Alles sofort lieferbar!“ 

Und nun folgt die genaue Beschreibung der einzelnen Serien, die wirk¬ 
lich keinen Zweifel an der Art der ausgeführten Szenen mehr zulaßt. Zum 
Schlüsse werden dann einzelne „Privatdrucke“ verzeichnet. Die Preise stellen 
sich nicht hoch, schon von 4 M an sind erotische oder erotisch-sadistische 

N Ergibt "natürlich auch noch andere Wege, um Erotika dem Kreise von 
Bücherfreunden zugänglich zu machen. Am besten bewahrt hat sich anschei¬ 
nend die Versendung von Prospekten, die mit dem warnenden Zuruf „Stren, 
vertraulich!“ auf die sie nach dem Ankauf des angepriesenen Werkes erwar- 

e, den Freuden aufmerksam machen. Ist das Werk illustriert, so wird mei- 
tenaen i reuaei . .k-;i 1 iicmtion bei^eeeben. Alle diese Bücher 

als Käufer angegangen wird 
und über die erforderlichen 
Mittel verfügt, das Erotikon 
erwerben kann. Es gilt hier 
das noch immer, was ich in 
meiner „Geschichte der eroti¬ 
schen Literatur“ 21 '") darüber 
ausgeführt habe. Der Erotika¬ 
handel ist - sehr konservativ, 
also sehr ideenarm. 

Hat dieser sogenannte ,,Pri- 
vatdruck“ nun seinen Kaufet 
gefunden, so teilt er das Schick¬ 
sal der sonstigen Literatur. Ei 
bleibt im Besitze des jeweiligen 
Liebhabers solcher Werke, bis 

dieser entweder übersättigt o ei 

aus Geldmangel gezwungen ist, 
sich von seinen Büchern zu 
trennen. Auch nach seinem 
Tode wünschen die Erben, die 
meistens ganz andere Interessen 
haben, diese ihnen unsympa¬ 
thischen Bücher nicht mehi 
in ihrem Besitz zu haben. 

Nun tritt der Antiquariats- 
in Aktion. Der 






201 









zu c well D S K , " * k JiC ihm Erotik mit 

zu erwerben. Da er in sie Kapital gesteckt hat, mul! er natürlich bestrebt sein 

sie mit Gewinn wettet zu veräußern. Er nimmt also einzelne zahmere Werl e 

m seine Kataloge mit auf, in der Hoffnung, daß sie unter der Zge deT vfe 

Sammlcrn bricflich ° dcr 

gart S JalhX K FunlT n f A ™^ iatskata l°ge VO " Scbeibk in Stutt- 

Antiquariate in Fürstin walde ^und^oMl 3531 !?'^ 61 "" ßc ‘ Spielc f ° 1§ten 

stine Literatur anZ^L Kolberg, die ungeniert seitenlang clande- 

ringste dabei, in deutschen oder französi^hen" Kat”^" ’T l *** §C ' 

Eroticis zu geben bezw. zu lesen. Die Sittlich^’, • § !T Ankundl S un S en VO!1 
Jota gesunken. kcit 1St dadurch n °ch um kein 

ein^von"'der°Akademie ‘t hi f r dn “ ketzerischen Gedanken aus - 

deutschen Wissenschaft das p 0 ' g ' mCi "“. h f ' ^ 

rung müßte und dürfte nur an kden^I y erSeh ! n ’ hcrauszu S cben - Die Liefe - 
oder wissenschaftlichen Zwecl- ° ^ Cn ’ der C nen ernsten literarischen 

würde m. E. den vielen Winkelv 'T ZUW ® l . Se " in der Lage wäre. Dadurch 
liefern, das Wasser abo-e^ra^ ^ i^j™’ ? ür teue res Geld schlechte Drucke 
schaftlern für ihre löblichen Zwicke^doc^d^" Blbl )° phÜen und Wissen ’ 
zur Verfügung ständen. Und gerade diel T ZUVerlaSS1 ? en Musterdrucke 
kräftigen Käufer. Kämen sie für die • u Interessenten Slnd die zahlungs- 
essenten in Wegfall, so würde He A ” 1C f .. t P* lvi legierten Verleger als Inter- 
Wegfall kommen Jedenfalls " n ^ C1Z T ^ r dlC ^ euau ^ a o e eines Erotikons in 
dankens ein des proponierten Ge- 

,,MonumentaGermaniae‘ £ oder ähnlicher Wälz a $ H etWa 1 “ Heraus S abe der 

beachtet, in den Regalen der nffe tl‘ i na p'’ dlC nut2 d° s > v °n niemandem 
Schaffung i„ FrageTomlt " " f »Hein für die A„- 

Summen verschlingt. Wer aber wollte 1 '! A'üoch ungeheure 

wenn man von dem beabsichtigten Sinne C . U8n ' n .' "**8 i cd ' s Erotikon (selbst 
diziner und Kulturhistoriker , a T“ abS ' eht) für de " Psychologen, Me- 
schlüsse vermitteh? ? ^ InMr “ Se bi «<=‘ schätzenswerte Auf- 

tiges Quelknt\tt h r?aUrd" 8 Hm,d‘te C be Und ^A Fachwiss =nschaft ein wich- 


202 



ablehnt. Vorurteile aber sind keine 
Gründe. Genau so wenig wie der 
Mediziner vor einer noch so schniut- 
Hantierung am menschlichen 
sehen Körper zurück¬ 
genau so wenig 
r Kulturhistoriker, le- 
; dem Grunde, weil ihm 
Richtung nicht paßt. Die 
...g mit der erotischen 
ehört nicht weniger zur 
Entzifferung 


zigen 

oder tieri 
schrecken darf 3 
darf das de 
di Vilich aus 
die ganze 
Beschäftigung 
Literatur g' 

Wissenschaft wie die 
der Papyri und Keilschriften, denn 
Wissenschaft ist ja nichts weiter 
als Verwirklichung berechtigter 
Neugier zur klaren Erkenntnis der 
Vor-, Mit- und Umwelt, um für 
die eigene Lebensgestaltung daraus 

Nutzen zu ziehen. 

Der Psychologe und Psychoanaly¬ 
tiker kann der erotischen Literatur 
zur Beurteilung der Seelenregungen 
nicht entraten, der Mediziner ernt, 
aus den verschiedenen Perversitäten, 
aus den Sehnsüchten und dem Verlan¬ 
gen der Verfasser deren Krankheitsbil« 

vor sich hat, die erfolgversprechends 
Kulturhisoriker aber daif, wenn c 
das Verständnis vergangener Epoc 
animalischen Beziehungen in ihren 
stellen, sondern muß auc ie 1 \ 

Blick zu schärfe, und kein «lurf« ■ 
Anspruch erheben, äls Wissenschn 

bei deinen geschichtlichen Forschun 

der betreffenden Zeit, seien es m 
Schmähschriften oder Libelle, Pamp 
Betrachtung zu ziehen! Daß jeder b 
seinen Feinden immer nicht nur 
dern daß auch sein Privatleben > 

besonders sein Sexualleben naci 
geeignete Angriffsflächen zu finden 


Aus: Recueil de Pieces rares et facetieuses 
Paris 1S72 


richtig zu zeichnen und, wenn er Patienten 
2 Behandlung in die Wege zu leiten. Der 
licht an der Oberfläche haften, sondern 
uns erschließen will, nicht lediglich die 
uswirkungen auf die Zeitereignisse dar- 
schen Auslassungen studieren, um seinen 
ild zu geben. Wer dürfte heute noch den 
iv ernst genommen zu werden, wenn ei¬ 
en es unterläßt, die erotische Literatur 
, romanhafte Darstellungen, Memoiren, 
i„« i.nH dergleichen, in den Kreis seiner 




Illustration zu dem Skatologikon 
»La Chezonomie« 


stärkere Geschlecht, wenn wir aus den einwandfreiesten Quellen entnehmen 
können, daß das Sammeln erotischer Schriften nicht lediglich ein Reservat- 
recht perverser Lüstlinge war, sondern daß die bedeutendsten Persönlich 
keiten, die in ihrem privaten Leben makellos dastehen und im Lebenskämpfe 
sich nicht nur behaupten, sondern es zu Macht, Ansehen und Einfluß bringen, 
die erotische Literatur zu ihrem Sammelgebiet erwählen, so gewinnen wir aus 
diesen Tatsachen ein klares Bild von der betreffenden Zeit, ihrer Lebens- 
Gestaltung, ihrer Sittenanschauungen, ihrem moralischen Hoch- oder Tiefstand 
(sofern wir unser eigenes winziges Sein als Maßstab dafür nehmen). Die 
erotische Literatur läßt erkennen, wie das Volk sich verhält zur Frau zur 
Dirne zur Prostitution überhaupt. Viel läßt sich aus ihr auf die Einstellung 
der Zeit in Bezug auf die Liebe in physischer und psychischer Hinsicht ent¬ 
nehmen, denn kein literarisch sich Verewigender läßt sich als aus der Zeit 
herausgehobenes Original denken. Seine Ansichten sind ein Produkt seiner 
Erziehung und Umgebung, die seiner Denkweise die Richtung zeigen. Kurz 
und gut, die erotische Literatur bietet unerschöpfliche, noch viel zu wenig 
ausgebeutete Quellen für den Forscher. 



205 



III. Technik der Erotika 


Es gibt Erotika, die immer wieder nacfwcdmrkr i ,. 

n-iren einer Sängerin“, „Denkwürdigkeiten des Herrn Z "T“ 

Hill , „Josefine Mutzenbacher“ Achmed und ri I i i ’ ” ann y 

solche, die es nur zu einer einzigen A u f|i U " d . Chlotll 1 dc “ “• ä, und wieder 

von der Bildfläche verschwinden Das' °Gel t"" abcr wic s P ur,os 

eher Erotika beruht höchst selten auf der K^ßhei TL ■^' ßdlC , bthdt . man - 
obszonsten, also unverblümtesten Erotika «,|, fr Szcncn ’ da 8 tTadc ehe 

großen Teil vielmehr auf der Man ' f ]■ 1 . , Cn CInc Neuauflage erleben, zum 
ein Handelsartikel eigener Art. Die'St!-' Dargcste,ltcn - Erotika sind 
eine Massenverbreitung Sie wenden ° U . Sesctzbcbcn Verbote hindert 

versiert ist, also ei„°* p“ 

ob der Wunsch nach ungeahnten dabc ‘ ganz gleichgültig, 

nach sittengeschichtlicher Erkenntnis für 1 en | Isscn odcr das Streben 
falls will der Käufer auf seine Ilechnun ^ ErWCrb maßgebend ist. Jcdcn- 

Schmierereien, die lediglich „Unzuchts“akr' mmcn ; Vanatio dclcctat! Geistlose 
n;c t „der doch n„ r dl „*£££ £ “ reihen, reinen 

nicht in Frage kommen kann Deshalb ' i c 1C1 kaufet von vornherein 
sondern Steigerung, vom zartesten Piä.E 'i Haufun S dci ‘ Wollustszenen, 
vom andante con moto bis zum nrcstn SSIm0 ^ ZUm krafti 8 stcn Fortissimo, 
mehr als die Einförmigkeit, ma * !L d T*“' N ‘ Ch . tS erm üdct bekanntlich 
schmeicheln. Erotik selbst ist kein Dauerzustand ‘ 1UCh n ° ch S0 Schr 

d.c ihr gewidmete Literatur adäquat sein muß T ^ T Entwicklu "S’ d ^ 
erschöpft sich nicht der ganze Reichtum ToLh'T iT" Liebcsstunde 
an es Leben reicht dazu nicht aus. Es erscheint d .1 ^ Schehens - Ein ganzes 
<-a sich so viele Lebensschilderungen und M • CS ^ a b nur ganz natürlich, 
tur finden, z. B. Memoiren einer Sängerin cmoir ^ n 111 der erotischen Litera- 
Freudenmädchens, Denkwürdigkeiten des He 1 "^ ClneS Detekti vs, eines 

Josefine Mutzenbacher, die GStedn^" 0 "-^ Bdchte eines Sünders, 
Die Anlage dieser ^irne usw. 

gleichen Schema. Der Held oder die Heldin der C \■T ^ nach deni 

Zeuge eines Begattungsaktes, erhält dadurch praktische^ Un § esehen 

"■ u " c,urc,ld ringliche Mysterien und schreitet in der Folt 7 r"f b “' 

g zu kräftigster Be¬ 


tätigung. Das Scblüsscllocb-Motiv ist vorherrschend (typisch dafür „Die 
Stunde der Emma Unterwieser“ von Prin Halvv, die als Voyeuse in einem 
Bordell zu Fall kommt, „Memoiren einer Sängerin“, „Fanny Hill“, „Lauras 
Erziehung“ usw.), wobei es nur sonderbar anmutet, daß das Terrain, auf 
dem sich die Liebeskämpfe abspielen, gerade immer dem Schlüsselloch gegen¬ 
überliegt. In Mirabeaus „Le rideau leve“ muß Laura mittelst einer durch das 
Schlüsselloch gezogenen Schnur den Vorhang beiseiteziehen. Seltsam genug 
auch, daß die Liebenden nichts von der Beobachtung merken und keine Vor¬ 
sorge gegen eventuelle Überraschung treffen. Wird der Lauscher aber ertappt, 
so muß er an den Orgien teilnehmen (z. B. in den eben erwähnten Schriften 
und in der „Josefine Mutzenbacher“) oder der Neugierige macht sich selbst 
zum Teilnehmer (z. B. in Mussets „Gamiani“, im „Roman der kleinen Violette“ 
oder in „Ein Priester der Liebe“, einem 1929 erschienenen Nachdrucks- 

Erotikon. . 

Ist die erste praktische Betätigung erfolgt, wobei der Verlust der Jungfcrn- 
sebajt in den meisten Fällen fast ganz schmerzlos vonstatten geht, so stellt 
sich sofort das Wollustempfinden ein, und die Schilderung der weiteren 
Liebesszenen bereitet keine Schwierigkeiten mehr. Der männliche Partner 
leistet dabei Kraftproben, an die in der Praxis nicht zu denken ist. Stets 
"ist er erzbereit und bricht Lanzen ohne Zahl, getreu dem Wahlspruch: „Ich 
habe keine Zeit, müde zu sein!“ Zu einer physischen oder psychischen Impo¬ 
tenz infolge der schabten Ausschweifungen kommt es in den seltensten Fallen. 
In den „Erinnerungen eines Schriftstellers“ leitet sich das Versagen aus einem 
seelischen Erlebnis her, in „Venus in Indien“ ist eine schwere Verwundung 
daran schuld, nur in „Comtesse Marga die Folge übermäßigen Gemeßens. 
Aber das sind Ausnahmen. Die Regel bilden die niemals müden unersättlichen 
Herkulesse, die keine Ermattung, keine Stillung der Lüste kennen, stets m 
kraftstrotzender Vitalität dem Weibe zur Verfügung stehen. 

' Begreiflicher schon erscheint es, wenn die Liebesbeldinncn in nimmersatter 
Geilheit beschildert werden. Aber oft geschieht des Guten zuviel. Eine Liebes¬ 
nacht foüt auf die andere, und nur in hochstehenden Erot.cis wie Das 
Quartier der Sappho“ oder „Julchen und Jettchen auf dei Leipzig« Messe 

schwer ^Es ^ von, Verlor erw.Mre 

scnwei. LS ueeuu on j_ r „ Schicksal, als intensivsten Liebesfreuden 

Opfer erse int Theoretisch sind diese Novizen längst aufgeklärt, viel- 

zugefuhit zu wc . Solisten praktische Erfahrungen oder haben als 

erklommen. Des Serben 1« 

Erkennrnis und Würdigung weiblichen Gefühlslebens 

207 



Icliglichauf die Erotika angewiesen, so gewänne er ein ganz falsches Bild. 
Wtr schätzen am Weibe die Schamhaftigkeit, die in Eroticis selten anzu- 



Aus: Eugen Hamm, Vorstadtbordell 

treffen ist („Venus in Indien“, „Frank und ich“ T.,l u 
machen hier eine rühmliche Ausnahme). Man bnuchT d'i “V 

sofort an Schamlosigkeit zu denken an ein V„- • V , dabei mcht gerade 
Kente Spur! Aber sie ^^ 

208 


sehen Notwendigkeiten messen sie nicht mit der Elle bürgerlicher Sitte und 
Ehrpußligkeit, sondern überlassen sich aus innerem Drang, ohne Ziererei und 
lange Gewissensbedenken ihren natürlichen Trieben. Und diese entströmen 
einem brodelnden Vulkan von Temperament und Leidenschaft. Feurig sind 
ihre Umarmungen, unstillbar ist ihre Brunst. Jede Hingabe schöpfen sie bis 
zur Neige aus, und bis in die fernsten Verästelungen und Spitzen der fein¬ 
sten Nervenfasern zuckt die ihr ganzes Sein erfassende Wollust. (Lediglich in 
den Eroticis „Das Quartier der Sappho“, „Helenens Zimmerherr“ und „Jose- 
finc Mutzenbacher“ werden Situationen geschildert, in denen dei Mann das 
Weib schachmatt macht.) Dem ungeheuersten Genüsse hingegeben, bleiben die 
Liebenden doch nicht stumm, sondern in Seufzen und Schreien, Anfeuerungen 
und Liebesbezeigungen offenbaren sic ihr intensivstes Wollustempfinden. Aber 
hier wagt sich gleichzeitig auch die Unn&tüflicbkcit hei vor. Die geillüsterne 
Mänade°begnügt sich nicht mit abgerissenen Lauten, wie der Genuß sie erpreßt, 
sondern schildert nicht selten in wohlgesetzter Rede die einzelnen Phasen ihrer 
Empfindungen, und das in Augenblicken, da ihr ganzes Sein aufgelöst ist im 

Rausch des Entzückens und verzehrender Wonne!. 

Frigide Naturen werden nie vorgeführt, sie scheinen für die Erotiker nicht 
zu existieren Selbst die Priesterinnen der Liebe, die doch in Wirklichkeit für 
den sexuellen Reiz abgestumpft sind, erglühen in feurigem Verlangen und 
lassen in markaussaugender Unersättlichkeit dem jeweiligen Liebhaber nicht 
eher Ruhe als bis er, total erschöpft, allen ihren geilen Anstrengungen unbe¬ 
siegbare Ohnmacht entgegensetzt. Auch dann noch nehmen sie mit dem Erst¬ 
besten vorlieb, der ihnen in den Weg läuft und gewillt ist, ihrer nympho- 
manischen Lust Genüge zu tun (z. B. Abenteuer einer Modistin Erlebnisse er 
schönen Mathilde). Diese unlogische Steigerung findet sich fiedich nur bei 
den für die unkritische Masse berechneten, von Dilettanten geschriebenen 
. • , Machwerken ohne künstlerischen Aufbau, 

pornograp ,sc ’ cl ‘ ,| j ß d er Liebhaber bei seinen Verführungskünsten 

Gemeinsam ist abe, allen.^^ ^ ^ ^ ^ fot|!ch geschmückten 

me /.m imicclncn offenbaren, daß — um es brutaler auszudrucken 

Pforten Edens Herrlichkeiten o tenbm . moMtliche „ p cno d c fällt. Wieso 
— sein Liebeswerben niemals in aie «u ? 

weiß er, den geeigneten für P j; e Umarmung geeigneten Objekte. 

Ferner stoßt ei 1 ihren Augen, seine Wünsche stoßen auf 

Sein Werben in et na L keine Frigide, keine männerfeindliche Les- 
Gegenliebe. Keine ugen sie dann stets bisexuell veranlagt. Die 

bienn kreuzt seinen <■>, = Vereinigung bildet die durch spärliche Aus¬ 
ideale Weimnger sc e z; erlicrr ) durchkreuzte Regel. Die natürlichste 
nahmen (z. • c eI ^ d ; e pichen zusammen. Keine Scheu vor dem 

Sinnlichkeit von der f El Verlobte oder Gatten hält die 


14 


209 




210 


Liebcstollen zurück, noch weniger die 1-urcht vor den Folgen, die sich, seit 
sam genug, auch feist nie einstellen. Hin Kund entspringt höchst selten den 
Wollustorgien, gleichsam als wären die physiologischen Gesetze für die illegi¬ 
timer Liebe Pflegenden in dieser Hinsicht völlig aufgehoben. Stellt sich aber 
doch in einzelnen Fällen dieser unerwünschte Effekt einmal ein, so hat der 
taktvolle Sprößling nichts Eiligeres zu tun, als schnell das Zeitliche zu segnen, 
um nicht in unverzeihlicher Rücksichtlosigkeit seine Lebensspender in ihren 
Vergnügungen und ihrem weiteren Ausleben zu stören. Ein Kind ist dem¬ 
nach noch lange nicht als unerwünschtes Übel zu werten. Viel schlimmer 
sind in Wirklichkeit die unver- / V 

mcidlichcn Schädigungen der Ge- I | J 

sundheit. Aber merkwürdigerweise 

gleitet der Erotiker von Duich- _ yffC(Sl 

Schnittsproduktionen über diese ifW „ 

gräßlichen Begleiterscheinungen un- J AM J\ 

vorsichtigen Genießens mit \ei- / (jj 

ständnisvollem Schweigen hinweg. K 

Lues und Gonorrhoe zwei giim- 1 \ W. (Ji) 

mige Würger — existieren für ihn \\ \ \^1 

nicht. Und das ist begreiflich ! Sie 

würden als unerwünschte Gäste j yy - ——J 

allzusehr das Vergnügen stören. JuhU.t^ j^ L-Uvl ’ ' I 

Wir denken heute zum Glück über / p | 

die Tragweite solcher Erkrankungen 

uig J.ia 0 . . . Wenn dir eine Hundin winkt 

ganz anders, als das leichtsinnige Manne, laß sie schießen! 

Rokoko, das selbst die Syphilis zum f.wo», aus dem,.uk« 

Gegenstand frivolen Spottes er ..... , , 

wählte und deshalb keine Bedenken trug, auch in Eroticts ihrer zu gedenken. 
„Los lauriers ccclilsiasriques“ schildern sie eingehend, und die Zugkraft von 
Le portier des Chartreux“ erlitt dadurch kerne Einbuße daß der „Held 
der Erzählung, eben „der Klosterpförtner“, an den Folgen der Lues zugrunde 
geh,. Von den Neueren hat lediglich Friu Thum ,n seiner fingierten Br.e - 
Sammlung „rz Briefe des Chevalier de Grammont die lebens.ern,ehrende 
Wirkung dieses sog. „Venus“-Obels in brutaler Echtheit behände , aber - 
bezeichnend genug - auch er verlegt die Begebnisse in das lasterhafte Rokoko 
und läßt die Briefe zu dieser Zeit geschrieben sein. Ken, anderer aus der Zahl 
der modernen Erotiker hat, soweit ich zu beurteilen vermag, dieses un¬ 
erwünschte, aber unausbleiblich eintretende Ergebnis illegitimer, wahlloser 

Liebesfreuden geschildert. . .. u n A j 

Mit Ausnahme dieser Kraßheit finden sich so ziemlich alle Alten d ,i sexu¬ 
ellen Verkehrs beschrieben, woraus sich beispielsweise auch die Beliebtheit 


Wenn dir eine Hündin winkt 
Männe, laß sie schießen! 

F. Wolf, Aus dem 




211 




der „Memoiren einer Sängerin“ erklärt, die Hayn mit Recht als das Haupt 
unzuchtsmagazin erklärt, da der anonyme Verfasser seine Heldin ü.mnte- 

sechzehn P^itioHcn variieren ihn nur in der Art derAufführung^nTchHn 

txtiÄ r:K*.v- 

bringen damit die Schürft bedacht sein > Abwechslung in das Einerlei zu 

mehreren Schriften ge- 

, o 



Üplss^l 

miorr'» v^'-k t,utt r U ! lf r i 0: ^ ßnntrlirijcn Kr.i nrft i| rlr n I Irr nrnr bi 
‘di« 1011 finöt mit bttn irij noSmHS 
ra mEflrh ir üEr”.rouflmrln.irij öpftra frtrf rrfongrrcöy frtuö&tr noini 
utrlcirf) mir rpsitfuG örr tnrtt in üf 311 froi nfttrßra fcrrrkrr 

n^mlnhl?(it?i?rfdf ^ r**' 8®WtIjtE0fi HJlt frint illlft ftnliinßni f tirii 
ÖIri| rpnrt / Iirtnnl gtmiknit&p tm Iwfbu rakal 

lSSEkÄ Dtrmirt OTrtsraacWriri J ar Änitlifiti>! 

Geb«, zu,,, heü. Dionysius gegen ,„, la talzos " 
Nürnberg, i^gö 


bracht, so läßt sich dar¬ 
aus wohl der Schluß zie¬ 
hen, daß die beschriebe¬ 
nen Stellungen tatsäch¬ 
lich von den vom Va¬ 
riationstrieb Besessenen 
ausgeübt werden, daß 
cs also nicht nur bei der 
Wunschphantasie bleibt. 
Im folgenden seien 
einige interessante Hin¬ 
weise gegeben, ohne daß 

selbstverständlich der 
Anspruch erhoben wird, 
bei der buntschillernden 
Vielgestaltigkeit des 
Stoffes und dem gewal¬ 
tig angeschwollenen Ma¬ 
terial dieses irgendwie 
zu erschöpfen. 

ln dem ordinären So- 
tadikum,,Sinnenrausch“ 
von Hajos Jusanity 
macht die eine Hetäre 
ihrem Geliebten den 
Cunnilingus dadurch 
schmackhafter, daß sie 
sich eine Kognakbohne 
indie Vaginapraktiziert. 
In der Geschichte „Ma- 


212 


rietta“ bestreicht die eine Tribade ihren Schoß mit Schlagsahne. In der Skizze 
„Solisten“ masturbiert der Mann unter Zuhilfenahme von reichlichem Seifen¬ 
schaum. Hunde werden dadurch zum Cunnilingus angeregt, daß Penis oder 
Vulva mit Honig oder Butter gesalbt werden (z. B. im Roman „Das Quartier 
der Sappho“). 

In dem Bestreben, ja recht aufreizend zu wirken und neuartig zu erschei¬ 
nen, wird oft der sichere 
Boden der Wahrschein¬ 
lichkeit verlassen, und 
die unmöglichsten Situa¬ 
tionen und Dinge kom¬ 
men zum Vorschein. In 
dem bereits mehrfach 
erwähnten Roman „Das 
Quartier* der Sappho“ 
liegt der junge Hausherr 
in wohligem Schlummer. 

Rose, das Dienstmäd¬ 
chen, vollzieht zu dieser 
Zeit mit ihm den Akt, 
ohne daß er erwacht. 

Auch Blanche, das an¬ 
dere Dienstmädchen, 
wird vom Portier im 
Schlafe genommen, ohne 
zu erwachen, da sie die 
Wirklichkeit in wol¬ 
lüstigem Traume zu ge¬ 
nießen glaubt. Edmond, 
ihr Dienstherr, übt meh- 
reremal mit ihr und 
andern den Akt aus, ohne Aus der Mappe »Orgien« von Otto Schoff 

daß er zur Ejakulation 

gelangt. In „James Grunert“ hingegen kommt es ohne Unterbrechung zu zwei¬ 
maligem Orgasmus des potenten Jünglings. In den „Memoiren einer Sängerin“ 
und in „Sinnenrausch“ von Jusanity wirkt das Urintrinken sexuell stimu- 

lierend, usw. . _ . .. . , . 

Daß das Institut der Ehe kein Hindernis für Personen bilden kann, denen 

ein sexuelles Ausleben als oberstes Gesetz erscheint, versteht sich von selbst. 
Der Ehebruch kehrt deshalb in zahlreichen Eroticis wieder. Aber darüber hin¬ 
aus hat auch die Blutschande nichts Bedenkliches mehr für die Verfasser 



213 



mancher Sotadika. Im Roman „Eros im Bürgerquartier“ geht die Mutter 
ihrer Tochter mit entsprechendem Beispiel voran, vollzieht mit dem Gatten 
fast vor den Augen des Kindes den Beischlaf, verführt die Tochter selbst zu 
tnbadischen Praktiken, und diese ergibt sich wiederum den Gelüsten ihres 
Vaters. Da der Verfasser das Unnatürliche dieses Bündnisses anscheinend 
se bst cirmeht, macht er den schüchternen Versuch einer Begründung: Vom 
Alkohol erhitzt und durch die bewußten Lockungen der Tochter herausge¬ 
fordert unterliegt er der Versuchung. Nachdem jedoch erst einmal die Hem¬ 
mung uberwunden ist, überlassen sich die Blutschänder unbedenklich ihren 
Trieben. Diese Tatsache und der Ansatz zu einer psychologischen Begründung 
findet sich auch bei andern sotadischen Schriften. In „Helencns Zimmerherr“ 
ertappt ein Vater sein Töchterchcn bei verbotenen Liebesfrcuden. Er jagt den 
Partner davon, entblößt dann das Mädchen auf der Kehrseite, um ihm mit 
der Hand eme Tracht Prügel zu verabfolgen. Der reizende Anblick aber, der 
sich ihm dabei bietet, bringt beim Vater die Gefühle des Zornes zum Er- 

Mnr hei \ UI i? T ?" dlC Stdlc dcS davon S e iagten Burschen. In „Josefine 
Mutzenbacher steht der verwitwete Vater seiner noch minderjährigen Tochter 

Ve ehh gU tlg f A1$ " jcd ° ch auf d <™ Polizeirevier von den 

Vor St C, d r T sci,lcr Tochter hört, setzt sich in seiner 

danke viel fT ' ^ u ihm * dertl daS Mädche " »ein Dasein ver- 

als eirFr d §CSta 7 Se, ’- S1Ch “ dcn RdzCn ^ Tochter zu erfreuen, 
BelrTdl!T r l Zn"™™ “ C ’ WährCnd sic Schlaf mimt. Die gleiche 

Ä4ÄS. scinen u,,tsr dcm p “ ud “-’ ^ 

aIlee“S r mut ,T '44 “ " "" 

Mutter is in" Urban gestorb’i, sie ha. a i cs iew f T ,lc ' c1 ' 

in’s Milchfiebe W1C ? m ' rS *" die Scha ™en entbunden haben, 

Ol ’>S u m u quatscht' 1 " Moabit uff’s Jericht hab’s se den 

Fru ht Te ict\e e r e Vf r if“ °“ mdn irdi -Hes Recht, ich kann die 
1 rucht, die ich gesaet habe, auch genießen!“ 

In dem Sotadikon ,,^ r anda cc werden dir* Anco u *r , 

und Sohn vesrhilH^rt- rv Ti ...... e Ausschweifungen zwischen Mutter 

und Sohn geschildert Die Unnaturl.chkeit dieser Vereinigung sucht der Ver¬ 
fasser dadurch zu mildern daß er Hie • tv i i , T sucnt ÜC1 ver 
läßt so rl-ift A\ A/T .r / , ., ‘ lm dunkeln und lautlos geschehen 

'££?*** 2U ”*”*"• Sohn hin- 

‘-eschieht & AZf f ” Hd “™ ^"-«herr“ jedoch 

geschieht die Anknüpfung viel brutaler und bewußt. Der Sohn der von dem 

kiWhct hLT'" MUttCr IT ihrCm Llebhabcr Crfahren *>«, macht ihre 

un^er etht auch “ u n ZU , r Bedin S un § für »ein Stillschweigen 

errucht auch seine Absicht. Das gleiche Drohmittel des Ausplauderns 


214 


seiner Kenntnisse von ihren onanistischen Spielereien gebraucht er mit Erfolg 
bei seiner Schwester und, da ihm seine verderbte Phantasie aus einem Quartett 
viel mannigfachere Genüsse erhoffen läßt, weiß er es so einzurichten, daß 
seiner Mutter der Anblick von Vater und Tochter in nicht mißzuverstehender 
Stellung bezw. Lage verschafft wird. Der Verfasser dieser Schmiererei nimmt 
derartige Vermischung, wenn auch nicht als natürlich, so doch als nicht an¬ 
stößig an, so daß er sich jede Begründung für solche Unnatürlichkeiten sparen 

zu müssen glaubt. 

Daß selbst bei schrankenlos ihrer Sinnlichkeit lebenden Personen die von 
der Religion oder Moral gezogenen Schranken nicht ohne jedes Bedenken 
übersprungen zu werden pflegen, beweist sehr treffend der pseudonyme 
Davcmos in „Eine Meisterin der Liebe“. Die eine der beiden lesbischen Freun¬ 
dinnen findet einen besonderen Reiz in dem Gedanken, den Bruder der andern 
zu den gemeinsamen sexuellen Ausschweifungen hinzuzuziehen. Wenn nur 
Maud (die Schwester) nichts dagegen hätte! 

Aber, wie sollte ich das erfahren? Es war eine heikle Sache. Eines Tages 
saßen wir zusammen im Park. John (der Bruder) schnitt einen zu weit her- 
vorstehenden Zweig ab nnd wir sahen ihn, au. Da faßte ,eh Mut und sape 
Ein famoser Burseh ist dein Bruder! So hubseh und kräftig! Em Gluck ur 
dich, daß du solchen Bruder hast! War er mein Bruder, ich wurde ihn den 

ganzen Tag abküssen!‘ ^ 

■ „So küß ihn doch, wenn es dir Spaß macht. 

;;W^TTm würdet Tes Wie ich machen und ihn nur selten 

"ichtjß'niS'b‘meine Küsse so sehr schwesterlich sein würden. Aber 

jedenfalls würde ich ihn oft liebkosen. 

j j* „i-} Wenn er dein Biudcr wäre. 

„Das trautest u lc ■■■■ twortete „i c ht, und ich fuhr fort: „Nimm 

Ich sah ihr gerade ms Au„e. _ dcm I!ru , : | ir wür de dich zufällig 

einmal an — was naturhe unm D schließen, was würdest du dann 

und durch ein Mißverständnis in seine Arme Schneisen, 

“"Toten wurde ich mich deshalb jedenfalls nicht . Aber das is, ja ganz 
unmöglich! Gegen meinen Willen? Ein ach unmöglich! 

jN^e" “trlThüb^her Bursch - aber schließlich 

iS Und d der Z ^ „tÄTÄ 

Ron“ der "Freundin tmlu''Nachdem die allerdings nur sehr schwach ent- 



schrankenlos dntnder e Wn. kCn ^ beSCUlgt Sind ’ gebcn dic Geschwister sich 
In der ,,Josefine Mutzenbacher“ erhälr cUn Ti»- iu u* -i 

ti E t h „ r “r b: s „ d „d Cr Licb s skun r d r h ihrc: ” m ^ 

ES sind di°VZhen f! T ?' 8 "»■> hier kaum sprachen. 

dürft vorn frühen Morgen hi, slc . slch f “ r des Leibes Nahrung und Not- 

n ‘ cht erotische VarSlIrte auth'deh uTl dC '’" “ 

in e , l iHurengesp < rächc“ 2 ganz b sach| S ich C und lat ‘ Pfeifer ^fHcinrich^Zillc) 

schütternden Weise geschildert w " Wegen dieser Sachlichkeit er 

begünstigende Moment hinweicr ( Cnn ^ Sozia * e Milieu als das vor allem 
heißt es: eU1Cr dieser Bcicb ten von Freudenmädchen 

"* dd ", LiAs “ « «ein Bruder, „e wecste 
gekomm? dC '’ Fl " SCr aus d '" Mund! Wie biste denn dadruff 

Pauiine: U„ wenn schon! Der sehad ja nischt, det wird ja wieder abje- 

wischt! Warum soll ich mir mit 
neu faulen Luden rumbaljen un’ 
um die Nase ferzeln lassen ! Orje 
war mir schon als Junge jut, wir 
tmgen schon kleen an det Pißzeig 
zusamm zu stecken. Det is ja 
[ic hätt n wir nich so dreckig 
jewohnt un wer’n nich so arm 
jevvesen, dann war woll manches 
an ers jeworden. Na, wenn ick 
noc so dran denke, Amalienstraße 
ms Scheinviertel. Den janzen Tag 
war n wir alleene, die Oll’n jingen 
arbeeten, ick kochte den Fraß un 
hatte die Kleen uff’n Halse...« 

• i." ^ 0t tldtt der Nachahmungs- 
tneb der frühreifen Kinder, die 
ie at umsetzen, was sie von 
eleu Großen fast tagtäglich Z u 
beobachten Gelegenheit haben. 

, e .? en leser durchaus wahrheitsge- 
maßen Milieuschilderung, die kühn 


Ä| M® 

d , I I, ' 

Vf J 




Otto Schubert: 

Die Heirat der schönen Imperia 


2IÖ 






















aus den trübsten Tiefen des Lebens schöpft, 
kann man die „Hurengespräche“ Zilles 
und „Josefine Mutzenbacher“ keineswegs 
verächtlich nur als „typische Erotika“ 
abtun, sondern muß diese Erzeugnisse als 
ungeschminkte Sittengemälde auffassen, 
denen ein größerer Wert innewohnt, als 
den „Memoiren einer Sängerin“ und ähn¬ 
lichen Produkten. 

Die beiden Erotika „Le bain d’amour“ 
par Le Bordelais und „Die Erlebnisse der 
schönen Rosine“ (identisch mit „Edmees 
Ausbildung zur Demi-Vierge“) schildern 
beide die erotischen Eilebmsse, die eine 
geschiedene Frau mit ihrer Tochter im 
Backfischalter hat. Die Mutter selbst gibt 
sich in Gegenwart ihres Töchterchens un¬ 
eingeschränkt ihren Liebhabern hin und 
läßt dieses selbst an denOrgien teilnehmen, 
unter der Bedingung, daß die Jungfern¬ 
schaft bis zur Eheschließung dem künfti¬ 



gen Gatten erhalten bleibt also die typi Illustration von M. Pilles, zu Balzac’s 
sehe Erziehung zur Demi-Vierge. Interes- »Contes drölatiques« 

sant ist die Begründung, mit der Rosinens . , , a .. 

Muccer ihre aufkeimenden Bedenken beschwichtigt. Sie nimmt wahr, daß ihr 

Töcliterchen mit ihren 13 Jahr“ bcrc ' ts f hr fr " hr ' lf 'J?. , 

Bei ruhigerem Nachdenken kam sie indessen zu der Überzeugung, daß das 

Töchterchen schließlich nur der Mutter nachartete die ja auch schon ,m zarte- 
s te„ Alter der Venus die ersten illegitimen Opfer brachte. Immerhin war Vor¬ 
sicht nötig, einerseits, um dem Prozeßgericht (vor dem ihre Scheidungsklage 
schwebt) keine Veranlassung zu einem ungünstigen Spruch zu geben ander¬ 
seits um das Kind vor ähnlichem Mißgeschick zu bewahren wie es ihr selbst 
widerfahren war. Das Geratenste schien eine vernünftige Aufklärung durch 
welche Rosine die ihr in der Großstadt drohenden Gefahren vermeiden und 


Anderseits denkt die Mama nicht daran, ihren Neigungen irgendwelche 
Zügel anzulegen, und es könnte ihr dabe, nur gelegen sein, um allem Klatsch 
aus den, Wege zu gehen, ihre Tochter stets bei sich zu haben. Sie schlag, da¬ 
durch zwei Fliegen mit einer Klappe, wie sie meint, da sie zudem noch ver- 
hindert, daß das frühreife Mädchen auf Abwege gerat. 


217 


In Nerciats „Mon noviciat“, in Varauses „Lüsternen Schwestern“ und im 
,,K osterpfortner“ gibt sich die Mutter vor den Augen ihres Sprößlings ihren 
lebhabern hin. Im „Klosterpförtner“ sucht sic sogar den eigenen Sohn zum 
Beischlaf mit ihr zu veranlassen, was dieser aber, da er noch nicht ganz ver- 
derbt ist ablehnt Auch m „Tip-Tap, Miß Callipygas Abenteuer“ hält natür- 
hche Schamhaftigkeit die Aktrice ab, sich ihres Bruders zur Stillung ihrer 
Begierden zu bedienen, obgleich dieser es darauf anlegt. 

Dieser Rest von Schamgefühl findet sich jedoch nur selten. Wenn der eine 
Elternteil den vielversprechenden Sohn oder das geile Töchterchen in einer 
verfänglichen Situation ertappt, so bilden die darauf folgenden salbungsvollen 
Worte oft nur den Auftakt zu einer in glühenden Farben geschilderten Orgie. 
Der Tade ist nur scheinbar und lediglich eine Konzession an den guten Ge- 
schmack, keineswegs ernsthaft gemeint. 

1 FÜr i- e ü’. de T diC alt , Überkommenen ßegriffe von Sittlichkeit noch nicht über- 
egen lächelnd zum alten Eisen geworfen hat, öffnen sich blitzartig schreck- 

e bgrunde, und unwillkürlich drängt sich jedem Leser die Frage auf, ob 
ie Situation tatsächlich dem realen Leben entnommen oder Phantasiepro- 

ihauuT, eS T T" , E - 0t i k T S $ind - Im all S emei nen kann man den An- 
uungen Franz Blei s beipfhchten, wenn er (im B. T., Nr 604 v ix De¬ 
zember 1926) ausführt: 4 3 ‘ 

rischen Erfth, P ° rn ° §raphie a § ierenden P^rsonagen entsprechen keiner empi- 
^heinbaf dne^sS-T “T -T U "*™*eidung Namen; haben nur 

wedlt “Ie 

Erotik ausmacht. Alles, was sic ^disch" '"' d Rclcl ’ mm <kr mittelbaren 

schlägt, das stellt die Pornographie in den sexüelleT'Akt" de"? 1 '" 
phantastische Hypertrophie bekommt, die ihr Pendant! 1 daV ° n T' 
Schundroman hat, der jedes sinnliche Moment bi! auf d vT Sentlme L 'T 
Allein diese gewiß recht klugen Worte e - ’ • en unterschlagt, 

treffen doch immer nur fürden KC '’‘’"' S ^ M “'“ 
auf den Markt geworfen wird und ehe . u n ^ Massenware, die schnell 

unter den pornographischen Produkte,künsd ""’h" a!''’ 

Hin» d” äü acl,er :’ john cieia " ds 

„Trois filles de leur mSe» A " We " du "8 er¬ 

setzen (z. B. „Priaps Normalschule», „Ernst' und Mhette' )Z 
“ anerkennenSW ' rKr L0 S lk sveiterfiihren (z. B. „Venus in l!ie„») mS lüch 
2l8 



Anton Masser: Schwestern II 

219 




den tragischen Abschluß kennen (z B Le nnrnW Lc r-i „y ,, 

ff“" Konsrruk.ion, bei de, ledigM iieXj 

Verfassers m.t schmatzendem Behagen Pate stand k,„ n Vf, 
Kr*i oll«« i 7 • • . o 1 1 ‘Ilc scancl, kann man demnach nicht 

Sie ihren „ich, Z u u„,ersehnenden Werf Ä»1 „rf^ I i", 
solchen Nach,sei,e„ des Lebens „ich, v^bflhen dc t tr'd 7 “ 

lytische Betrachtung bieten die genannten fu (' f d ' C pSych ° ana ‘ 

Erotika Tonnen Gifrc sein (s. sind es X 

leidenschaftslosen Forschers werden auch sie heil ’ : b dCr Ha " d CmCS 
Menschheit wirken. heilbringend zum Wohle der 


freMich di — s «ndp u , lkt 

frei fa,stellen lassen, kein ImpcenXXl, 



scher Machwerke seine 
verlorene Jugendkraft zu- 
riiek (und geschähe dies 
wirklich, wer würde das 
beklagen?), kein Sittlich- 
kcitsverbrccher fühlt sich 
durch eifriges Studium ob¬ 
szöner Schilderungen ZU 
seinem asozialen Treiben 
hingerissen — was tut’s? 
Die Gesellschaft rechnet 
eben aus vorgefaßter Mei¬ 
nung mit der Möglichkeit, 
die sie der Realität gleich¬ 
setzt. 

Schließlich würde man 
sich allenfalls noch mit der 
verhaßten starksinnliche 
Tendenzen verteidigenden 
Literatur abfinden, wenn 
lediglich normale Liebes- 
etätigungen Gegenstand 
ihrer Schilderung wären 
und Perversitäten ausge¬ 
schaltet blieben. Der natür- 


Wilhelm Wagner: Bar im Bordell 


lieh fühlende Mensch empfindet ja jede Abweichung von der durch den 
Sittenkodex gezogenen Normallinie unangenehm und verhält sich mimosen¬ 
haft abwehrend. Noch stärker wird die Antipathie, wenn es sich um Dar¬ 
stellung erotischer Beziehungen zwischen Mensch und Tie> handelt, gleich¬ 
gültig,"ob literarische oder graphische Behandlung Gegenstand des Anstoßes 
ist. Man kann das begreifen, man kann es billigen, abci man wird sich 
hüten müssen, diese sexuellen Ausschreitungen einzig und allein auf das 
Schuldkonto der modernen erotischen Literatur zu setzen. Denn tatsäch¬ 
lich ist die Schilderung der Wechselbeziehung zwischen Mensch und Tier 

uralt. . , 

Man denke nur an den Verkehr der Semiranns mit Hengsten, den die Sage 

ihr zuschreibt. Hatten doch weiterhin, ganz abgesehen von orientalischen 
Völkern schon die alten Griechen in ihrer Sinnenfreudigkeit den Götter¬ 
vater Zeus unter verschiedenen Verkleidungen und Verwandlungen, u. a. auch 
in Tier-cstalt seinen erotischen Abenteuern nachgehen lassen. Als Schwan 
nahte er°sich der Lcda im Bade, was Correggio und viele andere so entzückend 
dargestellt haben,-'' 4 ) als Stier entführte er Europa, als Drache gesellte er sich 
Olympia zu Ein Drache bewacht gleichfalls die gefesselte Ariadne und, wenn 
auch hier die erotische Grundtendenz nicht so klar zutage tritt, so erscheint 
sie doch in der eifersüchtigen Wachsamkeit des Untieres wenigstens angedeu¬ 
tet. Des Minos Töchterlein entbrennt in Liebe für einen Stier, und in dem 
Märchen von „Amor und Psyche« des Apu ejus reden die Schwestern der 
Psyche ein, daß der Gott, der sie allnächtlich besuche, eine schreckliche 

^Auffallend ist bei den Alten die Vorliebe für Ziege«. Wenn wir Plutarch 
glauben dürfen, war die Sodomie mit diesen Tieren ein weitverbreitetes La¬ 
ster Es liegt aber kein Grund vor, gleich mit einer Verurteilung bei der 

Hand zu sein Vielleicht haben wir es bei den antiken Darstellungen von 
i-iand zu sein. . . Arf religiöser Verehrung zu tun, so seltsam dies 

Zicgn und Mensch m« T" X c h d“ an zu cri "" ern ' “ G °" Pa " 
auch klingen mag. Man bra ^ ^ ^ dne Vereinigung von Weib und 
einen Bock sich ver . symbolisierenden Akt der Vermischung 

B ° Ck M dar8 r < VconZZ Bekannt jst jedenfalls die Gruppe „Saryr und 
von Mensch und krummem von Herkulanum aufgefunden wurde. ~*) 

Ziege«, die unter den Darstellung dieser Verbindung jedoch nicht. Sa- 

So kraß im Effekt 15 d ^ ufe zwisc hen Bock und Mensch. Bock und 
tyren bilden ja eine Zwiscnensiu 

Ziege würde also ganz " a ™^ tel fy" gen der Antike möglicherweise ein reli- 
Liegt also bei solchen profaner Verwässerung zugrunde, wobei 

giöses Motiv, allerdings er • weCTS a ls abstoßend oder geschmacklos 
die sodomitische Vermischung k Mittelalter unter dem Einfluß der 


221 



päpstlichen Scholastik die Anschauungen bereits so wesentlich ^wandelt 

*c ÄSÄ ^ keine £?£ 

Hdd „um '££ rktt e“ S , ,7 ^ ha . r ‘T K ™ pf ‘ «» 
der Verfan,.,„h„;r i e l ’ E plotzllchcr und definitiver Bruch mit 

ter und "Halbst,er wer? " ' "7 gliche "- Ei " Teil der heidnischen Göt- 

der andere Ted dagegen als Prinzip«!*" Heiligc übernommen, 

0 egen als 1 nnzip des Bosen gebrandmarkt, wie es eben für 



die Interessen der Kir¬ 
che am zweckmäßig- 
sten erschien. Zu die¬ 
sem verfemten Teil 
gehörten Pan und die 
Satyrn, die als „teuf¬ 
lische“ Wesen dem 
Abscheu der Gläubi¬ 
gen preisgegeben wur¬ 
den. Auch der Teufel 
erhielt nunmehr in der 
sinnfälliger Darstel¬ 
lung bedürfenden Ein¬ 
bildungskraft der 
mühsam zum Chri¬ 
stentum Bekehrten 
ßocksgestalt, Hörner 
und Klauen. 

Die sinnenfrohe Da¬ 
seinsfreude Jedoch, die 

r.. .. \ 5 

für die Antike so be¬ 
zeichnend ist, mußte 
einer muffigen, lebens¬ 
feindlichen, weitabge¬ 
wandten Bigotterie 
m, im Jenseits sollte den die Ge- 
rlückseligkeit erwarten. Freilich 
Verlangen der Gläubigen nicht 
^schuldete Dauerrückfälle. Na- 
im Spiele und bediente sich in 
Temperaments der Weiber, um 
Un f von Teufel und Weib als 
andsunfähigen Mann setzte sich 
1 eigene Machtlosigkeit einsehen- 


222 


den Klerus fest, und es war nur ein Schritt bis zu der Einschätzung des Weibes 
als eines mit übernatürlichen für den Mann verderblichen Kräften begabten 
Wesens, als Hexe, deren sinnliche Glut an dem geschlechtlichen Verkehr mit 
irdischen Menschen kein Genüge mehr fand, sondern ach den Teufel zur 
Buhlschaft erkürte. Hatte der Gedanke erst einmal Wurzel geschlagen, so 
bemächtigte sich auch bald die von der Kirche abhängige Kunst des dank¬ 
baren, die Phantasie beflügelnden Stoffes und schuf den Teufel als Bock in 
fleischlicher Vermischung mit seiner Buhlm dem Mensehenwe.be, und d e 
Kirche förderte diese sie unterstützenden Schöpfungen durch deren öffent¬ 
liches^Aushängen in Kirchen und geweihten Orten, bis auch der Har gesot- 

Sm als t nS Haue" und Mädchen in Gestalt eines geilen Bockes lastet- 
D . • i T)nr Hcxcnbainwicr* (Malleus maleficarum) der 

liehe Unzucht zu treiben. Der <ief eingewurzelte» Glau- 

Sprmgcr und Iristitom iaci c . Sc |, e ; ter hnufen flammten allerorts auf, 
ben in ein regelrechtes System ndd e Schium vermeintlichen Buhlen 

um im Feuer, dem Element des ieureis, ui 

für immer zu überliefern. -kexpwirtschaftet hatte, kehrten moderneren 

Nachdem der "Äer S - der antike; Auffassung zurück, 
Anschauungen huldigen , Geilheit im sexuellen Verkehr mit den 

??? Weibern darzustellen. GUlray, 

die höchste Stufe de . be j iente s i c h dieses Motivs, um im An¬ 
der bekannte englische. Kari* » ^ ^ Mcssa li na i n der Umarmung 

Schluß an eine zeitgenossisc Diaz> um die ins Maßlose gesteigerte weib- 

eines Bockes zu zeigen, ) ■ ■ an p e Poitcvin behandelt in seinen 

liehe Libido in das rcch “ j^j « auf 'dem Blatt „Sturm bei der Vertei- 

lang von Priaps“ den ^ geschild ert. 

Chemiker Aimam als g • Vorliebe der Künstler und Literaten für Koha- 
Fucbs sucht, diese auffa i„ ^ Entwertungstendenzen verfolgenden Ab- 

bitationsszenen mit Tieren aus das zut reffen. Ganz allgemein jedoch 

sicht zu erklären. In vie eri «‘ nic ° ht au f e i ne so einfache Formel bringen, 

läßt sich das künstlerische Einigung gelangt, welches von den beiden 

Auch jetzt ist man noch zu Vergnügen beim Koitus empfinde, neigt 

Geschlechtern das größere sinn 1 , ° W egen der physiologischen immer- 

jedoch mehr zu der Ansic t, ‘ von der Natur verschwenderischer 

währenden Bereitschaft des Mann vielfach die Segel streichen. Seine 

begabt wurde. Neidvoll mu Vorzug als einen Makel zu deuten und, 

verletzte Eigenliebe sucht nun, ein ste ii en d en Künstlers, findet er sich in ver- 
je nach dem Temperament cs ‘ ab Sein Minderwertigkeitsgefühl 

crViiVrlpnpr Weise mit seinem 1 w _..„iVJrr*» 711 pinpr nbsicbtlichen 


223 





Degradierung des Weibes gelangen. Oder aber, er setzt sich in humorvoller 
eis. mit einem nicht zu ändernden Naturgesetz auseinander. 

Bewcre l rund - Alsda "" eine unbewußt „mso- 

veTenz und f'h 7 'T Ac ™' sin,,lichcn Verlangen des Weibes Re- 

zu Die Wu!sch n b T w 8 “"; S ““ K " OT Em P fi " d “"8en neue Nahrung 

Z£nZ:J P JTä “ K r ÜCrS VCrStCi8t Sich zu d “ restlos befriedi- 

ehesten Tn di r ? 'T f S rSIW PoKnz behenden Tiere am 

ehesten der Lage seien, der gewaltigen weiblichen Brunst Genüge zu 

Schheßhch kann der Künstler unter möglichster Ausschaltung des sinn- 
hchen Fluidums den Vorwurf weiblicher Sodomie lediglich ästhetischen 

^fitt:vT n L7 Wm 'd Man et nkc 

wenn "“TTusfähry “* *“ Sd "'““~> D “ «*»"* auch Fuchs an, 

als”bcfde S n Indern“ T U ^ m0tiv Um die “ P™alpiell andern Ziele handelt 

niaii die sämthchenTs r ^ C8attUn8SSZenen ’ in dic A “8cn springend, wenn 
man aie sämtlichen hier von mir vorgeführten r;uu a i„„ . n • 

einander vergleicht. Es ist unbedingt das Stad um J fl b ’T h ‘" 

ÄSrär h°Tr s h r Wdb - £ 

findlichen Ledagruppe'^gestaTtet ha! Geflßf“^“ dUC f "1 •TT'“ 8 '’,'' 
wo das Ledamoriv a ^ es auc ^ solche Beispiele, 

gehren des Weibes zu gestalten!* SolctaD ” 1l’ daS ausschweifcnde Liebesbe- 
und das große Gemälde „Leda die Sch U " SCn S '? d Z> B ' die von Ba y ros 

fallenen Malers B Berncit 7..,' • ■ azanan ' ,vur 8 enn ‘ des im Weltkrieg ge- 

des Weibes dLes^ aber V!I 'f,*" Fälle " cb “ falE d « Orgasmus 

sehr als Gesam erTebf dt Lf t ™ d <="' so 

Erlebnis der Vulva/' ? M “ ,scl “ n " S0 " de ™ vielnachr als ein bloßes 

nitt e z r ;Stettrdat 2t” M 7 d “ Darstellungen 

nicht das Weib und dessen Emnt daß in " icht sel *nen Fällen gar 

lers gegeben ^ f ^ Werke Künst- 

sung vorzutragen, das Wohlgefallen an d ^ MotIV 111 ncuer Fas ‘ 

am obszönen Witz, die gern ergriffene rM er0t ‘ Scben Sltu ation, die Freude 
Zügel schießen zu lassen die Verliel th • ^ e ^ nheit » mit williger Laune die 

und schließlich handwerksmäßige Ausf”h emen absonderliche n Gedanken 
träges. erksmaßige Ausführung eines genau umrissenen Auf- 

Radierungen von Woher Khmm^D^Th^ J«, Weibes ««standen sind die 
Hier überliefert sich dt wTb A B E / bsunde '‘‘(Weimar, Bruno Wolbrück). 

Mitbewohnern des Paradieses: deL Hengst Stier" I! rSchl ® de " sten tierischen 

em Hengst, Stier, Ziegenbock, Wolf, Eber, 


224 


Panther usw. Die unbändige, nicht zu stillende Brunst des Weibes, das vom 
Teufel verpfuscht ist, soll hier anschaulich vor Augen geführt werden. Klemms 
Bilderfolge muß als der kühnste Versuch angesehen werden, das Weib als das 
Urprinzip der Sinnlichkeit der Verachtung des Männergeschlechts preiszu¬ 
geben, um dessen Minderwertigkeitsgefühl in puncto Sexualität zu absorbieren. 

Zahlreiche Künstler versteigen sich in gleicher Weise, die Liebesbeziehungen 
des Weibes zu Tieren auf zahlreichen Blättern zu verewigen. 

„Man begegnet in den betreffenden Bildern der letzten dreißig und vierzig 
Jahre allen Haustieren: dem Esel, dem Pferd, dem Stier, dem Eber, dem 
Ziegenbock, dem Hund, dem Kater, ja sogar mitunter dem Hahn. Man be¬ 
gegnet weiter den verschiedensten Tieren des V^aldes und selbst denen der 
Wildnis: dem Hirsch, dem Reh, dem Wolf, dem Marder, dem Löwen, dem 
Zebra, dem Elefanten, dem Rhinozeros, dem Panther, dem Affen, dem Bär 
usw.; von Vögeln außer dem Hahn dem Phönix, dem Strauß und dem Pin¬ 
guin; von dem kreuchenden und schwimmenden Getier der Schlange, der 
Eidechse, dem Aal, der Forelle und, daß der höchste Aberwitz nicht fehle, 
sogar dem Ichthyosaurus, der doch schon längst ausgestorben war, bevor der 
Mensch die Erde bevölkerte. Zu alledem kommt noch eine ganze Anzahl rem 
aus der Phantasie geborener Tiergestalten, die dann immer eine besonders 
stark entwickelte Männlichkeit repräsentieren. ) 

An der Spitze rangieren der Affe und der Esel. Fuchs' ) verweist auf eine 
Serie „Im Gorillakäfig“, in der ein anonymer Künstler diesen Riesenaffen 
als den potentesten Liebhaber in einer Reihe von Aquarellen schildert. Auch 
Rops und neuerdings Michl Fingcsten erwählen sich dieses Motiv 

In dem Erotikon „Die lästeren Schwestern“ von Maurice Guy Vicomte de 
Varause (Leipzig 1910 , S. 84 ff-) erzählt die Oberin des Klosters von ihrer Gro߬ 
mutter, einer adelsstolzen Dame, die aus zärtlicher Besorgnis für ihren Schim¬ 
pansen ein armes Bauernmädchen engagiert, das dem Tier in jeder Beziehung 
zur Verfügung stehen muß. Auch die Gouvernante des Zöglings finde an 
dem Tier Gefallen und gibt sich ihm hin. In Mussets „Gamiani, ou deux nuits 
d’exces“ erzählt die Tribade Gamiani, unter der angeblich George Sand zu 
verstehen ist ihrer Freundin Fanny und dem Liebhaber, wie sie zu ihrer per- 

Versen^ Neigung gekommen i^ eleeHicken 

27SS Slirch^ÄÄch. von dem Anblick de S Tieres 

errege, sicb .bm bingegeben. >» l “ 

worden und man hätte sie in ein Kloster ^csu-civi. * 

worden, una man na worden. Sie berichtet dann von einer 

Strudel der Ausschweifungen gezo. Bc „ icrdc unter den Kloster- 

Orgie der Nonnen, wehrend der sie s, h . Ziehen lassen. Müsset 

esel gelegt und durch diesen d “ ® S “ a f haben . de n „Memoiren 

selbst soll Zeichnungen zu diesem Sujet angetertv 

225 

15 










einer Sängerin die ohne jede Berechtigung der bekannten Schautpiclcrin 
2 n"“ Schr ^ er - Devneru ^geschrieben werden, wird von solchen cr- 

einem M- c,^ 8 “"' 1 ' geWCSCn ’ wie sic vo " cil ' cm G °'•«*. 

nem Neufundländer und schließlich von einem Hengste sich bedienen läßt. 


Nach anderer Version 
stammen diese Zeichnungen 
von Grandville oder von 
Deveria und Grevedon. 

Schon Apulejus hatte in 
seinem Roman „Der gol¬ 
dene Esel“ (wie vor ihm 
schon Lukian von Samo- 
sata) dieses sympathische 
Tier bei einer lüsternen 
Dame in Aktion treten lassen 
und die Situation höchst an¬ 
schaulich geschildert. 232 ) 
Auf einer römischen Lam¬ 
pe" ’) ist der Vorgang fest¬ 
gehalten, und noch ein neu¬ 
zeitlicher Künstler, Max 
Blondat hat ihn in seinerwun¬ 
dervollen Skulptur darge- 
stellt.“ 1 ) Das gleiche Mo¬ 
tiv mit dem Esel verwendet 
auch Voltaire in seiner 
„Pucelle“, wo der Teufel 
in Gestalt eines Esels die 
Jungfrau vergewaltigen 
m . . Es gelingt ihm auch 

us ration zu einer Ausgabe von Voltaires »Pucelle« schließlich. In Nerciats 
aus dem 18. Jahrhundert Erotikon „Le diable au 



potenter Esel eine sehr anstrengende Rolle c ® rps<< spielt gleichfalls e 
Boccaccios amüsante Geschichte von Gevatter P«erY“ Ver§CSSen j* “ c 
sein Weib bei Tag ein Esel des Nsrhr r • 1 ’ der SO gern wolIte > da 

sich erweichen befahl demTnl 1 l attln sein sollte. Der Gevatter lie 

alle Körperteile, vom Kopf angefang« Als^f'T ^ beZauber ’ 

aufsetzen wollte bekam es der R U & •* • j a ^ Cr ^ em ^ er k die Kror 

den Zauber. Gravelot zeichnete ei/hübXs BildcS'n 1“ ‘ 

in Lorenzo Vemeros unflätigem Pasnm'll t * ' 

natigem 1 asquill „La puttana errante“ muß zi 


22Ö 


I 








Abwechslung ein Bulle die von Stadt zu Stadt ziehende Hure, welche zur 
urenkomgin avancieren will, bedienen. In Straparolas „Ergötzlichen Näch¬ 
ten vertritt ein Wildschwein den Liebhaber, im Märchen verwandelt sich 
der Froschk on.g, der zur Königstochter ins Bett schlüpft, um der Liebe v U 
pflegen, in einen schönen Prinzen. 230 ) 

zi=tonif 0lSe T DiCht !. r U " d ^ hriftSK " er «■'schmähen es nicht, erotische Be- 
t chunge, zu Tieren darzustellen, wenn sie sieh davon eine künstlerische Wir¬ 
kung auf ihre Leser versprechen. Freilich sind es dann „ich, die mark,san¬ 
ft 8 b H/" Scw ° hn l hohen Pornographika. Das Verfänglichste wird durch 

Bedenklich daß ma " “ bcr dcr K “"“ Darstellung das 

haften H J T" ' VCr8il!t ' erzählt in einer meiste,- 

aften kleinen Novelle wie ein Mann von dem Erkalten der Neigung seiner 

daß ihre"T SC h m ' r21Ch wirA Er mcrkt a " verschiedenen Anzeichen, 

daß ,kre Liebe einem andern Wesen gehört. Das erscheint ihm um so uncr- 



Keusch: 

»Siehste, Fred, Frauen gibt es auch noch!« 
- »Frauen??? Kann man die saufen?« 

Zeichnung von Godal aus dem »Ulke (Berlin) 
228 


klärlicher, weil er mit ihr völlig ein¬ 
sam lebt, und in weitem Umkreis kein 
männliches Wesen zu finden ist. End¬ 
lich sieht er einesTages zu seiner grö߬ 
ten Bestürzung, wie sie beim Anblick 
seines Reitpferdes in ihm nur zu wohl- 
bekannte sinnliche Zuckungen gerät, 
wie die Lüsternheit ihr aus den Augen 
blitzt und sie in heißem Begehren die 
schaumbedeckte Schnauze des Pferdes 
küßt. Voller Zorn tötet er das Pferd 
und die Geliebte. 

Auch in Octave Mirheaus „Badereise 
eines Neurasthenikers" (1902) wird in 
der Prinzessin Karagnina eine Perverse 
geschildert, die eine eigentümliche „Lei- 
enschaft für Tiere" zeigt, besonders für 
Hengste und sie mit offenbaren Zei- 
c en einer sexuellen Erregung liebkost. 
Balzac behandelt in „Une passion dans 
e Desert" die Leidenschaft eines Man¬ 
nes ür einen Panther . Das ist übrigens 
der einzige mir bekannte Fall, in dem 
die Zoophile eines männlichen We¬ 
sens literarische Behandlung erfuhr. 

onst wird stets die Frau in sexu¬ 
elle Verbindung mit Tieren gebracht. 


I 


Zahlreicher aber als 
alle die genannten Tie¬ 
re finden Hunde und 
Katzen künstlerisch 
wie literarisch ihre 
Darstellung in eroti¬ 
schen Situationen. Be¬ 
sonders das Rokoko 
liebte dieses Inbezie¬ 
hungsetzen und hat die 
bestimmte Rolle, wel¬ 
che SchojShündchen als 
Bettgenossen raffinier¬ 
ter Lebedamen spielen, 
ziemlich oft aufge¬ 
deckt. Ein jeder kennt 
wohl das reizende Ge¬ 
mälde von Fragonard 
„La Gimblette", nach 
den Worten des Barons- 
Portalis „la ravissante 
inconveiiance“, wo das 



süße Madel in dch- von Fran5 ois Bonnet, gestochen von Chevau 1780 

kater Lage mit dem Pu- 1 

EinenNachahmerfandrrago Grand . C art=ret die Abbildung eines 

m der franzostschen Kar.katu. b. . Mädchen crfreut 

Stiches aus der Revolutionszeit „zai spat 

““ ländlicher Einsamkeit der Aufmerksamkeit eines Spitzes, wahrend 
, T ,fY . ,• ter einem Baume das reizende Schauspiel resigniert be- 

Künstlern hält Lmw « die g.eiebe Situation des 

* T ÄT“"müX unsicher* machende Tänzerin Lola A/ontez, 
deren Unersättlichkeit in puncto puncti ;a stadtbekannt war, mußte sich ge- 
falle" lassen, als nimmermüde Mänade dargestellt zu werden, wie sie durch 

S 1mXn.“üolti J die ^Xgaknln'StXn dafsch"oß 8 
„.fallt, durch sein lautes Kläffen die «„geschlafene Schone zu e muntern oder 


229 







Heiligtum des Mädchens Wache zu halten.“ 1 ) Viele bekannte Namen kehren 
hier wieder, Namen, die einen guten Klang haben: Boucher , Fragonard, Huet, 
von den Neueren: Walter Klemm, Scheibenberger (i. e. Otto Schoff), Raphael 
Kirchner, Max Frölich u. a. 

Unter den Rassen, die zur Befriedigung des erotischen Triebes beim Weibe 
dargestel t werden sind der Mops, der Spitz, der Dackel, die Bulldogge, der 
eufundlander und der Windhund vertreten, nicht wegen ihrer größeren An¬ 
hänglichkeit, sondern je nach der Beliebtheit, deren sich die einzelnen Rassen 
von Zeit zu Zeit abwechselnd erfreuen. In der Volksauffassung ist die alte 
Jungfer von ihrem Spitz oder Mops unzertrennlich, und wohl nur literarisch 
werden sexuelle Beziehungen jungen, also anziehenden Mädchen angedichtet, 
so daß erst dann Gauners L.ebesklage „Ihr Hündchen“ in dem Halberotikon 
„uas Hündchen der Marquise“ zu verstehen ist: 

Indessen tut mein Hund, was ich nicht wagen darf, 

Melampo fugt sein Maul zu deinem zarten Munde,' 

Du gönnst ihm manche Lust und angenehme Stunde 
Nur gegen mich bist du so scharf. 

Hat meine Liebe denn nicht einen bessern Grund’ 
öoll eine Bestie mein süßes Ziel verhindern? 

Ach halte mich doch nur, um meinen Schmerz zu lindern 
Z.um wenigsten wie deinen Hund. 

einer Sängerin“ wird ausführlich geschildert wie" die ^ 0t ' ko ” c " 

durch das Schlüsselloch ihre Tante beobach t 1 h u c°',’T 

hund bedienen läßt. Sie wird dadurch zur Nuchei V °" m J 
verhilft nach gehabtem Genuß dem Hund ™ ” , T 8 an 8 e! P ornt und 

el 0 eTs n aü’at US den 

recht den Akt an Tel, 'TflziTe'iTäT Ti d“'^ T'" N ' ufundländer rt » ck 
Bürgerquartier“ von Erneste Uuveau »oue^Tg^T"“ T’ ” Er ° S 
dame in einem Cafd mit ihrem DaclS N hd ’ ^ S ' d ’ C, ' ,C Lebe - 

Liebhaber, der sie natürlich wiedefTbei 

TTdlrTn PudT C e t ' , S den °*" dt Dami nS- 

falls sich als „Liebhaber“ betätigt""' D ° S8C Al<t '° n ’ Wobd le,ZtCrC cben ' 

niSSS' S ritiT 

’ e ighch der ganze Zusammenhang drückt die Idee 

230 


des Künstlers aus. Da die Vulva im Volksmund vielfach als „Kätzchen“ be¬ 
zeichnet wird, gilt dieses regelmäßig als Symbol des weiblichen Venustempels. 
Huet z. B. zeichnet ein hübsches Bildchen, in dem ein Mädchen seine intimsten 
Reize in einem Spiegel beschaut, während ein schmeichelndes Kätzchen um ihn 
herumschleicht. Ferner wäre die nackte Katzenverkäuferin zu nennen, die in 
der Mitte des vor sich gehaltenen Tragbrettes eine schwarze Katze tragt und 
damit andeutet, daß der vorzügliche Reiz der Schönen dem Zahlungskräftig¬ 
sten zur Verfügung steht.“-) 

In der Literatur wird die Benutzung von Katzen als Lustobjekte so gut » 
gar nicht geschildert. Nur Friedrich S. Krauß bringt in seinen , Anthropo- 
phyteia“ eine Anekdote, in der erzählt wird wie ein Bursche s ‘* V” den 
Krallen des Tieres schützt, indem er es mit dem Kop e in einen Stiefelscha 
stecke. Auch die „Memoiren einer Sängerin“ beschreiben umeOrgie italieni¬ 
scher Mönche, der die Erzählerin mit ihrem Liebhaber beiwohnt. 

überall Wechselwirkung zwischen Mensch und Tier grob-s.nnl.che und 
ästhetisch-verfeinerte Darstellung einer Sexualität, die solcher Reizmittel b. 
darf um überhaupt noch zu reagieren, oder auch nur eine ungezogene 
Künstlerlaune ist L Hebamme eines wilden Sprößlmgs an einem gesunden 

Stamm. Vielfach 

" U iedenhjlfer'ibt' S sich Ts den vorstehenden Ausführungen der unwiderleg¬ 
liche Schluß, /aß bei der 

durch unbestreitbar ernst 2U "'^ "s den Verfertigern erotischer Li- 
Ausschlachtung derartiger Mo is[ Man muß audl bei aller 

teratur als unverzeihliche M order liche Objektivität wahren, 

begreiflichen Antipathie dochid ^ (w£nn man von Bibliophilen-Nei- 

Tatsächhch kennt man auna ^ Sittlichkeitswächter, denen jede 

gungen ganz absieht) die ücht - nug se i n kann. Keiner hat sich 

Art Literatur nicht keusch ^ Geschmack der Verfasser von Por- 

bisher der Muhe unterzo , ^ Meinung> daß Pornographien immer 

nographien festzustellen. D => d r entsprechenden Produktion 

schlecht seien und der G«d.J^Jlen beiseitestellen. Andernfalls ge- 
schon von selbst ergebe, ma 0 } . d Pornograph arbeitet nach 

langt man zu keinem unp*rca,sc hen Umil^.Jed, ^ ^ ^ ^ 

Vorbildern, die seiner Neigun» klit se | [en crr [ c htct er diesen für ihn 

schmacksrichtung auch die seine • eigenen Schrift, setzt sich mit ihnen 
geltenden Mustern ein Denkma 11 grodka vermag dem Wissenschaftler 

auseinander, und die Zitierung an , - isc ^ en Schriftsteller und ein bes- 

einen Einblick in die Ps y che .^ r P weise ° V er S chaffen. Die Wahl ihrer Lektüre 




llirPT* 


231 


fahrt man, welche Beweggründe sie leiteten und welche Wirkungen sic sich 
von ihrer Produktion versprechen. 

In Nerciats „Mon noviciat“ berichtet die Heldin des Romans, daß ihr 
italienischer Sprachlehrer ihr eine Menge „von schönen saftigen Büchern, die 
man einem unterm Mantel zuträgt, und die schon durch ihre verführerischen 

j licuc ^ p rc 'o 011 ’ S e I* c hen habe und daß sie vor Begierde brannte, 
„je e er, desto lieber von der Theorie zur Praxis überzugehen.“ Aber Nerciat 
kennt überhaupt nur Wollust als Inhalt des Lebens, und seine Gestalten suchen 
deshalb die geschlechtliche Lust in allen Abarten. 

In dem Roman „Das Quartier der Sappho" von Antoine Pithon (Troyes 

18751 schildert der Verfasser, wie Frau Barbet dureh die Besichtigung eroti- 

dic°H UP . rS " Ch ? 2U .', '®j ollust entflammt wird, fügt aber hinzu, daß Edmond, 

kennenve 1 ! f ‘ 8 “ r |, dCS ®“ c f cs > "nehdem er den sexuellen Verkehr erst einmal 

und Slc ‘ ch .?" lt, 8 dies ' n verlockenden Bildern gegenübersteht 

Romans a 7 %°^' Gd ? 1> “ R ° SC ’ dic “ M Lektüre eines erotischen 
Romans antrjfft, wegen d.eser Lüsternheit tadelt: 

uofulZTT ’ CtZt mChr di a 8eri " g!tC Lust ’ erotischen Bücher 

und Mappen hervorzuholen, sett er die Erotik tätig betrieb, und hatte öfter 

Gedanken darüber, wie töricht er ge¬ 
wesen war, auf dem Papier zu suchen, 
was nur das Leben bieten konnte.“ 
Ähnlich wie Edmond gelingt es „James 
lunert ), zwei bereits verdorbene 
Backfische dadurch willfähriger zu 
machen, daß er ihnen seine obszönen 
Kupferstiche zum Durchblättern über¬ 
läßt. 

die ^ e ^ zw ^ r kung der „Fanny 
1 > ) des bekanntesten englischen 

Erotikons, verweist auch der Verfasser 
cs glänzend geschriebenen Buches 
„Das Gymnasium der Wollust“.“ 10 ) In 
den Aufzeichnungen einer Maus aus 
zwei Häusern“ 247 ) läßt der Anonymus 
eine bigotte Heuchlerin sich an der 
Aufklärungsschrift „Die Geschlechts¬ 
ausschweifungen der Völker“ 248 ) delek- 
tieren. 

In den „Enthüllungen einer Kam¬ 
merjungfer“ von Octavc Mirbeau 
plaudert die angebliche Verfasserin, 



I'rontispiee aus Aloysiae Sigeae 
Satyra sotadica 


232 


selbst kein unbeschriebenes Blatt mehr, ein wenig philisterhaft aus der 
Schule: 


„Die gnädige Frau verbarg in der Schublade eines ihrer Schränkchen ein 
Dutzend°kleiner Bücher, die in gelbes Leder gebunden und mit vergoldeten 
Schlössern versehen waren ... reizende Dinger, die den Gebetbüchern junger 
Mädchen glichen. Häufig vergaß sie Sonnabend morgens auf dem Tische 
neben ihrem Bette oder auch im Toilettenzimmer inmitten der Kissen ein 
solches Buch. Dieses Buch war jedesmal voll von ganz außergewöhnlichen 
Bildern. Ich spiele mich wahrhaftig nicht als eine Scheinheilige auf, aber ich 
behaupte, daß man schon eine furchtbare Sau sein muß, um solche Scheußlich- 
Reiten im Hause zu haben und sieh damit zu unterhalten, Be, dem bloßen 
Gedanken daran wird mir ganz waim ... 


Dieser Schluß be¬ 
sagt bereits mit genü¬ 
gender Klarheit, daß 
diese vorgebliche sitt¬ 
liche Entrüstung nicht 
besonders groß sein 
kann. Das zeigt sich 
auch im weiteren Ver¬ 
lauf. Die Kammerfrau 
hat eines dieser Bü¬ 
cher entwendet und 
gibt vor den andern 
Dienstboten den In¬ 
halt zum besten. 

„Dann zog sie aus 
ihrer Tasche das klei¬ 
ne gelbe Buch und las 
uns daraus vor, trotz 
des Widerspruchs der 
englischen Wirtschaf¬ 
terin, die radebrechte: 
„So seien Sie doch 
nur still. Sie sind ge¬ 
meine Mädchen , und 
die darauf minuten¬ 
lang, während ihr 
Auge unter der Brille 
vergrößert schien, die 
Nase gegen die Bilder 



233 









drückte, die sie förmlich zu beschnüffeln schien. Man hat sich nicht schlecht 
damit unterhalten .“ 

In den „Memoiren einer Sängerin“, die fälschlich der Wilhelmine Schroedcr- 
Devnent zugeschneben werden, erregt sich die Erzieherin durch die Lektüre 



von Nerciats „Felicia ou mes fredaines“, 1M!l ) und der von II, • •. 

Zögling verspürt die gleiche Wirkung bei sich selbst eingeweihte 

1 ” beme u L j ktUre , machte mir ein unaussprechliches Vergnügen W t- 
aber auch diese glühenden Schilderungen lesen, ohne selb st TaL "' r j 

Flammen zu geraten?“ elt)St ° a ° ei 111 Feuer und 

Aus diesem Grunde verwirf, die Erzählerin, die doch selbst mir ihren „Me¬ 


234 


moiren“ ein sehr realistisches Ero¬ 
tikon liefert, in seltsamer Inkonse¬ 
quenz derartige Erzeugnisse und 
nennt sie „ein wahres Gift für un¬ 
verheiratete Frauen. Sie alle schil¬ 
dern die Sache selbst in den reizend¬ 
sten, aufregendsten Formen, aber 
keine spricht von den Folgen, keine 
zeigt, was ein Mädchen alles auf das 
Spiel setzt, wenn sie sich rücksichts¬ 
los einem Manne hingibt. Keine malt 
die Reue, die Schande, den Verlust 
des guten Rufs, selbst die köipei- 
lichen Leiden, welche sie treffen kön¬ 
nen. Deshalb ist die Ehe ein so vor 
treffliches, gar nicht genug zu vereh¬ 
rendes Institut, darum muß jeder ver¬ 
nünftige Mensch alles tun, um sie 
aufrecht zu erhalten, sic mit jeder 
Art von Achtung und Sicherheit zu 
umgeben. Ohne sie würde Sinnen¬ 
lust die Menschheit zu wilden Tie- 



Boris Grigoriew: Züchtigung 
einer Ehebrecherin 


ren machen.“ , di Uch die unverheirateten Mädchen könnten an der 

Mit andun ' Tr s ; e j e doch genügend Einsehen und Geschick- 

£U. Liebenden ^n 

haben, den Schluß zieht: Werken und ihren zum Theil sehr 

„Man würde also diesen wenn man sie für die Verführer 

schätzbaren Verfassern ^ und Mädchens halten wollte... Sie 

der sogenannten Unschuld un J 

inspirierte die Natur selbst. derjenigen Werke, denen stimulierende 

Interessant ist jedenfalls d L jJ ier stets die Hauptwerke der eroti- 

Wirkung beigemessen wird. * Schluß ziehen läßt, daß die Ver- 

- - woraus bioii ... 


T 1 t*l 1 t* 


235 









mehr durch die Lektüre der ein- 
ägigen Erzeugnisse zur Nach- 
ning angespornt wurden. Eine Auf- 
lung solcher Schriften, wonach 
te kein Hahn mehr krälit, liefert 
schon der Verfasser der „Venus 


„Einst und Minette hatten bisher 
wcdci das Satyrikon des Petronius 
Arbiter, -) noch den Ovid, de arte 
amandi,-••) noch l’art d’aimcr des ga¬ 
lanten Bernard, 254 ) noch Wielands ko¬ 
mische Erzählungen und noch weni¬ 
ger die Histoire de Dom Bougre, 260 ) 
die Therese philosophe, 250 ) die Aca- 
demie des dames, 257 ) die F.cole des 


Rudolf Schlichter: V 


ampyr 

einer sadistisch betonten Erotik) 


. /vueh hatten sie jene wollustathmend 
sehen Alterthum, welche zu Neapel ai 
eines Satyrs mit einer Ziege darstellt 20 
Kollektion von antiken Priapen gesehe 
ville zu danken hat.“ 201 ) 

Zum feil kehren die g— 
von mir näher angegebenen Stellen na. 
moiren einer Sängerin“ ' ' 1 

Die „Denkwürdigkeiten des Herrn 

,/»Verschwörung von Ber,i„ 
5 ^ Und die » Pna Pischen Romane“ in 

des ChartreUxV) „Faublas",“) „Fdlicia 
„Memoiren der Engländerin Fanny Hill“ 
' enus ” les bijoux indiscrets“, 271 ) die Pu 

teuer einer Cauchoise“. 273 ) 

Die Liste wird erweitert in den „Auf; 
Häusern“: 


p • , uncl e benso wenig die groteske 

Priapen gesehen, d,e man dem Chevalier d’Hancar- 

genanncen Werke, deren genaue Titelangabe an den 

wieder Fc j gelesen werden kann, in den „Me- 
wieder. Es werden hier genannt: 

V ° n d * e » p f a ff en galante- 

' ) Althings „Kleine Erzählun- 
:utscher Sprache, 200 ) der „Portier 
3U mes fredaines" 280 ) usw.. die 


nungen einer Maus aus zwei 


*« dem Leben 


Mannes, 275 ) Bekenntnisse 

236 


einer Amerikanerin-,, Ju.ehens tiTX'Z 


teuer auf der Leipziger Messe, 277 ) Althings Probenächte, 278 ) Leonorens Memoi- 
rcn(?), Der Roman eines öffentlichen Mädchens," ’) Die Geschlechtsausschwei¬ 
fungen der alten Völker, 280 ) Die Hamburger Bordelle^ 1 ) 

Alle hier genannten Werke verherrlichen lediglich den normalen Geschlechts¬ 
verkehr, dessen Ausübung, auch wenn sie durch die Lektüre dieser Schriften 
angeregt sein sollte, niemandem Schaden bringt. Anders steht es schon mit den 
wahnsinnigen Produkten des Mar q ,m de Me. Es zeugt von dem gesunden 
Sinn der Erotiker, daß mit Ausnahme der entsetzlichen Regina von U ladiczek 
(PS keiner Lne Lektüre empfiehlt, ja daß auf ihn überhaupt nicht Bezug 
Genommen wird. Nur die „Memoiren einer Sängerin , die sich ausführlich mit 
fhm befassen, finden nicht Worte genug des Abscheus den dieses Ungeheue 
jedem geistig gesunden Menschen einflößen. muß. Die Verfasserin gesteht * 
e bei d Lek re „einen solchen Ekel vor diesen Abscheulichkeiten fühlte, 

die zu lesen mich viel Überwindung kostete, daß ich ehe ich dahin kommen 
„die zu lesen c diesem Buche fand, in Praxis aus¬ 
konnte, auch nur etwas davon, was ich m ^ ^ JuHeUe) Sades er _ 

zuuben, schon a §^ stu ^Pj ^ nate : e d en Gedanken, jede Sehnsucht zu ge- 
stickte bei ihr „au me ■ dcs Beispiel schildert sie das 

schlechtliehe,, Ausschweifungen . Als ; Meisters de Sade 

Schicksal eines Lebemannes, der bei der ^ ^ sie nennt mit 

sich syphilitisch infizierte un | un d infamste Buch, welches 

Recht Sades Schmierereien das Hu h ^ eines andern Lebe- 

jemals geschrieben wur e, un r ‘ => Buc hes von allen unnatürlichen Ge- 
mannes, der bekennt, durch das Lesen cies 

lüsten, geheilt worden zu sein.■ Einfluß def Eroti ka? An der Schilderung 

Wo bleibt also der verd Mensch hing ibt, Anstoß zu nehmen, ist 

natürlicher Genüsse, denen M muckcrischer Eunuchen. Wenn aber Ab¬ 
ein nicht beneidenswertes V verbrecherischen Phantasie die Erotiker 

^ kdn 

Zweifel bestehen. 



2 37 



I\. Exotische Graphik der Gegenwart 

. 9 D X?„S Tn?“ “TK Werk d " Künstler aus dcm , 8 . und 
9 - Je dert, so fallt vor allem deren Ideenarmut auf. Von ganz wenigen 

usnahmen abgesehen, wählen Maler, Graphiker und Zeichner stets und über- 



Französische Lithographie 

Mitte des 19. Jahrhunderts 


...... -.. „rz iiss rvSSCf fc 

238 


fk- 


physischen Lust, ohne durch den 

Versuch einer gedankenbeschwerten 

Schilderung den Beschauer in seiner 

wollüstig gespannten Erwartung zu 

enttäuschen. Sie wandten sich nur / * 

an das Gefühl, wälzten keine Pro- t l * 

bleme, hielten sich von Symboli- 

sierungen fern. Weder Boitcbcv noch 

Fragonard , noch Huct , noch De - ^ \ \ 

veria oder Monnier , und wie die Mr ♦ »f 1 

andern Erotiker alle heißen, gelingt - Ml l 

es, die Klippen der Einförmigkeit -- f J\ UW /’/; jj 

auf geschickte Weise zu umschiffen, i / ' J I 

das Eintönige des Aktes abwechs- fcf 

lungsreicher aus ihrer Phantasie hei- '"“jfg J / 

aus zu gestalten. Selbst Rowlandson Pm [• 

und Rops , so originelle Einfälle sie /JT 1 \ ^ W 

auch in ihren stubenreinen Blättern v^\ f 

an den Tag legen, bleiben in ihrer H ' —- 

Erotik ideenarm. Erst mit dem Ein¬ 
setzen der modernen Sexualwissen- Aus Balzac: Succubus 

schaft und einer freieren Auffassung Radierung von Walter Klemm 

der Li*csb«i«hu^to<fed.Wv- Erotik £in MderH Gesidn . Gewiß 

ter zueinander enthalt d,e ^ Brennpunkt dss Interesses, aber die 

DameXna unLrscheidet sich wesentlich von der früherer Zeit. Im Grunde 

Beschauer odei Beste er, ^ f an d m der projizierten Erotik bildhaften 

rTr 1 ;,:! des letzten Schleiers und möglichste Ungeniertheit 
Ausdruck. Das \ » ob nun die Situation dies rechtfertigte oder 

wurde erstrebt und geh > Objekte seiner Komposition, haucht 

nicht. Heute beseelt der i on seinem Geist. Er personifiziert 

ihnen pulsierendes Leben ^ sondern lä ß, fee durch die Per- 

sich in ihnen, paßt sic , fr £) er Körper genießt nicht allein, 

sonen des Geschehnisses erst -“fen^Der Klividuahtäten bil- 

Seelenregungen schwingen • ß die Woüust in vollen Zügen 

det der Künstler, die ihrem wesen e 

schlürfen. . , . • dieser psychologischen Vertiefung stehen, son- 

Doch keineswegs b ei t ci Empfinden ein. In exhibitionistischem 

dem imoft ihnen sein eigenes Denken und tmpnn . 


Aus Balzac: Succubus 

Radierung von Walter Klemm 


239 





dene Sehnsüchte und Vorstellungen, vertritt eigene Weltanschauungen. In 
diesem Bekenntnisdrang geht der Künstler bis zur Brüskierung der Öffentlich¬ 
keit, bis zur Bloßlegung verbrecherischer Triebe. 

Natürlich verwischen sich hier die Grenzen genau so wie bei jeder Spiel¬ 
art künstlerischer Betätigung. Es gibt Künstler, die derart an den Akt fixiert 
sind, daß sie ihn, gleich den Zeichnern des Rokoko, in unendlicher Mannig¬ 
faltigkeit wieder und immer wieder mit liebevoller Eindringlichkeit in stets 
neuen Varianten zeigen. Andere wiederum setzen sich mit den tausenderlei 
Abarten spielerischer oder naturstarker Erotik auseinander, während eine 
dritte Gruppe schließlich die einzelnen sogenannten Perversitäten mit Pinsel, 
Griffel oder Zeichenstift verherrlicht oder satirisch glossiert. Aus der Regel¬ 
mäßigkeit, mit der diese Art der Gestaltung wiederkehrt, läßt sich mit ziem- 
licJer Gcwißlieit auf die Einstellung des Künstlers schließen. Freilich muß man 
sich hüten nur auf Grund der künstlerischen Offenbarung, also nur an Hand der 
i nenschen Schöpfungen, die persönliche Eigenart eines Malers, Zeich ners oder 

Radierers erkennen zu wollen. Er- 



Aus Balzac: »Mädchenmit den Goldaugen« 

Radierung von Walter Klemm 


werbsabsichten, Rücksichten auf den 
Besteller und ähnliche Motive, bestim¬ 
men den auf die Arbeit seiner Hände 
angewiesenen Künstler vielfach zur 
Wahl von Themen, die in seiner 
Eigenart nicht immer liegen, zu 
deren Bewältigung ihn jedoch Aus¬ 
sicht auf reichliche Entlohnung zu 
verlocken vermag. Ebensowenig 
geht es an, aus der erotischen 
Grundrichtung in dem Schaffen 
eines Bildners weiterhin auf seine 
Lebensführung schließen zu wollen, 
in dem Glauben, ein brutaler Ero¬ 
tiker müsse gleichzeitig seine Sin¬ 
nenfreudigkeit in verfänglichen 
oder hypcrsexuellen Produkten sei¬ 
ner Kunst austoben. Nichts falscher 
als das! Kunst ist verdrängte Ero¬ 
tik! Also eine Ersatzhandlung für 
auf andere Art nicht auszukostende 
Genüsse. Der als Mann in seiner 
Privaterotik Befriedigung findende 
Künstler kann darauf verzichten, in 
seiner Phantasie seinen Wunsch- 


240 


träumen nachzuhängen. Da- |J 
zu liegt für ihn genau so g 
wenig Veranlassung vor wie 3 * 
für den Asexuellen, der nie 
der Liebe "Wollustrausch ge¬ 
kostet und vermöge sei¬ 
ner physischen Konstitution 
auch nie danach Verlangen 
trägt. Aus beiden Katego¬ 
rien rekrutiert sich die Gilde 
der biederen Sittlichkeitsapo¬ 
stel „des combabischen Ge¬ 
schlechts“ (wenigstens was 
die Asexuellen anbelangt), die 
ihren Mangel als einen Vorzug 
preisen. Nur aus den Kreisen 
der Unbefriedigten, der sehn¬ 
süchtig nach Besserem Veilan 
gen tragenden Hypersexuellen, 
die resignierend darauf vei 
zichten, im realen Leben Ei- 
füllung ihrer Ideale zu finden, 
entstammen die Erotiker v on 
Klasse und Format. 

Man könnte, falls man eine ^ 

Klassifizierung versuchen woll¬ 
te, sie scheiden in: 

1. Universalerotiker, 

2. Spezialisten, 

Fetischisten, 



Franz Christophe 

Zeichnung zum Satyrikon des Pelronius 

4. abstrakte Erotiker, 

5. Leidenserotiker, 

6. Skatologiker. 


3. reu^nww.*, 

, •/ wirhne ich die Künstler, die, weil sie im prak- 

1. Als Universalerotiker b ^ ihren künstlerischen Schöpfungen aus¬ 

tischen Leben versagen, sic sexue ^ Q jj ust zu 'erklimmen strebend sich be¬ 
leben und die ganze Stufenleiter e ^ ^ We[b vor, dessen Lockungen 

mühen. Ihre Phantasie g au r 1 inel , j _ Geschlechtsmerkmale sie in der 
sie so gern unterliegen moc ten U1 j £ auma st deucht ihnen Phallus, jede 
ganzen Natur verkörpert finden. J kann man rechne n Männer wie 

Öffnung ein Cunnus zu sein. Zu dieser ur^pp 

Franz von Bayros, Kurt Zabczynsy • • bezeichnerl) deren Begehren sich 

*• Als Spczialhtenw*™^ “ erschöpft, die also entweder homo- 


16 




sexuell eingestellt sind, oder für den 



Cunnilingus, die Fellatio oder die 
Analerotik schwärmen und für an¬ 
dere Arten der Wollust nicht emp¬ 
fänglich sind, oder die in ihrem Sein 
jedenfalls keine besondere Rolle spie¬ 
len. Phallische und cunnische Phan¬ 
tasien beherrschen z. B. das Trieb¬ 
leben von Ornikleios , der in seiner 
Mappe von Federzeichnungen „Pri- 
aps Hain“ der männlichen Potenz 
ein Loblied singt, von Fritz Erlcr 
(Der heilige Priapus), Vcrtes y Fuji - 
mitdy Maurice Besnaux , Aubrey Be¬ 
endsley u. a., bei denen entweder 
die Potenzprotzerei überwiegt oder 
vor der Betonung der primären Ge¬ 
schlechtsmerkmale und ihrer uner¬ 
schöpflichen Funktionen alles andere 
in den Hintergrund tritt. Den Cun¬ 
nilingus verherrlicht Graf Zicby in 


r nt, rr u 1 u1 ö c »Liebe nicht weniger 

den: Züchtlgun - achtmal, Verths und Schaff, Ju- 

l’firotinnM n™ • • .1 ^ tiS ^ ln Z cr UI M Ernö Metzner (De 

typische Vertreter dieser Richtung zu nennen, lassen 

beispielsweise Otto S / ? f lchfal . ls nicht ent § eh en, wenn auch einige, wie 

n,dlt . reS , tl0S hier eill ^dnet werden können, 
d^ Künstler die , h “ tm lst beinahe unübersehbar. Es zählen dazu alle 
fixiert Id fstnkelT deS ^ «der andern Geschlechts 

Die Hingebune an sni l Und die in Entblößungen arbeiten. 

Auslösung Die ernst V bnngt bereits lhr erotisches Begehren zur 

h k Hu,,dcr,e u ", d «L, m- 

legenheit zu findpn A * -l nUI * aUS ^ em Grunde malten, um Ge- 

keit und Schönheit’zuV° n n" Setzte Körperpartie in voller Rundlich- 
eine fast unübersehbare 7 ^h\ le stark erotlsc he Kunst bietet uns gleichfalls 
nur unverblümter sich v W r US 8 eicben Kategorie, deren Darstellungen 
Vertreter des Cunn ^ KUmt Und Pm1 Kamm können aIs typische 

M * X BrÜmn * U " d °«° Sd, o// als 2 des 

eine These vertaiht^“ "enne ich die Künstler, die mit ihrer erotischen Kunst 
verfechten oder ,hre Weltanschauung offenbaren wollen. Man 


2 zl2 


könnte sie auch als erotische Symboliker bezeichnen. Für sie ist die Erotik 
nur Mittel zum Zweck, die geeignetste Ausdrucksmoglichkeic Das Gedank¬ 
liche herrscht vor. Sie sind in der überwiegenden Mehrzahl Misogynen, 
mit der vielgerühmten Liebe nur ihr Spiel treiben oder die Unersättlichkeit des 
Weibes .eißeln wollen. Peinlich empfundenes Minderwert,gkeitsge uhl gegen¬ 
über^ Allmacht Weib bestimmt die künstlerische Ausdrucksforni. Und 
nur selten kann sich ein solcher Künstler zu eine , 

Gefühl beseitigenden Humor aufschwingen wie z. B. Bon . *1 abstrakte 
Erotiker kämen in Frage: Fingerte», Lvkoscbek, Wdl, Geier, Ott» 

Greiner usw. 


, . , r ... Tn j: ese Klasse gehören die Flagellationsliebhaber, 
5. Leidens-Ei otiker. ^ auf dem Umweg über eigenes oder 

Masochisten und Sadisten, d ‘1 ^ Genus$e kommen . Als Zeichner 

fremdes, absichtlich zugefug , ^ Hegemann und Paul Kamm, 

der Rutenliebhaber wären zu Stockmann („Puder“), 

als Darstellet des Mappe „Balkangreuel“, 

Alt'lZ S c2Jyi Durga-Wmmetung“). Während StocWt» immerhin 


noch heute durch gedankliche Kühn ¬ 
heit überrascht, Arcbibald mit,) 
durch die ästhetische Wiedergabe des 
Peinvollen einigermaßen versöhnt, 
ist Cergclys Schöpfung grausam 
unflätig und widerlich gemein. Aus¬ 
toben eines sadistischen Paroxismus. 

6. Skatologikcr. In diese Katego¬ 
rie möchte ich diejenigen Künstler 
einreihen, denen die Endprodukte 
menschlicher Verdauung Anreiz 
Aufstachelung ihrer Libido bieten. 
Genauer genommen, ist es mehi ie 
Tätigkeit selbst, als das G> e ms, 
was den Graphiker zur Wiedergabe 
reizt und von ihm als lustbetonte 
Handlung eingeschätzt wird. i ' 
szenen sind beispielsweise gezeic in 

von Walter Klemm, Mtchl Ftnge- 
sten, Otto Schofi, Max Brüning, 
die sämtlich auch für andere Grup¬ 
pen in Frage kommen. 

Hieraus folgt bereits, daß es mc 1 
immer leicht fällt, eine strenge Schei- 



Zeichnung von Max Brtining 


16* 


243 




ung zwischen den sechs Kategorien zu machen. Faßt man dagegen das 

SlbTn d k r ^ UnStIerS ln$ ^ 50 wird *ch eher die Möglichkeit 

er eben, die Würze n seiner Kraft bloßzulegen und ihm den zugehörigen 

Platz anzuweisen. Liegen dagegen nur wenige Blätter vor, so darf man sich 
Urfei" büden $ ° charakteristisch aus ihnen noch kein feststehendes 

Begriffe°decken n s-I iü ^ ^ bekan,ltestcn od ^ bedeutendsten (beide 

fch S fch au f J Ja M Cht T" CtWaS näher ein S chcn - Naturgemäß muß 
aussch L d 8 a £ ^ am ^ n beschränken, auch alle Blätter und Mappen 

Raummangel „iTt dam” tTahHua taT “ ™ 

nachTm Name: £ Künstlers. S ° C ^ C ' D " 8-hah alphabetisch 

• «Ä dt G APri ' ' 924 , ) ka ™ l '” b '- 

wohl was die Men»» • n , . . der Gegenwart gelten, nicht so- 

s£h„rt^ 

Verlag), „Tausend und eine Nae^ ic'r 1 " Ge ?™ h '“ fl»*'- 

bilder unserer Zeit“ Delicadn* D' k--i 1 * A °T* ^ ien )> Crebillons „Sitten- 
schwätzigen Kleinode“ La ? ■/” U T 1C ^ n ^ a us ‘ er * n<< > Diderots „Die ge- 

veilen^ WT cJntt aC Nov<;ll '»"> *■»*»» Jo- 

„Bilder aus dem Boudoir der MadamTcct ^ m““ * FaublaS “’ seine 
die sie nicht tauschten“, usw haben «.* ’ -. ne Ma PP cnwer he, „Exlibris, 

testen Kreisen bekanngemaTht ihm T ^^urst in den wei- 

Klassifizierung als Pornozranh cc ^ ° C1 ^ cic hzeitig die ehrverletzende 

^•»dd^tÄs^^rT’ cmvorwurf - <icr *** 

fach hat er diese Bemakelun, u Inneme verletze " mußte. Mehr¬ 

gewiesen, insbesondere als ihn J" ^ tem P erame ntvoller Weise Zurück¬ 
gang, aus MüncSnach ^ <*»> 
heißt es in seiner Abhandlung „Sur ma mo "l «” eS n ° ch einmal “> 

„Collectionneur“ (Budapest 1913), „ wie ich * * 1 ° de ^ S P ezi alnummer des 
sagen werde: Ich habe immer nur d P c , .. 7 172186 des Jüngsten Gerichts 

Schönheit, die ich im geringsten Geschöpfte^' Wctb ’ ’T 

anbete in allen ihren Verkörnemno- k . We * bewundere, die ich 

-e„, dem es nicht 

244 





Zeichnung von R. Hegemann 

(Aus einem flagellantischen Opus) 


245 





Marquis de Bayros: Radierung zu den 
Novellen von Morlini 

(München, G. Müller) 


Buch liest oder eine ,schamlose 4 
Zeichnung ansieht. Und ein so kul¬ 
tivierter Mensch, wie ich ihn sehe, 
kann unmöglich durch den An¬ 
blick jener Körperteile chokiert 
werden, deren Namen die Moral¬ 
heuchler nicht einmal auszuspre¬ 
chen wagen.“ 

Man mag sich zur Technik sei¬ 
ner Kunst stellen, wie man will, 
sich mit seinen gleichsam von Ra¬ 
chitis behafteten Modellen, dem 
seltsamen Kontrast ihrer lasterhaf¬ 
ten Gesichtchen und den kind¬ 
lichen Gliedmaßen befreunden oder 
nicht — keineswegs wird ein vor¬ 
urteilsfreier Betrachter seines künst¬ 
lerischen Schaffens ihm bewußte 
Spekulation auf die Lüsternheit 
zum Vorwurf machen können. 
Auch die unscheinbarste Zeich¬ 
nung offenbart die vornehme Har¬ 
monie der Linien, die unver¬ 
kennbare Freude am schönsten 
Kunstwerk der Welt, der Frau, 
deren Reservatrecht doch eben 


c ... „ üle i-icbe und nur die Liebe 

ist. Sympathisieren muß der Künstler natürlich mit seinem Objekt, 

krischen hU '77 wilL S ° fern er ™ Nahmen des Künst- 

mand ^ ^ Sinnliche Selbstzweck erhebt, wir ihm nie¬ 

derAmfT einen T Vo ; WUr machen - Auch die Wahl des Stoffes bedingt die Art 

fm lln T Zei ? Iter LudwigS XV -> des Liebeskönigs, bewegen sich 
im großen und ganzen die Geschichten und Verse, zu deren richtigem Ge¬ 
ysir k T CrS u dU J rCh SCine zeichnerisch en Finessen verhilft. Zu dieser 
de Verbrüd C r™ “ ^ BetätigU " g ihrer Sinnlichkeit, die mit 
1 chen Lebe k § kTi U " d ^ de " Mittel P UIlkt des gesellschaft- 

Darstellun! V ° n dem Dar g«tellten ab, lediglich die 

Sehend wird" u" ästbetischen ( nicht moralischen) Betrachtung 

Verkehr de r^kl Z “ geStelle ” mussen > daß die nackte Schönheit und der 

kan! daß sieST^^i $ ° d T h raffinierten Geschmack veredelt werden 
kann, daß sie das Entzücken jedes Betrachters bilden, der Zeitdokumente als 



* 


solche auch zu werten versteht. Die Frage nach der Moral in der Kunst ist 
nichts weiter als eine Frage des Geschmacks. 



:Iiationsmotiv von Marquis de Bayros 


, . . 7P ; c hnete für viele kleine Sotadika Bilder- 

Benis (i. e. Peters in Magdebu g) ß. für „Erlebnisse einer 

en, die von großem von Pierre Louys 

:chzehn jährigen“, „Drei nchtjge ständlich> warum die neuzeitlichen 

’aris 1930) usw - Es I? 1 . Z1 , -c n 7Ur Illustrierung wählen, denn etwas 
erausgeber von Sotadicis gerade ihn zur 

247 




Geistloseres als seine wirklichkeitsfremden Figuren, etwas Gedankenarmeres 
an Komposition, etwas Kitschigeres in der Ausführung läßt sich kaum 
denken. Da aber bei dem gesetzwidrigen Handel mit sotadischen Büchern 
dem Freibeutertum Tür und Tor geöffnet sind, werden die Zeichnungen 
von Benis immer wieder neu verwendet, meistens ohne Signatur und ohne, 
daß der Urheber sich dagegen wehren kann. 

Laszlo Boris (ps. Biros), ein ungarischer Maler, der 1924 in der Schweiz 
an der Schwindsucht in jugendlichem Alter starb. Er gab eine Mappe „Ero¬ 
tische Phantasien (45 erotische Lithographien) heraus (Paris 1921, in 
ijo Exemplaren auf Japan), in denen mit wenigen Strichen aus dem Leben 
gegriffene erotische Begebenheiten zum Ausdruck gebracht werden. In Er¬ 
findung und Ausdruck gehören diese mit den sparsamsten Mitteln eines 
großen Könners hingeworfenen Zeichnungen zu dem Besten, was in letzter 
Zeit auf diesem Gebiete geschaffen ist. „Unschuld — Neugierde — Gute 
Manieren — Dirne — Glückliche Liebe — Witwe — Brautschau — Früh- 
re ^ Sehnsucht sind einige der Titel, die das Dargestellte mit einem 
treffenden Schlagwort veranschaulichen. 

>>Da sc hippt ein Mann lauter Gold in eine Erdspalte, aber es ist gar keine 
Erdspalte, auf einem andern Bild steht eine dicke Frau vor dem Elefanten- 
UI ?.^ s * e ^. s ^ c h den Rüssel an und sagt gar nichts. Ferner: Ein nacktes 
a c en legt mit gespreizten Beinen auf der Straße, und eine lange Straße 



248 


Zeichnung von Max Brüning 



Illustration von k. Niemeyer-Moxter 
zu „Die mondsüchtige Herzogin“ von Franz von Kexroth 

(Leipzig, Gellng'sclie Verlagsanstalt ltjjo, 


















geht mitten durch sie hindurch. Eine brau 
lauscht mit geschlossenen Augen auf Mu¬ 
sik An ihrem Ohr aber macht sich ein 
kleiner Mann auf nicht mißzuverstehende 
Weise zu schaffen.“ 284 ) Der philosophi¬ 
sche Humor, der vielen dieser Blätter eigen 
ist sichert ihnen trotz ihrer erotischen Ten¬ 
denz eine dauernde Wertschätzung. 

Bewußt auf ein spezielles Thema be¬ 
schränkt sich die Mappe „Der Kuß (Zehn 
handkolorierte Lithographien. Paris), - er¬ 
schienen bei D. & R. Bischoff m Mün¬ 
chen. Hier unternimmt es der Kuns , 
in fabelhaft zeichnerischer Technik ver¬ 
schiedene Kußarten von der höchsten hin¬ 
gebenden Leidenschaft bis zur jede Scham 
beiseite setzenden Perversität naturalistisch 
wiederzugeben. r.L rinr 

Max Brüning, geboren am 19- 
1887 Bei ihm steht nicht so s 
Hau als der Backfisch, den er immer 
wieder zeichnet, im Vordergrund des 
Interesses. Seine Modelle müssen _ schon, 

d^ IC ^ sib “ ( ^ n Aucfln Tei- 
ihren knospenden Reue "- ^ ;hn nie der gute Geschmack. Ebenso wie 

nen erotischen Blattern Fröhlich, Otto Schoff u. a.) kommt es ihm 

andern Zeitgenossen (z- ‘ d intimsten weiblichen Reize ins rechte 

darauf an, die hervorragendst ^ gehört seine Anbetung noch 

Licht zu setzen. Der use " run dlichen Hemisphären, mit denen V enus 
mehr aber locken ihn dl Künst l e r sich mit Haut und Haar ver- 

Kallipygos brillierte. I■ nen , antas i en kommen in den zahlreichen, diesen 
schrieben, und seine f ^^ungen sinnfällig zum Ausdruck. Er wird 
Gegenstand verherrlichenden ersinnen, um Gelegenheit zu finden, die 

nicht müde allerhand Situation ^ au f re izenden und zum Begehren her- 
Plastik besagter Körperpartien ^ zeigen> 

ausfordernden Schönheit und yv f „ r den Busen> der in seiner knos- 

Fast die gleiche der Beschauer beim ersten Anblick auf sich 

penden Rundung die Bhck n0ch dadurc h zu verstärken, daß er die 

;t. Brüning weiß die Wi Hemd hervorquellen, zwischen Pelz- 



Zeichnung von Max Brüning 








werk cingeDettet sein oder gelegent¬ 
lich auch von einem seines Sieges ge¬ 
wissen Kammerkätzchen gleichsam 
auf einem Präsentierteller angepriesen 

VvVSj scin läßt - 

IU\ vl Seinen Backfischen fehlt das Un¬ 
schuldige, Kindlich-Naive. Frühreif, 
wissend, illusionslos locken sic mit auf- 
munternden Blicken, in denen die Lü¬ 
sternheit sich widerspiegelt, die von 
dem Begriff „Weib“ unzertrennlich ist. 
Stellt sich der Liebhaber nicht schnell 
genug ein, so tritt ein Surrogat an 
seine Stelle. Das den Phallus symboli¬ 
sierende Motiv von der Banane ver¬ 
wendet Brüning mehrfach. In einer Ra¬ 
dierung hält ein Mädchen ein ganzes 
Bananenbündel im Arm, das es angst- 
lieh behütet, um es nicht von den Mit- 
Schwestern, die gierig darauf erpicht 

Franz Christophs Pet •' *.' ZU lasseil ‘ Zeichnet er die 

tophe. ausPetromus, Satyrikon trauernde Witwe, so entblößt er sie 

mungslos auf Liebesabenteuer aus^h.nö "cZ . d 'f Natcs > um damit diehem- 
zu setzen. Diese exhibTt TjJZuZ, gefallsuchtl 8 c Frau ins rechte Licht 
dierungen, z. B. in dem Mädch ° A ^ ^ ZC * gt - S ' C * 1 111 v ‘ e ^ en seinen Ra- 
oder am Kamin wärmt das im blau Postenora im Spiegel bewundert 

Busen eitel zur Seine’ stcl, n yM T sc,n “ v orb;idlich entwickelten 
den weiblichen Rundnnge' die IT* T* "tit 

die Nachttopf-Attitüde'weiß er geTch lk't C J ü ' ,,,:n,als müde wird. Selbst 
wenden. g cnicKt tur seine Zwecke zu ver- 

märsten GescM^htsmlrkmaie des" Weibes 5 ™" 0 ^ BeZUgnahme auf die pri- 
mit den hinteren Hemisphären auf rT ’ . C Cr " Ur 111 Ver bmdung bringt 
hinlenkt. Deshalb vermeidet er ec 't ^ as § anze Interesse des Beschauers 
™ ganzer HingdS^IÄV? lhn ^ Konzentration auf sein 
gleichzeitig zu verherrlichen, und schon s? ^ * U* ZWlngen f mehrere Frauen 
gäbe eines männlichen Aktes Knh I V ^ 1 Wagt er an d ' e Wieder- 

radier,. E„,wer,„ngsabs7ch'e„ ^ bl “ ,10ns ® n «> ^ « nie gezeichnet oder 
so weit als möglich treibt viSIlia fe" 'c"’ t , r ° t ? dem cr den Exhibitionismus 

“•■■■ *• • -•a'ü'i.-ivjt* 

2 5 ° 



Ledamotiv 






dcckung radiert. Neuerdings wendet er sich der Darstellung des Spiritistisch- 
Okkulten zu. 

Franz Christophe, am 23. September 1875 in Wien geboren, ist Autodidakt. 
Ursprünglich Schauspieler wie sein Vater, betätigte er sich im Bankfach, aber 
nur vorübergehend, um dann von Georg Hirth, dem Gründer der „Jugend“, 
entdeckt und gefordert zu werden. Er war später mit Fenningcr und seinem 
Schwager Ernst Heilemann für die „Lustigen Blätter“ tätig und lebt jetzt als 
reier Künstler in Berlin. Seine Zeichnungen und Radierungen sind von 
warmem Leben durchpulst, sehr sinnenfreudig, halten sich jedoch von nie¬ 
derer Spekulation durchaus fern. Die Bewältigung von Problemen liegt dem 
unst er nie t. Er bemüht sich, ausdrucksvolle Verkörperlichungen mensch¬ 
licher Seelenregungen darzustellen, insbesondere die machtvollste menschliche 
Gemütsbewegung, die Liebe, zu schildern. Und das gelingt ihm technisch 
gnz meisterhaft. Christophe reizt erst dann eine Aufgabe, wenn er etwas 
Wittges und noch nicht Verwendetes zum Ausdruck bringen kann. 

1 T? h U ^ T f em ^ erzen bei der Sache ist, überwiegt deshalb das Gc- 
c ankhehe und gehirnlich Konstruierte. Bei seiner „Judith“ z. B. läßt er dem 

Jofernes nicht den Kopf von seiner Beischläferin abschlagen, sondern 

dlsF a e nh S 'l ü 1 ver 8 ew altigt eine Marquise in dem Augenblick, als 

sind t ! b< d T Pf V T RUmpfC trennt - A1$ erotischc Selbstbekenntnisse 

PhantesLn S 2r° P lT gen - niCht ZU Wmen - Seine P halIisch en und cunnischen 

unter ohn’ 1 ,°^ ordnct « d *r künstlerischen Wirkung 

unter, ohne menschlich sich zu weit hervorzuwagen 

Z™ C , r ° t!SChCn A / bcit “ Sind 2U crwähnc " ; dk Zeichnung „Judith“ in 

Phönix“^tM'' h , eraUS | e8 t"’ von . Fr “ 2 Bl «i. «in Blatt in der Mappe „Der 
K f ’ ..?j C | hen ’ R - Pl P er )> die Illustrationen zu Kocks , Der Mord im 

Ba dTr d“ ( »r GUrli,t> Berli "- “ US d “ *** ,.Der Venuswagen“, 

EmaückidTd d B attcr . s - 0 . 37 und 4J der Beschlagnahnre verfielen. 

loS^ Al? H C “• l r r Ch f Kupfcr V °" ” D “ Naschkästchen" (Char- 

hervorralde M“" d ” CasanOTa ™ Orient“ (ebd.). Eine gleiche 
hervorragende Mappe „Madame Monrfpin“ ist nicht veröffentlicht. 

schläch igen'zrth am ^ I#,S “ Ta P iau > S““>*e„ i<» 5 - Seine grob- 
«“ r d ^ a “ f die Ausführungen im Detail verzich- 

ManTes Seiht g “ “ T“ d T Wcib a ‘ S dcr däm °" i *l™ Bezwingerin des 
(Verlag’Fritz r"T W“ Miographicnserie „Die Liebschaften des Zeus“ 

rühmtesten Galante“-’ "‘“J" follo 8 rol!cn fwbigen Blättern die be- 

1 rtewaTd “ d FF*”* aUf dC " G ->“> ÄÄ 

h d e ZMehke ? rt rft,g Tfa“'“" Wird > Sttlk “ däs Weib niemals 

ken Liehe des W b“ dU ' dend dar ’ sondem “uterstreieht mit star- 

Striehen des Werbes kraftstrotzende Vitalität, an der sieh des Mannes 



.. , r p re ilich bedarf es nur eines winzigen Funkens, um 
Aktivität erst entzündet, i um sich her verzehrenden Feuer anfachen 

die Flamme seines Begehrens zum ‘ i$t ohne die Brutalität seines stets 

zu lassen, denn Corinths ganzes ‘ ^ verstehen . Wenn für jemanden, 

ungestillten sinnlichen Verlangen ^ yon Beg i er d e zu Genuß ohne 

so gilt für ihn das Faustwort Begierde, sobald die Brunst 

den bitteren Nachsatz vom Schm**« ^ ^ ^ ihn d[e Wir k- 

gestillt ist. Zu einer Sättigung ge • » ungestillte Wünsche in seinen Bil- 
lichkeit nicht restlos befriedig , hen k der Wollust viel eher als eine 

dern aus. Er empfindet das Got . verantwort Hch macht, das er nun, in 
Qual, für die er den Dämon Möglichkeit der männlichen Ver- 

seinem unbezähmbaren Drange, ‘ seiner uners ättlichen Begier zeigt, 

achtung preiszugeben, exhibitiom und dichtet deshalb sein eigenes 

Corinth kommt von der Erotik 


HJ 



unbeherrschtes und ungestilltes Verlangen dem Weibe an, dessen Orgasmus 
er in zynischem Behagen darstellt, allerdings notdürftig mythologisch ver¬ 
brämt. Die Illustrierung des bei Fritz Gurlitt herausgegebenen „Venuswagen“ 



Otto Dix: Zuhälter und Dirnen (Gemälde) 


d Tu S t l t r §e f 11 diC WoIlüsti S e ” Metze Weib“ vom Leder zieht, 

ma der A ff 8™ Hegen, und ausnahmsweise kann man dies- 

mir W, 7 § dCS 0 GenCHtS beitretCn ’ WCnn « die Beschlagnahme der 

druck zu Tb Ta l \ ZO \T] f US dem GrUnde verfü § te > weil der Nach- 
zu sehr auf das Geschlechtliche gelegt, zu deutlich die Lust am Ge- 


254 


schlcchtsverkchr und die Lüsternheit bei Mann und Frau auf ihren Gesichtern 

ausgeprägt sei (Akt. Z : 2. b. J. * p rägung , der in seiner anklagen- 

OttoDix (geb. I * 9 I ^ C1 ^ "* erinne rt,’ aber durch strenge Linienführung, 

den Realistik an Geoige Können ihn weit überragt. Beider 

wuchtige Komposition unc d . edoch bei G rosz an tikapitalistische 

Schaffen ist sozial bed.n . seine n schmissig hingehauenen Zeichnungen 

Tendenzen uberwiegen, d ^ sexucüen Sphäre heimisch. Durchwegs ent- 

verficht, fühlt sich D • . un j Bordellmilieu. Seine Sympathie 

nimmt er seine Stof e em . , e { nse iti cr genug einsetzt. Seine Schöp- 

gehört den Entrechteten, ur ^e er ^ Struktur der heutigen Gesellschaft, 
fungen sind durchwegs An 0 »» w£Cren ^Unzucht“ reagierte, 

die darauf mit lächerlichen Ver . zu ° Breslau . A uf der Polizeiausstellung 

Fritz Frier, geb. 15- Dezent er unter se i nem Namen ausgestellt: 

zu Berlin im Jahre 1 9 * 6 war * l . ‘f ■ I2 Blatt. In diesen künstlerisch 

..Der heilige Priapus“, in zwei Folgen je 

hervorragenden Radierungen wird 

der Priapus als der Herr der 
Welt in verschiedenen Fun^tio 
neu dargestellt. Ihm hat sich a - 
les unterzuordnen, zu ihm alles in 
Verehrung aufzuschauen, n a 

len Blättern wird die weib 1 

Libido symbolisiert, am star'Sten 
wohl in der Komposition, m dei 

ein Mädchen die wie Sparge 
der Erde sprossenden Phallen 
der Gießkanne besprengt, um 
so zu schnellerem Wachstum an¬ 
zuregen. Im Gedanken wie 
der Technik gehören die R« 
rungen mit zum Besten, was m 
der letzten Zeit auf diesem Ge- 
biete geschaffen wurde. 

Micbl Fingeste n, g eb -. 

18. April 1884 zu Buczkowitz in 
Österreich-Schlesien, Zeic 

und Radierer. In seiner Arbeit 
herrscht die Tendenz ^°j’’ 
unersättlichen Geschlechts 1 » 

des Weibes zu sat.nsieren. * wmi Geiger; Aus »Das gemeinsame Ziel« 

gesten degradiert es zum ^ 












wesen, zum sexuellen Tierchen. Nur auf Grund seiner Leiblichkeit besitzt es 
Ex,Stenzberechtigung. Er sagt nicht: Seht! so ist das Weib in seiner Getarnt- 
erschemung. Er summiert Vielmehr nur ihre geschlechtlichen Reize: Cunnus + 

Nates +Busen + 



Schenkel und zieht 
daraus die Summe: 
Weib. Geschlechtlich¬ 
keit ist nach Fingesten 
der Zweck seines Da¬ 
seins, der sich in rein 
physischer Ausnutzung 
erschöpft, nicht in Lie¬ 
be nehmen und geben. 
Es wird vom Skorpion 
der Fleischeslust in 
dauernder sinnlicher 
Erregung gehalten. 
Vom Weib zum Mann 
führt keine Brücke. Je¬ 
des quält sich isoliert, 
ohne im andern seine 
Ergänzung zu finden. 
Der Mann, das Weib 
als unerbittliche Fein¬ 
din betrachtend, kann 
sich doch dem Zwange 
seiner Brunst nicht ent¬ 
ziehen. Und auch das 
Weib träumt nur von 
Phallen in Riesenfor¬ 
maten, es zähmt und 
dressiert sie und macht 


Aus Merimee »Carmen« 


sie seinen Zwecken 


Radierung von Willi Geiger 


dienstbar. Und der Akt 


schaftlich der Venus dargebrachtes f4p„ ( selbst? Kein leiden- 

eines physischen Bedürfnisses, so verächtlich 5 ^ Befriedi § un § 

Kohabitation ausübende Paar seine Notdurft’verricht“ u't ^ 

ane größere Degradierung des Menschen im wXe und df t • g t™" 
denken als diese misogynen Radierungen Fingestens^ A?' L,ebe , uberhau P t 
Schöpfungen wiederum strahlt die Sonne eines goldigen tm^fo“ e^ 


256 



geknickten Phallus persomi 
sinäre Nase haltend, in di 

verschnupft!“ 

ke sind: Ecce femina (10 
, symbolique, grotesque, 

L’amour et la folie. Für 
ierte er „Lesbierinnen“ zu Verlaines 
b. am 17. August 1878 zu Landshut Jn Bayi 
lebt in München. Zur Mappe „L - 
er eine erotische Radierung bei die bereits die 

beherrschende sadistische Tendenz erkennen laßt. Noci 

n Waldemar Bonseis „Kyrie eleison (Verlag E. E. Bonseis 
, r in dem das Thema des Lustmordes nach kunst erischer 
Ferner stammen von ihm die Radierungen zu den ero- 
aus der italienischen Renaissance“ und die Lithographien 
flies de Rais“ (Sammlung „Der Venuswagen 1919)- Als 
können "eiten die beiden erotischen Mappen „Das ge- 
1 tndere/und „Die Verwandlungen der Venus“ (10 Ra- 
Bischoff & Höfle, München). Geigers Radierungen sin , 
, 1 1.rpi7los. weil zu sehr das Gedank- 


Satiren); io Eaux-Fortes de 
lyrique, tragique sur de Motifs 
Arkadien“ (Charlottenburg, 
Freundinnen“. 

~ r ern, Schüler 
.Der Phönix“ (München, 
sein ganzes 


Radierung von Fritz Janow 





Radierung von Fritz Janowski 


ü Goldmann), geb. Januar ,8,,, 2ll B< . r | in _ Malcr und 

cS ‘ Ei„’ H Uf ' / PPC ” Mli,rcs “ s '‘ »nd eine ganze Anzahl 

ZsteUten S,'l r ( ' S23 ' VU^dC n ,, ^ dcr Schau einige seine, 

und.« oh^T , h °" j SZ ‘ Crt ' ZWci ^hlagnahmten Mappen (.92. 

Arbeit vön Vh ’l em 'f“ Zeichnungen ist keine selbständige erotische 

rcharlotttnbü,r dlC dcr D “*fi™» „Bilitis-Vcrlag" 

run«en eTnes n ,T-' 7' .^"-^"dorf IX, 6z } ) erschienenen „Erinne- 

liefertee7sTeb?n d f’ e ' n ?n Sta er ° tisch 6 cfärbt “ Novellensammlung, 
O n r , t C,Cn TI ’ Cmi ' »'Wußten obszönen Lithographien 

sei°em Schäffl sfehr' 9 ^ A™ V °" ^ Lith °S ra phie - Kupferstich. Bei 
Hche? Körper Urne "" Vordc W»‘<. die Darstellung des schönen mansch- 
^Hexenschule“ und d SClnen a erotls chen Schöpfungen ragen hervor die 

Blauer'Teptj"! F chTTcesfb ^ c-ische 

tling" und „Der Srse“' Auf d C .77” K “" St > ” Dic Mb “- 

Weib auf seinen Knie j beleuchtet der Teufel ein nacktes 

dichtgedrängte Männe" 7 der Blendlaterne, während zu seinen Füßen eine 
lüsterne„sTn^ "Z* :har »" d » c bti8, geil oder verzückt an der nackten 
Gefäß mit naeheTp 8 '' 7 ^ 2WeitC " Bildc *wei Hände ein 

ser FoL eines Ph^“’ “ V °Y i,Km * ri " sc " d ™ F »“" mit einem Mör¬ 

der männlichen UnersteM,™’'’ ” CrdC "’ d " e S >' mbl>Usch ' Stellung 



. „ 1 n^pmlier 1801 zu Berlin, kam von der Litho- 

zriphie tuTovifcorinth und vervollkominnete sich dann als Radierer. Mit 
Ät 7 . er seinen eigenen Sri, — 

Kontrastwirkung von Licht 1 ^ bar> gelingen ihm am besten 

männlicher Kmistler jedes gedanke ° re i c he Komposition liegt ihm 

seine Frauenbildnisse. 3 ^ , f die Köpfe. Seine flagellantistischen 

nicht. Besondere Sorgfa t verss c . j dande i s i nc l j verdanken ihre 

und sadistischen Bilder, von J" s ^ acksricbtungj sondern geschäftsmäßigen 

Entstehung weniger eigener Illustrator galanter Zeitschriften 

Erwägungen. Stark hervorgetreten i* er ahJus * 3 ^ ^ 

wie , Reigen“, „Berliner Leben ^ ^ p aul Aretz 

Buchillustrator arbeitete r f (RAif, Abenteuer im Lande der 

in Dresden und dem ltemenag >. 

Liebe - Lauzun, der franzwisc ie a^ ( in Weimar, geb. am 18. Juni 
Walter Klemm, Prof, am St«* sesc haffen: „Sechzehn erotische Ra- 

1883, hat verschiedene e^t 1 ^Mapp^^ Wollbrück> „Zwölf Radie- 

dierungen zur Erbsünde ( > bes händel nach alten Erzählungen 

rungen zu Boccaccios Djamemnc Reiher . Ve rlag), „Das Paradies“ 



Radierung von 


Walter Klemm 


17 * 


259 



(6 handkolorierte Steinzeichnungen, ebd i Q n) 7 ; r L„„ r „ , 

ö ffe n dic ^xÄ:“x^^ n ^t- nich ^ r - 

läutert: " Radlcru "gen *hren Sinn textlich er- 

„Gott hatte Land und Wasser, Pflanzen und Tiere eesrh.ff l . 
einen Ta<* Nun erfnßt-r» ;U c i i . L c k csc h^Jfun und ruhte 

S ' Crfaßtt ,lm Sel " uud >'> *'"« Schöpfung mit cillcm Wcsen vo „ 



vollkommenster Schönheit zu krönen Dn u f ^ 

müdet vom Erdichten dieses wund, I ' D ^ Gott das Weib - Und er- 
Jen, Weib den Oden, eingehancht ht^üLTeuM t' “ 1,1 ^ “ 

gelegen und schlich voll Neugier divn p •• ^ abci war au ^ dcr Lauer 
5 eine Gier und lüstern betastete er des W^k 8 °p 1 lcbc Schönheit entflammte 
deckte er das rosige Mal, das Gott 7W ' k^ °j berr icbe Glieder. Dabei ent- 

In wollüstigem Spiel brannten seine Teufelsh^d" Schenkdn verbor gen hatte, 
sehen Feuers in des Weibes Schoß n f h de r uners ättliche Gluten hölli- 
Saft in die Wunde und unter die Zuno-e'd* ^ ^ du ^ tender Kräuter 

die Rosenspitzen der Brüste und die T-Dkl^ ^ Salbte mit Zauberduft 
von feinem Haar überwuchernDas B^nd n , UntCr *“ Ach ^ ™ « 

er vor Gottes Auge verbergen und ließ A ZW1 , Schen den Schenkeln wollte 

............ ÄtSÄStt 

200 


wunde. Da sah sic nahe einen jungen Zebrahengst stehen und nassen eilte 
hin, seinen feuchten Phallus zu fassen und mit seiner Kuhle den Brau zu 
loschen |c öfter sie ihn in die Wunde Buchte desto wohliger wurde ihr... 
Nun trieben ihre erwachten Sinne sie mit zügelloser To heit zu .allem. mann- 

lichen Getier des Paradiese,. ; * " " 

wie alle andern Geschöpfe me Gefährten Hengs[ß Zwi . 

fir'dÜ Sine,, 'aber S |ieß“r ihm den herrlichsten Phallus wachsen, damit 



M. E. Philipp: Lena (Radierung) 

•i i • Anr Darstellung, mit der Klemm hier seinen 
Man müßte diese Kühnheit ‘ ^ in uner sättlichem Verlangen 

Gedanken von der Geilheit des folgerichtig durchführt, 

vor sodomitischer Betätigung j 11 ren d e Anprangerung bezeichnen, wenn 

als eine das Weib absichtlich d.fh vom rein künstlerischen Stand- 

nicht fcststände, daß der unst ^ ( j er Wahrscheinlichkeit nicht über¬ 
punkt aus der Erbsünde eine ie i t humoristische Deutung zu geben 

schreitende, im Grunde genomme nicht au f die Verherrlichung der 

versucht hat. Eigentlich kommt c Cunnus in Aktion zu zeigen, wofür 

Sodomie an, sondern darauf, Phallus 

er sich einen passenden Rahmen suc • f der Gegenwa rt, von hervor- 

Axcl Leskoscbek, österreichische ‘ ^ Scherze“ als Privatdruck 

ragendem Können. 1926 gab er ein , ^des Phallus verherrlicht wird. Die 
heraus, in der die schöpferische Tendenz ^ 



- 7 .I-T J ,tcl dcr io Blätter: i. Es ist zwar 

~j 1 ' I 1 immer dasselbe (ein auf dem Bauche lie- 

gen des Mädchen, in deren Vulva sich 
liebesdurstige Männer stürzen), 2. Die 
Turbine, 3. Kassiopäa, 4. Der Forscher 
J lL dem Schamhaar eines Mädchens 

- S ‘ j sucht ein Botaniker mit dem Schmetter- 
1 ÜHgsnetz nach allerhand Getier), 5. Der 

hl Anfänger (dic Vulva als ungeheure 
■»nfN. i Giotte, zu der ein Führer einem schüch- 

1 5 tCrnen Nculin S den Weg weist), 6. Ek- 

SUSe (dn Liebcstollci % der sich durch die 
? 1 VU - IVa dCn Wcg bis zum Munde der 

j Lik) j Monade bahnt), 7. Eruptive Landschaft 

—tV . (PhalÜ als Krater), 8. L’idolc eternellc 

(ein Phallus in Form eines Bären, zu 
dem ein Mädchen strebt, 9. Musik (ein 
Mädchen spielt auf einem Dudelsack 
in der Form des männlichen Phallus), 

M.E Philinn- 1,» o»h 1 , • 10 Ees extrcmes se touchcnt (ein 

.. 1 W , Aus Schlegels »Lucinde« Fc.tkloß von Weib mit einem schlan- 

M. E. Philipp , geboren zu Zwickau am 4 Augus", 8 ,887 . Lieb “ Umlrmun S ) ' 
bis 1908 die Kunstgewerbeschule und von ron«k 7 ’ ^suchte von 1904 

zu Dresden (Schüler von Richard Müh § ^ Kunstakadem!e 

Seit 1908 lebt er in . Müller, Zwintscher und Kühl). 

auf der Bugra k ^ «tad- »»M erhielt er 

Schöpfungen und Radierungen zu Schlegels ? ta ” s 'J’f, da,ll<; ; Sd ''C erotischen 
1916), die acht Blätter zu Heines Bäd ” ( Weimar > Kiepenheuer, 

Weißbach in Heidelberg , ' Ll,cca kpäwr bei Richard 

Weber in Leipzig und® S' Z \? ÜmmC,S ” Wiih ' b -"e" (W J-.J- 

Geschmack des Grecourt“ fKi V' 10 . atc zu Schef frier „Gedichte im 
Schlußvignette zu A deLeiten P °‘ Sd:l "’ 7 Blatt und 

Hoennicke, Berlin r 9 zz) d Bkf LTtn V" *** (Alf- 

„Die schöne Courlandon» fch-i 1 i c dußvignette zu H. de Regnier 

zu Verlaine „Frauen» (Berlin Tcf’ßt f ’ Id ° ennicke > J 9 a 3 ), 12 Blatt 

Setzung Verlainescher Gedichte befgegeben Außerd ^ d , Cr 

blatter (Eva, Moralischer Kater Heißer T^p^u-- Crschienen viele Einzel ‘ 
Umarmung, Feil, Gepfählt, Abseits To n §> Entblattert > Courtisane, Leda, 
Jahren von 1913 bis 1923) ' er entrdstete Kakadu usw. (in den 

n seine! Erotik durchaus normal empfindend und allen Perver- 

202 







stn'em U " d dic damit verbundene Vorlust, ohne 

seinem Variationshunger irgendwelche Konzessionen zu machen Von allem 

verursachen konnte, hält er sich fern. Sein In-’ 

Robuste“, Starkes, Erdhafefat S" Si“etl T "*“** nidl » 

chen. Von ihrer Pn r^nv I i • 8^ eic ^ en 111 Hosen gesteckten Mäd- 

wert zum bildnerischen Ausdruck'."eil“!',“ MCinU " S ' ^ “ a ' S kaUm aea ' Km - 

iU " 8 ' r ’ Wiener Künstler, 

gelangt. Tagend und Loh ? ’ “* J“ sdne ™ Todesjahr zur Anerkennung 

verschließend, gelangt er fLühzeitiLzu" ^ ^ bcWU ^ t fremdcn Einflüssen 
der dazu zwingt ihn ! K l T™™ C, 8 enen formvollendeten Stil, 
hier in Fra^e kommenden W ^ - U /? S1Cl /; u betrachten. Hinsichtlich seiner 
7 S.Z) wie fott Totif is.T / ^ NemMh ('•» ..Bilderlexikon" II, 

Werk. Neben der Erotik, deren vitilc'Knff'^ 1 " 1 ’ n<:bf ' :dern vo " Schicl “ 
sucht und bewältigt wirkt hei c r i • i ‘ f \ ^ le § ewa § testen Darstellungen 
so daß geschLhSe El' , ° f ‘ mals aUch ci " c “^tische Einstellung. 

Der RufensWüst i„J^ 7 "’i' d “ '^«ischen verknüpft wird, 

aufgepeitschten.'^equälten S^u'Jitäfenvlt ™ ^ 

tung und Untersuchungshaft, die mit Freispkdlg endete“ ^’ 



Rudolf Schlichter , geboren um 
1890 in Calw in Württemberg, hat 
sich durch zahlreiche Einzelblätter, 
die in der Erotik das Äußer ste wa- 
gen, in der Sammlerwelt einen Na¬ 
men gemacht. Mit Vorliebe holt er 
sich seine Stoffe aus der Welt der 
Prostitution. Er gibt, wie Morcck 285 ) 
treffend sagt, „einen Blick in die 
Abgründe der heutigen Gesellschaft, 
imtei jdie Kulissen des modernen 
c ens , aber nicht kühl, als leiden- 
scia tsloser Beobachter, sondern tem¬ 
peramentvoll für die Enterbten Stel- 
uii-, nehmend. Seine glänzend ge- 
ma ten Frauenakte zeigen ihn als 
eister der Farbe, der von den Im¬ 
pressionisten das leuchtende Kolorit 
übernommen hat. Seine ab und zu 
im Handel auftauchenden Blätter 


charakterisieren ihn als typischen 


264 


Zeichnung von Otto Sch off 


Pt' 








Zeichnung von Otto Scholl 


Schuh- und Hängefctischisten. Eine 
gute Charakteristik seines Schaffens 
gibt Heinz Graumann. Mf.S?./ pf 

Otto Schaff, geb. am 24. Mai ' 

1888 zu Bremen, im wesentlichen Hf. ~ ' 

Autodidakt, bildete sich besonders |L\> - . \ I 

in Paris. Neben seiner künstlerischen jt’Mj * // iJ/ 

Arbeit geben hauptsächlich die f .///ly ■ J , : ’ I / ß^ % 

Frauen seinem Leben den_ Anreiz. So 

Kunst am dem Erleben zu gestalten, j 
so macht er immer wiedei Jagt au I H 

dic Frauen, jedoch nie mit bcfrie- j W| jtfH g 1 I 
digendem Endergebnis. Es ist notig, j J , 

dies festzustellen, weil Fuchs ihn m 
seiner „Geschichte der erotischen 

Kunst» (III, 146) als pädophil kenn- HK. 

zeichnet. Er sagt zwar ganz richtig, ^ 

daß gegenüber der Gestaltung «no- ^ von otto Schoff 

sexuellerMotive die allgeme ne offen 

liehe Einstellung weniger konzihan einen solchen Affront wagt, er 

sei, so daß also, wann ein K »" st ‘ er Triclie folge, daß also sein gesamt« 
einem ganz bestimmten eingewurzelte Zwange stche . Das ergebe sieh 

derartiges Produzieren unter ein r0SHMe | 1 Eingestellte zwar die les- 

auch daraus, daß der ausgesprod h in Widerstreit mit seinem 

bische Liebe begeistett gestalt konn.,^ ^ Lieb d e 

Grundwesen zu kommen, daß könne Da , s „ folgert Fuchs, Schoff 

lich-gleichgeschlechthche Lieb 1 | ä[i mässe er dementsprechend 

in dieser Hinsicht meisterhaft 

orientiert sein. N wenige Künstler erfreuen sich, wie man 

Dieser Schluß ist verfehl . ) | d der es ihnen ermöglicht, ohne 

weiß, eines zufriedenstellenden Wob»* ihren künstlerischen Neigungen 

Rücksicht auf materielle Pläne in die Wirklichkeit umzu- 

zu leben und ihre ihrem We*r cinem auf Bestellungen »„gefertigten 

setzen. Steht der bin “ C ,? vorgefaßter Meinung heraus alles ohne Aus- 

Werk Pate, so ist es verfehlt, » us = wollen. Gerade bei Schofl stellt 

„ahme auf einen Generalnenner br „u seinK Schaffens Die lieblichen 

immer und überall die Frau m Mn ^ wiedergibt haben viel von 
Mädchenbildnisse, die er m eiot Kunst beschäftigt sich "ich 

dem graziösen Strich Fragend „ c^ ^ geh , d a hin> das Weib mit 
mit Problemen wie etwa F.ngeste. ^_ 




seinen \X/° 1Iust heischenden Formen zu schildern. Besonders die kallipygischen 

"” d ^iedergab™' 

tigen intensiv sein! Phn “T törralichcn Kult mit ihnen, sie bcschäf- 

dS4“r n “ r dic logi t chc F ° rtfahrun s— 

tiv künstlerischen Ausdruck verleiht r U aUch dem Flagellationsmo- 

«sie, die ja nicht um die Ä r'“ "T“ H ' ** ““ Pl »"- 

zweier individuell bestimmter P ' ’ ^i ° mCU unl L "' Beziehungen 

Phrsisehes BÄ “ Xh 

Ät=r 

2 p Llt h°graphien zu Platen „Der verfehnne Eros’“ Ubd\ Gurlitt), 

„Freundinnen“, „Freunde“, „Bordell“ Martha“ f f^ ’ “T- PPC " 

dem Pseudonym Benjamin Schmolke) Vorstadt“ i r L !j 0 gr f h ' en ' untcr 

(das meiste bei Fritz Gurlitt rr<rl * ’ ’\ c " \ ”* m „Mädchen" 

Pseudonym Scheibenberger) zu Thfophü Ga F ^ * lluStradonen ( unter dem 
quise“. hCOphl1 Gautler »Das Hündchen der Mar- 


rektors der Eremimge-Gderie 8 ^ Sifanlafa** ^ PetCrsbu T> Sohn dcs Di " 
demie zu Petersburg mit geringem F*f 1^ S . tudlere cr an der kaiserlichen Aka- 
erst diese Stadt gab Thm sdn e 1 S SlCddte sich da "" » Paris an, und 

Bilder im Charakter der Biedermeierzeit^ SdlUf er Scine köstlichen 
atmen. In seiner Buchkunst U* ’ dlC clnc zarte Empfindsamkeit 

flußt. Zu der im Verlag R Piper Tn 1°™ französischen Rokoko bcein- 
__ 8 P ' m Munchen VOr Jahren herausgekommenen 



Konstantin Somoff: Aus dem BUderbuch der Marquise 


Mappe »Der Phönix" 
steuerte er ein erotisches 
Bild bei. Als Illustrator 
zeigte er sein bestes Kön¬ 
nen in dem von Franz 
Blei edierten Zeitspiegel 
»Das Lesebuch der Mar¬ 
quise", zu der er in ioo 
Stücken noch zehn Kup¬ 
fer „Aus dem Bilderbuch 
der Marquise" für seine 
Fieunde schuf. Obgleich 
erotisch sehr frei, sinken 
diese technisch und in 
der Idee meisterhaften 


Bilder doch nie ins Porno¬ 
graphische. Sehr selten ist 
„Le livre de la Marquise". 

Venise (d. i. St. Peteis- 
burg), Chez Cazzo et Co- 
glioni 1918, das 33 zum 
Teil mit der Hand kolo¬ 
rierte Volltafeln und 120 
reizende Textillustrationen 
in Holzschnitt enthält, dai- 
unter eine große Anzahl 
stark erotischer Bilder. 

Marcel Vertes (geb.1895) 
ist wie so mancher der hier 
genannten Künstler Auto 
didakt. Paris, in dessen Le¬ 
ben und Treiben er ganz 
aufgeht, gibt ihm die An¬ 
regung zu seinen schmissig 

hingehaucnen Zeichnungen. 

In den Mitteln seines Aus¬ 
drucks ist er überaus spar¬ 
sam. Ganz wenige Striche 
genügen ihm zur Charak- Wilhelm Wagner: 

terisierung der dargestellten Kundsc ha f t lauernde Dirne in Marsedle 

Personen oder zur Illustne- 

* x 

" i; 

dagegen eifernd, sondern j er u „d gefälliger Wta, der ste adelt 

ÄÄ« den inr J«***-“ "> 

seine bekannteste Mappe (vj. KUnst . 

S. 87p—880). . . r .„ ensiltz Z u den andern lue. an„etun 

Wilhelm Wagner ist, nn » 2 6/ 




lern, nicht ausgesprochener Erotiker. Alle Erscheinungsformen des mcnsch- 
ichen Daseins zieht er in den Kreis seiner künstlerischen Betrachtungen und 

- — - 



Wilhelm Wagner: Dirnen 


St: Ära ihn 

Ei—l -i« es ihn^dt CbÄ 

ein andermal offenbart er die malemrh,» °\v/ LlmC zusam menzufasscn, 
Lnnb ;uf die nackte Haut za^Ä^ ^ '**"***"' 
mus der Glieder, der im Spiel der Unbewußtheir • J' beni11ttcIt er dcn R y th - 
em andermal hat er die Gelöstheit e i n « K" ^ lcbt Und senkt - Wieder 
. In jeder Komposition spürf man dl ' PCrS ™ , Schlaf dargestellt, 
eines lyrischen Temperaments eine srh •• f art lcb übende Weichheit 

Körper Grazie und Anmut sucht und fbdeTdic l' 8 /* 1 * im weibIichen 

- 

nicht, in die Niederungen des n,c„ S chliche„ S 

208 


.. 1 u, rW Marseiller Bordeilebens, und die der 

wie Godal, reizte ihn die ie u => a c Dokume nte menschlicher Verworfenheit 
Natur abgclauschten Bilder sine < ^ an einem Band der Reihe ..Der 

zu werten. Als Buchillustrator hat er mitgearbeitet (zu dem Bande 

Venuswagen“ (Verlag FnU ’ mutige Zeichnungen) und mit seinem 

„Die Kirschen“ lieferte er ^Vorbildes zu treffen gesucht, was 

weichen Strich die Anmut de 1 «*«™“^ . 

ihm meines Erachtens vor f^. lch . ^talentvollsten jüngeren Künstler gelten 
Kurt Zabczinski kann .als eine se inen genial erfundenen und 

der leider noch nicht die Zun, Teil mag dies auch 

geistvoll durchgeführten Schopf = Zabczinski ist der geborene Eie¬ 
rn, der Gewagtheit des Stoffes !»*"> d pllMn der animal,sehen Ge- 

tiker, der in der Darstellung; der em , ^ welch ein Gegensatz zw - 

schlechcsbetätigung in seinen, Ta ', „ollen Zeichongen und beispiels- 

sehen seinen witzsprühenden und eIerj dle doch in der Geschieht. 

äs- rÄrÄt 

seinem Vorwuif s ^ einze lne Blätter l cdoc , m bleiben Individua- 

künstlensc 1 aus e > Gesta l ten sind keine >T en > Schwingungen nicht 

tragen werden.- Sc ^ höchsten Erregung se 1 ^ crotischen Freu den 

UtätCn ’ blassen In manchen Bildern, ^ sich d überzeU gender noch als 
vermissen lassen. wirkt er typischer U „ .. • ver l eU gnen kann. 

des Proletariats schon’ historisch gewordenen ^ Künste> geb . 

Zille, der ja sein d der preußischen ^ dem Proletariat her- 

Hemrich Zille, ; n Sachsen, g»n 8 d gein Vater; e in sehr 

io. Januar.. 1 858 7^^ ^ zU schildern er nie mu^ Umstände ins Schuld- 

vor, dem fünften - 1 banl durch 1 f^srhielten. So spürte 

geschickter Goldhan we ^ G i äub iger lange J a ^ Mit H j abrcn kam 
gefängnis, in dem d die Armut am . den Abendstunden bei 

zi „c die Entbehr . d;c u breund er me ^ UnterrÄ ßtc er 

er zu einem Eitno 0 i y _ e i c hnen. Das »jeiu Soielzeug verdienen. 

Hosemann und b)o " 1SC1 y erka uf von selbstge ertig^ Tecbn ik des gra- 

sich selber durch tC ” tdrUC k über und lernte " be j t ents tanden, so daß 
Später ging er zum • cben W ar manche eige Zeitungen und Zeit- 

phischen Gewerbes, nz sich um Mitai « Schwarz weiß-Ausstel- 

er auf Zureden seiner tn er slC h bei öe öffentUch keit. 

.t l-,f>Tvarb. Aber erst 1 9 ° Zeichnungen an u ^ - m 


er Mitglied der PrMBischcnAkld^deTKtastt SC "' Cr 1924 wurdc 

der Historiker des fünften Standes r,„T , V 9 Starb cr ' ~ Zil| e ist 
nend beiseite, sondern das Gezeichnete cridit""' bcob ' 1cl ' tc ' Hl u "d nur zciclt- 

eines George Grosz, er zeichne', seine 



Oedanken und 

acht keine Konzessionen und verseht' ’ Z -‘ 6 1St Unver fälscht wahr, er 
mit keinem schämigen Mäntelchen odei^ ehT^V 6 * 116 Nutten hc ^kt er 
an seine Sammelwerke: Mein Milljöh Rund" 1 Fci§Cnblatt - Durchblättert 
Akxa nderplat Rinder der Straße> ums Freibad, R u „ d um den 

Cp ■ b" mehr aIs ein BiId > das der landl" Geschlcht en usw., so 

Gesicht schlagt, und doch kann man nicht dIaufl § en Mor *l ungescheut ins 

»Äa&'-Ä.'SSSÄiic 

OJq d Von Bindedrahts 


,, , . . . , , „ w ■! e , , u sehr das Geschlechtliche hervortreten 

Hochzeit beschlagnam. 1 Äußerst kraß hingegen ist seine 

lasse (Ldg. II Berlin, Akt. Z. b j J und geze i c hnet von 

Lithographienfolge „Hurengesprac e, g > » hi ammen und 

W. Pfeiffer, Berlin 1913“. Acht Berliner e zur Dirne wu , 

erzählen sich gegenseitig mit unver um er ^ Trotzdem Zille also 

den. Die typische Situation ^ wa. bei ihm «nnSng zu 

hier den letzten Schleier wegzieht, ™rkt s^o Das Mitleid 

betonen ist, lüstern <*"**££*£ jSd Feder. Zille sieht 
mit den Parias unserer Gesellst , «ammenhän^e, sieht ein Leben. Nie 

nicht Schuld und Verbrechen, er sie t ^ ^ abef we R er von Porno¬ 
war ein Künstler nackter und of en » y e i nen Gemälden, die hier und 

graphie entfernt. Das gleiche gi * von , i j n j en Handel gebracht. Sie 

da auftauchen, zuweilen infolge e ^ tra ’^Lpielsweise illustriert den Schwank 
stellen erotische Situationen ai, eins überraschten Liebenden dem 

Boccaccios mit dem Faß, bei dem ““Aber was Zille zeichnet, sind wie- 
Gatten in seinem Beisein Horner ai , £ p0 che, sondern seiner Mitwelt, 
derum nicht die Menschen einer hl «° und deshalb in so sympa- 

seiner Kreise, in deren Fühlen er sichjune'"™ 

thischer Weise zu schildern verstellt. ' Unika verwiesen: 

Künftige Z/7/e-Biographicn seien au => ^ und M arte, eine Bal- 

1907 erschien ein Neudruck von • • der Me ister in Aquarell eine 

lade Zweibrücken .78«. I" Z ?™ „ c 

derbkomische Szene, signiert: H. ZUi • . yon H ans Ostwalds „Ero- 

Auf dem Pergamentumschlag eine ;b P ^ H ZIlle in farbig aus¬ 
tische Volkslieder aus Deutschen ,B ^ ^ eine Szen£ Berliner Typen 
getuschter Kohlezeichnung recht d ^ __ , 

• w 7,'Ile 1910) festgehalten. r d ; e } n der Erotik bedeu- 

Ich habe mich in vorstehenden A “ S ®™XkeTn Um” üb“, ih« Qualität 
tendsren Künstler beschränkt, ""J"« “ r “ „ soll . Der Kreis hätte sich noch 

als Künstlet im allgemeinen gefa^ ^ känftigen Geschichte der modern«, 

viel weiter ziehen l' v7 ' cn * - | Vorbeigehen an Namen wie 

erotischen Kunst dürfte dabei meh ^ Margare ,e Gaal, Bom G 

Besnaux, Busch, Fritz Frlc' , ' Q ß m „„, Eugen Hamm,B'.. Hege ( 

schönb 7 2 - «w 

- ” hie 

—* :~u K/smnpn möchte, Erotm 




e; der Zn Arbd ' gcs P™S‘ h: > b “. hätte ich da* Schaf- 

schäofend ZT U ' ,S,ICr ^ dcm hicr ! " kommenden Gebiet er- 
kaum f dn d Kün S d k " r “, Gezc ' st solltc lcdi S lk h werden, dal! wohl 

len und 2 emT« r “ ^ 7 ' rotisd 'e Themen zur Bearbeitung zu wäh- 

nigstens ^’T U '” T' 

i^ttdTrv r von de " iOTig ™ 

gehend behandelt werden konnten, ausgewählt und reproduziert worden. 



272 



r-tsanova und Zenobia 

K.tahe.h Un.p-Aekenn.mn 














V. Die erotische Ansichtskarte 


Champagner aus Kaffeetassen zu trinken, Schlagsahne mit der Suppenkelle 
zu fuZ, wird nicht jedermanns Geschmack sein. Als Mensch von Kultur 
sc| „ f , 1M Ding 

aufnehmenden Körper das ^ Originalkunstwerke innerhalb 

unterziehen braucht. Sic l e -allzuvielen die Möglichkeit gegeben, 

seiner vier Wände zu ^^‘'^^^j^g^p^at^moderne Geschäftsmensch ver- 
Der in die Tretmühle sen Hasten Tagen und Gieren, Kämpfen und 

fügt bei dem heutigen Drangen und Hasten, J 0 Nahrung und Not- 

Balgen um das tägliche Brot umUfa.™ Zcit , ° sidl d , e sen 
dürft gehört, auch nicht ubei c as er es n i c ht einmal. 

Luxus zu gestatten. Aber in der Mehrzahl der ^ Nur 

Kino und Radio befriedigen d,e täglichen Gestalt v0 „ K ino- 

hicr läßt sich das Verlangen nach Beau«, £^ Auf dem Ge b,ct der 

Stars und so mit apodiktisc er Sm er , hn verm ittelt zu einem gro- 

bildenden Kunst muß der Abklatsch 0 en 0 

ßen Teil die Postkarte. c flmm ler sie behielten ihre Vormacht- 

Städtc ansichten beglückten dieje« ^ ^ Neuaufnahme, die wiederum in 
Stellung, an ihre Seite scho sic . un bequemen Konkurrenten er- 

der Reproduktion von Kunstwerk f Fabrikant au f den nahelie- 

hielt. Man duldete sie so lange, b Jes nackten weiblichen Körpers 

genden Gedanken kam, auc 1 er ° Stichwort war gefallen. Sofort be- 

weiteste Verbreitung zu verscharre.. ; paragraphenschwingen- 

gann sich der „sittliche Glanzleistungen überheb- 

den Staatsanwalt zu regen. Die ^ Zwerchfelle a ll cr Bewohner beider 

licher Kunstkennerschaft erschutte ^ d em Verfahren, das vor einer 

Hemisphären. Nur ein Beispiel fu ändler wegen des Vertriebes der- 

preußischen Strafkammer gegen ein ^ ke anhängig gemacht war, führte 

artiger Reproduktionen ^^^^‘blwie folgt auf: 

die Anklage die beanstandete ^ ^ einem Mantel dürftig be- 

„Helene Fourment von P. • krümmt gehaltenen rechten Arm die 

kleidete Frauensperson, die mit den g 
Brüste nach oben zusammenpreßt. 


18 


2 73 


Venus von Tizian, eine auf Tüchern nackt liegende Frau. 

chlummernde Venus von Giorgione, gleichfalls eine auf Tüchern un- 
bekleidet liegende Frauengestalt. 

Danae e Amorc von Tizian, eine mi, leicht angezogenen Beinen nackt 
neben einem rech« von ,hr stehenden Liebesgott auf einem Ruhebett liegende 
1 rau, den goldenen Regen erwartend. 

Ruhende Venus von Palma Vecchio eine nm \y/-i i c "v i 

liegende Fraucngestalt. Waldessaum auf Tüchern 

Eine'Dame“ SCh ' rT“"' di «“ Karten ein Liebespaar. 

w d von einem h S T'' t Sofas hineingelchn« liegt, 

wird von einem hinter demselben stehenden c.Vh u i • . i , 

Herrn crelrüßr TV v i i enacn > sich zu ihr herniederbeugenden 

E hifße d e W rkn^ d des Ehebruchs.“ 

chen wo Ue f T ““‘“"'^'schaftlichen Steckbriefes abschwa- 

enen, wollte man ihm etwas hinzufügen. Für uns Ict ,i;. ., i 

Kunstwerk, für den Staatsanwalt ist es . eine mit ri M ’“ ^77"' T" 

kleidete Frauensperson, die mit dem gekrümmt geh ab"' 'T d “', " S T 

Ä «^TTT*" Aus diJ 

hi3S h |ed^t2 S S Ga d' dCr und 

unverzeihliche Verbrechen beHne V • a Verdammt > wci1 der Künstler das 
zustellen. Man hielt s7chandiet W L eibHche " Gesäten nackt dar- 

die Abbildung objektiv geeignet sei ~ 8 ? ncht geschaffene Prägung, „daß 

normal empfindenden Menschen in gelhleclnlkher“'^ 1 Si “ lichkcftsgefühl cic i ! 
Diese reichseerichrliVbt> c,.~ii f r llllc nci Beziehung zu verletzen. 

ßischen Gerichten. Besonders einefst "fk ^ W1 ** I8C Nachbeter an den preu- 

folgung der oberstrichterlichen Max im c 7 n! T-u tat sich in dicscr ßc ' 

nichts weiter verhandelt ^ 

mit der einen Materie schuf eine Atmnf 1 •• ^ •' DlCSe StCte Beschäft, S un § 
die ab und zu derartige Debil Atm <*Phare, wie sie bei andern Gerichten, 

wird. „Die Dar S t e r g t weit tt“ J*“’ ^ —offen sein 

bemerkt. Fast immer tu ^ ** ^ 

Kreis der Männer, die verhandelten, war bk auf den A*' \ 7 eSchl ° SS . en - ° Cr 
Anwalt immer derselbe harm U,„ A i . d 1 An S e klagten und seinen 

bemerkt. Fast imm„ war '%££*£ 0 T F °™'" ^ ^ 

Wechsel eines oder des andern Miro-P i 0ffcntllch keit ausgeschlossen. Der 
sechs Juristen empfanden allmählich D '“ C 

sehe. Nur durch diese Verhältnisse sind die Ut eilfd ^ o 0 ”"’ 

isääzte £r m » 

“• ”'«>■ D “ ***-*£* wmde-die’tt: 


274 



Liebesschwur 


Richard Hegern: 




rufen hatte, nicht mehr los und fand es deshalb an der Zeit, eine zur Re¬ 
vision gekommene Sache an eine andere Kammer des betreffenden Gerichts 
zur Nachprüfung zurückruverweisen. 

Da, war vor dem Kriege. In der Zwischenzeit ist man zu einer freieren, 
also naturgemäßeren Auffassung zurückgekehrt. Freilich „ich, so, daß nun der 
„normale S.tthehke.tsmensch" den Weg alles Fleisches gegangen wäre. Ach 
neu, der Zeitpunkt seiner endgültigen Einbalsamierung oder Mumifizierung 
legt noch in unerreichbaren Wolkenregionen. Aber man hat doch hinzugc- 

Lächerlichkeit! 1 ^ 1 WCn ' 8 ' U " d SChcUt ^ in Huch der 

drüü n d kÖ ' ,n "Vt r f M ilich VerSKhen ' daß dcm unwiderstehlichen Tätigkeit,- 

tenll tröffne w d “T T Fj'T' "d’menden Staatsanwaltschaft ein 

Blut re en A b r d“ " 7 ' “ "“V“ HÜ,crn dcs Gesetzes Galle ins 
Blut treten. Aber dieser Drang würde sogleich seine Befriedigung finden 

wenn das übrige mannigfache Gebiet der Kittchtouk^n. • i 8 ■ 8 

liehen Betrachtung unterzogen werden möchte WnM 7 ^ T 

nicht nach dem Staatsanwalt Jedes Vol 7, '“7 W scl,re,en 

anwait. jedes Volk hat seine Kunst und deren Abglanz, 

wie cs sic verdient. Aber haben wir 
diesen mit Erotik durchtränkten 
und durchwebten Kitsch wirklich 
schon verdient? Man halte die Augen 
auf und betrachte einmal die Aus¬ 
lagen der Papiergeschäfte! Was sieht 
man? 

Zunächst die „ Pariser Salon“- Kar¬ 
ten, auf denen die Nudität wahre 
Oigien feiert. Der künstlerische Ge- 
anke wird nur so weit durchge- 
dirt, als es nötig ist, um ihn als 
eckmantel für die gewollte Stimu- 
lerung des Sujets benutzen zu 
können. 

In zweiter Linie kommen die sog. 
Akt-Photographien mit wirklich 
A// lei volra § en d schönen weiblichen 
° e en. Im Schönsein besteht ihre 
ganze Aufgabe und Daseinsberech- 
und diese nützen sie im voll¬ 
sten Umfange aus. Eine Nacktheit 

Erotische U.kkarte Ä,™ '%T d ' r 8=- 

«-narren ist, findet wenig Wert- 



276 




Schätzung. U le iviouciie 
den Fundamentalsatz begriffen, daß 
das Halb- und Dreiviertelentblößte 
mehr Anreiz bietet, als das gänzlich 
Unverhüllte—und handeln danach. 

In reizendster, duftigster Wäsche 
locken ihre durchscheinenden odei 
nur schlecht verdeckten Reize den 
Beschauer. Im Hemdchen odei vor 
sintflutlichen Höschen sitzt die 
Schöne am Bettrand oder vorm 
Toilettenspiegel. Fehlen diese in 
timen Kleidungsstücke, so reichen 
doch wenigstens die schwarzen o er 
fleischfarbenen Strümpfe bis übers 
Knie und bilden in ihrer d un en 
Tönung den lebhaften Kontrast zur 
möglichst naturgetreu wiedergege¬ 
benen Fleischfarbe der Haut. Es ist 
nicht zu leugnen: der Photograp 
versteht sein Handwerk un 
Fabrikant sein Geschäft. Die m 
sinnverwirrender Entblößun 0 s 
den Augen der wollusttrun'enen 
delle entsprechen fast durchweg un ** 
in ihrer grazilen Beweghc ' elt > ? 
durch überflüssiges Fett nicht b«*« 
führungskunst treibt sie ™ | u ' ge „j el 
Routine des hinter der „ 

ihre Reize ins besmLieht^j; 

Wohlverstanden! Die Utt - d 

doch naturgemäß muß nnan es verrne^ 

entscheidenden Stellen Ansto. - j 

der Frau bleiben demgemäß m vors c 
•.u^nerheur einen P n111 


verfeinerten Schönheitsideal 
Statur und appetitlichen, 
igen. Ihre angeborene Ver- 
der Profitgier angekurbelte 
phen, die gewagtesten und 
nzunehmen. 

, den Anblick profitieren, 
, über Sein oder Nichtsein 

nären Geschlechtsmerkmale 

iilluns oder finden in dem 







Nur c^ Nn h 6 l 7’ “ Vol 'k°—'rcrhcit der Linien begründ«. 

Ime n GrT i? H n ' “ ha I’ U " d in di “ CT B ' zid ’“"8 man den 
nur dar w« 2 ü h“ e a“"’,” 11 " 8 kaUm 2utcil « rd "' lassen, denn sie zeigen 
tun sie das aüehr a"’ 7 a ^ r .8 rfindlid ’- Und mit welcher Offenherzigkeit 
Sch,eiern ,ose verhüllt! „Z 


r 


$ 


323/4 




Offen verkäufliche Ansichtskarte Beisi ,, , . . c . 

c ernenn Schaufenstern ausgelegten 
Aktkarte 

Stellung, im Kokettieren mit dem din-oh ,. • 

wiedergebenden Spiegelbild präsentieren skh die J^ . Fo ;*—ollcndung 
Säulen von Libanon prangenden Brüste 1-, c Wl ^ ln &^bügel der wie die 
im ersten Semester, prall lie zum sSeü 77 M ' ' r "? C -'™rstudente„ 
wie junger Most und eindrucklos für ke - §C Luftklssen > berauschend 

Ebenmaß der Linien aufgegau Zgen^let 

griffe verfolgen lediglieh den einen Zweck den R ^ WegUn § en ’ alle Hand- 
locker zu lassen, angekettet zu halten st-pt-c • i CSC lauer zu fesseln, nicht 

unvergleichlichen Schönheit eine HekatombT zu o f uffoi ' derun S> der eigenen 

P ern, die Busenfetischisten 

27ö 


- und deren sind mehr, als unsere Schulweisheit sich träumen läßt m 
den siebenten Himmel zu versetzen, zu erheben, hmaufzuschai • 

Oer gleiche Augeuschuums wmd 

boten, denn die mehr rückwärts ö » j die wie zween Zwillinge 

gemäß mehr Liebhaber in J.^ W * “ JJ erlicffC nden Seite in höherer Region, 
hüpfenden Schwestern auf der 0 0 ^ ^ darf man eines nur nicht: an 
Soll man sie darum tadeln. Fern > Funktion der in der Mitte 

die abscheuliche und doch so e Erhabenen zum Lächer¬ 
liegenden Lokalität denken, denn Han dbreit. Verbannen wir also 

liehen ein Schritt, weniger als das L e m Schnippchen zu schlagen, 

diesen Gedanken, um dergedacht - dem Stoff¬ 
und erfreuen wir uns an de • D j eses Können einzig und allein 

Wechsel nicht unterworfenen e ‘ © , Schaffens und Genießens, nam- 

bildet die Voraussetzung jedes Kehrse ite erfolgreich 

lieh das bewußte Vermögen, die » Zu dieser Kraftentfaltung ver- 

noch unter das Unterbewußtsein zu « » * aufzusc hwingen, sofern der 

mag sich der Durchschn.mgemefcM^^^ scHagc „ r „ich. ins 

militärische Grundsatz ,, L 

zivile Leben übertragen wird, denn 

alsdann tritt für den 1 U1 , 

schauer sofort das Gesetz von du j jjBMB PgB 
Lächerlichkeit des zu offenhcizig 

sagen wir „offenherzig , 7 , I ' ■, ^ 

brutale Bezeichnung der W "' k 1 
keit würde zu sehr chokieren z 
Si: Getragenen 

Wir kennen die Plastik, freu Hk 

an ihr, doch dringen wir nie ne ■ M. 
fer! Schleier drüber! Abbtod«• 

Einen Schritt weiter! Wollen 
ihn wagen? Vom bloß Ästhetischen 

— bloß“ in des Wortes verwegei 

” ; n die Grenzge- 

ster Bedeutung — » n d 
biete der Pornographie. Solle ^ 

Gut, sei es denn! Alles m 2 ^ 

in den gesetzlich f est S e .^ §tel den 

sind zu wenig, des Reizes is 0 







! Weit erstreckt sich vor unseren staunenden 
erotischen Ulkkarte . Nuttchen lüpft die Röcke, 
beiden, eng vom Trikot eingepreßten Herrli¬ 
chen müht sich schalkhaft, die von zwei Kötern 
ten, um so besser demonstrieren zu können, daß 

Kleider ein notwendiges Übel, Nutt- 
--— ~ 

chen — kurz, Nuttchen ist überall 
und mimt jede Stellung, die Be¬ 
zahlung trägt. Selbst horizontale 
Lage! Abwechslung verlangt die 
Kundschaft. Nichts leichter als das! 
/VS Wozu ist es Ware? Nuttchen tut 

mit, will leben, gut leben und schert 
sich den Teufel was um die Moral 
einer spießbürgerlichen Gesellschaft. 
Und tut recht daran, jawohl, denn 
so lange sich Käufer für derartigen 
Mist finden, ist Nuttchen um kei¬ 
nen Deut schlechter, als die von 
ihrer Prostituicrung Gcnußziehcn- 
den, sich an ihrem Weibscin Bcici- 


Wciter! Sitzt man schon im 
'hlamm, will man ihn auch gc- 
eßen. Skatologie ist die Parole! 
Merkwürdig genug, das weibliche 
Element verschont man hier in auf¬ 
fallender Weise. Warum? Ist cs den 
weniger unterworfen? Will man sich das 
n ? A us Gründen der Sexualität? 
—: man aber das Weib 
ei begreiflichen Gesichtswinkel des 
iuf der kurzweg, wie sag ich’s 
Biille, mit Radiohörern, vergnügt 
loppelsinnigen Schlagwort: „Immer 
modern. Bezeichnend jedenfalls als 
ng der Frau, die ihr durchaus nicht 


Kadio allüberall: 

Immer diese dummen Nebcngcräusdie! 


Idealbild seiner I raume nicht zu sehr verekel 
Gleichviel, die Tatsache allein ist ausschlaggebend. Wählt 
als Objekt, dann nur aus dem schon eh. 

Humors, z. B. ein holdes Wesen sitzt a 
meinem Kinde? — Commodite, zu deutscl 
am Detektor manipulierend, mit dem d 
diese dummen Nebengeräusche!“ Schon i 
Folgeerscheinung für die Gleichberechtigui 
zum Segen gereicht. 

Und sonst? Immer und ewig das W. C 
riechst heut wieder aus dem Mund!“ Keil 
trunkenen in allzu enge Berührung mit de 


1 



beim Eisenbahnreisen, 
Kilometer-weit....sitze 


Das ist das schöne I 
Daß man kann ganze 


Rdibn san s die 
I \Vasd»>cbQ*s cla 

1 nbc: un^ , rak^ , s t * , • 


t nrht^ tmmer auj i 



SV HcrrN»; 

denn eigcntli 


erotische Ansichts 


28l 








Halberotische Ansichtskarten 


Ernährung kommt. Oder: Das isr A^. \ . 

man kann ganze Kilometer weit - sitzen ^• EisCllbahnrciscn ’ daß 
„Schön san’s, die Waschschüsseln, aber unpraktischen' T^ 8 * ? dcn 
medertupfendorf, der das W. C. als Waschb D< T Lackl aUS Hintcr " 

in der Phantasie des von Humor nirhr ' , CC .. C . n ansic * n > spukt wohl nur 

lekt soll wohl auf Bayern als Quelle h' an ? eiranke } ten Zeichners. Der Dia- 
veilchenblaue Dummheit die dem Ou 1I ?^ CISCn ‘ Weit gefehlt, die sternhagel- 
Vermutung. Viel eher ^ 

kung des Flatus darstellende Karte mit der 1 •! J ' C VCrheerende Wi >" 

Ur-Muncheners: „Sie, Herr Nachbar wo f mutllch ' ncu g i engen Frage des 
Radi?“ Die gasbildendc Wirkung dieser eeT" ^ denn ei 8 entlich Ihren 
drastischer darstellen als in dem °putzieen § C 8nCtC " * Übe läßt sich kaum 
rumpfenden Norddeutschen und dem die S , CgCnSatz der entsetz t die Nase 
hygiemtchen Nützlichkeit beurteilenden Süddeutschen G ' sid,tswinkd d “ 
adheit und nur Fadheit strömen die KinA -/ 
liehe Bedürfnisse zur Zielscheibe eines billieen' ' arten aus ’ dic s ‘ch mensch- 
die Blasenentleerung des Dreikäsehochs als * D P ° ttCS erWahlen ’ sci cs, daß 
als „Luftschiffer“-Funktion oder Für FpinJ l ^ ^ lstc Rätsel für Mädchen. 
Brechen fade wirkt cs auch, wjt T d “8«tellt ™ d - Zum 

„Naturstudien", der unumgänglich notwend^ '^V"" klriner Kl '"pse als 
„Praktische Nächstenliebe" abgebildet wird Und d T'^’ , V ° n Pi ' r ’ i<:r • ll ' 1 
Schaukästen der Papierwarenhandlungen derartij v man 1,1 dcn 

L eiter geht’s nimmer! Nimmer? O weh nur C A , j Kar . ten . ZU Dutze 'iden. 

Lasciate ogni speranza, che voi entrate! Region des' Tv'' ^ SCh ° n dabeH 
notwendiges Korrelativ der Lebemänner •• d Dlrnen geschmacks und 

„Wozu hast du nur deines Bruders Badehose aT ^rh ” f A " deutun g en genügen, 
aus!“ wird ein kleiner Backfisch von seiner Freu A * U St S1C ja docb nickt 
trunkener Tattergreis ist an der Tür eines Mäd Jndln a P ost rophiert. Ein be- 

Sie bemüht sich vergebens, ihn zum Aufstehei^ 7^ f ^ niedcr S e sunken. 

rstenen zu veranlassen. Die Neben- 

2Ö2 


tür öffnet sich, eine mehr als d ihrer Z ähne: „Frau Nachbarin, 

folgende Worte entströmen dem 0 ^ salomonische Antwort: „Rin 

können Sie ihn nicht rin kriegen. . ~ ‘ rst zum Stehen hätte.“ Ferner 
kriegen werde ich ihn schon, ^ enn ic 1 ^ ^ -p raum — der meines Mannes 
die trauernde Witwe: „Das e cn 

war doch gar zu kurz! , we?en der krassen Eindeutig- 

Alle übrigen Darstellungen entzie 1 nochmals Zote. In den aller- 

keit der näheren Beschreibung. Zote ^ ^ er ent n e hen, gepumpt 

wenigsten Blättern steckt origma er > . ihren Mußestunden einma 

von Bildwerken erstrangige- KunA-. d,e tadour „ de r als Lau.e 

ihrer Laune die Zügel schießen ^ „Der Urlauber” wenn 

das ihm von der Natur m.tgegebene I inem Schubkarren angefahren 

er seiner Gattin den „Herrn der Veit 

bringt usw. .. m Obel. 

Genug! Es reicht! Mehl vaic 



283 



^ I. Der Erotiker Casanova 


durch die Offenheit seiner Memoiren Vcrfüllrcrs hat Casanova 

Unrecht, ihn als Herzensbrecher aufzufas'^ ' g , Ve ? ,cht , geleistet. Man tut 
Rahmen der Alltäglichkeit fallend neidvoü"^b Erf ° lsc aIs aus dem 

Liebesheld, wollte auch keiner sein Sn * . bcstau nen. Casanova ist kein 
dosierter Eitelkeit gar nicht!" Sein PrinT.A W* trotz stark 

und, da für ihn solcher ohne geschlechtlich Tj ^ mÜSement - Lebensgenuß 
zentrierte sich sein Hauptinteresse auf das W'b^" undenkbar blieb, kon- 
Wegs hat er cs auf einen bestimmten Typ“ S “ |S . < ? cnußob ) ckt - Keines- 
raucht er. Findet er dieses, so ist ihm iedc * j?' ^ Ur Entgegenkommen 

die Mollige wie die Schlanke, die Junge wüTt d ‘ C , B1 ° ndc wic dic Braune, 
langwieriger Eroberung hält er nicht viel Sie h u' V °" «ystematischer, 
denn er verfügt in seiner Unrast über went 7 §<:ht I ,hm widcr d en Strich, 

- -rr , niCht , ein gestellt. Nach kurzen Präliminn gcdu,di 8 es Warten 

greiflieh und, ergibt sich die Festung nicht ^ Cr S ° fon b and- 

■hm eine wohlgespickte Börse zuweilen die sc tl ^h" 1 ^ Sturm * 50 öffnet 
Jagdwild sucht er - und das begünstigt e i ne w/ Torc - Sein 

sozialen Schichten, die auf Grund ihrer Ct v 7 T \ ~ in de " tiefere " 
der mit offener Hand gespendeten Zechin« “ Jy lciChtCr dc " Lockungen 
die er einer Holden entgegenbringt, erwartet p ICgCn - Für d ie Verehrung, 
dige Erhörung seiner Wünsche, und nur dann' sJ^ S f stver «ändlich bal- 
0 eduld seine Bewerbungen fort, wenn er die , ? ^ ° h " e Sonderli che Un- 
einer anderen gefälligen Schönen abzureagieren Sinnlichkeit bei 

ne unsche auf unerwarteten Widerstand so C Cgenheit fl ndet. Stoßen 
denmadchen vorheb, wenn er nur seine un h" J mmmt er auch mit Freu- 
befned,gen kann. Er nennt sich selbst mehrfach* ° h ' le 2audern 

schamung einen Wüstling, und er wäre es in der Tat ^ lrgendw elche Be- 
Bedeutung, wenn ihm nicht die dazu gehörige k'u * Wortes Inster 
Gleichgültigkeit gegenüber den Gefühlen seiner w Ul Berechnun g und die 
wurde. Er bemustert nicht die Liebe, sie beherrs h 7 ^ Partner fehlen 
schwang vereinigt er seine Tränen mit denen 2 ^ ^ Im Gc fühlsüber- 
Peeee und Flamme für den augenb.iekSen En ist scets 

0 Q. egenstand seiner Wünsche, 



EINGALT 
u i e Wildsif'f 


CASAN 

rfecouv'ri' 



entbrennt in Liebesglut und schildert A\» i 

glühendsten Farben seiner reichh-ilt’ ^ , derZe ‘ 1 tI8e Auscrw ählte mit den 
«rischer Übertreibung mit c T„ cm G lf" t™' i'™’' ihr Ha “P‘ "> ^ 
natürlich keineswegs zukommt Von j CllSC ., Cln ’ der dcn naiven Buhlcrinncn 
das Alter bedingte,: Ab»ckH L H b ub —gende„ Warte seiner durch 
8 Ab » cUartl ™'. d « bc. seinem Temperament natürlich nur 


ip 

Ife^l 


j- 








&£££ | 


i 







j||| 






Alte Illustration zu Ca,„ novas ^ ' 

relativ sein kann, findet er selbst seinen , • 

-mg lächerlich und macht sich ein 

Allem gerade diese Hingerissenheit an das zu er„l j”™ 1 ' trüber lustig, 
dourgluckschgkcit, verhilft ihm zu se „e“ '0^ u ° biekt - die * Trouba- 
Mannstollen bei denen sein Gold nicht verfaß " 'ä Erfol 8“ bei den 
die sehnsüchtig klingende Leyer seiner Liebtbn." bci d ““ jedoch 

nanzboden findet. Seine Verehrung schmeichcl h T" ästigen Reso- 
Ruf einer das gewöhnliche Maß übersteigenden pl?’ T '"«u,eilende 
Sensationen erträumen, und sie belohnen den imnm ' älit sic "ie geahnte 
und Temperament in der Hingabe, hinter der an T“ Wcrbcr durcb 
Casanova als einen seine Eitelkeit tief verletzenden m'm* 2urUd «ustehen 
Je es Mittel ist ihm recht zum ersehnten Ziel Seil M j“ Cmpfindc " würde, 
kung erotischer Lektüre wird für ihn zum d,e ,f™üliere„dc Wir- 

Gew.ssenhaft und mit berechtigtem Stolz Zähler d"^ An e rif f™«el. 

Jedesmaligen Attacken 



dreimal berichten, daß er Blut auf dem 
Infolge derartiger, oft wiederholter exzessiver 
äß eines Tages die Reaktion und zu seinem 
•otz Günstigster Situationen und weitestem Ent- 
/eronika nicht als vollwertiger Mann erweisen 
n Jahren eintretende Impotenz macht ihm das 
haßt, daß er nicht genügend Worte findet, um 
'hmähen. Potenz bedeutet Leben für ihn, Ge- 
3 die er Wertschätzung geht er sogar so weit, 
ja K« Niederschrift seiner Erinnerungen 
.'’f' “ Bteuret auf dem Schlachtfeld der 
befinde , hlt er e i n e ganze An- 

”' n “ wähnt er „nur“ sechs Infektionen mit 
diese Ziffer beileibe nicht die richtige 
sein Kammerdiener sich >e Fran- 
teüung davon laut auf und bemerkt 
- t , ‘" „iVlir mehr zähle. Wer diese 


bei den Liebesschlachten und kann 
Altar der Liebe geopfert habe. . 
Leistungen zeigt sich naturgem« 
tiefsten Verdruß kann er sich tu 
gegenkommen bei der spröden \ 
Diese unausbleibliche, mit dci 
Alter in einem solchen Maße ver 
dessen Widerwärtigkeiten zu sc 
schlechtsgcnuß seine Krönung. B 
aus tiefstem Herzen zu bedauern, 
sich nicht mehr in der Lage --- 
Liebe erleiden zu können. Derartig« 
zahl aufzuweisen. Bis zum J alie *79 
Tripper und fünf mit Lues. Doch gi 
Zahl seiner Erkrankungen an, denn 
zosen“ geholt hat, lacht ci bei ^ 
dazu, daß er solche unveimei 
Leiden, die wir heute ‘ 

deren Augen ansehen, als Bagatellen 
betrachtet, kann natürlich als voll 
kräftiger Mann, zumal wenn 
seine Börse stets offen hall: und Vcf 
mögen mit sorgloser Haut an o 

gieHge Buhlweiber verschwendet, 

bald eine stattliche Liste 
oberungen“ aufweisen, <■ eie 

lität allerdings nicht beson 

anzuschlagen Fre f daß C asa- 

es noch nicht ausgema . > ^ frkran- 
nova über die Natur seinci ^ 
kungen stets im klaren ^ ef 

er sich bei einer alten hält> 

im Dunkeln für hat , 

einen harmlosen Kc j s ie 

weiß er dieser einzureden, ‘ • ^ 
seinem Kammerdiener mit 

sich zu gleicher Zeit ^ Leiden 
Syphilis infiziert hat, 
mitgeteilt habe. mög- 

Mystifikation waie Jen 


; Catulle Mendes,Les 
iarisiennes 





fundamentalen Unterschied zwischen d 

schlechtskrankheiten genau gekannt W ^ ersch,cd cnsten Arten von Ge- 
Einhaltung strengster Diät und SchwirT ''m Hau P theilmi «el besteht in 
der Anwendung einer salpetersauren LnT"' ^ ei " mal bcrichtct er von 
schweren Fällen muß er von C an M t ^ 2Wei ^cn drei 

-ohl auf Syphilis schließen läßt. ÄS rTuch d Was ‘"-dings 

Heilung, sondern das Messer des Arztes 1 «^ QUC ^ silbcr b "”8< ihm keine 
seiner Ansteckung bei der Renaud i ‘ c gewaltigen Leistengeschwüre 
™ar Erleichterung, aber keine Genesung b ^ CXStir P ier cn, was ihm 
I 3 , ^monatlichem Fasten und Schwit- nn8t ‘ Dlese glaubt er wiederum 
wahrschein ,ch jedoch waren lediglich dTe b ^cn. Höchst- 

d.c Spirochäten sich verkapselten Sympt ° me geschwunden, während 

Raum wahnt er sich wieder im V m • 

”” Lebenswandel von neuern^'“auf T ^ndhei,, so „ imim cr 
o • Den bei seinem von wütender Sin V li hnC daß sicb ernste Folgen 

e““'he" V kT Cidli t n BICSSllra ' «tte er frei Mel! ft™ 1 ’“’ Lebenswandel 

zieher" be* "T”’ de0n dlC gewiss en Schutzmittel F* CInigcr Vors ieht leicht 

als einmal Ü Ch u et, - SInd ihm w °hlbekannt „nd ’ 't Cr a,S » en ghsche Über¬ 
ais einmal, doch nicht zum Selbstschur* . d Cr bcdic,u sich ihrer mehr 

-tte„:fr r ?r nd “ P -«nt nTe'„ SO d t™ ™ dia -eh vorh/nd^ 

werten Nonchalance überläßTef d" W ° nne "- Mit 

wenn' ihmt, “ naUsbIeibli che Frucht tollst"Ex""'" SC \ ,Kr Bettfreuden die 
gegentritt ä i ” ° der Jahrzehnten ein “* höchst beglückt, 

d S eutlic 1 t SUgS ? St,VC Macht Lenden ent- 

- als I« ,r daS ,‘ St das Merkwürdivste 5 . Chke,t ’Pricht nichts so 

wegs grollen'oder"nachträelM^' 16 '' 8Cm - h ten «“„“rih'’'''| S “ Auffassu " 8 

Im Gegenteil. Voll ,"h 8 “ mit lästi Sen AnZäT ’ dcs «ge'> keines- 
sich verlang „d^?"h h rStr0mendcr Da "kbarkeh Gl ' , “ n ih " heran,teten. 

- Wunsch,'ah Ä“ A ™ IV™ 

ter von neuem 711 P -ff b Cr ^ iebes turniere mit ihr 7 <Llnen sehnliche- 

——- Äi.“ - 






Pnltetti: Im Luxusbordell 

E . Planchinger-Coltetn. 

• • , ihn niemals das einem gew 

; kCn,,t ’ rSer selbstquälerischer Eifersu, 
springende ‘ Vergangenheit. Er 

allerwenigsten tut £ ef seiner , 

lächerlich zu ^ und er hält es I 
e Beziehungen ‘ » ^ücheren Vorgang 

:e Rose von '***J% ak und H+* 
nach semer yVeib zum mindeste 


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19 




tensiv genießt als der Mann, hieße es, von den Frauen etwas Naturwidri¬ 
ges verlangen, wenn man von ihnen fordern wollte, daß sic ihre fung- 
fernschaft lediglich dem künftigen Gatten reservieren sollten. Er glaubt 
deshalb auch an keine natürliche Schamhaftigkeit und, als die spanische 
Dame in Mantua dem durch die vorangegangenen Liebeskämpfe mit der 
Schneidersfrau Zenobia Erschöpften nicht sofort das weitgehendste Entgegen¬ 
kommen bezeugt, trägt der in seiner Genußgier Unersättliche keinerlei Be- 



Fassade des Schlosses zu Dux, wo Casanova 


seine »Memoiren« schrieb 


uTJr r wunsen sich ihm Er ^" dc 

Sich kaum harmonisch in das Bild dnfügen'will 'd"”"“ 5 " ^ 

i , trugen will, aas man sonst von der 

lose S £ n„£hk"rdie U Brf C d" «"fT Franken- und Zügel 

seir d is cmrcbt ’ st “ f K “ tc 

;dh r L N „rr To,t':° k? zu , sci 

mod,eren zu lassen!“ gesteht er in unüberbietbar ZyZtus 

««kc; ^ t 

seinen Liebesscharmützeln die Helle vorzieht & daß er i n ^ 

auf seine außergewöhnliche Potenz unbeteiligten Dritte, d^'A^lfrT 
erot,sehen Heldentaten gdnnt, wenn er sein'er Gel^nte^det“of” 



291 


2QO 


19 






ziellen Liebhaber damit ein erwünschtes Vergnügen bereitet (Nonne M. M. 
und Kardinal Bernis). 

Ein solcher Mann, der ausschließlich das Amüsement und die Geschlecht- 
liehe Befriedigung zum Inhalt seines Lebens macht, der jede Bindung fürch¬ 
tet, der ohne jeden ersichtlichen Grund ruhelos von einem Ort zum'andern, 
von einem Land ins andere hetzt, stets auf der Jagd nach Glück und neuen 
Genüssen, egozentrisch eingestellt, an dem Schicksal der Mitmenschen nur 
insoweit interessiert, als das liebe Ich daran Vergnügen gewinnt, ein solcher 
Mensch kann unmöglich ein langes Leben als einen besonderen Vorzug an- 
sehen da all das, was den Inbegriff seines Daseins bildet, mit zunehmc-ndem 
Alter für ihn in unerreichbare Ferne rückt. Casanova kennt nicht - und 
das ist das Tragikomische in seinem Leben - die Kraft der Entsagung, und 
es wirkt unsagbar lächerlich, wenn der Jubelgreis, fern von dem' Getriebe 
der Welt von nichts anderem träumt als von runden Busen, der Elastizität 
der Schenke und der strotzenden Fülle seiner längst zu Großmüttern ge¬ 
wordenen oder zu Staub vermoderten Jugendgeliebten, denn für sein Herz 
blieb die Zeit stehen wenn auch der welke Leib ihn allzumerklich an ihren 
Wandel erinnerte Hatten ihn die Götter geliebt, sie hätten ihn früh sterben 

se ne ’sc^ 7 ^ ?' pfC ^ UcbcSraserci jäh abgebrochenes Sein wäre 

seines schwelgerischen Lebens harmonische Krönung gewesen. 



292 


VII. Prüderie — und kein Ende! 

1 „n Finch der Lächerlichkeit entgehen zu 
Gewiß geht es nicht ^^ schell zu werden, die Zügel am Bo- 

wollen, aus Angst, als Ungcucc \ 0 . ^ <n - c jf en zu lassen. Aber eben 

da, schleifen und die Sntan« er^ ^ " nd p ornograp hic in jedem 

” " cms 8cl,t . “ Tr h irnlosen DnmclUmg des Kunstgcwcrbes zu sehen. 
Kunstwerk oder jtdu h. - j und Gerichte nur selten den richtigen 

Aus diesem Dilemma sei möge ' d ; cser Strafkammern, noch dazu in 

Aus- und Mittelweg zu hnccn. Kriege derartig ergötzliche Stück- 

Berlin, lieferten, besonders kurz yoi cc ^ v ® r g CSSen heit anheim fallen zu 

dien, daß es jammerschade , f ür unsittlich erklärt, die offene 

lassen. Da wurde die Turnhose ‘ oJer durchsichtigen Strümpfe einer 

Matrosenbluse der Knabai, tic ^ • £j ne Postkarte mit der Unter- 

Schülerin, der entblößte Hals einer vcrficl de r Konfiskation. Man 

schrift „Vogel, ziehst m die Wet * • Re isekoffer abzog und dem aus 

sah darauf einen jungen Mann, du auf dcm Arm nachsah. Die Un- 

dem Fenster ein Mädchen mit emu' ‘ ^ auf dem Bilde keinen Trauring 
Züchtigkeit lag nun dann: da das■ ‘ y kehr un d es erfolgte daraut- 

trug, so deute dies auf einen außuchehdie 

hin prompt Bestrafung des Handle.. Gcsetzentwur f gegen den Schmutz 

Als im Jahre 1914 dem v Re Ä‘ r °des heutigen Schu-Schmu-Gesetzes) vor¬ 
in Wort und Bild“ (der 01 at d Mällcr-Meiningen in trefflicher M eise 
gelegt wurde, geißelte der Al b&w und führte auch Beispiele an, 
den albernen Zelotismus der ^ >?Zwe i Schutzleute haben einen 

wie ein „öffentliches Ärgernis ^ bdnen Situation angetroffen, und bei cei 
Mann in einer sittlich sehr ^emg ^ beiden Schultzleute, ob sie Ärger- 

Gerichtsverhandlung fragte der j erklärte , er habe Ärgernis genom- 

„iS genommen hätten. Der Sd™“ ^ ,, rage . Der Vorsitzende .roste dtc- 
men, der Schutzmann II »bei . denn kein Ärgern,s genommen. Da 

Sen Schutzmann: .Ja, w»rom ^ Darauf erfolgte die Antwort: .Herr 

Schutzmann I hat es doch: S®- hat „ns verboten Argerms zu neh- 

Vorsitzender. der Herr Poh“T* agt : Ihr Kerle habt überhaupt kern 

men. Er hat in der 1-1»«»“ f ” telle „, daß du andern Ärgern,s „eh- 

Ärgernis zu nehmen, ihr mußt bloß 



men. Auf die Frage des Vorsitzenden, warum denn der erste Schutzmann 
trotzdem Ärgernis genommen habe, erwiderte Schutzmann II: .Ja, der erste 
Schutzmann war nicht in der Instruktionsstunde, als uns das Ärgernisnehmen 
verboten wurde.'“ 

Das Allcrtollstc aber war die krankhafte Verballhornisierung unserer Klas¬ 
siker. Die Medea bei Grillparzer durfte z. B. nach einer Schulaufgabe keine 
Scham besitzen, sondern nur eine Scheu. Das Herz darf ihr nicht aus der 
Brust fallen, sondern zu Boden, denn die Brust ist anscheinend etwas sehr 
Unsittliches. Aus unwiderstehlicher Neigung wurde eine dankbare Gesinnung 
konstruiert. 

Die „Frankf. Ztg.“ vom 3. September 1912, Nr. 244, schilderte weiterhin 
das skandalöse Wirken eines geistlichen Schulinspektors, der die ihm unterstellte 
Schulbibhothek nach Maßgabe seiner perversen Ccfühlsrichtung reinigte. Herz, 
choß Brust, Hals durften nicht Vorkommen. „Ließen sich anstößige Stel- 
Kn nicht durch Radieren oder Entfernen der ganzen Seite verschandeln, so 
verhüllte ein großer Klex das Ärgernis. .. Niobe fährt mit der Hand ans 
Auge, nicht ans Herz. Aus der Gemahlin des Herkules wird ein Freund. 
In Liliencrons ,Kriegsnovellen' werden in dem Satze: ,Ulanka und Hosen 

mußt m FctZen ,. die H ° sm "gelassen. Einem jungen Offizier 

solitr dCS Unan f andl§Cn Oberschenkels der Arm durch einen Granat- 

Splitter zerrissen werden usw. <c 

Nacht“" Vlelen Ta ^ C " dcn ans . I ‘|crz gewachsene Weihnachtslied „Stille 

hunzune Dw Sr \ ^ gcistlichcr Pädagogen in schamloser Ver¬ 
mehr: Strophenanfange ließ man stehen, doch hieß der Schluß nicht 

jAlles schläft, einsam wacht 
Nur das traute, hochheilige Paar, 

Holder Knabe im lockigen Haar. 

Schlaf in himmlischer Ruh 1 

sondern: 

Alles schläft, einsam wacht 
Nur das traute, hochheilige Paar, 

Das im Stalle zu Bethlehem war 
Bei dem himmlischen Kind! 

Auch die zweite Strophe erhielt einen neuen Schlußvers. Statt: 

Christ in deiner Geburt! 

hieß es jetzt: 

Christ! Erlöser du! 

Welchem Triebe diese Umdichtung entsprungen war, läßt sich nur ahnen 
Wahrscheinlich waren die Ausdrücke „Holder Knabe“ und r 1 „ • 

lieh anstößig befunden worden, ” Gcburt “ ls s,tt ' 


294 


Man wende „ich, ein. daß es *?£»£!&££££ 
timg der Befugnisse j; ” muckerische Scheu ging ebenso wie in der 

TL darauf aus das gerande sinnliche Empfinden 

durch duckmäuserische Heuchele,Jiu verd.angem^ ^ Gouvcr . 

Rcznicchs, des ..Siniphzissitnus-uciic ^ - „i c ht mit Scheu- 

nante“, „Zu Hause“ und „Im Fasch,,,ss.rubd £ >^ , jbe „ svolle Da r- 

klappcn ausgestatteten Mitte euiopnct durch das Reichsgericht 

Stellung eine Quelle des Entzückens b, den tu.„de,,.-) 
gebilligt, der Beschlagnahme .wenn1 «c ^ iScUummenld e Nymphe", 

Das gleiche Schicksal ci tuhi , - Kritiker Dr. Max Den, Vcrlags- 

trotzdem Gutachter wie oais ot • > 4 u f ser ten, daß Fcuerbachs Werk 

buchhändler Julius Junger f untcr 5 x8 4 , Ziff. i, 

„keusch und herbe wnkc un weibliches Wesen darstelle.- ) Der 

StGB, fallen könne, dals es ein mc* d;e treibenc ie Kraft im Berliner 
sattsam bekannte Prof. Dr. ‘ Ansic h t , und das Gericht schloß 

Polizeipräsidium, war nanirheh anec ichdichen Judikatur folgend, 

sich ihm an. Es stand, du dama «, oH , ina i n i c ht unzüchtig wirke, es 

auf dem Standpunkt, daß, wenn at c _ Mass ” nver breitung, da dann die Ge- 
doch die Wiedergabe tun könne a lcicht in unre chte Hände gelangen 

fahr bestände, daß die Reproduv1 eine Razzia bei den namhaf- 

könnten. Getreu diesem Grundsatz sil berne Zigarettenetuis und 

testen Berliner Juwelieren verans. » h ^ ttcn> dcr „schamverletzend“ wir- 
Feuerzeuge mit Bildschmucv aus ^ L hochwertige Kunsterzeugnisse mit 

ken müsse. Dabei handelte es sich u^^ Schon der gepfefferte 

Reproduktionen von Gemälden us . ^^ daß die Stücke sittenverderb- 

Preis dieser Gebrauchsgegenstand koHutenÄ-' 0 ) Die Geschichte verlief 

liehe Einflüsse auf Jugendhci . . ff wurde abgeschlagen. Aber wochen- 
zwar im Sande, der unmotiv.ette » ^ Bewegung gesetzt werden, ganz 

lang mußte der ganze behordhc PP^ KaufleUte . um schließlich ein nega- 
abgesehen von der Belästigung Blamage war den zuständigen - tc en 

tives Ergebnis zu ^f'^nteW geworden, als sie mit lächerlichem Elan gegen 
bereits zehn Jahre voi iei ° Felde zogen. ... 

die Wachsfiguren der Friseui freieren Auffassung ubergegan- 

Neuerdings ist das Reichsgench ^ keine Unzüchtigkeit mehr, 

aen Es sieht z. B. bei Aktkatte ) handelt, vielmehr müsse „aus dem 

wen es sich um Abbildungen von D ^ Jer Hairang, dem Gesichts- 

Bilde selbst, aus dem dar 6 e f “ hlechtliehe Beziehung erkennbar weidcm 
ausdruck. dem Beschauer die * 1 m Spure „ eines •™ ssch ™ fc "^" 

Wenn der Körper =■"« ,?„ ‘ 8 ““„ dic Dargestellte es versteht, durch Ruh. 
Lebenswandels erkennen a ' 2 Q 5 



der Körperhaltung und des Gesichtsausdrucks das Wachwerden eines ge¬ 
schlechtlichen Reizes zurückzudrängen, wenn der Photograph cs versteht, die 
Aufnahme so zu gestalten, daß dem Beschauer eben nicht die Dirne entgegen- 
tntt, dann kann das Bild nicht deshalb als unzüchtig gelten, weil die Über¬ 
legung den Beschauer zu der Ver- 


Die überlastete Justiz 

Znfhnonf Hrttifg 





mutung oder gar zu der Überzeu¬ 
gung führt, die Dargcstellte sei eine 
Dirne.“ Von der viel gelästerten 
Weltfremdheit der Richter ist auch 
in folgenden Ausführungen keine 
Rede: „Was die Beurteilung der 
Gesichter der Dargestelltcn anbe- 
langt, so darf nicht unbeachtet 
bleiben, daß die ersichtliche Ver¬ 
wendung von Lippen- und Augen- 
brauenstift — die früher wohl als 
Kennzeichen bedenklicher Frauen 
galt nach der jetzigen Mode auch 
in andere Kreise gedrungen ist, so 
daß sich hieraus jedenfalls keine 
sicheren Schlüsse mehr ziehen las¬ 
sen. Schließlich mag noch erwähnt 
werden, daß die Beibehaltung cini- 
ö ei Kleidungsstücke — wie der im 
angefochtenen Urteil hervorgeho¬ 
benen ,modischen Schuhe* oder die 
Verwendung von Schleier, Schmuck, 
umen zwar im Rahmen an- 


Aus dem .UHu, Berlin derer' UmstäX eh MeZai Z 

aber auch bei Verwertung solcher Merkmal^^d^r kan "’ daß 

tigkeit Vorsicht geboten ist. Wenn — We il cs an • C Beurtcll ung der Unzüch- 
hchen Beziehung fehlt — die Darstellung / U 'T crkennbaren geschlecht- 

“ * - wird “TdalÄ nkh ' SCh ;" 

der Lichtbildner zeigt — meist die Schönt;. i j S d Ge § enst and, den 
— durch Verwendung gewisser Stoffe oder S h ^ , argesteBten Frauenkörpers 
. Un g e Zeit har ^f*« -•«) 

Sich durchgerungen hat. Allein die unteren Geriet h h Stand P unkt 

einer solchen freieren Auffassung noch nicht auf* Z" Sldl Vielfach zu 
wäre es m ehrzu den zahlreichen Attentaten goen II' d j nn SOnS ' 

ren ,n der hUenJm Kunst gehonten, ganz^ichg^^^ 




V 


Das ersle Rätsel’ 


Erotische und skatologische 


Ansichtskarten 


29 7 















oder angewandte Kunst handelt, und noch engherziger zeigen sich die Ge¬ 
richte, wenn irgendeine Beziehung auf Erotik sich nachwciscn läßt. Alles 
darf nämlich der Künstler in den Kreis seines Schaffens ziehen, nur nicht 
Erotik. Sic ist immer noch Tabu, selbst wenn die Gestaltung den größten 
künstlerischen Wert besitzt. Das mußte Prof. Walter Klemm erfahren, als er 
seine Radierungen „Die Erbsünde“ herausgab. Es fanden sich hier Sachver¬ 
ständige, die das Werk schon darum unzüchtig nannten, weil die dargestcll- 
ten Liebesverbindungcn nicht im Dienste der Fortpflanzung standen, so daß 
einzelne Blätter lediglich der Befriedigung niedriger Instinkte gewidmet sein 
konnten. Trotz dieser Philippika einzelner Kunstgenossen und wider Erwar¬ 
ten, kam das Gericht im Anschluß an Gutachten von Liebermann Kolbe, 
Avenanus und Reichskunstwart Dr. Redslob zu einer Freisprechung. 202 ) 
Erdreistet sich gar ein Künstler, die Nacktheit in der Öffentlichkeit para- 
lcren zu lassen, so kann dem Werk seiner Hände das Schicksal beschicdcn 
sein, wie es Octave Mirbeau im „Tagebuch einer Kammerjungfer“ und Wil¬ 
helm Hegeier im Roman „Das Ärgernis“ so unübertrefflich humorvoll schil- 
dern daß nämlich B. derstürmerei dazu schreitet, lebensprühende Figuren in 
geschlechtslose Eunuchen zu verwandeln. Er kann von Glück reden, wenn 

Smin d C T S1 t S ° 8ar finanzidlc °P fcr « bringen, um den 

Stein des Anstoßes und Ärgernisses zu entfernen. Zu einer derartigen Auf- 

p eiung schwangen sich die Verfechter von Sitte und Moral in der Stadt 

H *hVh Uf ’i lh S1C bC1 dCr Eröffnun S des neuc " Stadttheaters durch die vier 
weiblichen Figuren am Hauptportal, die mit nichts als mit der ihne" vom 

Künstler verliehenen Schönheit bekleidet waren, in ihren heiligsten Empfin- 

t r/r rr stc » um - 

i • • i • j 11 ° . - 5 °° womit die beleidigte Sittlich¬ 

keit sich jedoch kaum wieder reparieren ließ. 

Die Godesberger, von vornherein an dem Effekt .• r, 

verzweifelnd, begnügten sieh deshalb in einem Hhnbche r if " 8C ” 

harnisehten Protest „gegen die Aufstellung einer „Ickten jl VT IT " 1 SC ‘ 

seres Volkes und unserer Jugend gefährdLen«Ä, 

wallungern “ “ d “ * «*h» G «££ 

Ä und *“?*"** ** 

wirken will, wo die edelsten und feinsten Motive^ d ° rt S1 " enveredelnd 
recht kommt uns das behördliche Ungeschick erst 7 „n'T^ ™ rherrschen - So 
zeitlichen Abstand gewonnen haben zu d • -i- Bewußtsein, wenn wir 

spiel für viele: sS 9 o\JZ die Büche rD^ n ^ ^ Bei- 

lotb, „Adam Mensch“ von Hermann Conr 'P*™? des Neids“ von Wal- 
Jungen“ von Conrad Alberti wegen Unzücht^gkeitTr Beklag 

298 


um? Wieso? Das Rätsel harrt noch " r 

gestattet: Ist denn f^^Muß der Normalmensch mit dem staatlich ge- 
dauernd sittlich nach einem Menschenalter wieder einem 

aichten Scham-und Sittlich *, h dessen zarte s Empfinden nicht 

andern Normalmenschentyp 11 a 

in gleicher Weise sauer reagiert? ^--.---- 

Ergibt sich demnach nicht von 
selbst der Schluß, daß die Moral¬ 
begriffe nicht feststehend sind und 
der liebevoll gehegte und gepflegte 
„Normalmensch“ ebenfalls einer ge- 
wissen Entwicklung unterworfen __ 

ist? Wo bleibt also das Kriterium. ' y~ ^K . ^ 

Wo die Logik? . jSki 

Tatsächlich hat denn auch das 
Landgericht II in Berlin diesen Ge- 
danken aufgegriffen und sic 1 nm Rß 

angeschlossen. Der von Fritz Gurhtt r 

in Berlin 1919 herausgegebene neun \V 

bändige „Venuswagen“ war damals 
der Beschlagnahme verfallen, un « Nw 

Gericht sprach die Verurteilung fast _ :_1 

aller Bände aus (Akt. • -• 

^6lzo). Nachdem es in den voran- Der Kunst enthusiast: 

' ' T -u. der Urteilsbe- virh > ne ee nzwe Nuditätin derjanzen Aus- 

gegangenen Teilen der ^ hick doch üe ber zwee MUr- 

gründung dem omino , ker druff un jehe in >ne Revue 

menschen“ Wieder ‘ ver , Aus der >Jugendt . Zeichnung von B.n Nagel 

künstliches Leben einzuhaucl 

sucht hat, fährt es fort: Erteilung einer Schrift oder Abbildung nicht 

„Weiterhin muß aber bei der B eu 1 schiedenen Zeitepochen außer acht 
der Wechsel des Schamgefühls m ^ berücksIchtigen , daß in der heutigen 
belassen werden. Das Gericht ^ßte polgen eingetre tenen größeren Frei- 

Zeit mit der durch den Kneg .“ n anderer , nicht so strenger Maßstab wie in 
heit der Betrachtungsweise en * d dar f we iter nicht verkennen, 

früheren Zeiten angelegt werden ^ Denn des Künstlers Hand 

daß nicht alles, was nackt auch ^ durch Pinsel oder Meißel, so zu 

isti r nde ’^^f 

Entscheidend 


Der Kunstenthusiast: 

Nich ’ne eenzige Nuditätin derjanzen Aus¬ 
stellung. Da zahle ick doch üeber zwee Mar- 
ker druff un jehe in ’ne Revue 

Aus der ,Jugend<. Zeichnung von Bill Nagel 


299 


Goldene Worte, die wohl jeder, dem es um die Freiheit der Kunst ernst ist, 
vorbehaltlos unterschreiben wird. Aber das Gericht macht sofort eine Hin¬ 
schränkung. Es verlangt „künstlerische Vollendung“ und läßt, wenn der Grad 
dieser künstlerischen Vollendung nicht ganz erreicht wird, die das Geschlecht¬ 
liche streifenden Schöpfungen nur dann zu, „wenn man die Gewißheit hat, 
daß diese Bücher und Bilder nur in die Hände von Sachverständigen oder 
wenigstens reifen Männern und Frauen kommen, denn es muß auch der Leser¬ 
kreis berücksichtigt werden.“ Da die Prospekte jedoch durch den Buchhandel 
vertrieben worden seien, könne auch jeder Bemittelte, selbst wenn er nicht 
„sachverständig“ oder „nicht reif" ist, in den Besitz der Hrotika gelangen. 
Und das eben will das Gericht in Auslegung des Gesetzes vermieden wissen. 
Zieht man die Konsequenz aus der richtigen Entscheidung, so wären Erotika, 
die einem eng begrenzten Personenkreis unter Ausschaltung des Buchhandels 
zugänglich gemacht wurden, wobei also der Hersteller der Kunstwerke den 
geisugen und moralischen Wert der einzelnen Bezieher kontrollieren kann, vor 
einer behördlichen Beschlagnahme sicher. In einem ähnlichen Sinne spricht sich 
“, d “ ch. bezüglich einer Schrift, die eine Wissenschaftliehe 

ü * I c " d “’ z Tcr °'S'> in *i« r Entscheidung vom 4. November 
904 (RGSt. 52, S. 85) aus. Doch muß man sich hüten, hier zu veralUc- 

SÄ SUb ’ Ckm ' a ’ En " CSKn ** - «"* hi- weitester 

tel^umtZbigc GdsSt^dute vo"fc I*. T ^ Mi “ 

n * w 1 1 T • F11 ^ on dLr üildtlachc verschwinden 711 lassen 

Bei Werken der Literatur versnrichr FWunvlo/ 1 lassen. 

immer den sichersten Erfolg, bei SÄincnrocibcn t T l ' ! i lt nU | d ’ 

Dunkelmänner sogar vor der Inszenierung von ZWerslW V ^ 

ruck. Die jüngste Zeit erlebte solche bei V« W I , 

bei Scbönhen: „Weibsteufel“ und vor allem bei t i” tarrh ” Usk ° mud ‘ C ' 

reits 1903 oder ,904 vom ^ 

zu München vor Geladenen uraufgeführt worden wl »T *' V" TOa 
.920 wurde der Versuch im „Kleinen Schauspielhaus“ zu R v' V 

Direktion von Gertrud Eysoldt und Sladek wiederhok Zf U " tCr ^ 

Kreise alle Hebel in Bewegung, „ m durch c'ericMs „cd dl fT “ 

Szenen verbieten zu lassen. Da das Gericht jedoch in A t ” Unzu 1 chtl S cn 
werter Weise sich nicht als Werkzeug der Dunk 1 - durch . aus ane rkcnncns- 
gingen diese zum direkten 

doch vorher unterrichtet worden, daß von mehreren War ,C ' 

listischen“ Organisationen, wie dem Dent-«4. ~ii • radaubeflls senen „idea- 

bund“ und dem „Bund dcütschnatioisal^geshimer^SoHaf" , f < jn. U,Z r “" d T ™‘ z ' 
nächsten Aufführung ein großer Skandal geplant sei R •’ 7 de " Ab “’ d Jcr 
brach denn auch wirklich der Radau los mk Joh£ &£ ^ 




! 'i 

i J! C; 


\ v ted 
1 \ ’/afci 

Sv ^ . s.TO 


Schwefelwasserstoffspritzen und was es sonst noch an idealistischen Kampf- 
• >1 /U r Die Polizei, die rechtzeitig benachrichtigt worden wai, stellte 

mittein gilt- ’ , n t c r :: c u zu Ende bespielt werden konnte ;~ M ') 

bald die Ruhewi^r heb »^tr^k^l den geplanten Ttei- 

bereiei^ genai^uiuertichtet wor’/cn und traf deshalb geeignete Vorkehrungen. 

Es veranstaltete die Auffüh¬ 
rung des „Reigen“ nur als ge- \ \ 

schlosscnc Vorführung und 

verlangte von jedem Besuchet * > J W'W 

die handschriftliche Unter- U) i* v- - vfe 

Zeichnung folgender Erkla- H., . 4 |sk|i|| 

rung: „Die Untcrzcchnctui ' V, 

erklären, daß sie Ireiwilhg die Sflfl'-} / ■. ; 'E ,, |v ViS6@ 

Aufführung des .Reigen bc- I' 4 'd 14 • 

suchen, gegen den Inhalt de, Äf^Wjfc , 

Szenen keine Einwendung ci- j C A* ' 4 

heben, und verpflichten sich, Ü iTOC 

die von ihnen gelösten Karten | 9 % Vk*. 

nur für sich zu verwenden -vife .)M. ■:) 

und nur an gleichgesinnte Pei - t ^ i- 

sonen, nicht unter J Jahren, 

weiter zu geben. ) V 

Bis auf die unmittelbare Ge- | 

genwart halten diese auf „Sitte \ CXg- \ 

und Moral“ eingeschworenen 
Kunstverneiner an dieser nicht 

gerade von anständiger Gesin- | » 

n Un V zeugenden Methode fest. 

In Hamburg wiederholte sich 

das widerliche Schauspiel bei Aus: Briefe der Xinon de Lenclos 

der Aufführung des Zeitdra- Rütolz eicimnn S von kr.i w.ner 

mas „Die Verbrecher von 

Bruckner (Theodor Tagger) im Städtischen Alten Theater zu 

im Deutschen Schauspielhaus (b dcr Vorstellung von lldi« 

Leipzig) und in Frankfurt a. • im Himmel geschlossen . Faule 

Hascnclcvcrs Komödie ..Eh“ d , 1:)S Rüstzeug der noblen Strc.- 

Eier, Stink- und T«n=ngnsb<«*=" v0 „ Zack „ aym Der troh- 

Se Ä dTÄ 

dm sk t;; 


|\ j f 


\us: Briefe der Xinon de Lendos 

Rötolzeichnnns von Karl Walser 



holte sich in Berlin (Theater am Schiffbauerdamm) bei der Aufführung der 
„Pioniere von Ingolstadt“ von Marieluise Fleißner, in denen nichts weiter 
vorgeht als die Techtelmechtel einquartierter Pioniere mit drallen Küchen¬ 
besen und obligate Eifersucht zurückgesetzter Zivilisten, bis die Sackcrmen- 
schcr von zweierlei Tuch endlich davonziehen mit Tschingdarassa ßumbumbum 
und geknickte Küchendragonerherzen und triumphierend aufatmende männ¬ 
liche Zivilistenjugend zurücklasscn. Der Mob tobte und heulte bei der Vor¬ 
führung und erst nach Streichung eines Aktes und einer Anzahl sittlich ge¬ 
reinigter Stellen durfte das Stück weiter in Szene gehen.-''") 

Daß auch der Film auf Grund der für ihn bestehenden Vorzensur sich aller¬ 
lei lächerliche Eingriffe gefallen lassen muß, erregt nicht weiter Verwunde¬ 
rung. Obwohl Verbote niemals den beabsichtigten Zweck erfüllen, könnte 
man es verstehen, wenn tatsächlich pornographische und verbrecherischen In¬ 
stinkten der Masse Nahrung gebende Pilmc der unbarmherzigen Schere zum 
Opfer fielen. Aber was wird eigentlich von Verboten betroffen> 

In Bayern wurde vor einiger Zeit der Film „Natur und Liebe“ gesperrt: 

/. weil bei der Schilderung der Stein- und Pfahlbauzeit fellbekleidete Frauen 
gezeigt werden, 

-• weil menschliche Abnormitäten zu sehen waren 

J. weil das Durchschneiden der Nabelschnur vorgeführt wurde. 

4 . weil es bedenklich sei. Jugendlichen da, Ausschlüpfen von Schlangen aus 
dem Ei zu demonstrieren. 


In einer Szene aus einem andern Film wird ein junges Paar "czeKt das 

Loten K ' e i dU, ’ S , U, ’ d Ha ‘ tU " 5 a “ f toÄV; 

boten Ein Schlafzimmer gib, nach Auffassung der Prüfstelle den Rahmen der 

Handlung, durch die unsittliche Regungen warh<n„-i,f i 1 •• 

w„; fpr i tv •-p" , . ° ° en Wdcngnufen werden konnten. 

Weiter! Eine Tänzerin steht in guter Kleidung ganz allein da mit hoch- 

gezogenem Bein und ausgestreckten Armen Verb ° ' ■ • t „ 

sittliche Gefühle erwecken könnte W “ 1 dlc SkIIu "5 

In der „Illustrierten Filmzeitung“ des B T“ s w ■ i 

wir aus dem Reklamebildstreifen Sensation' \w ' M ** 1929 Schc " 

das die Harmlosigkeit selbst ist "Ä '£/* DM ' 

bietung, die für Erwachsene durchaus unbedenklich ist V'l U " 8 ’ 

Szene einen Sinn legen könnte der einen V k , nicmand 1,1 diesc 

Jugendliche verboten werden,'weil von (!U) > muß 

und dort zu Phantasieüberreizung Anlaß gibt.“ mi. verstanden wird 

Aus dem Film „Der Mann der 1-irkr“ n , . , 

Szenen der Schere des Zensors: ' ° nia Veidt ver f lc len folgende 

Akt 3, nach Titel 7, die Großaufnahme des lüsternen C • k , „ 

der sich mit der Hand ans Kinn faßt (1 95 m ) Gesichts des Boten, 

Nach Titel t 5 : Die Herzogin wirft den Bademantel zurück, so daß ihre 


302 



(L. Staackmann, I.eipzijT) 






Mnm ßAank) M Sa Mledm MSom)^ 



Galanter Prospekt 


unbekleideten Beine sichtbar werden. Der Narr bückt sich und küßt ihre 
Beine (2,90 m). 

Akt 6 , nach Titel 2 die Großaufnahme der unbekleideten Beine der Her- 

nnf'd d ' e R auf . dcm (Gezeigt werden darf die Weiteinstcllung der 

auf dem Bet, hegenden Herzogin nach Eintritt des Mannes.) (3,05 m. j 

Der Film „Madonna im Schlafwagen" erhielt nach dreimaligem Verbot die 

ÄS" ™ “ ■*—«‘(O ™ Schlaf- 

In „Der Mann mit der Kamera <c mußrp r»inr* i . . 

die einen in voller Fahrt befindlichen Eisenbahnzug vonTtefzTig'r sveil da" 
durch das Publikum ,n Unruhe versetzt werden könnte. Außerdem verfiel 

Schnitt dcr sch - 

Kl-™« .n erster 

schauungen der Gerichte und Staat'^wte f d'” 

machte in letzter Zeit der Stuttgarter Erste Smr i ^ , VOn S,ch reden 
eines Orto „. Leixner, Hermann Roeren, Lkent^ohn Dr^ut* ttY 
Dr. Armin Kausen, Oskar Blumenthal und Otto Ernst r E,lbacb ’ 
scheint.Mit Ausnahme von Licentiat Bohn sind alle tot Unter ih*" ^ 
besondere Dr. Armin Kausen, der Redakteur der Münch ,h " e " ra § te ms - 
Rundschau“ hervor, den selbst waschechte Bajuwaren als Z ÄT 
verächtlichsten Zelotismus ingrimmig bekämoft Wr A • , Inbegnff des 

Schriftsteller, Könstler, Kunsthändler!ind^SammtTudte“^ d t' 

der guten Sitten zu bezichtigen. 209 ) dauernd der Verletzung 

In die gleiche Kerbe hieb Oskar Blumen'hal, dererfolgreichstcLustspielautor, 


304 




Galante, frei 


verkäu 


fjiche Ansichtskarten 


IH 































der sei,re abgrundtiefe Verständnislosigkeit in allen Fragen geistreichen Selter- 
zes durch seine moraltriefende Kritik an Sternbergs „Braune Matchen be 



Vt-tf TitcraP». | 


te verlaes .*«* *r *—«-.. eines Bucites von Mae „„Bann 

Neujahrskarte ueb ' e » , r + 

J . i 1 t-zar* fl bin rv>7st. 


Neujahrskarte des \ eit- = Aopds chnu, “-Dichter 0 «o Er„„, 

sviesen hatte 1 “) und der N.e‘zscl^urdwerke wie „Les lia.sons dangercuscs“, 
dessen Poltern gegen erotische Stande, 

direkt komisch wirkt. Cmtt^rter Staatsanwalt nachzueifern, denn 

Ihnen suchte anscheinend der StutV tarmlosc s,en Werke der Welt- 


20 




literatur läuft er Sturm. Ein süddeut¬ 
scher Verleger hatte sich erdreistet, 
aus der Novelle „Die läßliche Sünde“ 
von Balzac eine Leseprobe in den zu 
versendenden Prospekten zu geben. 
Schon erreichte ihn der Arm des nim¬ 
mermüden Staatsanwalts. Max Ho- 
danns Aufklärungsschriften „Ge¬ 
schlecht und Liebe“ und „Bringt uns 
wirklich der Klapperstorch?“ blieben 
als sittenverderblich monatelang be¬ 
schlagnahmt. Des Verfassers vorliegen¬ 
den Bandes wissenschaftliches Werk 
„Das skatologischc Element in Lite¬ 
ratur, Kunst und Volksleben“ sollte 
ebenfalls von der Bildfläche ver¬ 
schwinden. Doch fand sich zum gro¬ 
ßen Leidwesen des erkennenden Ge¬ 
richts dazu im Gesetz keine Handhabe. 

Staatsanwalt Cuborst ist keinEinzel- 


Beanstandeter Prospekt A ™ ^ XP * S ° manchc seincr 

Amtsgenossen stehen in völliger Vcr- 

ihren 7ip1pn -i ständnislosigkeit der neuen Zeit und 

ie aus hre Eu T“ Scl,lielilicl ’V» Vorwurf zu machen ist, da 

Me^„ doch 'Aber lächerlich wirk, auf uns moderne 
Menschen doch so manches s,aatsanwal,sch.f,liehe Verbot. Nur einige mar¬ 
kante Be.sp.ele se.en aus der großen Fülle herausgegriffen. 

hoß 920 ^ 111 - C Clne A n blage gegen den Berliner Nervenarzt Dr. Lunvwitz er- 
hoben, der in seinem Roman „Lamias Leidenschnfr“ -mc • ^ ' . 

kIm“ f E Gt r dT n G aS l r' Pr0bkm d “ Zf Ä 

da, srs 2U dCT d üb r u8 T 8 ’ r 

freigesprochen, ™de 

- 1 

danken .hre Beschlagnahme dem Gutachten Brunne” ” FraUCn ^ 

banne, TrllZ waf 'thT TT Wi n ’TT’ ^ Heila " d " ™> !°- 
Mnge des StaatsanwalL griff” 

-ran wegen des Inhalts einigermaßen verstehen kannte, lin, Tuch die P T^ 


306 


/ 


spekte und Titelblätter durften erst I 
nach einem von Sittlichkeitsengeln I 
angerichteten Keuschheitsbad auf die 
sündige Menschheit losgelassen wer¬ 
den. Wer findet beispielsweise etwas 
an dem Prospekt des Verlages Paul 
Arctz zu Curt Morccks „Sittenge¬ 
schichte“? Oder an den Titelblättern 
zu Karl Plättncrs „Eros im Zucht¬ 
haus“, Heinrich Wandts „Erotik und 
Spionage“? Gewiß keiner! Dem 
Staatsanwalt gefielen sie nicht. A so 
Beschlagnahme, Verbot! Punktum. 

Das klerikale Deutsch-Österreich 
glaubte natürlich, hinter Deutschland 
nicht zurückstehen zu dürfen. Im Fe¬ 
bruar 1919 verbot die Steiermärkische 
Landesregierung auf Betreiben dei 
dortigen Schulbehörde „mi Interesse 
des Wohles der Jugend“ den Verkauf 
von Max und Moritz“ von \\ ilhclm 
Busch an Jugendliche sowie das Zur- Beanstandeter Prospekt 

schaustellen des Buches in c a Vj di bekannte Pennälergeschichte 

fenstern. Des gleiche Schick al «e. Ue ^ phl| hie Jet 

„Meyeriade“ von Oskar Kiaus, jetzigen 

Prager Universität. _ ensreiche “ Tätigkeit der Prüfstellen und Ruml- 

Sollen wir noch auf di „» i<rlich bekannt, 303 ) nehmen wir davon Ab- 

funksender näher eingehen? Da ^^ 

stand und bringen nur eim 0 e ° , Schmu _ Ver bot von Nr. 49 der „Kölner 

IT ÄTiÄ - „Verfasser bätte 1 , 1 er 

abschwächen können und s ; c b um eine künstlerische Photo¬ 
in einem andern Falle han um die Profilaufnahme eines 

graphie aus dem angese enen Ruhenden sind an den Leib gezogen, 

nackten Frauenkörpers. Die Bei ^ ^ ^ Leipzig unbeliebten Körper- 

felle^verdeckrDer Oberprüfstelle stellt sich das, nach offenbar allzu ein¬ 
gehender Prüfung, so dar: ^ Abbildung Schwelgerischer Traum*. 


H.V4ANDT 

^MorncbHa 

IH ' 
t>EK 

ETAPPE 

GENT 


20 * 



Sic stellt eine zusammengekauerte Frau dar, die ein Kissen mit Fransen an 
ihre Brust und ihren Schoß drückt. Das Gesicht mit den geschlossenen Augen 
und dem geöffneten Munde bringt zum Ausdruck, daß‘sie wollüstig erregt 
ist. Dabei kann dahingestellt bleiben, ob sic onaniert.“ 

Nachdem dieser schwarze Verdacht ausgesprochen ist .. ., wird dem Ge¬ 
setz, das sich ausdrücklich nur gegen Literatur und nicht gegen Abbildungen 
richtet, ein Schnippchen geschlagen. Fs wird nämlich festgestellt, daß der°an 
sich nicht anstößige Text durch die an sich nicht verfolgbare Photographie, 
unter der er steht, den Charakter von Schund und Schmutz erhalten habe, 
und das Ganze kommt auf die ListcV Mn ) 

„Die Hochschule der Licbeskultur“ von Albcrti (- F. lidgar Schulz) kam als 
jugendverderblich auf die Schund- und Schmutzliste, obwohl das Buch nur 

Fiwachsenen zugänglich gemacht wurde, die in einem Revers ihr Alter an- 
geben mußten. 

Boi einer Übertragung der „Lustigen Witwe" von frany Lehar durch den 
Berl.net Rundfunk (.929) mußte der Satz: „Ich bin sinnlich!“ umgeändert 
werden „Ich btn zärtlich!" „Abstcigequart.cr" durfte nicht erwähnt, und 

die tage „Sind Sie ein Draufgänger?" der Satz: „Ich gehe immer drauf!" 
nicht gesprochen werden. 

Schließlich waren jahrzehntelange Bestrebungen im Gange, ein „Gesetz zur 
Bekamprung der Geschlechtskrankheiten“ durchzubringen, bin naiver 7eit- 
genosse konnte nun des Glaubens leben, der Staat würde alle BestrebTend e 

wKSum En | h fT u, t’’ r sd,uß lMb “ MÄ 

v- Fues pirst:; f G Vc r n d ’ 

sollen wir dulden, wir, die berufenen Vertreter der Moral'? Und esTTe'tiern 
„Cut Gegenstand, der setner objektiven Zweckbestimmung nach dazu dient 
bc der Verubung von Unzucht, also z. B. außerehelichem Gcsehlcchtlvcr^hr 

äää Ä-r” 8 

bestimmt“, gleichviel, ob er seiner Art n’arl ’ 3 ’l Un j ucht, 8 em Gebrauch 
zu,- Verhütung der LpBnSrb^ütT^lÄr*'?’ * 
Ansteckung mit Krankheiten dienen kann und dient’"A n , , i T 

Verhütung der Empfängnis vom Standpunkt der Volkswirtichäf,' °i ’v ll 
hygtene, der Ethik oder sonst rechtfertigen läßt, und überhaupt n 
Tater verfolgten Endz.weck kommt es für den s ,« . 1 auf dc " vom 

objektive Beschaffenheit und Bestimmung des^ Gegen^taiidc'fentschetdet s®') 
In unser liebes Deutsch übertragen heißt das- VerrerF 1 • , 

sohn, verfaul bei lebendigem Leibe, mach dth, 

die tmt dtr zu vertrauten Umgang pflegten, zeitlebens undSlich 1 
Schicht dtr ganz recht. Wir besäßen zwar die Möglichkeit, dir und Deitfen 



die Gesundheit zu erhalten. Wir brauchten nur zu gestatten, daß man dir die 
segensreichen Schutzmittel ohne weiteres zugänglich macht. Aber wir tun’s 
nicht, partout nicht! Die heilige, dreimal gebenedeite Moral, die allerdings mit 



\ 



, , , • rilll l 11t ("deswegen eben nennen wir uns 

Christi Lehre nicht das gei mgs ^ und einige menschenfeindliche augen- 

Christen!),konnte dabei Scia - Geschlechts könnten 

ssn, ESEÄJÄ-«“ 

das Panier der Unduldsamkeit! 


3° 9 


Radierung von Kr. I leubner zu: La princeüse de Babylon 

München 1922 



Aber seien wir entgegenkommend! Inzwischen ist ja die Ankündigung von 
Schutzmitteln gesetzlich zugclassen worden. Gönnen wir aber auch andern 
Staaten den Ruhm des strebenden Bemühens, mit Deutschland um die Palme 
der Prüderie zu ringen. An erster Stelle steht natürlich Nordamerika , das 
selbstverständlich seine genau durchgcbildete Zensur aufweist. Es versteht sich 
von selbst, daß bei der enormen Filmproduktion auch dieser Industriezweig 
stark von der Zensur betroffen wird. 30 *) Zucker gibt einige interessante Zahlen : 

I. Hälfte 


Gewährte Lizenzen . . . . 
Unbeanstandete Filme . . 
Filme, die mit Ausschnitten 
zugelassen wurden . . . 


Gänzlich abgewiesene Filme 

Auch die Zahl der Aussc 
erfaßt: 

Indezent . 

Unmenschlich. 

Zum Verbrechen aufreizend 

Unmoralisch. 

Religionsverletzend 
Obszön .... 


1921 

1922 

J 9 2 3 

! 9 2 4 

! 9 2 5 

1926 

i9 2 7 

1330 

3377 

2 8 4 3 

CO 

C\ 

CO 

3310 

2 5 3 3 

1373 

1170 

2J l6 

22 57 

2241 

2 59S 

22 JO 

1156 

160 

86l 

58 6 

627 

7i 2 

2 §3 

21 7 

J 33° 

3377 

28 43 

2868 

3310 

2 5 3 3 

1373 

5 

72 

2 9 

34 

12 

9 

9 

mitte 

und die 

Begründung 

dafür 

ist statistisch 

1. Hälfte 

1921 

1922 

I 9 Z 3 

J 9 2 4 

!9 2 5 

1926 

1 9 2 7 

85 

263 

105 

624 

6j6 

N 2 

463 

35 

289 

2 3 8 

9 2 4 

1438 

44 2 

3 96 

54 

485 

382 

1318 

1804 

5°7 

889 

61 

2 35 

126 

816 

318 

141 

337 

5 

26 

2 9 

66 

20 

35 

62 

— 

2 

2 6 

3 2 

— 

— 

2 

2-0 

1300 

90 6 

3780 

4 2 3 6 

I2 77 

2I 49 


mgherzigernoch verfährt Nordamerika mit Werken der Literatur, gleich¬ 
gültig ob es sich um Eigenproduktion oder Import handelt. Eine groß ange¬ 
legte Spionage, die von den Postanstalten ausgeübt wird, sorgt für die Erfas- 

Postdebit Sltt lC ^ anst <-> ßl S en Schriften. Dem Verleger wird gegebenenfalls der 
Postdebit entzogen oder er wandert ins Zuchthaus. Importierte, nicht Stuben- 

77;; ™ d *l.“ ch ,m Einfuhrhafen auf sktiid ” Qualität 

M rU T Z “ Bcanstandun S en Anlaß gibt, vernichtet. Unter 

800 Werken, die so von der amerikanischen Regierung 1919 als unzüchtig" 

angesehen wurden, rangieren an erster Stelle: „Tausend und eine Nacht“ 
Rousseaus Bekenntnisse". Boccaccios „Decamcrone", Balzacs „Drollige Erzäh¬ 
lungen des Pe.ron.us „Satyrikon", Krafft-Ebings „Psychopathie sexual“ 
und andere rem wissenschaftliche und medizinische Schriften die S o“r 
Ai zten nicht zugänglich gemacht werden, weil man, wie stolz eiklärt wild 
„keinerlei Ausnahme macht". Ist es bei diesem Standpunkt ein Wunder, daß 

3IC. 



M. E. Philipp: Leda 



selbst künstlerisch hochstehende Werke, die sogar in, prüden Isnglancl keinen 

r M S ° ß e CrrCgCn ’ 1,11 noch P rudcrcn Nordamerika der Vernichtung anheim- 
ale" So geschah es z. B. mit den Skizzen des Bildhauers Jacob /-pstein, 

geeilt laten.“ anS ' a Ct ^ Lond ° ncr G °‘ lfrc >' "'"M Kienes aus- 

Rabelais und Voltaire gelten als „obszön“. Des letzteren ergötzlicher „Can- 

santt, t! C a s “Seblich „unsauber“ cingczogcn. Theodore Dreisers impo¬ 
santer Roman „An Amcncan Tragcdy“ wurde konfisziert und der llueh- 

setts^bedient h P , h ““> Sch ' vcr **«'*<'■ „Der Staat Massaehu- 

dar eh, Buch H ' Sondergesetzes. In diesem Staat 

entsprechender" Cn «“**“ Satzes für „indezent“ erklär, werden. Bei 

äää sm r- wot " dic 

tz f“::r, c eii,r < rr ^ sk 

verurteilte. („Breslauer Neueste Nachrichten« v, mv, t-, a , 

Für jeden Kenner der menschlichen Natur im ilK ' ' I Uc ’, USt: 

kamschen Verhältnisse im besonderen steht jedenfa ffcst'dafi“j 
Muckertum lediglich eine heuchlerische Maske dt t*“ T“ 

guten Ruf besorgten Tugcndwäehter vorbinden V tlf 

werden kann, wird eben heimlich aus-eiihr p; er , f cn 8““ ,gt 

unbestreitbare Tatsache brachte - ° j-' „ n< j n tlc ^ c nden Beleg für diese 

Da hatte nämlich dnSenator LoT, ” Vdt ™ Abend". .) 

scheu gegen „unsittliche“ Tire- t '1 er ® c 3 ® nctc Nahrung für seinen Ab¬ 
mühen eine ganze Bibliothek ^ rcdlichcm Be " 

der wiSi^d^ffTh ™ 

tiges Belastungsmaterial^ztterwcnden 11 Die .. a ' s Scweiskräf- 

einem Sitzungszimmer des Semrc 1 gefährlichen Bücher waren in 

Mitglieder des Senats Zutritt hatte A"’ ZL1 dem ausschließlich die 

aus interessante Bibliothek verseht' ,1' " CS SC j°" e11 Ta Scs aber war die über- 
klärung bleibt, daß dt a ' ,Ur dil hM ' st b 'a™ble Er- 

kanten Bücher „ausgeliehen“ habcnT' 1 "] S j Cngcl1 Senatoren sich die pi- 
Dte Prüderie macht jedoch kei a, ’ Scl,e,ncnd ™ ^ Tugend zu stärken, 
dem versucht ganz allge„“L daT^f T°T *“? “" d L i«rat„r halt, son- 

wcl1 in dcm 8espieit “ stöak gw^utr^icC t„ B w- 


312 


gebern Betäubungsmittel verabfolgen und sich dann auf offener Bühne ent¬ 
kleiden“ (?). 

Weit mehr Gelegenheit zur „Unzucht“ bietet bekanntlich das Baden. Da 
es doch nicht gut angeht, es in Bausch und Bogen zu verbieten, anderseits aber 
dic sittliche Gefährdung des p. t. Publikums mit Riesenschritten vorwärts 
schreitet, verfiel der Stadtrat des Badeortes Long Bcach bei Hollywood auf 
den genialen Gedanken, folgenden originellen Erlaß von Stapel zu lassen : 

„Es ist verboten, sich in Liebkosungen, Umarmungen. Schmeicheleien, Tät- 
scheleien, Küssen, zärtlichen und verliebten Werbungen mit einer oder meh¬ 
reren Personen des andern Geschlechts, in, auf oder nahe bei einem Park, 
Hof, Vorgarten, Platz, Avenue, Straße, Allee oder Promenade oder sonstwo 
in Long Beach einzulassen sowie mit dem Kopfe oder einem andern Köipei- 
teil auf irgendeinem Körperteil von Personen des andern Geschlechts auf, 
in oder in der Nähe irgendeines der genannten Plätze zu sitzen oder zu liegen.“"'") 

Was Long Beach kann, kann Abi lene schon lange, ja es übertrifft sein Vor¬ 
bild in der Prüderie um ein Erkleckliches, wenn es in hochweiser Vorsorge um 
das Wohl und Wehe der argbedrohten Weiblichkeit dieser Stadt dekretiert: 

Es soll fortan als Vergehen gelten, wenn eine Person auf der Straße, m 
Hausfluren. Seitengassen. Alleen, in einem Laden, Theater, Kino oder Ge¬ 
schäft oder im Torweg eines der genannten Orte innerhalb des \\ eiehbildes 
der Stadt Abilene im Staate Texas herumsteht oder herumschlendert, in der 
Absicht, eine Gelegenheit zum Flirt oder der Anbändelei zu suchen. Die V ort«. 
Flirt und Anbändelei, die hier gebraucht werden, sind als Synonyme aufzu¬ 
fassen und im Sinne des üblichen Wortgebrauchs zu verstehen. Sie gelten für 
jede männliche Person, die Augen macht oder schmachtende Blicke wirft, 
durch ein geflüstertes Wort, durch Hüsteln, Räuspern oder sonstwie die Auf¬ 
merksamkeit einer Frau oder eines weiblichen Wesens zu erregen sucht indem 
diese Person in den Straßen, Seitengassen oder offenen Platzen von Abilene im 
Staate Texas durchfährt. Eine Geldstrafe, die 200 Dollar nicht ubeisteigen 
darf, wird jedem Mann auferlegt werden, der gegen die Bestimmungen 

d,< An zweiter'Stelle rangiert Ungarn und hier vor allem Budapest, das auch 
heute noch seinen zweifelhaften Ruhm, Hauptlieferant obszöner Liteiatui und 
Photos zu sein, nicht eingebüßt hat. Auch hier ward 1927 das Ansprechen 
eines weiblichen Wesens mit 100 Pengö Geldstrafe oder, wenn erschwerend 
Umstände hinzutraten, mit Arrest, das „Nachsteigen mit Kerker bestraft Das 
Schamgefühl darf nicht verletzt werden, weder mündlich, noch schnftlich 

nicht in Stein gehauen noc ß ;| r Filmprüfstelle den Ufa-Film 

Schaustellungen. Deshalb ™b° d A P n> , beschäftigK , weil 

ÄSh?^ sowohl von, moralischen, als auch vom 


313 



medizinischen Standpunkt aus unzuverläßlich, ja sogar unsittlich sei.“* 511 ) Des¬ 
halb verfielen die grausig gefährlichen Wachsbüsten in den Schaufenstern der 
Friseure (siehe Deutschland!) dem Anathema, da die nackten Brüste (der 
Polizeirichter in seiner verdammcnswertcn Sittenlosigkeit schämte sich selt¬ 
samerweise nicht, sich dieses obszönen Ausdrucks zu bedienen) der Wachs¬ 
puppen geeignet seien, das Schamgefühl, besonders der unreifen Jugend, zu 
verletzen. Die Friseurpuppen bekamen also Tiillschleier, desgleichen ein Ab¬ 
guß der Venus von Milo. Ein Buch, das auf dem Titelbild eine stillende 
Mutter zeigte, mußte verschwinden. 

„Dann kamen die Kinos an die Reihe. Daß mehrere Filme verboten wurden, 
weil die Girls von Hollywood mit den Kleider gespart hatten, darüber sind 
nicht viel Worte zu machen. Aber der Autoritätsparagraph: Der Erzherzog 
in Roda-Rodas ,Feldherrnhügel c , der die Anregungen zur Kritik eines Armee¬ 
manövers in dem Boudoir eine Chansonette sammelt, wurde zum einfachen 
General degradiert, die Königstochter eines Weltfilms muß hier als simple 
Herzogin über die Leinwand gehen. Die ,Ncue Dubarry* von Ludwig Biro 
wurde verboten, denn es gehe nicht an, einen König in solch liederlicher Ge¬ 
sellschaft vorzuführen ... In den Kabaretts wurden nicht nur Lieder und 
Scherze, sondern auch Darstellermasken, mit denen Lokalgrößen imitiert wer- 
en sollten, \ciboten. Die bekannten plastischen Gruppen, die weiß in weiß 
klassische Bildwerke wiedergeben sollen, mußten in Kleider gesteckt werden. 

Das Orpheum wurde angehalten, Plakate dort auftretender Tänzerinnen zu 
uberkleben . . . <c813 ) 

In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 9 . März 1927 interpellierte 
daraufhin ein Abgeordneter die Regierung wegen ihrer lächerlichen Bilder¬ 
sturmerei und legte in einem Album die Abbildungen sämtlicher in der Künst- 
erausstc ung gezeigten Bilder, von denen einige beschlagnahmt worden 
waren, auf den Tisch des Hauses nieder, woraufhin fast sämtliche Abgeord¬ 
nete zum isch eilten, um sich an den Bildern gütlich zu tun, so daß beinahe 
die Beratung nicht fortgesetzt werden konnte. Der Vertreter der Regierung 
au ^ Interpellation, daß die Venus von Milo eine „Nudität“ sei, 
deren Anblick die Jugend geschützt werden müsse!!! 

Hier handelte es sich noch dazu um leblose Abbilder dieser ftt-Nackt- 

^ ^ ™ evie * str f 8e 1 r noch mußte man gegen Wesen von Fleisch und 
Blut vorgehen, die durch aufreizende Entblößungen Anstoß erregten. Die 

sonder V n r rb n r § R deS machte so § ar vorm Badetrikot nicht halt, 

besten Cesell h f V” Plattensee ] Anlaß zur Verhaftung von Damen der 

im Badlo 1 ? 1Se ’, da T d " UnvorsIcht ^eit begangen hatten, sich 

adekostum am Strande photographieren zu lassen. 

vorbehalten tC D Un f M ° Uhe eIn Porno graph sei, blieb England 

ten. Der französische Schauspieler Jacques Copeau sollte nämlich mit 


314 



Paul Kamm: Originalzeichmm 



seinem Ensemble vier Werke Molieres vor den Studenten der Oxford-Uni¬ 
versität zur Aufführung bringen. Unmittelbar vor der Abreise der Truppe 
Copeaus traf eine Depesche ein, in der das Rektorat mitteilte, es wäre unmög¬ 
lich, Moliere aufzuführen, cs sei denn, daß Copeau alle „unsittlichen Stellen“ 
herausstreichen würde. Copeau lehnte diesen Vorschlag ab und verzichtete 
auf die Reise nach Oxford.'") Der Mann war. wie man sieht, charakter¬ 
fester als Karl Gutzkow, der als Dramaturg des Dresdner Hoftheaters den 
„unsittlichen Faust“ von Goethe auf Verlangen des keuschen Königshofes ge¬ 
horsam umdichtete. Während bei Goethe (II. Teil) der Ritter bei der Erschei¬ 
nung des Paris sagt: 

Ritter: Eh nun. der Junge ist wohl schön, 

Doch müßten wir ihn erst im Harnisch sehn! 

Dame: Er setzt sich nieder, weichlich angenehm. 

Ritter: Auf seinem Schoße wär Euch wohl bequem? 
heißt cs bei Gutzkow: 

Ritter: Eh nun, halbnackt ist wohl der Junge schön, 

Doch müßten wir ihn erst im Harnisch sehn! 

Dame: Er setzt sich nieder, weichlich, angenehm. 

Ritter: An seiner Seite wär Euch wohl bequem?'") 


Daß allerorts der Klerus ununterbrochen am Werk ist, um gegen Mode, 
Tanz, Badekostüme und ähnliches die Gläubigen mobil zu machen, nimmt 
nicht weiter wunder. Bei ihm ist es nicht so sehr eine ethische, als eine 
Machtfrage, die sein Handeln diktiert. Mit Beispielen seines seltsamen Hor¬ 
rors vor allem Nackten, den ausgeschnittenen und durchbrochenen Blusen, 
entblößten Armen, fleischfarbenen Strümpfen usw. ließen sich Bände füllen. 
Es entbehrt dabei nicht eines pikanten Beigeschmacks, daß der Papst, 
der vor noch nicht langer Zeit eine heftige Philippika gegen die Unsittlichkeit 
der weiblichen Tracht gehalten und alle Männer aufgefordert hat. Sturm 
gegen die kurzen Röcke der Damen zu laufen, cs erleben mußte, daß seine 
eigene Nichte derart kurze Röcke trägt, daß sie kaum die Knie bedecken. Das 
„Berl. Tageblatt“, dem diese Mitteilung entnommen ist (28. November 1926), 
stellt mit Recht die Frage: „Was meint der Hl. Vater oder, wie man in diesem 
Falle besser sagt, der hl. Onkel dazu?“ 


Das Tollste aber auf diesem gewiß nicht schlecht bestellten Felde der Prü¬ 
derie leistete sich Athen, selbstverständlich auf geistliche Einwirkung hin. Daß 
hier, genau wie im Italien Mussolinis, die kurzen Röcke verboten wurden, soll 
dabei nicht weiter aufgemutzt werden. Nein, Athen vollbrachte noch ganz 
andere Stückchen. Es gestattete nur den Onestep von Männern untereinander, 
und den Tango von Frauen untereinander. Auch dann noch mußten die 
Tanze in verschiedenen Räumen stattfinden. Die Tanzlust und gegenseitige 



ÄÄÄÄÄÜ-Ä 

Versenkung. ) . T i* w f J r durch die mannigfachen Verbote 

des *** » zu dom Schluß, daß 

„sittlicher gewoidut. ‘ . \ u \ turc \\ und moralisch hochentwickel- 

)cJ V a, M W«, ££* die sittliche und kulturelle 

Menschen wirkenden v0 „ Natürlichkeiten, von künstlerisch 

kann, nicht abei du.e ^ahrheitsstreben getragenen Geisteswerken 

geformten und von u, J sa höri a C n der bildenden Künste, auch nicht 
anerkannter Dichtet un12 * ^ dem Menschen angeborenen natur- 

durch Verleugnung und Niede.hala ^ e[ncr Überschätzung des Ero- 

lichen Triebe. Unsere Zeit leidet sie - ß sQ ^ daß sie die Ma¬ 
nschen. Seine Gegner überschätzen sei e wenn Staat und Ge- 

nung vertreten, die Welt wurtc aus ^ J dcs Vorwärts rollenden Wagens 

Seilschaft sich nicht hemmend in u -P ilen dIe W elt nur von ihrem 

der Entwicklung werten wur J lcn ' " Stäubc hen im Weltall, ohne die Ge- 
Standpunkt als winzige ze.tgebunde ^ ^ Die Geschichte lehrt, 

setzmäßigkeit des erotischen Gese e der Ausschweifung regelmäßig 

daß in absoluter Gesetzmäßigkeit ein ‘ ^ und da6 wiederum 

von dem einer asketischen 1111 . ” Rudcr gelangen, wenn die inneie 


von dem einer asKeus— - . Rudcr gelangen, wenn die innere 

Wollust und sittliche Ungebuntu <- * ;,. d Zum Heil für die Mensch- 

Unwahrhaftigkeit des Asketentums ckannt 


Unwahrhaftigkeit des Asket,en UI k ine sokhe Macht erlangt, dais es nie 

heit hat letzteres augenblicklich > J ^ wenn die wirklichkatslremde 
Gegenströmung auslösen konnte. E { cn sollte, würde die Gefahr einer 
Frömmelei unbestritten ans ut J- ^ dic Befriedigung der Sinne m gia - 


r 1 *it : »rli cr un cr der Sinne in i-^iuit 

Sittenverderbnis und völlige j;° se Gefühl, che es zu spät ist! 

bäte Nähe gerückt sein. Beku.uptcu 



Franz Christophe 



Anmerkungen 


') ^gl. Englisch, Geschichte der erotischen Literatur. Stuttgart 1927, S. 14 ff. 

~) Histoire de Pierre du Marteau, Imprimeur a Cologne au XVIIe et XVlIIe siede. Paris 
1888, S. ic ff. 

,; ) VgL auch „Le Livre“, Bibliographie retrospective 1SS6, S. 298—^20. 

! ) Vgl. Bulletin du biblophile beige. 7. Bd., 1S50, S. 220 243. 

l Rcsscr lst j>^Linuel du Cazinophile. Le Pctit-Lormat a figures, collection parisienne in 
18. Paris, A. Corroenne 1879. 

'’) Junen kurzen Abriß seines Vcrlagskataloges gibt Brissart-Binet a. a. O. S. 220—232; 
V ' 8 !; L- r, ? Cr ^'Uerlexikon, Literatur und Kunst. Wien 1929, S. 668/669. Vgl. noch die 
P,run ic len Arbeiten von A. Corroenne, in „Miscellanees bibliographiqucs; publies par 
Ldouard Rouveyre. Paris 18S0, II, S. 140—152; III, nS. 

) Adolf Schmidt, Pariser Zustande wahrend der Revolutionszeit von 1789—iSco. Jena 
1875, Bd. II, S. S6 ff. J 

7 Alfred Begis, in ,,Lc Livre“ 1884, S. 177—190. 

Bloch, Zwei unveröffentlichte Originaldokumente über den Marquis de Sadc, in 
„Ze'tsxhnft für Sexualwissenschaft“, Jahrgang I, 1914, S. 31. 

(Paris) VlC “ SCS ,: ''■ litio^s, par 1111 Cazinophile (von Brissart-Binet), Reims 

S 360^ g * F Dru i on ’ Cataloguc des ouvrages, ecrits et dessins poursuivis etc. Paris 1S79, 

K ) Lorenz Cataloguc general de la librairic franyaisc depuis 1S40, Bd. IX, S. 641; XII, 

n;L Un 1 r V ’ i 847; f - C . rnCr brlcfllchc Auskunft des „Lycee Louis le Grand“ zu Paris. 
Ucscr j. Gay hatte übrigens wiederum einen Sohn, geh. 1867 zu Straßburg, der den 
Vornahmen Jules führte. 

„! V „ sl ’ Ce ??«s d’HcylU, Dictionnairc des pseudonymes. Paris 1887, 3. Aufl., S. 201. 

^) 1830—1SS7: Le Livre 1887, S. 385/6. 

,,; j w V8 !; La BBraine Lcmonnycr (Moniteur du bibliophile, 1879, 2. Jahrg., S 375 16. 

160I 60/T“ L S ! C na i dl dCm Druckcr J acc l ucs Canin, der unter diesem Verlagsort 

i6oj—i6°6 druckte, vgl. noch Hayn-Gotendorf I, 231. 

i'A \ i Z BIC1 ’ F< '* licicn Ro P s > Berlin, s. d., S. 24. 

Vgl Apdhnaire, Fleuret et Perceau, L’cnfer. Paris 19,9, S. 20. 

IHN T 1C °P a C ’ Lci P zl § 1907» I- Bd. S. 207. 

) La petite revue, t. V, S. 45. 

t J Blaisir de bibliophile 1926, S. 31. 

2iB “ eS d ' un P "“ ' 88S ' S - '»>■ 'OS. rni „Biblio- 

‘ 1 ( ) Drujon a. a. O., S. 49. 

”‘) Apollinaire, L’enfer, S. 11. 

) Wiedergegeben bei Apollinaire a. a. O., S. 93—114 

”> 3 - Aufl " paris s ->■* 


- s ) Line vortreffliche Verteidigungsrede findet sich in „Le Livre“ iSSc, L S. 254—256; 
eine gute Kritik ebd. 1882, S. 652,5. 

- 1 ') Le Livre 1884, S. 544. 

:;n ) Apollinaire, S. 59—61 macht genaue Angaben. 

;;i ) Apollinaire, L’enter, S. 74. 

;lJ ) Le Livre 1882, S. 217,8, 728. 

Le Livre 1883, S. 59,60. 

Le Livre 1884, S. 546, 607; O. Uzanne, Nos amis les livres, Paris 1SS6, S. 20^—203. 
:u ) Vgl. Bilderlexikon a. a. O. 11 , 5 5 1 * 

;l,i ) Le Livre 1885, S. 718. 

; “) Index librorum prohibitorum, London 1867, S. 129; vgl. ferner Bilderlexikon , 54 /* 
:is ) Vgl. Le Livre 1884, S. 679. 

Le Livre 1884, S. 607, 736. . , T . .. n , 

*») Vgl. Memoiren eines l'reudenmädchens. Ein bibliographischer Versuch von Dr. I auJ 

Englisch. Stuttgart 1929, S. 16. 

H ) England, Band 111 , S. 56—57. . 1 \- • m v j, c 

■'-) Gemeint ist: The Battles of Venus. A Descriptivc Dissertation on the \ anous Mocks 

of Enjovment etc. Haag (London) 1760, 12°, 56 S. ^ Q 

•«) Second Report of the Police of the Metropolis. London 1817, b. 479 - 
u ) M. Ryan, Prostitution in London. London 1859, S. nc 112. 

■'«) Index" librorum prohibitorum. London 1S67, S. 127 und 13/ > Catuia librorum 

taccndorum. London 1885, S. 144 und 146 und 180. 

' 7 ) Vgl. Dühren, Das Geschlechtsleben in England. Berlin 1903 , S. i>v . 

7 ÄS (’Ä ÄSÄ* ä-.^ 

4 ' 7 >) Vgl. Börsenblatt für den deutschen Buchhandel, No. 107 som n- ^ Ial '9-9- 

• r ’‘) 2. Teil S. 55 und 4. Teil S. 33. , , , . ,, TIT <■ ... Der Beschluß 

W ) Archiv für Geschichte des Jcu “ c J cn so^ar in’ einer’ juristischen Zeitschrift 

besprochen wurde (Themis. Zc,cschnft für ncbcnbci vermesst, das 

von Chr. Frd. Elvcrs. 1. Band. GottnioCi - > beweist eine Tatsache, daß ein In- 

„Börsenblatt“ auch heute noch zimpcrhc 1 8‘j "^. 1 , 5 1 ’ r sdorf hinsichtlich des Buches von 
S S ÄÄnfn tTA ^ Älo T -de, als „zur Veröffentlichung 

nicht geeignet“ (Welt am Montag v. 14- Oktober 1919)- 

r,: ') a. .1. O. 2. Teil, S. 45 — 5 6 - 
a. a. O. 1. Teil, S. 10. 

r> '’) a. a. O. 6. Teil, S. 34 39 - . • • 1 Preußen 1834—1SS2: Archiv für 

F. Herrn. Meyer, Bücherverbote im König L ff 

Geschichte des deutschen Buchhandels 1S91, Bd. 14, S>- 3 

IIJ Zeiten: Archiv «V F-entunde und E„ S e„i k 

'•-) r-«.he,eine BtÄ »e S rU„de„. 

«j Vgl. Hayn-Gotendorf I, 3 "^; III, 4^-44- 7H v - 33. 

'“) Bilderlexikon II, a-H- 

«) Vgl. Bilderlexikon II, 79 °- Geschichte der erotischen Literatur, Stutt- 

«) Büdcrlcxikon II, 870/1 und Englisch, Gcschicn 

gart 1927, S. 263/4. Stuttgart ib. 184S, S. 249.251/2; Rudolf Schimut. 

"“) Druckenmüller, Der Buchhandel in S ^ i 9oS S. S24. 

Deutsche Buchhändler, Deutsche Buchdrucker. Eberswak 



Vgl. die anonyme Schrift (von Prinz): Der Buchhandel vom Jahre 1S15 his zum 
Jahre 1843. Altona 1S55, 1. Teil, S. 26/7 und 3. Teil S. 35'36. 

,,S J Hayn-Gotendorf VI, 521/2. 

) Vgl. Christian d hivert, Geschichte des Bücher- und Steindrucks, des Buchhandels, der 
Bücherzensur etc.... in Mähren und Österreich-Schlesien. Brünn 1854, S. 7S—79. 

™) Josephinische Curiosa. Wien 184S, 4. Bändchen, S. 299. 

,l ) "Th* Wiedemann, in: Archiv für die Geschichte Wiens, 5c. Band, S. 355. 

7a ) Wien 1784, I, S. 97. 

" J ) Vgl. auch 1. Bändchen, S. 176—189. 

t% ) Vgl. Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaisertums Österreichs, 58. Teil, S. 21 1213; 
I-ranz Gräffer, Josephinische Curiosa, Wien 1848, I, S. 42—47, III, S. 64—87; Anton 
Meyer, Wiens Buchdruckergeschichte 1482—1882. Wien 1887, Band II, S. 127; Sebastian 
Brunner, Die Mysterien der Aufklärung in Österreich 1773—1838. Mainz 1869,' S. 95. 
Bilderlexikon II, S76. 

nieine „Geschichte der erotischen Literatur“, S. 16 ff. 

“) Vgl. Hayn-Gotendorf IX, 576. 

Havn-Gotendorf III, 518. 

,l ') Hayn-Gotendorf IX, 559. 

Hayn-Gotendorf VIII, 329. 

) ^ noch die „Münchner Post , Nr. 127 von 1913; „Münchner Neueste Nach¬ 
richten“, Nr. 276 von 1913; „Berliner Tageblatt“ vom 1. Juni 1911; die überaus glän¬ 
zende Verteidigungsrede seines Anwalts ist abgedruckt in: Walter Rode, Justiz. Berlin 
1912, S. 36—40. 

Den engstirnigen Standpunkt des Zeloten vertritt Otto v. Erlbach, Im Kampfe gegen 
Pornographie und Pornokunst, München (1912), S. 18 ff.; ferner in Rechtsprechung und 
Pornographie. München o. J., S. 18 ff. 

~) Nr. 233 vom 6. Oktober 1906. 

Hl ) Vgl. Willy Schindler, Das erotische Element in L iteratur und Kunst, a. Atifl. Berlin 
1907, S. 63 ff. 

M ') Vgl. über die Verfasserschaft noch Karl Kraus in „Die Packe!“, 1929, Nr. 811 — 819, 

S - ' 33 c -' 35 ; E,ldc 9 btobcr ' 9 a 9 > Nr. S20—S26, S. 45, und Hayn-Gotendorf VIII, 477. 

) btern-Szana, Bibhotheca erotica et curiosa (1922), S. 154. 

™) Friedrich S. Krauß in „Anthropophyteia“, Bd. 4, S. 410 
87 ) Bilderlexikon II, 680. ' 

ss ) Ebd. S. 479. 

Ml ) Ebd. S. 412. 

Hayn-Gotendorf IX, 438/9; Otto v. Erlbach a. a. O., S. t ff. 

'") Hayn-Gotendorf IX, 480. 

2 ^«Schneider, Franz v. Bayros. Bibliographie. Leipzig ,926, S. 6. 

) Brettschneider, Nr. 50. 

2 ~ nt ? n " Panormitanae Hermaphroditus. Leipzig 1908, S. 388. 

ml vd d '„!; de r K1 |M ” D , er Vcnustcnl pel“- Fünfter Jahrgang, 1/2 Januar/Februar >924. 

,T * V beschichte der erotischen Literatur. Stuttgart 1927, S. 287. 

J Verzeichnet bei Hayn-Gotendorf IX, S. 499—500. 

»!S!'/ 1Cine - G ?r htC C ! er cr0tischen Literatur. Stuttgart ,928, S. 493/4. 

) Das Kuriositatenkabinett, Konstanz 1923, S. <3. 

101 ^ Cr ^ n ’ B° rn gräber o. J., S. 218_222. 

J j' rW 7 gC uiad N ot«ände des Geschlechtslebens im Krieg. München 1914, S. 18. 

In „Zeitschrift f. Sexualwissenschaft“, Bd. 1, 1914, S. 39, 4 

) a. a. O., S. 18. 

"2 v“ Liebesieben im Weltkrieg. Nürnberg 1919/20; vgl. Hayn-Gotendorf IX ,54 
T H,rscbfeld : Ca , Sper ’ Sittengeschichte des Weltkrieges. Wien 1930, Bd I /«/'ff 
.. Teil, D " Lkb “ fcb “ - ved ekrieg. 


320 


Hinter den Kulissen des französischen Journalismus. Von einem Pariser Chefredak¬ 
teur. Berlin, Deutsche Rundschau 19251 S. 7 7- 
a. a. O.. S. 228. 

Amor unter der Nonnenkutte, in: Das Liebesieben im Weltkrieg, hrsg. v. Dolsen¬ 
hain, Nürnberg 1919. 1. Teil, 2. Halbband, S. 34. 
uo ) Gay 1 , 715. 

m ) Düliren, das Geschlechtsleben in England. Berlin 1903» 5 ° 4 * 

II_ ’) Erotickc ex libris. Suradem o eroticke Litcrature. 1924» v §k Hayn-Gotendorf IX, 434 * 
*« 3 ) Vgl. Englisch. Die Mystifikation des Nicolas Choricr. Stuttgart, J. Püttmann 1931- 
’”) Bilderlexikon II, 186. 

Paris 1866—1870, Band III, S. 49. 

"«) Gazette anccdotiquc vom 31. März 1SS6, und E. de Crauzat, Reliures cn peau 
humaine, in: Plaisir de bibliophile .926, Nr. 7. S. .41-160. Auch der Buchbinder Sort.e 
band ein Exemplar des Erotikons „La Philosophie dans le boudoir des Marquis de Sade 
in die Flaut einer weiblichen Toten, deren Namen er dem diese Tatsache berichtenden 
Bibliophilen nannte (lntermediaire des chercheurs et curieux vom 20. Juli 1910). 

,,T ) Otto F. Babler, in „Die Bücherstube“, 5. Jahrg., 1927, S. 228. 

"") Geschlechtsleben in England. Berlin 1903, III, 495 - 

"") Näheres in meiner „Geschichte der erotischen Literatur , S. 491 497 - 

'-••*) Catalogue des livres de la bibliotheque de feue Madame de la Marquise de Pom¬ 
padour. Dame du Palais de la Reine. Paris .765. 8«. XVI, 403 und LXXII S. 
i*-* 1 ) G A F. Bogeng. Die großen Bibliophilen, Leipzig 1922, 1 , H 3 - 

«S) Bulletin du bibliophile beige, 5. Band, .848, S. 1-3; Catalogue des livres de Ä me du 

Barry avcc le prix, Versailles 1871; Reproduct.on du catalogue manusent original, avcc 

Sjuccion Jt«m P»r P. L. Jacob bibliophil, tm* ™ ■« S. 

100 numerierte Exemplare; Bulletin du bibliophile 1S74, S. „i> ,40- ' 0 k • 

di/que de Jcannc Beg!is ditc Quantiny comtesse du Barry, in: M.scellanees b.bhographi- 
ques, publies par Edouard Rouveyrc. Paris 18S0, 2. Partie, S. 103 G- 

•=») Wegen dieses Büchleins wurde gegen den Herausgeber und Verleger ein Prozeß 

wegen unbefugten Nachdrucks anhängig gemacht, weil das auf der Nationalbibl.othek 

^,o SU » 

Nacc Ansabcn «„,*1 Bordigh»,« .« 7 b - Vgl. ferner: 

1865 publies pai la socuct uo t mirlionrinue nublie d apres un 

Bibliotheque de Marie-Antoi,rette arnt Tuilcrrc«. Cat.log» atuth ntje pu P 

nummern de la Bibliothique n.t.on.lo, avec: uue m roduct,on pt. M- E• V >S- 
Bauchard). Paris, libr. Damascinc-Morgand 1888, 12 . XXX und 
>-") Bilderlcxikon, Kulturgeschichte. Wien J928, S. 733 - . 

*-•■) Lustreisen durch Bayern, Württemberg usw. Le.pz.g 791, I, 3 • 

:::j ?; H iT P8 Ät a G^ h — vcr,is 

S ’ k») 7 Geschichte der Höfe des Hauses Sachsen, 'Teil’?’ 1 74 - 

,M ) Memoiren des Karl Heinrich v ' ^ 3 ”seinc Bücher. Berlin und Leipzig 1914. 

13 ») Bogdan Krieger, Friedrich der Große und seine 


S - D 6 ff- , pr 1, bibliotheque de Chantilly, in: Bulletin du 

i 3 °a) Vgl. Emile Picot, Le duc d Aumale et 1 . collections et scs ventes 

biblophile vom 1 5 - Juni 1S97; X^re. Paris t 88 o, Ille partie. 

in: Misccllanees bibliograph.ques publ.es par Edouard x , 


' rafj”vgb' Laportt. J. Charta Brun« und Pierre Gua,ave Brun«,. Paris .*«4- 


21 


3 2I 



13 ') Vgl. den ausführlichen Artikel von Octave Uzanne in „Le livre“ 1884, S. 673—6X3, 
und die Bibliographie seiner Schriften, durch Fernand Drujon, ebd. S. 369—391. 

Über die Entstehung und den Grund seines Pseudonyms vgl. d’Hevlli, I)ictionnaire 
des pseudonymes S. 207. Danach lebte unter Ludwig XIV. ein gelehrter' Jesuit, Jacob de 
Saint-Charles, genannt Vater Jacob. Er wurde Bibliothekar des Kardinals Retz, gab eine 
„Geschichte der Päpste und „Abhandlung über die schönsten Bibliotheken“ (164g) heraus. 
Beide Werke genossen grobes Ansehen unter den Bibliophilen. Diesen Gelehrten wählte 
sich Lacroix zum Vorbild und dokumentierte dies durch die Wahl seines Pseudonyms. 

Cataloguc des livres provenant de la bibliotheque de M. le comte de Nadailiac. „Le 
Livre 18X3, S. 62/63. Betr. Monsclct und seine schriftstellerische Tätigkeit vgl.: P. Des- 
feuilles, Charles Monsclct (1S25—18SS) et la critique aneedotique. Paris, Roger, 1927, 
S. 287— 33 j. 

) Vgl. Antoine Guillois, Les livres de Charles Nodier, in: Bulletin du bibliophile 1912, 
S. 4 6i, 478. 

a ) Vgl. Intermediaire des cherchcurs et curieux vom 30. April 1S97. 

IJj ) Vgl. meine „Geschichte der erotischen Literatur“, S. 446 ff 
,M ) Bogeng a. a. O., S. 124. 

13 ') Üie großen Bibliophilen. Leipzig 1922, 1. Bd., S. 173—178. 

'im Bogcn S a ' a- 1 72/73- 

,JI ’) Bloch-Löwcnstcin. Geschichte der Prostitution. Berlin 192s, 2. Bd. S. 607. 

Bogeng a. a. O., S. 159—162. 

Journal für Kunstgeschichte 17S7, 14. Teil, S. 70. Vgl. a. Catalogue des livres de la 
bibliotheque de duc de la Valhere. Paris 1783, 3 Bände. 

112 ) Le Livre, Bibliographie ancienne 1S81, S. 352—383; G. B. Depping Erinnerungen 
aus dem Leben eines Deutschen in Paris. Leipzig 1S32, S. 176— 17S; G. A. E. Bogeng. Die 
großen Bibliophilen. Leipzig .922, I. Bd., S. 300/.. Octave Uzanne. Caprices d’un biblio¬ 
phile. Paris 1878, S. 175—178. 

,u ) Max Nordau, Paris. Studien und Bilder aus dem wahren Milliardenlande. ’ Auflace. 
Leipzig 1881, 2. Bd., S. 230. " fa 

ip F D • in Le Livre“, Bibi, retrosp. 1SS9, S. 1S0; Ulysse Capitaine, in „Biblio¬ 
phile beige“, 1S51, Bd. 8, S. 484/5. 

Ade * un o> Geschichte der menschlichen Narrheit, 17S5, I, S. 20 ff. 

) Journal für Kunstgeschichte. Nürnberg 1787, XIV 49 ff 
'«a^Bibhotheca Roloffiana. Berolini .7S9. Verfasser des’Kataloges waren F. S. Augustin 
und G. F.. Schmid (Holzmann-Bohatta, Anon. Lex. VII, 68). 

3 ä“ ’■ L “ & B " unsci ™ eis '**•- *■ s - 74. 

,"2 |/ dua , r f Vehsc, Preußische Hofgeschichten. München 1913, Bd. 4, S. 201. 
isn y ede b Das galante Wien - w ien auf Kosten des Verfassers, o. I., S. 71. 
ir J Denkwürdigkeiten aus Alt-Österreich. XIV, 53 ff. 

3 oJ * turl .® se Bu ch. Wien, Pest, Leipzig 1882, S. 85/S6. 

•) Buderlcxikon a. a. O. 

‘"'1 Anthropophyteia II, S. 465. 

'”) a- a. O. II, S. 67. 

3 n gL ” Neue A c r rliner Zeitung“, Nr. 37 vom 13. Februar :92s. 

Grimm 1900 ^ Roman ' Dcutsch vo " Ludw ig Wechsler. Budapest, G. 

3 3 l aVC Uzan " e ; Physiologie des quais de Paris etc. Paris 1893, S. 48. 

) Näheres in „B.ldcrlexikon“, II. Bd., S. 229. 3 4 

S. 8C ^ k Bret ° nne> der MenSch ’ der Schriftsteller, der Reformator. Berlin .906, 

3 wVV 930 ’ T ’ W3/74- 
1 V Vgl. Gay II, 697. 

) Vgl. die Opale, hrsg. von Franz Blei. Leipzig 1907, I. Bd., S. 100 und ,04. 


322 


103 :i ) Ausgewählte Briefe Stendhals usw. Deutsch von Arthur Schurig. München und 
Leipzig 1910. S. XIV. 

103 *») 30 Jahre Paris. Basel 18S9. S. 230 ff. 

Iül ) Vgl. Iwan Bloch, Alfred de Müsset — ein Pornograph. Stuttgart, J. Püttmann 1930. 
lü3 ) Das Tagebuch der Brüder Goncourt. Ausgewählt von Paul Wiegier, München, 
Langen, o. J. (1927), 20 4- 

im ‘) a. a. O., S. 66. 

l07 ) Berlin, I. Jahrg., Heft 6 , vom 1 6. Januar 1911, S. 1S1 — iSS. 
lü >) Tagebuch, S. 1S3. 

10W ) In zwei Bänden, herausgegeben und eingeleitet von Friedrich Vencker, Berlin 1913, 
Bd. I, S. 11S/19. 

1T0 ) Bekenntnisse, herausgegeben von Otto Fischer, München, M. Möricke, 1912, S. 42. 
l,i ) Gaston Vorberg, Von Seelenkranken, von Ansteckung und Geschlechtsnöten. Stutt¬ 
gart 1928. S. 61. 

17 -) Blei. Das Kuriositätenkabinett der Literatur, Hannover 1924, S. 130/31- 
«•••>) Schopenhauers Gespräche und Selbstgespräche, herausgegeben von E. Grisebach, 
Berlin 1902, S. 40. 

17 ') Vgl. die Einleitung von Friedrich Hirth zu Crebillons „Sopha , Wien, Rosenbaum 

1912, S. LIX ff. " c ^ rr 

iw) Vgl. meine „Geschichte der erotischen Literatur“, Stuttgart 1927, S. 446 tt. 

17ü ) Arthur Schopenhauer von E. O. Lindner und Memorabilien, Briefe und Nach- 
lalsstücke, herausgegeben von J. Frauenstädt, Berlin 1903, S. 270. ,, 

177 ) Eugen Dühren, Geschlechtsleben in England, Berlin 1920, 1. Bd., 3, Autl., S. 105 tt. 
I7y ) Winkelmanns Briefe an seine Freundin, Dresden 1877, Bd. I, S. 91. 

17 °) Lichtenbergs Briefe, herausgegeben von Albert Leitzmann und Carl Schüddekop , 

Leipzig 1902, Bd. II, S. 186. . 

1SÜ ) Vgl. Havn-Gotendorfs Bibhotheca Germanorum erotica Bd. IV, o. 33 “* 

1S1 ) Vgl. Gay, Bibliographie, 3. Aufl., IV, S. 310. 

'**) Bd. II, S. 187. . „ T n „ 

IS:l ) Vgl. meine „Geschichte der erotischen Literatur“, Stuttgart, J. Puttmann, 19-/, 

S. ^89—^93. und (327—631. , . T i- 

i:sl ) Der verheimlichte Hoffmann. „Frankf. Ztg.“, Nr. 502 vom 8. Juli 19^4- 

1») Memoiren meines Lebens, herausgegeben von Josef Bindtner. München, G. Müller 

1913, Bd. I, S. XVII. 

1SÜ ) Schonungslose Lebenschronik, 5. Auf., Wien 1921, b. 216. T , 

1S -) Die Tagebücher des Grafen August v. Platen, herausgegeben von G. v. Laubmann 

und L. v. Scheffler, Stuttgart 1896, Bd. I, S. 251. „ „ S 496/97 

>'•"<) Näheres in meiner „Geschichte der erotischen Literatur , Stuttgart 19-7. -49 9 / 

1!i ") Vier neue Kuriositätcn-Bibliographien. Jena 1905, S. 59 , b!> - Rihliotheken 

Bilderlexikon I, 7 3 2 - Vgl- ferner E. Römer, Aus den Geheimnissen der Bibliotheken. 

Der Giftschrank (Antiquitäten-Rundschau 26, 1928, S. 375 /6 ). 

101 ) Der sog. Polunbi-Katalog; über ihn s. S. 183. 

*"'-•) Nach Hayn-Gotendorfs „Bibhotheca Gcrmanoruni erotica , II, } 7 °- Pe ,_ holdt 
Weltlitcraturkatalo«, Nr. 2647. Vgl. auch Hayn-Gotendorf, IX., • ’ . 

KM.’mÄÄ .«V s. m; E S A Zuclold im, P«zhoId«cW» N™«„ A„ w r 

f. Bibliogr. u. Bibl.-Wissensch. Jg. 1863, Heft 11, S. 3 7 - 

Bibliographie des ouvrages depoesic cn P'J^^sJoSholm itsl^NuT’MaL^kHpS 
partie de la bibliotheque de feu M. le baron de ejt oblig ^ de C acher, ou 

blieben: Catalogue de livres dessins et manu e obscenes, par un bibliomane 

Notices sur des ouvrages libres, hcencieux I7S3 _ i859 ). I n 4», in Seiten. 

quclque peu bibliographc (d. 1. im °^ , d 8 Jahrhunderts sind genau beschrieben. 
Besonders die von Borei illustrierten Werke des £Jan ßenoist (1793 bis 

_ Der Katalog des ehemaligen Profcu. 2U “ C “^ n d 19 Folioseiten verzeichnet war: 
,861), dessen Sammlung in zwei Manuskripten von .6 una 9 


21 


323 



Cataloguc sccrct contenant livres, gravurcs, lithographics, dcssins ct objcts curicux, Ic tout 
dans lc gcnre licencieux. Diese beiden Kataloge wurden am 27. Mai 1910 im Hotel Drouot 
mit versteigert. Vgl. Catalogue de la bibliotheque de feu M. Alfred Begis. 3c partic. Paris 
1910, Nr. 822 und 1340. Dieser letztgenannte Katalog ist eine wahre Fundgrube für Selt¬ 
samkeiten nachspurende Sammler. Alfred Begis, der neben Pisanus Fraxi wohl die größte 
erotische Bibliothek besaß, außerdem zahlreiche ungedruckte Manuskripte bedeutender 
Persönlichkeiten seiner Zeit und aus dem 18. Jahrhundert, hat selbst eine ganze Anzahl 
von Katalogen über erotische Bücher und Gravüren verfaßt, die leider Manuskript geblie¬ 
ben und heute verschollen sind. Der oben erwähnte Versteigerungskatalog verzeichnet fol- 
gende Arbeiten: 

Nr. 818: Extraits de Bibliographie, concernant les livres rares et singuliers et particuliere- 
mC o C c r.° UV , ragCS c ? ndamn « au fc “ ou l’ayant merite. I. partic. Paris 1851-1854, 158 S. 
u. 8 S. für das Register. — Notes de Bibliographie galante et faceticuse. II. partic. Paris 
1855—185 7. 796 S. und 17 s. für das Register. 

Nr. 826: Bibliographie de Livres curicux, singuliers et faceticux 1857, 360 Seiten in 12". 

•|/', 27: . IOgra P^.', c douvrages legers, badines ou crotiques, de recueils de poesics 

gaillardcs, d eents sur 1 amour et les femmes etc. 1961 Seiten in 12°. 

Nr. 828: Bibliographie des ouvrages sur Pamour, les femmes et Ic mariage, contcs gail- 
lards en prose et cn vers, recueils de poesics badines etc. par Monsicr Alfred Begis, mit 
ca 2600 Zetteln, auf jedem die genaue Beschreibung der Bücher, ihrer verschiedenen Aus- 

8 i«o? v°T ,e rv e u m d l n Versteigerungen erzielten oder in Katalogen verlangten Preise. 

V 8 b Duhren, Geschlechtsleben in England, III, 500—512. 

- ,A L j st . of Authorities consulted, im „Index“, S. 439 — 47 < 5 . in der „Centuria“, 
s - 477 — 518 , m der „Catena“, S. 489—532. 

,m ) Vgl. Englisch, Geschichte der erotischen Literatur, Stuttgart 1927, S. XXII, An- 

eTrieuTU’' Sl , L ° L vrC ' B “ *“■ '«»■ 5 - Intermcdiairc des chcrchcirs « 

letzt 7 ' '**>;> *' vollständigste Bibliographie über „Fanny Hill“ ist 

i “ rj 1 p “{*2 C1 , nCS 1 Frcud enmadchens von John Cleland. Ein bibliographischer Versuch 
i8ow-,'u P En8 ISch ' Stutt 8 art > J- Püttmann, 1929. 

200, U 8 '' , Dü i lrc "> Geschlechtsleben in England, Bd. III, S. 500 ff. 

-öl, PGeschlechtsleben in England. Berlin 1903, Bd. III, S. 497. 

jo.) L n L ' Vr f i88 3 ’ S- 1 ! 0 ^/ 8 und „Correspondant“ vom 10. Juli 1SS3. 

Excurse bHnvlTT’ ? a | hlrclchc Erotlka dcr niesten Zeit verzeichnende Katalog, der viele 

du orince G "Üv“ bC ‘ fchlt ’ ist dcr: Catalo 8«e du cabinet secret 

1,“P' G / - ( Gall,t z'n?)- Collection de livres et objets curicux et rares concernant 

1 amour, les femmes et le mariage. Bruxelles 1887, 2 Bände in 8" (Intermcdiairc des eher- 
cheurs ct curicux v. 30. IV. 1897). v^^crmcaiaire cics ener 

DlC öste "' e . Ich konfiszierten Bücher wurden von 1862 ab regelmäßig in der 
Sl Centr 3 le polLe!'T" 8 “ a ,l phab f t *J? h veröffentlicht. Andere Quellen waren der amt- 
Diese Verbote'wu den sn V 8 '' 7 7 »Osterreich-ungar.-Buchhändler-Correspondenz“. 

Anton FiS Z 7 T 7 m dcm »Catalogus librorum in Austria prohibitorum“ von 
diese B^bliographien m in Na ci tra8 h" Karl J T kc , r zusana mengefaßt. Einen Vorläufer hatten 
rozeznany o°twfrai?ir^ K ° iT» I t aercsim clau dcns et apenens. Klic Kacyrske Bludy K 
17,0 , Ausgabe ehI’ K Wykorcncn y.zamjkgjcy usw. Königgrätz bei Jan Kliment Tybela 
P 9 ’ • ? S b . , 1749. Verfasser ist Anton Koni!*, S. J. _ Erst von S 16^ ab werden 

secuX^ thulum v^7Sr iChnCt Vf ndCX Eibr ° rUm Vcncrca vel «bscoena t'ractjantium, non 
Nachta^ ^ s m ln V i.? J r CUm ,,bn ,T dlne al P habct 'co digestus. - ,770 kam dazu ein 
Pra« 1770 Die Äusfah, b h T‘l° rUm 1,b [° rum corrigendorum ordine alphabctico digestus. 

nUr latemiSChe> fran2ÖSischc und dcu - be ’ aber\eine 

ssÄsf-rÄ 8 “ A " 8 * b ™ E " eiisd - 

so., v°, S amis Ies kvres. Paris 1886, S. 62. 

=°° Vgl E mffne D cl? k- k 35 Geschlechts > eben ** England. Berlin 1903, 2. Bd., S. 187 ff. 

) g . meine „Geschichte der erotischen Literatur“, S. 245/6. 

324 


2ü0 ) Zeitschrift für Bücherfreunde, 1911, Heft 7, S. 235/6. 

- 07 ) „Frankf. Ztg.“ vom 8. Juli 1924, 1. Morgenblatt. 

208 ) Zeitschrift für Bücherfreunde, 1916, S. 92/5. 

20B ) Euphorion, 16. Bd., Heft 4. 

21 ü ) Sonntagsbeilage der „Königsberg-Hartungschen Zeitung“ vom 15. Mai 1911, Nr. 225. 
■ n ) Die Bücherstube, 5. Jahrg., 1927, S. 218, 221; vgl. Histor. Monatsbl. f. d. Provinz 
Posen Jahrg. XII, Nr. 7/S vom Juli/August 1911. 

'* l “) Hayn-Gotendorf VI, 389. 

213 ) Hayn-Gotendorf IX, 584. 

2M ) Hayn-Gotendorf IX, 530. 

J15 ) Hayn-Gotendorf IX, 48/9. 

- M0 ) Hayn-Gotendorf IX, 429. 

2I7 ) Hayn-Gotendorf IX, 248. . £ , . , 

2IH ) Obszönitäten. Kritische Glossen von Pierre Bayle. Bearbeitet von Dr. Altrea Kind. 

Berlin-Wilmersdorf 190S. 

- l ") Vgl. meine „Geschichte der erotischen Literatur“, S. 5S6. 

22 °) Drei Jahre „Schmutz und Schund“ im: „Berliner Tageblatt , Nr. 597 \om 19. De¬ 
zember 1929. , , ^ , ... T 1 

-’ 21 ) Die Rechtsprechung der Oberprüfstelle für Schund- und Schmutzschriften im Jahre 

1928; im Börsenblatt für den deutschen Buchhandel, Nr. 34 vom 9. Februar 1929. 

-22) Dj e E r otik im Volksroman: Zeitschrift für Sexualwissenschaft, 1. Jahrgang 1914, 

S. 466. 

--') Vgl. 'kd. Fuchs, Geschichte der erotischen Kunst, Band II, S. 221 und Tafel nach 

S '--' 5 ) 4 im B ^Mus’ec S roya^dc 7 Naples, «binet secret“, Paris 1S36 und Fuchs, „L’Element 
erotique dans Ia caricaturc“ findet sich eine Abbildung. 

-- 0 ) Abbildung bei Fuchs, Illustrierte Sittengeschichte, Erg.-Bd. III, S. 41- 
-’-••) Abbildung bei Fuchs, Geschichte der erotischen Kunst, Bd. II, S. 276. 

2 - s ) Abbildungen bei Fuchs, Erot. Kunst, Bd. III, 164, 167, 173» 1 7 > T 7 • 

2MI ) Gesell, d. crot. Kunst, Bd. II, 227. 

23 °) Fuchs, Gesell, d. erot. Kunst, Bd. III, 15S. 

23i\ ^ ^ O., S. 159. (( 1 

S 32 \ Abgedruckt in meiner „Geschichte der erotischen Literatur“, S. 44 M 5 - 
233 ) A. Moll, Handbuch der Sexualwissenschaft, Leipzig. 2. Aull., b. 55°- 
Abbildung bei Fuchs, Erot. Kunst, Bd. I, S. 13. 

233 ) Vgl. Grand-Carteret, Die Erotik in der französischen Karikatur. Wien, C. W . Ste , 


vgl. oraiiu-^aiL^iu, “ .. 

9 2:ut) S v g L Erotische Märchen. Berlin 1920. Privatdruck. S. 5 ff- Tf , . $ ,g. 
23 ') Abgebildet auch bei Fuchs, Illustrierte Sittengeschichte, Erg.-Bd. II, Tafel nach S. 

-'■'») Abbildung bei Grand-Carteret, Le Dccollete et le Retrousse. Pari . J. 

23») Vgl. die Abbildung bei Cary v. Karwath, Die Erotik in der Kunst, Wien 190S, 

S. 241. 

210) Abbildung bei Moll a. a. O., S. 552. . TT o o, Tifel bei 

S. Ti A “a n fd vol S F T 5 h 2 ; Tafel UrS. 5^ S. ^33, W Bd. HI, 

S ,«) 7 Vg| !? ’noch die Abbildungen bei Fuchs. SiieengeschichM. Erg-Bd^n, S. ... 9b 

vor S. L; Ercische Kuns. Bd. II. S Dubois-Deseule. 

<«) Die Sodomie in der luerarischen Dersee 1 S j„ r idique. Peris, Charles 

erosie, MOncben ,»,a. Bd. I. 


S. 269. 


325 


-ir\ Memoiren der Fanny Hill. Bibliographie. Stuttgart 19’S 

” ) Hayn-Gotendorf IX, 255. 

J '*‘) Hayn-Gotendorf I, 133. 

Hayn-Gotendorf II, 591. 

vY* ^^^Sraphie des oux-rages reiatifs a l’amour, Auflage, ßd. III, S. V C2. 

Nr. I495 GnScbadl ’ Welthteraturkatalog eines Bibliophilen, 2.' Auflage, Berlin 1904, 

TO _^c: VgI ‘ Ga> ’ Bd ‘ V1 ’ 39) ‘ Und En * hsch ’ Gcsc hichte der erotischen Literatur. Stuttgart 

1927. b. 403. 

-'-j Hayn-Gotcndorf, Bd. VI, S. iuS 
*“) H. G. V. 513 ff. 

”’*) Gay, Bd. I, S. 312. 

;“) H. G. III, J79 —5S r. 

-• ,c ) Englisch, S. 397—401. 

■’ 7 ) Gay I, 16. 

;; h ) Gay III, , 4 , / 2. 

* 7 ’) EI. G. I, 109—112. 

™") R G bil m' S bCi 59 -6 h , S ’ GCSCh,ClUC der crotisch ' Jn Kunst. Berlin ,9,8. Ahb. ,4. 

H. G. n/29. 

S8: ‘) EI. G. VI, 159. 

EI. G. I, 256. 

L,ßr ') H. G. I, 59. 

; 0ß ) H. G. VI, 521. 

H. G. III, 579 -5S1. 

H. G. IV, 2S5-2S9. 

Englisch, Geschichte usw., S. 464. 

) Vgl. die Bibliographie von Englisch, s. o 

- 71 ) H. G. II, 42/3. 

27 -) H. G. VIII, 246/8. 

” 3 ) Gay II, I4 g. 

„_j VII, 218—220; IX, S. 395—397. 

-‘ J ) H. G. VIII, 677/S. 35 397 

”") H. G. I, 219. 

*“) H. G. IV, 219. 

•-'/) EI. G. I, 61. 

EI. G. VI, 519. 

EI. G. II, 59I . 

“9 EI. G. III, 33. 

■12 R a , h v rbUC T»-n“ UtSCh ^ Bibl iophilen, 10. u. Jahrg. Wien i 9M Sa’ ,, 

,J ^«^Bibliographie. Leipzig, Adolf Weigel, ,926. S ' ’ 44 ‘ 

~ä “1;l n d " Mona Lisa ' **■* s - 

«L 1 '/:/ 1 ' Elorcn“, Jahrgang 4, 1928, Heft 5, S. 427-432. 

und Kunst. Wien i^o^nd wird hie r^ vcroffcntl| cht im Bildcrlcxikon. Literatur 

Wien, übernommen H Genehmigung des Verlags für Kulturforschung 

tige" , J->3 C. tnmm, „U.mich- 

Protest gegen die Zensur Miinrbe ' u cr ’ Rechtsprechung und Kunst. Ein 

deutsche Republik. Hannover iq’t cT Blei), Unsittliche Literatur und 

der deutschen Justiz. Basel o T~ i It) ,e\ T ’ Krauss, Wider die Unzuchtschnüffler 

Wickelkinder. Berlin J 8 - Ritz KarnfT V r R ° St > AuS dci11 Lande der 

und Wien 1924. 9 ^ Karpfcn * Kunst - Erot 'k. Sittlichkeit. Essays. Leipzig 

'- w ) Zeitschrift für Bücherfreunde 


326 


1 <m> Belbl. S. 82 


- M ’) „Berliner Tageblatt“, Nr. 492 vom 27. September 1913. 

- 1H) ) Vgl. „Berliner Tageblatt“, l\ T r. 160 vom 4. April und Nr. 1S3 vom 19. April 1922. 
• 01 ) llGSt. Bd. 61, S. 379, 3S2, Urteil vom 27. September 1927. 

„Berliner Tageblatt“, Nr. 567 vom 11. Dezember 1920 und Nr. 570 vom 13. De¬ 
zember 1920. 

- l,a ) „Breslauer Gen.-Anz.“ vom 1. September 1912. 

- ia ) „Berliner Tageblatt“, Nr. 599 vom 30. Dezember 1920. 

- ,,r> ) Vgl. Wolfgang Heine, Der Kampf um den Reigen. Berlin 1922. 

- l>n ) „Berliner Tageblatt“, Nr. 89 vom 23. Februar 1921. 

- M,T ) „Berliner Tageblatt“, Nr. 25 vom 16. Januar 1921. 

- l,s ) „S Uhr-Abendblatt“ vom 2. April 1929. 

-™) Vgl. Erich Mühsams aufschlußreichen Artikel „Bierulk mit Bedeutung“ in „Voss. 
Ztg.“ vom 26. Oktober 1928. 

3 ««) Vgl. Wiener „Neue Freie Presse“, Nr. 14.S39 vom 13. Dezember 1905 und „Deutsche 
Revue“ 1900, S. 97 ff. 

;J,M ) „Berliner Tageblatt“, Nr. 503 vom 6. November 1921. 

:hi -) „Berliner Volks-Zeitung“ vom 18. Juli 1912. <t 

3 « 3 ) Vgl. die regelmäßigen Berichte in der Monatsschrift „Die Stimme der Freiheit , 

Berlin. ^ 

:un ) Stephan Ehrenzweig in „Das Tagebuch“ vom 29. Dezember 192S. 

RGSt. Bd. 34, S. 365; Bd. 57, S. 175. 

3 "“) RGSt. Bd. 46, S. 117. . ^ , _. . 

:l " 7 ) Entsch. d. RG. vom 27. Februar 1928; 3 D 1186/27 in: Deutsche Richterzeitung 

9 «os , j Vgl.^Arthur Zucker „Die Filmzensur in den Vereinigten Staaten“ in: „Illustrierte 
Filmzeitung“ des „B. T.“ vom 4. Oktober 192S. 
mio) Nr. 112 vom 15. Mai 1930. 

:uo ) „Die Stimme der Freiheit“ 1929, S. 12. 

:U1 ) „Die Stimme der Freiheit“ 1929, S. 83. 

31 -) „Montag Morgen“ vom 21. Mai 1928. 

313 ) Arthur Singer in: „Berliner Tageblatt“, Nr. 11S vom 11. Mäiz 1927. 

3n ) „Die Stimme der Freiheit“ 1929, S. 84. , o 1 1 r,,i 

«») Dr. Baumgardin: „Kölnische Zeitung“ vom 27. Dezember 192S; vgl. auch Karl 
Hießen, Faust als Schmutz und Schund, in: „Kölnische Zeitung vom iS. Dezember 9 -- 
:11B ) „Neue Berliner Zeitung“, Nr. 56 vom 8. März 1926. 



I 






PERSONENREGISTER 


A 

Alberti, Conrad 29S 

Alberti, R. 30S 

Althing 56 

Ambras, Schloß 122 

Amethyst S2 

Antonio, Carlo 51 

Aphrodite-Verlag 92 

Apollinaire, Guillaume 46, 4 $, * 7 ° 

Apulejus 226 

Archenholtz 51 

Arden, Lutz (ps.) 271 

Aretin, Freiherr v. 130 

Aretino 42, 85, 1I9'I20 

Ascham, John 52 

Ashbec, Sir Spencer 156, 164 IT. 

Asselineau, Charles 29 

Aumalc, Herzog v. 124 


B 

Balzac, IIonor£ de 31, 146 
Banville, Theodore de 29 
Barbey, d’Aurevilly 35 
Barbier, A. A. I 2 J 
Barbier, Olivier 38, 17 ° 

Barsdorf, Hermann 75 
Batacchi 91 

Baudelaire, Charles 29. 30, 31, 3 2 , 
34, 36, 148, 150T 
Bauer, A. 49 
Bayle 190 

Bayros, Marquis Franz de 224, 24 1 , 
244 , 2 46,7 

ßeardsley, Aubrey 91, * 44 , 242 
Benis 247 
Berneis 224 

Besnaux, Maurice 242, 271 
Bessmertny, Alex. 190 
Beverland, Ad. 13° 

Bibliothcque des curieux 46 
Bibliotheque nationale 158 
Bierbaum, O. J. 155 
Bimini-Club 92 

Bimini-Gesellschaft 92/3 


Biro, Ludwig 31 3 
Blei, Franz 190, 22S 
Blcichröder, Werner v. 132 
Bloch, Iwan 132 
Blondat, Max 226 
Blumenthal, Oskar 304 5 
Boccaccio 226 
Bon, Pierre 13 
Bonaventure 17 
Bonneau, Alcide 3S, 42 
Boris, Laszlo 343, 248/9 
Boulard, Marie Henri 12S 
Brakl 99 

Brancart, Auguste 44 
Brandt, Paul 132 
Briflaut, Georg u. Robert 46 
Brissart-Binet 5 
Britisches Museum 156, 15 * 
Brockhaus 56 
Broise, E. de 29 
Brookes, John Benj. 52 
Brown (England) 52 
Brown, George 56 
Bruckner, Ferd. 301 
Brüning, Max 243, 249, 250 
Brunet 35 , I2 4 , J 70 
Busch, Ernst 271 
Busch, Wilhelm 3°7 
Byron 188 


c 

Campell, James 1667 
Camus, Gaston I 24 ' 5 , 158 
Carl August v. Sachsen- Weimar 
122/3 

Carrington, Charles 49 
Carus, G. G. 58, 60 
Casanova 56, 284 ff. 

Castelli 153/4 
Cazin 2—6 
Champfleury 29 
Cbasles, Philarete 29 
Chauvet 18, 27 
Chesterfield, Reginald 56 7 
Choderlos de Laclos 144 


Choiseul 113 

C.horler, Nie. 43 , 0 ?, 93 

Christern, Aug. Wilh. 64 
Christiaens, A. 44 
Christophe Franz 252 
Cleland, John 50, So, 93 
Cohen, Henry 170 
Collectionneur-Club 92 
Conrad, Heinrich S 5 , 90 
Conradi, Hermann 29s 
Contades, Gerard de 40 I 
Cordesmühl, Dr. Georg (ps.) SS 

Corinth, Lovis 252-255 

Corrinth, Curt 306 
Crebillon fils 151 
Crepet, Eugen 45 
Curll, Edmund 50 


1 ) 

Daffis, Paul 367 

Daudet, Alfons 29 

Dautrie, Emmanuel 3S 

Davernos (ps.) 215 6 

Delahays, Adolphe 44 

Delepierre, Oct. 125, l 6 7 

Delvau, Alfred 29 

Deshayes, Louis Victor 13 

Deutsche Bücherei 159 

DevSria, Achille u. Eugene 81 

Diaz N. N. 223 

Dickenson 52 

Diderot 90, 13S 

Digel, Wilh. 70, 75 

Dinaux Artur 125 

Dix, Otto 255 

Dohrn, G. R. 76 

Dolsenhain, Hans 106 

Don Juan Casanova 76 7 

Dresdner Bibliothek 158 

Droz, Gustave 39 . 48 

Drujon Fernand 125, 174 

Dry butter 50 

Dubarry 120 

Dubut de Laforest 136/7 

Dugdale, William 52 



Dumas, Alexander (Vater; 14S 
Duncombc, Edward und John 52 


E 

Eckstein, Richard 76 
Eichenberg - , Julius 87 
Eichhorn, C. 1O3 
Eiland-Verlag go 
Einsle, Anton 174 
Elite-Verlag 194 
Elüs, Havelock 54 
Englisch, Raul 170 
Eri-Gesellschaft 92 
Erler, Fritz 242, 255, 271 
Ernst, Otto 305 
Eros-Gesellschaft 92 3 
Eros-Verlag 90 


F 

Fassmann 204 
Ferkes, Waldemar fps.; 94 
Ferling Max 93, 97 
Fevre-Desprez 43 
Feuerbach, Anselm 295 
Feuerlin 130 

Fiedler, Dr. Richard ps ., 85 
Fingesten, .Michl 243, 255-257 
Fischhabcr 5O, 70 
Flammarion, Camille 113 
Flangarin, Jules fps.; 08 
Flaubert 35, 14Ö 
Meißner, Marie-Luise 302 
Fieuret, F. 170 
Forberg, Fr. Carl 192 
Fragonard 229 
France, Hector 43 
Freund, Fritz 83, 85—87 
Fried, Freiherr v. fps) 94 
Frölich, Max 271 
Fuchs, Eduard 82 
Fujita 50, 242, 271 


G 

Gaal, Margit 112, 271 
Gaugusch, R. i 5I 
Gautier, Theophil 29, 31, 33| 230 
Gay, Jean 24—27 

Gay ’ J ules J 5-27, 31, 32, 46, 112 
IG7 8, IQ2 

Geiger. Joh. Nep. 81 
Geiger, Willi 90, 243, 257 
Gergely, Alexander 243 
Gerl ach 70 

Gesellschaft deutscher u. üsterr 
Bibliophilen 84 

330 


Gesellschaft österreichischcrBiblio- 
philen 7S 
Gillr.iy 223 
Girouard, J. J. 0—9 
Glatigny, Albert 30, 32 
Godal, Erich 258 
Goethe 151 

Goldmann, Wenzel 195, 19 , 

Goncourt, E. u. J. 30, 31, 114, 125 

Gotendorf, Alfred N. 1O9 

Gr.'iff, Heinrich 70 

GiäfFer, Franz 73 

Grand-Carteret, John Si 

Grecourt 48, 5O 

Grein^r, Otto 243, 25S 

Grigoriew, Boris 271 

Grimin, Gustav 87 S 

Grisebach, Eduard 132, 154 

Groß, Georg 271 

Großmann, Rudolf 271 

Günther, C. G. 102 

Gutzkow, Karl 314 

II 

Hacker, Willy 110 

Hamm, Eugen 271 

Hammer, Peter 1 

Hancarville 90 

Handl, Willi SO 

Hankey, Frederic IIS 

Hartcupp, A. 44 

Hartleb, Hermann 88 

Harz, Benjamin 132 

Hauer, Karl 90 

Haufe, Richard 97 8 

Haugwitz, Gräfin 131 

Hauswirt, E. 131 

Hayn, Hugo 124, 1O9, 170, 172 

Hegemann, Richard 213, 271 

Heilbut 5O 

Heine, Willy 84 

Heinse, Wilhelm 151, 189 

Helpey bibliophile 50 

Hennigs 70 

Hermann, Georg 154 

Himburg, Chr. Fr. 70 

Hodann Max 30O 

Hoffmann, E. T. A. 153, i<-g 

HofTmann, Willy igO 

Ilolzinger, Friedrich Karl 93, 134 

Hortense, Königin 121 

Hotten, John Camden 52—54 

Ilouben, H. II. 175 

Huber, A. Hilmar 93 

Hugo, Victor iSS 

I 

Isenbiel, Dr. Martin (psj 85 
Insel Bimini s. Bimini-Gesellschaft 


Internationaler Zentr.ilvcrband der 
Bibliophilen 9 » 

Internationale Vereinigung zum 
Studium der Sex ualwissenschaft.jS 


.1 

Jacobs 193 

Jagerspacher, Gustav go 
Jannet, Paul 3S, 125 
Janowski, Fritz 271 
Jaugey, Louis 44 
Jemscli, Fritz 92 
JohndorH 93 
Josha, Carl (>o 
Jouaust 17 
Junker, Karl 174 

K 

Kamm, Paul 242, 243, 25t) 

Kapitän Ulysses 130 

Karwath, Caiy von So 

Kausen, Armin 304 

Keller, Rudolf 271 

Kerhany, Chevalier de llO —IlS, 1O4 

Keyssler 122 

Kind, Alfred 91 

Kirchner, Rudolf 271 

Kiss, Robert 271 

Kistemaeckers, Henry 36, 43, 44 
Klemm, G. 1Ö3 

Klemm, Walter 224 5, 243, 259-261 

Kley, Henry 90, 271 

Klimt, Fritz 242 

Klinger, Frd. W. v. 189 

Klinger, Julius 242, 271 

Klinger, Max 271 

Kopp, Otto 90 

Kraus, Oskar 307 

Krauss, Fr. S. 132, 231 

Kremier 124, 1G2 

Kühn 70 

Kurth 97 

Kutschera 92 


I, 

Lacroix, Paul 12O 
Lacour, Louis 29, 30 
Lafossette, Claire de (ps.; 80 
Lamezan, Graf 132 
Landsberger, Arthur 102 
Lang, Ritter v. 124 
Langlois 47 
Laporte, A. 170 
Lavedan, Henri 134 
Lebegue 81 

Lecrivain, Alphonse 32 


Lehar, Franz 30S Murr, Christoph G. v. 130 

Lehnert, Maximilian 91 Müsset, Altred de 43 , 93 , *45 0 , *51 


Leipziger Verlag 76 
Lcmtcrc, Francois 13 
Leinonnyer 23, 32, 43, 16 S 
Lemort Henry (ps.) Si 
Le Poitevin 223 
Leskoschek, Axel 243, 261.2 
Librairie de la nouvelle France . 
Lichtenberg Ilf», 1?-3 
Lichtenthaler I 2 .J 
Liebenstein, Joh. 131 
Liseux, Isidore 36, 38, 42, 43, 4 r ‘, 
114, I 

Lucius, Joh., Jac. 162 
Ludwig I. von Bayern 12.1 
Ludwig, Dr. Rudolf S7, 132 
Ludwigsburg, Schloß 122 
Lungwitz 30Ö 
Luther, Martin 204 


31 

Mac Orlan 50 
Maele, Martin van 271 
Maria Theresia 7 ° 

Marie-Antoinette 120 I 
Marteall, Pierre l 
Martens, Kurt 154 
Mascha, O. 131 
Masse S-n 
Masser, Anton 271 
Mathicux 271 

Maupassant 43 , 140 — 14 -b 22S 
M’Donald 51 
Meisel, Fritz 271 
Mell 301 

Mendham, Joseph 174 
Mercicr 6 

Merimee, Prosper 30 
Mertens & tils 17, 31, 32 
Met zu er, Ernü 242 
Meusnier de Querion 189 
Michelsen 70 
Mirabeau S5 

Mirbeau, Octave S7, 22S, 232 4 
Mitford, M. 52 

Mösle, Johann Georg, Reichs¬ 
ritter v. 701 
Moliere 314 
Moll, Albert 132 
Monnier, Henry 145 
Monselet, Charles 30, 31, 35 , 39 , 
40, I2ö 

Moreck, Curt 307 

Morgan 51 

Montez, Lola 229 

Müller, Georg 90 

Münchner Staatsbibliothek 15S 


N 

Nadaillac, Graf 126 
Ncd von Baggo 199 ff. 

Xerciat, Andrea de 190, 232, 234 
Neuenstein 130 
Neuhaus, Dr. phil. >4 
Neumann, Angelo 58 
Neumann, R. K. 104, 197 
Neuse, C. 70 

Nicola, Johann X’. 131, 159 
Ninon de Lenclos 135 
Nobody 30 
Nodier, Charles 126 
Noel, Fr. I2Ö 

0 

Obrätil, Karel Jaroslav 112 
Or, Fernand d’ 271 
Orntkleios 242 
Osterloh 97 

P 

Pachinger, A. M. I 3 L I< ^ 1 
Palais Bourbon 15S 
Pannonia $7 
Pascin 271 
Patin, Guy 12Ö 
Paulmy, Marquis de 12O 
Peignot, Gabriel 12Ö 
Perceau, r.ouis 168/9, 170 
Philipp, M. E. 262, 264 
Philipp IV. v. Orleans 121 
Phönix, Der 90 
Pichen, Jeröme 127 
Pineebourde, R. 3 1 
Piper & Co. 90 
Piron S2 

Pisanus Fraxi 111 , 156, 15S, 164 IT, 
Pithon, Antoine (ps.) 232 
Pixerecourt, Guilbert 127 
Plättner, Karl 307 
Plantikow 271 
Platen, Aug. Graf v. 155 6 
Polizeipräsidium Berlin 119 
Pompadour, Marquise de 120 
Poulet-Malassis, A. 18, 20, 2S—42, 
46, 150 

Preußische Staatsbibliothek 15S 

Prinz, August 54 - 66 

Q 

Quaritch 23 

Querard, Joseph-Marie 127, 170 
Queri, Georg 90 


Ra^on, Simon 17, 26 
Rantzi 271 
Rautenstrauch 73 
Redway, George 174 
Regina-Verlag 194 
Regnier-Beckcr, Felix 13 - 15 
Rein 70 

Renner, Paul 271 

Renouard, A. A. 127 

Restif de la Bretonne 139—140, 151 

Reznicek 295 

Richter, Joseph 74 

Robert v. Parma, Herzog 131 

Rochester 50 

Roda Roda 313 

Rodenstein, Ferdinand 934, n6. 134 
Rosen-Verlag 194 
Rosenberg, Baron v. 64 
Rosner, Carl Leop. 77 
Rouillon, Paul 38 
Rousseau, J. J. I 4 S 
Rowlandson So 
Rudolf 96 7 


s 

Sachs, Fritz S7;S 
Sachs, RoB 271 
Sachs & Pollak S7 S 

Sacre-Duquesne 36 

Sade, Marquis de 8. 13, 45. * 40 * 

237 

Sainte-Beuve 30, 150 1 
Scaliger, Joseph 102 
Schaumburg, Carl 75 
SchefTner, J. G. 2350 
Scheible, J. 66-68, H2 
Schiele, Egon 264 
Schiller, Fr. 15 1 
Schindler, Willy 83—85 
Schirmer 9S 

' Schlegel, Friedrich 100 
Schlichter, Rudolf 264 3 
Schlögl 131, 162 
Schmiede, Die 9S 
Schneider, Friedrich 55 
Schnitzler, Arthur 86 , 3 °o 
Schönberg, Eva 271 
Schönebeck, Joseph 164 
1 Schönherr, Karl 30° 

Schoff, Otto 242, 265 6 
Schopenhauer 151/2 
Schroeder-Devrient, Wilhelmine 57 
bis 63, 93, 234 

Schubert, M. 271 
Schwalbe 92 
Schwimmer, Dr. (ps.) 94 
Seiner au, Alfred go 1S9 



Semper-Verlag 90 
Scnac de Mcilhan 4S 
Servaas van Roojen 175 
Simon 70 
Sluys 44 
Smith 52 

Smith, Archibald 243, 271 
Soleinne, de 127 
Soltyk, Roman 67 
SornofT, Constantin 90. 2667 
Spier-Irving 103 4, 104 5 
Stcegcmanri, Paul 92 
Steiner-Prag, Hugo 271 
Steinroder, Dr. rps.; 94 
Stendhal-Beyie 144 5 
Stern, Bernhard bl, 132, 164 
Stern, C. W. 77—84 
Stockmann, Helinuih 243 
Strauß, Max 134 
Sudbury, John 52 
Sulüvan, Graf O. 131 
Swinburne 52, iSS 
Sylvestre, Theophile 30 
Szittya 102 


T 

Tarone, Pietro 56, 70 
Thurn, Fritz 190, 211 
Tieinann, Walter 271 
Topolinsky 92 
Tossoni, Giovanni 70 
Tralow, Joh. 306 
Trattner, Edler v. 70—72 
Trelde, Alfred 99 
Tricotel, Edouard 187 
Turgot 113 
Turner, J. 52 


r 

Utfcnbach 130 
Fhl, Joseph 271 
Ulrichs, Karl Heinrich 61 
Uzanne, Octavc HO—11^, 1^5 


V 

Valliere, Duc de 12S 

Varause fps.; 225 

Venlcro, Lorenzo 22b 

Venustempel, Der 94 

\ erein deutscher Bibliophilen 93 

Verlag- der Spiegel So 

Verlagsanstalt in Leipzig 64 

\ erlagsbureau Altona ^5 

Verlaine 92 

Vertes 50, 242, 267 

Villeneuve, B, de 4S 

Viollet le Duc 170 

Vital-Puissant 44, 46 

Voisenon 90 

Vokativus 64 

Vollmer 70 

Voltaire 226 


\V 

Wage 11er, J. J. 56 7 
Wagner, Wilhelm 267-269 
Wallishauer, Joh. B. 75 
Walloth 29S 
Walser Karl 271 
Wandt, Heinrich 307 
Weck-Erlen 82 
Wegen, Gebrüder 97 
Weigel 271 


Weigel, Adolf 1323 
Weißgerber, Ant.ni 00 
Welkh.immer 99 
Weiter, II. 4S 
Werther, Richard \j 
West, William 32 
White, Edward 52 
Wieble, Otto *j 2 
Wieland 151 

Wiener Stadtbibliothek 150 
Wiener Verlag S5 
Wilhelm II. 124 
Willy Ss 
Wilson, John 52 
Windhagen 271 
Winkelmann 152 
Wolf (in Jena; 122 
Wo!ff, Kurt 111 
Wucherer, Cg. Ph. 73 —7s 


Y 

Vasuda, Minor 90 
Young 52 
Yve-Plessis 172 


z 

Zabezynski, Kurt 241 
Zeitschrift für Sexualwissenschalt 

175 

Zentralpolizeistelle 156, 158—161, 

176 fT. 

Zichy, Graf 242 

Zille, Heinrich 214, 216, 269 271 
Zola, E. 146, 14S 
Zuckmayer 301 


SACHREGISTER 


A 

Anandrynes 4S 
Ansichtskarten 273 ff. 

Autour d'un clochcr 43 
Apophoreta 102 

n 

Balkangreuel 81 
Bauernerotik 90 

Bibliographie des ouvrages relatifs 
a 1’ainour 23 
Bibliographien 162 fl. 

Blätter für Bibliophilen S.j 
Blutschande 213—21S 
Börsenblatt für den deutschen Buch¬ 
handel 175 
Bonbonniere So 
Bulletin trimestrioll 17*« 

V 

Campbell-Akte 54 
Chroniques libertines 4 S 
CotTret du bibliophile 4® 
Correspondatice de Madame Gour- 
dan 48 

Curiosa der Weltliteratur SS 
Curiosite litteraire et bibliogra^ 
phique 43 

I) 

Denkwürdigkeiten des Herrn v. II. 

93, 1*13 

Dictionnaire des ouvrages ano¬ 
nymes jß 

E 

Ebugors (— Bougres) 4S 
Enfer l70-*72 

Erotika und deren Verfasser 231 tf. 
Erotik in der Kunst So 
Erotik in der franz. Karikatur Si 
Erzählungen am Toilettentisch 90 
Exlibris, Erotische 112 


F 

Kahndungsblatt 175 
Fiktion iSS ff. 

Film verböte 3°2 ff. 

Flagellantismus 91. 193 
FJeurettens Purpurschnecke So 
Foutromanie 4S 

Frankreichs Erotik 90, 106, 160 

G 

Gamiani 43. 85, 225 
Garten, Der duftende S5, i-13 
Geheimkabinett 85 
Gemmen 66 

Germania von Pater Elias 7- 
Giftschrank 156 fT. 

Graphik, erotische 161 
Grenouillere 90 
Grunert, James Si, 232 

II 

Hauptsiinden, Die sieben 81 
Hausierer in England 5t 
Herausgeber erot. Schriften 187 fT. 
Hermaphroditus 192 

Hill, Fanny 232 
Hirschpark So 
Hundert, Das tolle Si 

I und ,J 

Jahrbuch für sexuelle Zwischen¬ 
stufen 175 

Japanische Erotik 90 
Iconographie des Estempes 23 
Julchen u. Jettchen a. d. Leipziger 
Messe ö.|, 66 

Jungfernschaft, Verlust der 207 
Justine et Juliette 8, 43, S6 

K 

Kraftbayrisch go 
Kratters Briefe 74 
Klosterpförtner, Der 143, *53 


Kriminalpolizeiblatt, Deutsches 175 
Kryptadia 4S 

L 

Lebensschilderungen 206 
Ledamotiv 224 
Leila 18G 7 
Liebesholdinnen 207 
Lindamine r?2 

31 

Märchen, Erotische Si 
Maitres de l’amour 47 
Maschinengeschriebene Erotika 

91, *92 

Meine Tante Resi 62 
Memoiren 206 

Memoiren einer Sängerin 58—63, 

212, 234 

Mensch und Tier 221 ft. 
Menschenhaut, Einbände aus H3 f 4 
Monuinens de la vie privee 204 
Mutzenbacher, Josephine 867. 93, 
190 

Mystifikationen lSS tT. 

X 

Nonnenklöster 110 
Non plus ultra 66 

o 

Odor di femina 144 
Österreichs Erotik 70—75* 77—84 

P 

Parapilla 4S 
Parnasse satirique 3* 

Perlen älterer romantischer Prosa 90 

Photographien, eiotische 161 
Polunbi-Katalog 171* 1S3 
Privatdrucke 201 tT. 

Prüderie 293 fT. 

Puttana errantc 4- 


332 


333 



R 

Roman du Cure 43 

Roman eines Schlafzimmers 93 

Rumänien 1SÖ7 

s 

Sammler von Eroticis 101 ff , n3,119 
Schamhaare für Einbände HG 
Scherzartikcl, erotische 1O1, 1S2 
Schlachten der Venus 51 
Schlüsselloch-Motiv 207 
Schoßhund 229 

Schützengraben-Zeitungen 110 
Schule der Venus 51 
Schund- und Schmutzgesetz 194 ff. 
Schwester Monica 153, 189 
Sexualprobleme 175 


Skatologie 104 
Sodomie 221 ff. 

T 

•Taschenbuch für Grabennymphen 
7*1 5 

Tausend und eine Nacht ^0 
Technik des Absatzes 199 ff. 
Technik der Erotika 2COff. 

u 

En ete ä la Campagne 39. 4S 

V 

Venus dans le cloitre 50 
Venus occidentalis 85 


Venus orientalis S5 
Venus wagen 299 

Verfolgung erotischer Schriften 
51 2 , 

Verleger erotischer Schriften I ff. 
Verzeichnis verbotener Bücher 174 5 
Visions erotiqilcs 

W 

Winkelverlcger 51/2 
Witzblätter, französische 10S— 110, 
160 

z 

Zoppino 42, 4S 


1 


V o n demselben Verfasser sind erschienen: 
Im Verlag Julius Püttmann, Stuttgart 

Geschichte der erotischen Literatur. 1927. 

4°. XXIII, 605 S., 112 ganzseitige Bilder 

Das skatologische Element in Literatur, Kunst und Volksleben. 1928. 
8°. 191 S. illustriert. — Zweite Auflage unter dem Titel: An¬ 
rüchiges und Allzumenschliches. Einblicke in das Kapitel ,.Ptui". 

Memoiren eines Freudenmädchens von John 
Cleland. Ein bibliographischer Versuch. 1929. 

* 


Im Verlag Georg Müller, München 

Hayn-Gotendorf, Bibliotheca Germanorum erotica. 

Band IX. Bearbeitet und herausgegeben von 
Paul Englisch. 1929, 4 °- VIII u. 668 S. 


Im Verlag Gotthard Roll & Co., Berlin 

Goldcharakter der alten Reichsbanknoten. 

Eine juristische und volkswirtschaftliche Studie. 

2. erweiterte Auflage 1926. 

Plao-iat! Plagiat! Eine Rundschau. 1930. 

* 

Demnächst erscheinen: 

Im Phaidon - Verlag, Wien 

Sittengeschichte des Abendlandes. 
Sittengeschichte der Inflation.